Hannes Hüttner und Erich Gürtzig: „Das Huhn Emma ist verschwunden“

Kinderbücher, und vor allem Bilderbücher, mag ich sehr. Das wisst Ihr. Da ich als Kind neben meinen eigenen auch die Bücher meiner Eltern las und unterdessen schon ein paar Jahrzehnte auf dem Tacho habe, kann ich da auch eine gewisse Entwicklung feststellen. Heutige Bilderbücher sind alle so flauschig, um nicht zu sagen, mit Perwoll gewaschen. Es passiert nichts Schlimmes, keiner stirbt, Streit wird stets konstruktiv gelöst, Probleme lösen sich in Wohlgefallen auf.

Wunderbar erfrischend anders ist in diesem Umfeld „Das Huhn Emma ist verschwunden“ aus dem Jahr 1967, das in diesem Frühling vom KinderbuchVerlag aus der Beltz-Gruppe neu aufgelegt wurde. Der KinderbuchVerlag hat sich auf die Wiederauflage klassischer DDR-Kinderliteratur spezialisiert. Ich finde es spitze, dass diese Bücher, die Generationen von Kinder geprägt haben, weiterhin zugänglich bleiben.

 

Eines Morgens ist das Huhn Emma aus dem Hühnerstall verschwunden und ausgerechnet die kleine Nele findet einen Haufen brauner Federn unter einem Baum, wo sie spielen wollte. Sie läuft zu ihrem Grossvater und der findet in der Nähe auch noch Spuren vom Fuchs.

Fuchs frisst Huhn, aus die Maus. Da könnte die Geschichte zu Ende sein.

Aber Nele und ihr Opa setzen sich hin und überlegen, wie es gewesen sein könnte. War Emma überhaupt im Stall gewesen? Oder war sie ausgebüxt? Wollte sie vielleicht ihre Bekannte, die Ente besuchen? Hat das schlaue Huhn Emma etwa gar den Fuchs hereingelegt? Es wäre schon möglich, wenn es sich denn so abgespielt hat, und dann käme Emma auch wieder zurück, sobald sie sich ausgeruht hat.

Schon die Zeichnungen und die Farben von „Das Huhn Emma ist verschwunden“ sind so ganz anders, als wir es uns heute gewöhnt sind und erinnern an die Bücher, die ich bei meinen Grosseltern erzählt bekommen hatte, die von meinem Vater und seinen Geschwistern stammten. Sehr realistische Zeichnungen, die Protagonisten sind echte Menschen und nicht sprechende Tiere.

Mein Sohn, der jetzt fünf Jahre und sieben Monate alt ist, ist bei der Geschichte voll mitgegangen. Als Nele die Federn fand und Opa sagte, der Fuchs hätte sich Emma wohl geholt, hätte er fast geweint und als die beiden sich dann ausdenken, wie Emma wohl den Fuchs ausgetrickst haben könnte, half er auch fantasieren und am Ende war er davon überzeugt, dass es sich so und nicht anders zugetragen haben muss.

„Das Huhn Emma ist verschwunden“ behandelt keines der grossen Themen der Philosophie, hat auch keinen pädagogischen Inhalt und vermittelt keine Werte. Es ist einfach eine spannende Geschichte zum Vorlesen oder selber Lesen, die die Fantasie anregt.

Und mehr muss eine Geschichte im Grund gar nicht wollen.

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Klappentext:

„Als die unternehmungslustige Emma eines Tages nicht in den Hühnerstall zurückkehrt, fragen sich Nele und Opa, was ihr wohl passiert sein könnte. Ob sie etwa dem Fuchs begegnet ist? Und schon malen sich die beiden aus, wie Emma auf ihrer Entdeckungsreise den Fuchs überlistet haben könnte…“

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„Das Huhn Emma ist verschwunden“
Hannes Hüttner (Text) und Erich Gürtzig (Illustrationen)
Hardcover
Der KinderbuchVerlag in der Verlagsgruppe Beltz, Weinheim und Basel, 2015
(erstmals erschienen 1967)
Altersempfehlung des Verlags: Ab 5 Jahren
ISBN 978-3-407-77182-7

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2 thoughts on “Hannes Hüttner und Erich Gürtzig: „Das Huhn Emma ist verschwunden“

  1. The Rese

    Wir lieben die Bücher des KinderbuchVerlags auch sehr. Zum Teil sind das ja Bücher die ich als Kind schon anschaute, in dem Bewußtsein, dass auch meine Eltern diese schon anschauten und die auch mein Sohn, der sowieso sehr bibliophil ist, liebt. Faszinierend, dass das über Generationen so einen Sog entwickeln kann. Ob in 30 Jahren sich noch irgend jemand für Conni und Jakob interessiert?
    Das wirklich pädagogisch wertvolle Jedoch sind die tollen Grafiken. Das ist doch ästhetische Bildung par excellence.

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