Spiegel das Kätzchen

Doris Lecher: „Spiegel, das Kätzchen“

Meine Deutschlehrer werden mich vor Jahr(zehnt)en mit Gottfried Keller gequält haben, aber ich kann mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern. Zu meiner Entschuldigung kann ich vorbringen, dass es die Zeit war, in der mich Sprachunterricht nicht die Bohne interessierte, sondern Physik und Computer, ein Spiel namens Artill und natürlich Pacman mein Herz höher schlagen liessen. Englisch lernte ich nicht im Unterricht, sondern mit Hilfe von Textadventures. Aber ich schweife ab.

Spiegel das Kätzchen

Spiegel das Kätzchen

Offenbar ist dieser Gottfried Keller ein ziemlich bekannter Schweizer Schriftsteller, der ein paar ziemlich bekannte Sachen geschrieben hat. Ich kann mich nicht erinnern, ob ich den „Grünen Heinrich“ jemals gelesen habe. Aber „Seldwyla“ ist sogar mir ein Begriff. Aus dieser Geschichtensammlung stammt auch die Novelle von Spiegel, dem Kätzchen. Doris Lecher hat die Geschichte für den NordSüd-Verlag neu erzählt und illustriert.

 

Handlung

Spiegel, das Kätzen, lebt bei einer alten Dame in Seldwyla. Als diese stirbt, hat das gute Leben ein Ende. Spiegel lebt fortan auf der Strasse und wird immer magerer. Umso erstaunter ist er, als ihn eines Tages der Hexenmeister Pineiss anspricht, und ihm sein Fett abkaufen will:

„Ich brauche dringend neues Katzenfett für meine Hexerei. Aber damit es wirksam ist, muss es mir der Herr Kater vertragsmässig und freiwillig abgeben. Bis es so weit ist, füttere ich dich herrlich und mache dich fett und kugelrund mit Würstchen und gebratenen Wachteln.“

Spiegel geht auf den Handel ein, bedingt sich aber eine Galgenfrist aus, um als fetter Kater sein Leben noch bis zum nächsten Vollmond geniessen zu dürfen. Fortan lässt es sich der Kater gut gehen. Er frisst und geniesst und „mit wachsendem Wohlergehen kam aber zugleich auch Spiegels guter, gesunder Katzenverstand zurück“. Er überlegt sich, wie er sich aus dem Handel mit dem Hexenmeister herauswinden könnte. Er treibt Sport und wird wieder schlanker, aber der Hexenmeister lässt sich nicht betrügen und erklärt ihn für fett genug.

Nun hat Spiegel noch fünf Tage Zeit, um sein Schicksal abzuwenden. Doch statt nachzudenken, verliebt er sich und geht auf Brautschau. Nach fünf Tagen sieht er „magerer und zerzauster aus denn je“. Nun sperrt der Hexenmeister den Kater ein und füttert ihn mit den feinsten Dingen. Dieser hat nun genügend Zeit und Musse, um sich eine List auszudenken. Als er geschlachtet werden soll, tischt er dem Hexenmeister eine Geschichte von einem Goldschatz auf, der dieser nicht widerstehen kann. Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf. An Ende bekommen alle ihr Fett weg – alle, bis auf Spiegel, das Kätzchen.

 

Was meint die Zielgruppe?

Kurzer (6 Jahre und 2 Monate) liebt die Geschichte und wünscht sie immer wieder als Gutenachtgeschichte. Obwohl die Bilder überhaupt nicht kindlich daherkommen, sondern eher etwas „gfürchig“ (furchterregend) sind, mag er sie immer wieder anschauen und nachfragen, was auf welchem Bild geschieht.

O-Ton Kurzer:

„Die sind alle gemein und dumm. Nur die Katze und die Eule sind schlau.“

 

Mein Fazit

„Spiegel, das Kätzchen“ ist kein klassisches Kinderbuch. Genau das macht aber seinen Charme aus (und führt dazu, dass es auch Erwachsene gerne anschauen und durchblättern).

Die Geschichte ist anspruchsvoll – das Überleben des Protagonisten steht auf dem Spiel. Täglich ist er in Gefahr, geschlachtet zu werden! Zahlreiche Wendungen führen dazu, dass die Spannung ansteigt.

Die Illustrationen sind untypisch für ein modernes Kinderbuch. Die Personen werden nicht lieb und nett dargestellt, sondern so hässlich, wie ihr Charakter. Dass der Hexenmeister es ernst meint, sieht man auf den Bildern, auf denen er auch mal ein Schlachtermesser in der Hand hält oder eine blutige Schürze trägt. Die Darstellungen der Katze sind grandios – man sieht den Bildern an, dass Doris Lecher Katzen liebt und kennt.

Ich finde „Spiegel, das Kätzchen“ sehr gelungen. Kellers Geschichte ist grandios und Doris Lechner hat sie eben so grandios nacherzählt und illustriert.

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Klappentext:

„Die bekannteste Novelle von Gottfried Keller neu erzählt für Kinder und Erwachsene. Wunderschön und reich illustriert von Doris Lecher.“

„Spiegel, das Kätzchen“
Doris Lecher (nach einer Novelle von Gottfried Keller)
NordSüd Verlag AG, Zürich, 2015
ISBN 978-3-314-10287-5
Empfohlenes Alter: ab 6 Jahren

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