Sommerlochfüller: Denk’ ich an Nachbarländer in der Nacht…

Mir gefällt der Artikel  Denk’ ich an Nachbarländer in der Nacht…  von Mrs. Cgn. Deshalb klaue ich die Idee jetzt einfach mal strinkfrech, um das Sommerloch ein wenig auftzufüllen.

Reliefkarte SchweizBy Tschubby (Own work) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC BY-SA 2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

Was fällt mir zu unseren Nachbarländern ein? Ich gehe im Uhrzeigersinn vor.

 

Frankreich

Frankreich ist für mich Hass und Liebe, zahlreiche Widersprüche und doch komme ich nie ganz los davon. Ich habe es gehasst, die Sprache zu lernen – verdiene aber heute einen Teil meines Geldes mit Übersetzugen aus dem Französischen. Mein “Traumfrankreich” bestand aus der Camargue und den dortigen Pferden, mit sechzehn erlebte ich zwei wundervolle Urlaubs-Wochen dort. Mit dem WWF durfte ich dieses fantastische Naturschutzgebiet und seine tierischen und menschlichen Bewohnerinnen und Bewohner kennen lernen.

Mit zwanzig verbrachte ich sechs Monate als Aupair-Mädchen in der Papststadt Avignion. Ich hatte unglaublich Heimweh, war einsam und hatte keinen Kontakt zu Menschen ausserhalb meiner Gastfamilie hatte. Die Eltern der Gastfamilie befanden sich im Scheidungskrieg, und meine freie Zeit verbrachte ich mit dem Fernseher in meinem Zimmer. Trotzdem war es eine gute Erfahrung, denn ich lernte das echte Frankreich ausserhalb der Klischees und Vorurteile kennen.

Das Klischee-Frankreich gefällt mir doch um einiges besser, weshalb wir gerne einen Teil unseres Urlaubes mit fein Essen und gutem Wein aus dem Burgund oder dem französischen Jura verbringen. Die Franzosen an sich… naja, mit manchen kann ich’s gut, mit anderen weniger. Viele sind arrogant, auf Äusserlichkeiten bedacht, unnahbar – andere wiederum sehr herzlich und gastfreundlich.

 

Italien

Auf dem Weg zu unserem bevorzugten Urlaubsort in Kroatien durchqueren wir Oberitalien. Entlang der Autobahn Mailand-Trieste kenne ich dem entsprechend jede Raststätte und jedes öffentliche Klo. Als Kurzer noch kleiner war, schliefen wir unterwegs im Hotel, mit Abstand am besten gefallen hat uns unser Kurzaufenthalt in Soave, in der Region Venetien. Wir kamen dort abends um halb Zehn an, erhielten trotzdem noch Zimmer und eine fulminante Mahlzeit – und keiner schaute uns schräg an, weil wir um zehn Uhr abends mit einem Kleinkind im Speiserestaurant ankamen. Man stelle sich dasselbe in der Schweiz oder in Deutschland vor, da verdrehen garantiert einige die Augen (sofern nicht jemand gleich dem Jugendamt Bescheid sagt).

Italienerinnen und Italiener liegt so viel am Essen, dass sogar an den Autobahnraststätten anständiges Futter zu finden ist. Besonders angetan haben es uns die Panini Caldi, lecker gefüllten Toastbroten, die im Grill aufgewärmt werden.

Wenn wir vom Essen reden: Einer der kulinarisch am nachhaltigsten Urlaube, die wir in den letzten 24 Jahren gemacht haben, war unser Sizilenaufenthalt. Der ganze zweiwöchige Urlaub drehte sich nur um die nächste Mahlzeit, gans besonders die Woche, die wir bei Rosa, einer alten Freundin in der Nähe von Messina verbrachten. Da wurde während einer Mahlzeit bereits inbrünstig darüber diskutiert, was bei der Nächsten gekocht und gegessen werden würde und wo man die besten Zutaten erhalten könnte. Entsprechen der Marktlage wurde dann das Programm geplant.

Auch als ich für meinen damaligen Arbeitgeber, einen in der Westschweiz ansässiger Zigarettenproduzenten, geschäftlich in Bologna war, wurde im Briefing und Debriefing mehr darbüer diskutiert, in welchem Restaurant wir wann was essen gehen würde, als über das Thema der Geschäftsreise.

 

Österreich

Zu Österreich kommt mir der Nachtzug nach Wien in den Sinn, den wir für unsere Maturareise genommen hatten. Von Wien ging es dann mit dem Luftkissenboot weiter nach Budapest und die Bootsfahrt verbrachten die meisten von uns mit Schlafen. Eben wegen des besagten Nachtzuges. Da wurde nicht nur eifrig getrunken und Karten gespielt, sondern auch fleissig geflirtet und rumgemacht. Que du bonheur, wie ich heute sagen würde.

In Wien selber war ich dann so müde, dass ich das Rendez-vous mit der Klasse verschlafen habe und statt mit Lehrerschaft und Klasse das Burgtheater zu besuchen, auf der Suche nach etwas Essbarem alleine durch die Grossstadt streunerte. Damals fand ich das normal, heute frage ich mich, weshalb die Lehrer mich nicht vermisst haben, als ich als Einzige nicht beim Treffpunkt auftauchte. Da hätte weiss der Herr was passieren können!

 

Deutschland

Deutschland ist das Nachbarland, zu dem ich mit Abstand am meisten Erinnerungen hätte – die meisten sind aber Kindheitserinnerungen an Familienurlaube in Köln, Pfullendorf und einem Kaff namens Oberode in der Nähe von Kassel. Wanderungen, Ausflüge, die Gebrüder Grimm und mein allererster Besuch bei McDonalds am Domplatz in Köln.

Meine Oma kam ursprünglich aus Schlesien und hatte Verwandte in ganz Ost- und Westdeutschland und bei einem unserer Besuche in Hann. Münden (in der Nähe von Kassel), fuhren wir auch an den Eisernen Vorhang. Ich war noch etwas klein, um den in seiner Gesamtheit zu verstehen, aber dass dort auf den Türmen Männer mit Gewehren sassen, die uns nicht zurückwinkten, sondern nur böse schauten, hat mich nachhaltig beeindruckt.

Neuere Erinnerungen an Deutschland beziehen sich auf zahlreiche Internetbekanntschaften und -freundschaften, die Arbeit an der deutschsprachigen Wikipedia, in die ich von 2004 bis 2006 zwei Jahre lang meine Freizeit gesteckt hatte. Der grossartige Traum, das Wissen der Welt frei und kostenlos zugänglich zu machen. Das war SO eine grossartige Idee, dass mir noch heute ganz schummrig wird, wenn ich daran denke!

 

So, das war meine kleine, spontane Runde durch unsere Nachbarländer, wobei ich mir pro Land 10 Minuten Zeit gab. Natürlich ist das nur ein kleiner, subjektiver Ausschnitt und man könnte noch viel mehr schreiben.

Du was kommt Dir bei Euren Nachbarländern so spontan in den Sinn?

 

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