Anneli oder: Wie man damals auf die Bedürfnisse des Kindes achtete (#Familienalbum)

Blümchenkleid und gestrickte Kniestrümpfe

Frau Mutter fragte nach unserer Kindheit in den 1970er Jahren und machte daraus gleich eine Blogparade: Blogparade #Familienalbum: Unsere Kindheit der 70er und 80er Jahre Frau Mutter Blog. Sie fragte dabei insbesondere nach dem Sicherheitsdenken von damals (frei nach dem Motto: “wir sind Sieger, denn wir haben unsere Kindheit überlebt”).

Nun, die Siebziger, die Zeit in der man Tomboys mit kurzen Röcken und Kniestrümpfen verkleidete. Wir wohl mir in den Zeug war, sieht man dem Bild an 😉

Tragetuch in den 1980er Jahren

neue Moden Anfang der 80er Jahre

Ich wollte aber weder über Sicherheit noch über die gewöhnungsbedürftige Kleidermode der damaligen Zeit referieren, sondern über bedürfnisorientierte Elternschaft oder was man damals darunter verstand. Meine Eltern waren sehr jung und für damalige Verhältnisse neuen Konzepten gegenüber sehr aufgeschlossen. Beispielsweise hatte meine Mutter eines dieser neumodischen Dinger namens “Tragetuch”, wie man sie auf dem Bild rechts sehen kann. Die wurden damals nur von diesen verrückten “Alternativen” und “zurück zur Natur”-Typen benutzt.

Wie dem auch sei, ich schweife ab. Heute gilt es fast als selbstverständlich, dass Eltern auf die Bedürfnisse ihrer Kinder Rücksicht nehmen, insbesondere in den Bereichen, wo weder Sicherheit noch Gesundheit kompromittiert werden. Damals war es auch bei den best meinenden Eltern jedoch Gang und Gäbe, dass Eltern am besten wussten, was für ihre Kinder gut war. Das konnte weit in die Privatsphäre des Kindes hinein reichen.

Meine hübsche junge Mutter war handwerklich sehr begabt. Sie nähte meiner Schwester und mir eigene Puppen, mit Gipskopf, Kleidchen und allem dran. Es müssen wirklich schöne Puppen gewesen sein, so weit ich mich erinnern kann. Meine Puppe hiess Anneli und ich hatte sie sehr gerne. So gerne, dass ich die ganze Zeit mit ihr schmusen wollte. Was wegen des unbequemen Gipskopfes natürlich nicht ging. Also hielt ich sie bei den Füssen und schlug ihren Kopf so lange gegen die Wand, bis er weich und beschmusbar geworden war – und war happy.

Als meine Mutter dies jedoch sah, wurde sie wütend, bestrafte mich dafür, dass ich die schöne Puppe absichtlich kaputt gemacht hatte und nach einigen Wochen bekam ich ein repariertes Anneli wieder – erneut mit hartem Gipskopf. Und schlug es wieder gegen die Wand. Und ein paar Wochen später wieder. Und wieder. Und wieder.

Irgendwann nahmen sie mir das Anneli dann endgültig weg.

Ich war traurig.

Und noch heute wird in der Familie erzählt, dass ich als Kind mutwillig meine Puppen zerstörte. Nach dem wahren Grund hat nie einer gefragt.

So war das in den Siebzigern.

 

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