Cover von Knut Laaser & Jasmin Schäfer: "Der späte Gast"

Knut Laaser und Jasmin Schäfer: „Der späte Gast“

Es gab in meinem Leben Zeiten, da hätte ich alles Mögliche getan, um dazu zu gehören und von den Leuten, die ich bewunderte, akzeptiert zu werden. Unzählige Male verstellte ich mich, tat so als hätte ich eine andere Meinung oder sei ich eine andere, als ich tatsächlich war, nur um so zu sein, wie ich dachte, dass man mich haben wolle. So gross war mein Bedürfnis, mich angenommen und geliebt zu fühlen.

Ähnlich geht es dem Dackel, der in dem Bilderbuch „Der späte Gast“ von Knut Laaser und Jasmin Schäfer, erschienen im Atlantis Verlag von Orell Füssli, eines Abends an Franz’ Tür klopft.

Eigentlich wäre ganz einfach: Franz wünscht sich Gesellschaft und der späte Gast, sucht ein Abendessen, einen warmen Platz zum Schlafen und ein neues Herrchen. Passt perfekt!

Aber nein. Der Dackel versucht so intensiv herauszufinden, was sich Franz wünscht, dass er gar nicht merkt, dass Franz eigentlich am liebsten einen ganz normalen Hund hätte, der neben seinem Bett schläft und Stöckchen holt. Um Eindruck zu schinden, verwandelt er sich in die verschiedensten – absurden! – Dinge: Einen Bären, ein Flugzeug, eine Handharmonika und ein Schaf und dabei zerlegt er auch noch Franz’ Wohnzimmer.

Zum Glück schafft es Franz dann doch irgendwann, zu sagen was er sich wünscht:

„Hunde sind meine Lieblingstiere. Du könntest doch bei uns einziehen!“
Ehrlich?“ fragte der Besucher und verwandelte sich zurück.
„Wir könnten spazieren gehen, du würdest einen Ball bekommen und die Nachbarskatzen erschrecken“, zählte Franz auf.
Da bellte der Dackel […].

 

Was meint die Zielgruppe

Kurzer (5 Jahre, 2 Monate) findet lustig, was der Dackel alles anstellt. Ich bin nicht sicher, ob er das Thema bereits verstanden hat. Er selber ist bisher ein Mensch, der sich nicht unbedingt vierteilt, um sich anzupassen – im Gegenteil. Er zieht sein Ding durch und wenn die anderen ein Problem damit haben, tut er, als würde er es nicht bemerken.

Ich hoffe, er kann sich diese Unabhängigkeit auch in ein paar Jahren noch bewahren, wenn Peer-Gruppen wichtiger werden!

Was er hingegen verstanden hat, ist, dass Franz ein sehr einsamer Junge ist: Seine Eltern fahren einfach in die Stadt und lassen ihn allein zuhause. Er muss alleine Essen. Kein Wunder, dass ihm die Bäume im Sturm Angst machen und er Gesichter und Monster sieht.

Da passt es gut, dass der Dackel gerade bei Franz an die Tür klopft und mit ihm zusammen essen möchte. Ein unglaublicher Zufall ist das – oder etwa nicht?

 

Mein Fazit

Ich finde „Der späte Gast“ wunderbar doppelschichtig. Da ist einerseits das Thema, das im Klappentext angedeutet wird: Der Dackel, der sich laufend in Dinge verwandelt, von denen er meint, dass Franz sie mag. Andererseits auch das Thema, das mein Sohn spontan angesprochen hat: Der einsame Franz, der unbedingt einen Freund braucht.

Denkt sich Franz den Hund, der sich so grosse Mühe gibt, um bei ihm bleiben zu können, etwa nur aus? Es könnte schon sein, denn gemeinsam tun sie lauter Dinge, die ein einsamer Junge an einem Abend allein zuhause auch tun könnte: Abendessen, Musik hören, ein Glas Milch trinken, im Wohnzimmer herumspringen, nicht einschlafen können und Schäfchen zählen…

Die Geschichte hört dort auf, wo beide zu Bett gehen. Man fragt sich dann natürlich: Ist der Dackel am nächsten Morgen noch da?

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Klappentext:

„Wer hier bei Franz an die Tür klopft, in KEIN gewöhnlicher Hund, hat aber ein sehr gewöhnliches Bedürfnis: Er möchte geliebt werden.
So verwandelt der Zauberhund sich laufend in Dinge, die Franz mag.
Doch erst als der Hund ganz sich selber ist und bleibt, findet die Geschichte ein gutes Ende – und die Freundschaft mit Franz einen Anfang.“

„Der späte Gast“
Knut Laaser (Text) und Jasmin Schäfer (Illustration)
Atlantis Verlag, Zürich
ISBN 978-3-7152-0686-8
Alteresempfehlung des Verlags: ab 5 Jahren

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4 thoughts on “Knut Laaser und Jasmin Schäfer: „Der späte Gast“

  1. Claudia Fahlbusch (@escribella)

    Zugehörigkeit ist für viele Menschen ein Grundbedürfnis. Kein Wunder, fallen so viele Frischpensionierte tot um, wenn sie nicht mehr arbeiten gehen dürfen, nicht mehr Teil dieser Gemeinschaft sind, und sei es auch «nur» die Firma. Das Verrückte ist: Wir sehnen uns unbewusst selbst dann noch nach Zugehörigkeit, wenn wir denken, dass uns das alles schnuppewurst ist. Hat vielleicht mit dem Reptiliengedächtnis zu tun, weil wir in steinzeitlichen Zeiten ohne Sippe komplett am Derrière gewesen wären. Ich bin immer wieder beeindruckt von dem, was bei Familienaufstellungen heraus kommt, wenn solche Themen aufgestellt werden.

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  2. Pingback: Eva Roth und Artem: „Unter Bodos Bett“ | Mama hat jetzt keine Zeit…

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