Sie macht die Hausarbeit und er befürchtet, dass sie zu kurz kommt

Wisst ihr noch? “Ich manage ein kleines Familienunternehmen” als synonym für das Dasein als Hausfrau? Trotz der vorwerk’schen Bemühungen, Hausfrauentum aufzuwerten, hat sich in den letzten 20 Jahren nicht viel geändert.

(dieser Artikel erschien zuerst bei lokalo24.de)

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Vorwerk Familienstudie 2013: Sie macht die Hausarbeit und er befürchtet, dass sie zu kurz kommt

VON KATHARINA BLEUER

„Muß ich, um ein wahres Weib zu sein, bügeln, nähen, kochen und kleine Kinder waschen?“ fragte Hedwig Dohm 1903 ihre Leserschaft. Wenn es nach den 11’012 Menschen geht, die das Institut Allensbach im Auftrag der Firma Vorwerk 110 Jahre später zu verschiedenen Familienthemen befragte, scheint die Antwort „JA“ zu sein.

Vorwerk, der Wuppertaler Hersteller von Haushaltgeräten, beauftragt seit 2005 das Institut für Demoskopie Allensbach alljährlich mit der Befragung von gut zehntausend Deutschen. Die Fragen behandeln verschiedene Themen aus dem Bereich Partnerschaft und Familie. Überraschungen gab es auch bei der am 25. November veröffentlichten Familienstudie 2013 keine. Außer vielleicht der Tatsache, dass Väter heute weniger als vor 20 Jahren bereit sind, ihre Berufstätigkeit zu reduzieren, damit die Partnerin ihrerseits mehr arbeiten kann. Auch weniger Frauen würden das von ihrem Partner erwarten oder gar verlangen. Trotzdem könnten sich mehr Frauen und Männer als 1993 vorstellen, dass der Mann in Elternzeit geht oder abends die Kinder beaufsichtigt, um der Frau mehr Freiräume zu verschaffen.

Haus- und Familienarbeit ist noch immer Frauensache

Vom beruflichen Standpunkt aus gesehen bevorzugt ein Großteil der Befragten also eine traditionelle Rollenaufteilung, bei der die Berufstätigkeit des Mannes Priorität hat. Aber obwohl nur gerade 32% der Mütter von Kindern unter 16 Jahren nicht berufstätig sind, sagen 77%, sie würden die ganze oder die meiste Familienarbeit im Alleingang bewältigen und 20%, sie teilten sich die Haus- und Familienarbeit zur Hälfte mit ihren Männern.

Letztere sehen das jedoch anders: Mehr als 35% der befragten Männer sind überzeugt, dass sie die Hälfte der Haus- und Familienarbeit erledigen.

Männer und Frauen sind gleichermaßen davon überzeugt, dass in Familien mit Kindern vor allem die Bedürfnisse der Mütter zu kurz kommen: 65% aller Frauen denken so und sogar 73% der Männer.

Woher kommen die Unterschiede in der Wahrnehmung?

Leider liefert das Institut Allensbach bzw. die Firma Vorwerk keine Hintergrundinformationen zu den erhobenen Zahlen.

Gehört das „bügeln, nähen, kochen und kleine Kinder waschen“ zum Frausein einfach automatisch dazu, wie Hedwig Dohm provokativ fragte? Vermutlich nicht! Aber wir können nur darüber spekulieren, weshalb diese Tätigkeiten auch 110 Jahre nach Dohms Streitschrift immer noch größtenteils von Frauen ausgeübt werden. Ist diese Aufteilung eine bewusste, freiwillige Entscheidung, von den Beteiligten so gewünscht? Oder zwingen sie die wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu einer pragmatischen, aber nicht unbedingt so gewollten Entscheidung? Wie hoch ist die Zufriedenheit mit dem gelebten Modell, gefällt es ihnen oder wünschten sich die Elternpaare eine Veränderung?

Dass Männer und Frauen ihren jeweiligen Anteil an der Care-Arbeit so unterschiedlich einschätzen zeigt den Gesprächsbedarf innerhalb vieler Partnerschaften. Auf individueller Ebene können jederzeit neue Kompromisse ausgehandelt werden, auch wenn Politik und Wirtschaft den geänderten Bedürfnissen von Familien nur schwerfällig folgen. Eine ideale familiäre und berufliche Aufteilung ist erst dann erreicht, wenn beide Partner finden, ihr jeweiliger Anteil würde vom Anderen anerkannt und wenn keiner mehr dem Partner oder den Kindern gegenüber ein schlechtes Gewissen haben muss.

Im Internet finden sich zahlreiche Hilfen und Checklisten, um Haus- und Familienarbeit gerechter aufzuteilen. Als besonders nützlich für viele Familien hat sich der Fragebogen „Fairplay at home – Fairplay at work“ des Schweizerischen Büros für Gleichstellung herausgestellt, in dem die Partner ihre Leistung aber auch ihre Wünsche eintragen und sich so eine Diskussionsbasis schaffen können, um neue Kompromisse zu finden. Dabei geht es nicht darum, dass sich beide zu gleichen Teilen beteiligen, sondern dass jedes Paar und jede Familie die Aufteilung findet, die ihren Bedürfnissen und Erwartungen entspricht.

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