Mit dem Kopf durch die Wand

Neulich erwachten des Kindes Vater und ich irgendwann zwischen Mitternacht und Morgen. Die übermotivierten Singvögel, die uns gewöhnlich ab halb vier akustisch foltern, übten sich noch in vornehmer Zurückhaltung, es konnte also noch nicht allzu spät gewesen sein. Kein Ton war zu hören, ausser dem Rauschen des kleinen Wasserfalls und eines regelmässigen “Tock-tock-tock”.

Im Halbschlaf zündete ich das kleine Nachtlicht an und sah folgende Szene:
Unser Sohn, seines Zeichens 9 Monate alt, kniete auf allen Vieren vor der Wand und versuchte, mit dem Kopf durch eben diese eine Bresche zu schlagen. Im tiefsten Nachtschlaf verfolgte er seine Absicht mit grösster Ernsthaftigkeit, ohne auf Rufe oder Streicheleinheiten meiner einer zu reagieren. Da sich die Software unmissverständlich in einer Endlosschleife befand, sah ich mich gezwungen, ihn mechanisch von der Wand zu entfernen, auf dass er sich keine bleibenden Schäden zufüge, und ihn von Hand zu rebooten. Für einmal ging Letzteres ohne Geschrei von statten – es reichte, ihm den Nuckel in den entsprechenden Slot einzusetzen – und wenige Sekunden später schliefen alle drei wieder ganz friedlich (richtig, der Göttergatte hatte sich nur mit einem undeutlichen Murmeln umgedreht, was ein gutes Recht ist, da er am darauf folgenden Tag in die Fabrik musste).

Solche und ähnliche Begebenheiten kommen immer wieder vor, solange die Kleinen so klein sind. Deshalb bin ich froh, dass wir – ursprünglich aus der Not heraus – zum Familienbett gefunden haben, respektive der Kleine im Beistellbett im elterlichen Schlafzimmer schläft. Man stelle sich nur vor, ich müsste jedes Mal, wenn etwas ist, aufwachen, aufstehen, den hellwachen (schliesslich musste er laut und lange genug heulen, um mich zu wecken) Säugling beruhigen, wieder einschläfern, dann mich selber wieder einschläfern…

Nee, das halte ich nicht für nötig und bin froh, im Vergleich zu einigen mir bekannten “mein Kind muss unbedingt alleine schlafen”-Müttern pro Nacht etwas Ähnliches wie sechs oder sieben Stunden Schlaf am Stück zu bekommen. Der Tag, an dem der Kleine seine sieben Sachen packt und in sein eigenes Zimmer umziehen will, wird auch so noch früh genug kommen.

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