William Grill: „Shackletons Reise“

Seit unserem letzten Urlaub mit dem Boot auf dem Mittelmeer beschäftigen Piraten und Schiffsreisen die Fantasie unseres Kurzen. Langsam aber sicher kommt er auch in das Alter, wo er versteht, dass man sich Geschichten auch einfach ausdenken kann – und er tut es mit viel Verve. Aktuell lässt er sich aber von einer Gegebenheit begeistern, die richtig passiert ist: Die Endurance-Expedition von Ernest Shackleton. In seinem bebilderten Sachbuch „Shackletons Reise“ aus dem NordSüd-Verlag, erzählt William Grill in Text und Zeichnungen von Shackletons hochtrabenden Plänen, seiner Antarktis-Expedition und ihrem „unrühmlichen“ Ende.

 

Handlung

Im Jahr 1914 sticht der Engländer Sir Ernest Shackleton mit seinem Schiff Endurance in See. Es ist der Start einer Expedition zum Südpol, die schlussendlich wegen ihres Scheiterns bekannt wurde und weil Shackleton es trotz des Scheiterns seiner Pläne fertig brachte, nach drei Jahren all seine Männer lebend wieder nachhause zu bringen.

Das bebilderte Sachbuch „Shackletons Reise“ erzählt in Text und Zeichnungen von den Vorbereitungen der Expedition, wie die Männer ausgewählt wurde, wie die Endurance in die Antarktis fuhr und dort im Packeis des Weddel-Meeres stecken blieb und schliesslich unterging. Der grösste Teil des Buches dreht sich dann darum, wie die Männer ihre Ausrüstung, ihre Nahrungsvorräte und die Hunde aus dem Wrack bargen und wie sie schlussendlich sich selber in einer spektakulären, anderthalb Jahre dauernden, Rettungsaktion in Sicherheit brachten.

 

Was meint die Zielgruppe?

O-Ton von Kurzem, 6 Jahre alt:

„Die haben die Hunde einfach erschossen. Aber ich glaube, sie haben sie nicht aufgegessen. Oder schon? Gell, die haben Pinguine gegessen. Aber die Hunde hätten doch auch Pinguine essen können. Dann hätte man sie nicht töten müssen.“

 

Mein Fazit

Das Buch „Shackletons“ Reise aus dem Nord-Süd-Verlag ist bereits optisch und haptisch ein Vergnügen: Weiss mit dunkelblauen, eingestanzten Mustern, bestehend aus Shackleton, den drei Rettungsbooten, drei Orkas und vielen Pinguinen, und einem dunkelblauen Leinenrücken ist es. Mit seiner Grösse liegt es gut in der Hand. Eine Million blauer, gezeichneter Eisschollen zieren den Innenumschlag und eine Vignette, in der der stolze Besitzer oder die Besitzerin ihren Namen schreiben kann.

Die Geschichte der Expedition selber wird mit viel Text und spannenden, detaillierten Bilderstrecken erzählt. So zeichnete William Grill nicht nur alle Männer der Besatzung, sondern auch alle Hunde und die gesamte Ausrüstung. Eindrücklich finde ich die Illustration der Vorgänge, die dazu geführt haben, dass die Endurance am Ende zerdrückt wurde und unterging. Mein absolutes Lieblingsbild trägt den Titel „Isolation“ (Seite 36 und 37) und zeigt die winzige Endurance, ganz allein im ewigen Eis. Das würde ich mir auch in Gross an die Wand hängen.

Kurzer und ich haben uns (neben der Schule) tagelang mit Shackleton und der Endurance befasst. Da sie Anfang 20. Jahrhundert stattfand, findet man im Internet auch alte Fotos und sogar Filme, die während der Expedition aufgenommen wurden. Von den Bildern und Filmen kamen wir dann auf die heutige Antarktis-Forschung zu sprechen und jetzt sind wir bei der Frage angelangt, weshalb es am Nordpol keine Pinguine gibt.

Die Verbindung zwischen einer wahren, spannend erzählten und dargestellten Begebenheit mit dem allgemeineren Thema der Antarktis und der Forschungsreisen erlaubt es einem neugierigen Kind, auf eigene Faust weiter zu forschen und das Thema weiter zu ergründen.

Obwohl Kurzer nicht zuhause unterrichtet wird, lieben wir das „freie Lernen“, indem wir einer Frage nachgehen, bis unsere Neugier befriedigt ist. „Shackletons Reise“ bietet einen wunderbaren Startpunkt für eine solche „Lernreise“.

Ich hoffe sehr, dass von William Grill noch viele weitere ähnliche Bücher erscheinen werden!

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Klappentext:

„In den letzten Tagen des Goldenen Zeitalters der Antarktisforschung träumte der Polarforscher Sir Ernest Shackleton davon, den antarktischen Kontinent zu Fuss zu durchqueren. Von Küste zu Küste. Doch sein Schiff, die Endurance, blieb im Packeis stecken. Mehrere Monate lang musste Shackleton mit seinen Männern auf einer Eisscholle ausharren. Trotz der aussichtslosen Lage gaben die Männer die Hoffnung nie auf. Dank einer wagemutigen Rettungsaktion gelang es Shackleton schliesslich, sein Expeditionsteam in Sicherheit zu bringen. Sein Mut und seine Ausdauer machten ihn trotz der gescheiterten Expedition zum Helden.“

„Shackletons Reise“
William Grill (übersetzt von Harald Stadler)
NordSüd Verlag AG, Zürich, 2015
ISBN 978-3-314-10311-7
Empfohlenes Alter: ab 7 Jahre, Basisstufe, Mittelstufe

Preise und Ehrungen: „Shackletons Reise“ hat die Kate Greenaway Medal 2015 gewonnen.

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