Der geheime Garten: Wenn ein Samen zum Aufgehen 30 Jahre braucht

Schon immer wünschte ich mir einen Garten, wie sie in den englischen Herrenhäusern zu besichtigen sind, mit Mauern, die die zarten Rosen vor dem kalten Wind schützen. Und überhaupt: Rosen, ganz viele Rosen. Hohe Mauern, Tore, Gartenwege und ein einsamer Gärtner, der mit müden Knochen seine Schubkarre vor sich herschiebt.

Die Idee eines von Mauern umgebenen, geschützten Gartens, in dem ich alleine werkeln konnte und nur jene Menschen hinein durften, die ich auch dort haben wollte, wurde über die Jahre ein geistiger Kraftort, an dem ich mich bei Bedarf hinbeamen konnte. Aber nur geistig. Und der Wunsch nach einem eigenen, ummauerten Rückzugsort wuchs und wuchs über die letzten 30 Jahre, bis ich ihn mir vor vier Jahren (fast) verwirklichen konnte.

moore on yorkshire dales

Yorkshire Dales National Park

“It isn’t fields nor mountains, it’s just miles and miles and miles of wild land that nothing grows on but heather and gorse and broom, and nothing lives on but wild ponies and sheep”. (The Secret Garden)

Das Moor in Yorkshire. Ich dachte, Yorkshire sei flach, ist es aber nicht, es ist hügelig, ein Flachländer würde es sogar bergig nennen. Ich wollte unbedingt die Moore in Nordengland sehen, so eine kleine, feine Sehnsucht war da in mir drin, schon seit immer könnte man meinen.

yorkshire dales moore

Yorshire Dales National Park

“On and on they drove and though the rain stopped, the wind rushed by and whistled and made strange sounds. The road went up and down, and several times the carriage passed over a little bridge beneath which water rushed very fast with a great deal of noise. Mary felt as if the drive would never come to an end.” (The Secret Garden)

Wir sind viel gereist, vor allem in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre, nachdem wir den Landrover gekauft hatten. Natürlich auch in England und bei unserer mehrere Monate dauernden Reise über die britischen Inseln im Jahr 1999 fanden wir dann auch tatsächlich den Weg nach Yorkshire und in die Herrenhäuser mit ihren Gärten.

Frau sitzt auf Gartenbank

/me 1999, Nordirland

“She could not help thinking about the garden which no one had been into for ten years. She wondered what it would look like and whether there were any flowers still alive in it.” (The Secret Garden)

englischer Garten 3

“When she had passed through the shrubery gate she found herself in great gardens, with lawns and winding walks with clipped borders.There were trees, and flower-beds, and evergreens clipped into strange shapes, and a large pool with an old gray fountain in its midst. But the flower-beds were bare and wintry and the fountain was not playing.” (The Secret Garden)

englischer Garten 2

“And yet when she had entered the upper end of the garden she had noticed that the wall did not seem to end with the orchard but to extend beyond it as if it enclosed a place at the other side. She could see the tops of trees above the wall, and when she stood still she saw a bird with a bright red breast sitting on the topmost branch of one of them, and suddenly he burst into his winter song – almos as if he had caaught sight of her and was calling to her.” (The Secret Garden)

Woher diese leiste Sehnsucht nach den nordenglischen Hochmooren und der Wunsch nach einem eigenen ummauerten Garten kamen, war mir nie ganz klar. Erst als ich neulich zufällig bei Nido Online die Kinderbuch-Lesetipps der Nido-Redaktion überflog, fiel es mir wie Schuppen von den Augen!

“Der Geheime Garten” von Frances Hodgson Burnett (im Original “The Secret Garden”) war eine zeitlang mein absolutes Lieblingsbuch. Das ging so weit, dass ich nicht nur unbedingt einen eigenen Garten haben wollte, sondern auch ein eigenes Rotbrüstchen und einen Freund mit einem Pony.

Die Geschichte spielt in der Mitte oder gegen Ende des 19. Jahrhunderts im englischen Yorkshire. Die kleine Mary Lennox wächst in den britischen Kolonien in Indien auf. Als ihre Eltern an der Cholera sterben, kommt sie zu ihrem Onkel Archibald nach Misslewhite in Yorkshire, England. Archibald Craven gibt sich seit dem Tod seiner Frau der Trauer hin und kümmert sich weder um sein Anwesen noch um seinen Sohn Colin. Als Mary nach Misslewhite kommt, findet sie überal Geheimnisse und Unausgesprochenes. Aus lauter Langeweile fängt sie an, nach dem Garten zu suchen, den der Hausherr nach dem Tod seiner Frau zugesperrt haben soll und den seither niemand mehr betreten hat.

Wie die anderen beiden Bücher Burnetts lebt auch dieses hier von den mitreissenden Beschreibungen und von den Beziehungen der Charaktere untereinander, die sich dank dieser Beziehungen im Laufe der Erzählung positiv verändern. Und wie viele Erzählungen aus dem Zeitalter der Romantik hinterlässt auch diese hier eine Sehnsucht nach der heilenden Kraft der Natur.

“Mistress Mary, quite contrary,
How does your garden grow?
With silver bells, and cockle shells,
And marigolds all in a row.”

Ich musste tatsächlich lange warten, viel länger noch als Mistress Mary Lennox. Aber heute habe ich meinen eigenen, ummauerten Garten, mit Glockenblumen und Vergissmeinnicht, aber auch mit zahlreichen Rosen, Kletterrosen und Beetrosen, Hochstämmer und Zwergen:

kletterrosen an der mauer“It was the sweetest, most myssterious-looking place any one could imagine. The high walls which shut it in were covered with the leafless stems of climbing roses which were so thick that they were matted together…” (The Secret Garden)

“The Secret Garden” im Englischen Original ist in der Kindle-Bibliothek von Amazon gratis erhältlich. Auf Deutsch empfehle ich die wunderschön von Graham Rust illustrierte  Hardcover Ausgabe (Gerstenberg).

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3 thoughts on “Der geheime Garten: Wenn ein Samen zum Aufgehen 30 Jahre braucht

  1. Andrea Mordasini, Bern

    Saletti Katharina 🙂

    Hei, ich bin da heute über einen Artikel auf http://www.minuten.ch gestolpert. In Basel gibt es extra Führungen mit denen verborgene, wunderschöne Gärten entdeckt und besucht werden können. Da habe ich dabei gerade prompt an Dich und Deinen Beitrag hier gedacht ;). Hei, das wäre doch mal was für Dich :)! Guckst Du hier: http://www.20min.ch/schweiz/basel/story/27304865

    Schöni Oschtere und liebi Grüessli

    Andrea :*

    Reply
  2. Pingback: Visiting Houses & Gardens (#BlogLeseLiebe) | Mama hat jetzt keine Zeit

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