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About Mama hat jetzt keine Zeit

Ü40, Soziologin, Statistikfetischistin, Autorin, Texterin, Übersetzerin und an Ratgeberitis erkrankte Mama eines grandiosen Sohnes im Grundschulalter.

Alle Kinder brauchen. Immer.

Da weiss wieder mal jemand, was alle Kinder immer benötigen: Matsch und Liebe!

Kinder brauchen Matsch und Liebe

Immer. Alle Kinder. Die sind nämlich baugleich.

Aber was mache ich jetzt mit meinem Kind, das nie, weder als Baby noch als Kleinkind noch jetzt als Schulkind cool fand, wenn es klebrig wurde oder schlammige Hände hatte? Das starke Gerüche von ersten Lebenstag an eklig fand und nie, keine Sekunde seines achteinhalbjährigen Lebens jemals auf die Idee gekommen ist, mit Kot zu spielen.

Für das Kind ist der große Haufen im Topf nicht ekelig, es ist stolz auf ihn.

Bei allem Respekt: Wer das geschrieben hat, hat mein Kind als Kleinkind nicht gekannt!

Aber ich mag hier jetzt nicht über die privaten Angelegenheiten eines Kindes mit ausgeprägt starken Sinneseindruckempfindungen schreiben. Nur so viel: Es gibt nicht DAS Kind. Es gibt solche und solche Menschen. Manche sind wie kleine Ferkel am glücklichsten, wenn sie sich im Schlamm wälzen oder mit dem eigenen Kot spielen dürfen. Und manche mögen das nicht.

Worauf ich hinauswill und der Grund, weshab mir der verlinkte Artikel aufgestossen ist, ist etwas anderes: Hier werden Fakten vermischt mit Werturteilen und ganz schnell wird im Umkehrschluss ein Schuh draus.

Kinder, die keine “hintergründige Freude an allem, was matscht und stinkt” haben, die das weder “lustvoll” finden, noch bei Tätigkeiten, bei denen sie voller Schlamm werden, glücklich sind, können trotzdem “sauwohl” in ihrem Körper sein.

Und Eltern von solchen Kindern machen weder etwas falsch, noch verbauen sie ihren Kindern quasi eine gesunde Entwicklung. Oder hätte ich den Kurzen als Baby täglich in eine Wanne Schlamm tunken sollen, so rein präventiv, damit er später bei den schulärztlichen Untersuchungen nicht beim einen oder anderen Punkt aus der Norm fällt?

Kinder müssen ihrem eigenen Gespür vertrauen dürfen.

Jawoll Frau Psychologin! Und wenn ihnen dieses Gespür sagt, dass der Schlamm zwischen den Fingern unangenehm ist oder das der eigene Kot stinkt, dann ist das genau so in Ordnung wie das Gegenteil!

Hört doch bitte einfach auf damit, Menschen mit all ihren Eigenarten in “Richtig” und “Falsch” einzuteilen!

Und was hat überhaupt die Tatsache, ob ein Kind gerne pflüdelet (dt.: matschelt) oder nicht, mit (mangelnder) Liebe zu tun?!

 

 

 

Cheibe Winter

Ich müsste wieder mal was schreiben.

Sollte noch dies und das erledigen, machen, tun.

Aber der Winter ist diese Zeit. Seit Jahren diese Zeit für mich. Man könnte sagen: Irgend etwas ist immer… aber seien wir ehrlich: “Etwas” ist immer nur dann wenn ich nicht akzeptiere, was tatsächlich los ist.

Im Winter ruht die Natur, ziehen sich die Säfte in die Wurzeln zurück um dort Kraft zu sammeln. Diese unglaubliche Kraft, die es im Frühlig braucht, um neue Knospen auszutreiben, Äste und Blätter wachsen zu lassen. Ruhezeit. Kurze Tage, lange Nächte.

Auch wir Menschen sollten ruhen, oder doch wenigstens einen Gang zurückschalten. Aber nein, das tun wir natürlich nicht. Im Dezember legen wir gleich noch einen drauf, mehr Tempo, mehr Stress, mehr Aktivität, mehr Besuche, mehr Ausgehen, weniger schlafen.

Und wundern uns dann, wenn im Januar plötzlich gar nichts mehr geht. Eine Erkältung jagt die nächste, die Grippe haut uns von den Füssen und wenn wir endlich wieder einigermassen funktionieren, schleppen wir uns an den Schreibtisch, um wenigstens die dringendsten Pendenzen abzuarbeiten. Und bäm, kommt schon der nächste Virus um die Ecke.

Irgend etwas ist immer.

Wenn dann den Frühling endlich kommt, freut man sich, loszulegen und diese Schaffenskraft des neuen Jahreskreises reisst einem mit. Aber man mag nicht. Ist zu müde. Muss sich erholen. Kriegt vor lauter schläfrig sein kaum etwas auf die Reihe.

Wie alt muss ich eigentlich noch werden, um zu akzeptieren, dass der Winter die Zeit im Jahr ist, während der man einen Gang zurückschalten sollte?

 

Gelesen: Sue Monk Kidd, Fatima Vidal, Giulia Enders, Carrie Snyder

Winter. Zeit der Einkehr, der Ruhe, Kuscheln auf dem Sofa und so. Bei uns wird viel vorgelesen und viel selber gelesen. Hier ein paar meiner Highlights der letzten Wochen. Continue reading

Ich, Mutter des Jahres

Offenbar gibt es zu diesem Tweet Erklärungsbedarf.

Also erstens: Es geht ihm gut, Kurzer hat nur ein paar blaue Flecken und Schürfungen, ist aber sonst nicht weiter beschädigt. Obwohl, im ersten Moment dachten wir ja, der Arm sei gebrochen. Was sich dann aber zum Glück nicht bewahrheitet hat. Und die Tatsache, dass man bei unserer lauwarmen pädiatrischen “Hot”line sakramostnocheins eine geschlagene halbe Stunde in der Warteschleife hängt, hat schliesslich dazu geführt, dass das Schmerzmedikament anschlug, bevor wir in die Notaufnahme fahren wollten, so dass wir am Ende gar nicht mehr losfahren mussten.

Anyway, die Kritik galt nicht der Notaufnahme, sondern meiner “kaltherzigen” und “distanzierten” Reaktion als Mutter.

Ja, ich war sauer auf ihn. Weil ich ihm verboten hatte, bei Dämmerung und Glatteis das Kickboard zu nehmen. Weil er bei der Turnhalle nichts zu suchen hatte. Weil er schon eine halbe Stunde überfällig war. Und überhaupt.

Aber natürlich verfliegt die Wut, wenn das eigene Kind verletzt ist.

Grundsätzlich ist es aber doch so: Irgendwann, ungefähr nach einem Beinbruch, einem Armbruch und einem angeknacksten Rückenwirbel plus unzähligen Besuchen in der Notaufnahme, ist man als Mutter ein Bisschen abgehärtet und muss nicht mehr bei jedem Anruf gleich in eine Tüte atmen.

Und nachdem ich meinen Sohn als Baby fast an den plötzlichen Kindstod verloren hätte, checke ich immer als erstes, ob er brüllt. Ernsthaft.

Wer brüllt, atmet. Wer atmet, ist am Leben.

Das ist das Wichtigste. Ein brüllendes Kind lebt – und überlebt. Würde er nicht (mehr) brüllen, dann würde ich mir richtig grosse Sorgen machen.

Ich ging dann den Kurzen bei der Turnhalle abholen, brachte ihn erst mal heim, bat die Nachbarin um ihre Taxidienste – sie empfahl mir die obligatorischen Arnika-Kügelchen und war entsetzt, dass ich ihm gleich die volle Dosis Schmerzmedikamente gegeben hatte – und rief die besagte Notfallhotlinetelefonnummer an, wo ich wohl heute noch in der Warteschleifen hängen würde, hätte sich der Kurze nicht schon vorgestern abend wieder vor seinem Schrecken und Schmerzen erholt gehabt.

Und jetzt trägt er stolz seine neue “Tätowierung” spazieren. So kann’s gehen.



20% auf (fast) alles


vernetzt 2017

Vernetzt im Dezember und Januar 2017

Verlinkt, die Silvesterausgabe, 100% Weihnachtsfrei. Und Dezemberfrei. Eigentlich einfach mit Verspätung, aber trotzdem von Herzen.

Ach, vergesst es. Das eigentliche Problem ist, dass hier seit Dezember ständig jemand krank war und ich jede freie Minute mit dem Geldjob verbrachte, und dann musste ich noch einen neuen Laptop einrichten und den alten für den Kurzen zwäg machen. Und den vom Sturmwetter gelangweilten Kurzen beschäftigen. Und einen Mindstorm bauen helfen.
Daneben habe ich fleissig an einem neuen Projekt gewerkelt, das ich euch hiermit sehr stolz und mit Freude vorstelle (es gibt dann noch einen ganzen Artikel dazu):
hyperaktiv.rocks – das Online-Magazin mit Ressourcen für Familien mit hyperaktiven Kindern

Viel Spass beim Entdecken!

Und wie (fast) immer Ende Monat hier noch ein paar Links zu anderen Blogartikeln, die mich im Laufe des Monats auf die eine oder andere Weise beeindruckt oder zum Nachdenken gebracht haben:

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Von Frau Gminggmang hat die Bloggerwelt schon lange nichts mehr gehört. Also nicht nichts natürlich, denn sie hat ja eben erst ein Buch veröffentlicht. Aber auf ihrem Blog war deswegen verständlicherweise Funkstille. Schade, dass ihr erstes Posting seit einem Jahr ein so trauriges Thema zum Thema hat: Herr Nächstbar schaufelt nicht mehr.

Warum ich blogge, schreibt der Kinderdok. Ich hätte es auch nicht besser ausdrücken können.

Das Kiddo schläft immer noch schlecht und Liz fängt an, sich deswegen selbst in Frage zu stellen. Wie kenne ich das gut! Immer wenn mit dem Kurzen etwas nicht so läuft, wie es sollte, suche ich nach Möglichkeiten, um mir selbst die Schuld daran zu geben. Dabei sind die Dinge manchmal einfach so, wie sie sind, und irgendwann gehen sie auch wieder vorbei. Liz, es wird besser, versprochen! Kein Schlaf, nirgends.

 

Wegen der Sache mit den Placebo-Globuli

Das Problem, dass heutzutage Kinder mit Homöopathika schon von klein auf konditioniert werden, jedes noch so kleine Wehwehli gleich mit “Medikamenten” zu behandeln, habe ich ja hier und hier schon kritisch erwähnt.

Die aktuelle Diskussion um die Placebo-Globuli jedoch schlägt dem Fass den Boden aus. Ein deutscher Apotheker verkauft Placebo-Globuli (also solche ohne Wirkstoff, ernsthaft!) für Geschwister von kranken Kindern, damit sie nicht eifersüchtig werden, weil das kranke Geschwister Globuli bekommt. Continue reading

Gelesen im Herbst 2017

Nicht, dass ich in diesem Herbst sehr viel zum Lesen gekommen bin. An den meisten Abenden habe ich es nur knapp bis zum Computer geschafft, wo ich mir noch eine Folge Bones oder etwas ähnlich Gehaltvolles reinzog, und meistens schon während des Guckens einschlief. Aber ein Leben ohne Buchstaben wäre kein Leben… Continue reading

vernetzt 2017

Vernetzt im November 2017

Ihr fragt euch sicher, was ich die ganze Zeit so mache. Ausser in einem 50% Arbeitspensum nicht nur 50 Wochenstunden Arbeit, sondern auch noch mindestens 3 Eishockeytrainings, ehrenamtliche Posten, die Arbeit als Einwohnerrätin und den <hüstel> Haushalt unterzubringen? Naja, letzten Monat habe ich auch noch einen Bloggerkongress mitorganisiert und einen Grossauftrag erfolgreich abgeliefert. Hier gibts übrigens eine Nachlese der Swiss Blog Family 2017.
HIer wie immer meine monatliche Sammlung von Blogartikeln, die mich im Laufe des letzten Monates zum Nachdenken gebracht, geärgert oder sonst wie inspiriert haben. Continue reading

Frau steht an einer Wegkreuzung im Park

Entscheidungen

Mein allererster Vorgesetzter nach der Uni war ein Amerikaner. Frisch von der Uni und von Marketing keine Ahnung habend (ich habe Soziologie studiert, nicht BWL), lernte ich bei ihm das Marketinghandwerk by doing. Er fand im Vorstellungsgespräch, dass ich es drauf habe, und zeigte mir, wie es ging.

Von einem Tag auf den anderen betreute ich also ein Budget von über einer Million Franken. Wenn man, wie ich damals als Studentin, von 10’000 Franken im jahr gelebt hat und plötzlich mit solchen Summen umgehen musste, erstarrt man vor Ehrfurcht, kriegte Schweisshände und gewaltiges Muffensausen. Also mir ging es jedenfalls so! Continue reading