Staffelübergabe (Bild: Gabi Eder / pixelio.de)

Immer diese Staffelläufe

Obwohl ich im Vergleich zu heute mal eine sehr sportliche Person gewesen bin, erinnere ich mich an die Staffelläufe im Turnverein nur mit grösstem Grauen: Ich war immer, wirklich und ausnahmslos immer die Person, wegen der mein Team den Lauf verlor. Sei es, weil ich auf Kurzstrecken eine totale Nilpe war (und immer noch bin) oder weil ich grundsätzlich immer den Stab bei der Übergabe fallen liess. Und nun kommt die liebe Cloudette (verrätst Du mir irgenwann, ob man Deinen Namen französisch oder englisch ausspricht?) und wirft mir einen Blogger-Staffelstock zu. Ignorieren geht nicht, sonst wird sie noch auf mich böse. Also:

1. welche Feste (Karneval, St. Martin, Weihnachten…) sind dir mit Kind wieder ans Herz gewachsen (oder auch nicht) – wie feierst du/ ihr zum beispiel Weihnachten (oder schreibe von einem anderen Fest, das dir besonders gefällt)?

Intensiver als vor dem Kind feiern wir die Jahreszeitenfeste, insbesondere die Sonnenwenden und Tag- und Nachtgleichen. Auch Ostern war witzig und in der Adventszeit füllen wir seit Kurzer bei uns lebt einen einfachen Adventskalender. Letztes Jahr war das beispielsweise ein 48-teiliges Puzzle zu dem er jeden Tag 2 Teile bekam.
Weihnachten hingegen haben wir voll und ganz an die Grosseltern delegiert. Vor der Ankunft des Kurzen flohen wir über die so genannten Feiertage immer ins Ausland, das tun wir nicht mehr. Aber wir konnten uns bisher nicht dazu durchringen, Weihnachten zuhause als Familie zu feiern.

2. Was war dein erster Gedanke, als du dein erstes Kind zum ersten Mal zu Hause in Ruhe geniessen konntest?

“Uff”
Nein, quatsch. Als ich meinen Sohn zum ersten Mal zu Hause in Ruhe geniessen konnte, war er schon vier oder fünf Monate alt: Zuerst zwei Wochen auf der Neonatologie, dann mit einem sehr schlechten Gefühl heim. Dann zwei Wochen lang “Stillkrieg” – Ich spreche von alle 2 Stunden 2 Stunden Füttern! Kurzer konnte nicht trinken und noch schlechter atmen, geschweige denn effektiv an der Brust trinken. Also liess ich ihn eine halbe Stunde saugen, gab ihm dann die Flasche, was mit allem Verschlucken bis zu einer Stunde dauern konnte, danach legte ich ihn hin und pumpte meine Milch ab. Danach wusch ich Flaschen aus und danach piepste er schon wieder vor Hunger (brüllen konnte er zum damaligen Zeitpunkt noch nicht).
Unter “in Ruhe geniessen” verstehe ich etwas anderes.
Nach dem Krankenhausaufenthalt infolge seines Atemstillstandes war zwar der Stridor (das Pfeifen beim Atmen) weg, so richtig entspannen und mein Baby geniessen konnte ich aber erst nach vielen Wochen, als ich es irgendwie geschafft hatte, mein Vertrauen in seine Lebensfähigkeit auf einer tiefen, emotionalen Ebene wieder zu finden.
Und dann, ja dann fing das Geniessen an. Wenn man von den fortdauernden Schlafprobleme, Essproblemen und Trennungsängsten absieht und natürlich davon, dass der Kurze mindestens 12 Stunden täglich im Tragetuch wohnte.
Aber irgend etwas ist ja immer…

3. Zu Streit unter Kindern gibt es gewagte Thesen. Wie verhältst du dich in solchen Situationen?

Raushalten und selber austragen lassen, ausser wenn sich mehrere gegen Eines zusammentun oder Grössere gegen Kleinere.

4. Hast du schon jemals darüber nachgedacht, mit der Familie einfach anders leben zu wollen? (z.B. Kommune, auf dem Bauernhof, in einem anderen Land, etc.)

Unser kleines Städtchen kommt einer Kommune schon sehr nahe. Mein Mann und ich haben schon übers Auswandern nachgedacht, sind dann aber pragmatisch geblieben: In der Schweiz ist der Lebensstandard sehr hoch, das Gesundheits- und Schulwesen auch für normal Sterbliche auf hohem Niveau. Aber ein wenig Träumen tun wir natürlich immer noch.

5. hat dich das Muttersein politisiert, wenn ja – in welchen Bereichen, wie äußert sich das?

Jein. Ich müsste eher sagen: Es hat mich um-politisiert. Mein Philosophieren und Politisieren ist sehr viel praktischer geworden, alltagstauglicher könnte man auch sagen. Meine heutigen Themen sind näher am “richtigen Leben” als zu der Zeit, als ich nächtelang mit Trotzkisten über De Bouvoirs Ansätze diskutierte.
Statt revolutionäre Artikel zu schreiben, die niemand jemals lesen wird, bin ich im Einwohnerrat meiner Gemeinde, in der Schulkommission und mache Fundraising für einen SuS-Hort.

6. Kinder bringen oft den Gedanken an die Zukunft mit. Zukunft wie in: wie lange reichen die Ressourcen unseres Planeten noch (platt gesagt). Hat sich dein Konsum-/Kauf-/Essverhalten geändert, seit du Kinder hast? Denkst du über solche Themen nach?

Nein. Ja. Aber schon immer.

7. auf welche Erkenntnis im Leben mit Kind(ern) hättest du gerne verzichten können?

Dass nichts kontrollierbar ist. Das war eine sehr unangenehme, aber auch sehr lehrreiche Lektion. Die ging ans Eingemachte. Eigentlich möchte ich sie heute aber nicht mehr missen.

8. Urlaub mit Kindern – eher Hütte in Holland oder Hschungeltour im Amazonas, wie hat sich dein/euer Reiseverhalten geändert?

Gar nicht. Wir reisen Overland im eigenen Geländewagen. Die einzige Bremse für unsere Reiselust ist unser ewig strapaziertes Budget. Eigentlich hätten wir während meines Mutterschaftsurlaubes nach Marokko und Mauretanien fahren wollen, mit krankem Baby fiel das aber ins Wasser und wir waren sehr froh, in der Schweiz bleiben zu können. Danach verlor ich meine Arbeitsstelle und ich fing als Freelancerin an. Seither müssen wir den Gürtel recht eng schnallen und Ferien finden z.Z. praktisch nur noch im familieneigenen Haus auf der Insel Rab in Kroatien statt.
Aber wenn wir morgen die 40 Millionen Schweizer Franken im Lotto-Jackpot gewinnen, fahren wir übermorgen los…

9. Wenn dir eine frische Schwangere begegnet und dich ausdrücklich um Rat und Tips bittet: was wären die drei wichtigsten Ratschläge/tips fürs Elternwerden, die dir am Herzen liegen?

Wenn Du Rat brauchst, geh zu Experten und nicht ins Internet. Wenn das, was der Experte sagt, Dir gegen den Strich geht, suche Dir einen anderen Experten bis Du einen findest, der Wertemässig auf der selben Linie ist, wie Du.
Und gönn Dir eine Trageberatung.

10. Die Eltern anderer Kinder: Segen oder Fluch?

Etwa gleichermassen wie die Kinder anderer Eltern. Mal so und mal anders.

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So, und jetzt müsste ich den Stock natürlich weiter geben. Ich versuchs mal.

1. Was ist Deine Superkraft?
2. Bei welcher Filmszene heulst Du immer?
3. Aus welchem Anlass würdest Du im Jahr 2014 noch einen Brief von Hand schreiben?
4. Hast Du heute Deinen Wunschberuf und wenn nein, warum nicht?
5. Wer gewinnt: Obama oder ALF?
6. Welches Konzert welcher Band wirst Du bis ans Lebensende bereuen, verpasst zu haben und weshalb?
7. Wie bringst Du Deinem Kind / Deinen Kindern Deine Musikkultur näher?
8. Wenn Du Deinem Kind eine Fähigkeit “anhexen” könntest, welche wäre das und weshalb?
9. Auf welche Weise engagierst Du Dich für die Gemeinschaft, in der Du lebst?
10. Wie schaffst Du es neben der Familie, fünf Früchte oder Gemüse im Tag zu essen UND Dich regelmässig zu bewegen?

Die Fragen gehen an wer auch immer sie gerne beantworten möchte!

One thought on “Immer diese Staffelläufe

  1. cloudette

    😀 Ich denke übrigens auch mit Grauen an die Staffelläufe, könnte also ein Fallenlassen während des Laufs äußerst gut verstehen. Französisch oder englisch – klingt beides gut. Danke fürs Mitmachen!

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