Category Archives: Besondere Momente

Ich bin ja flexibel

Ich werde angefragt, ob ich bei jenem Schulanlass mithelfen könnte, der an einem Nachmittag unter der Woche stattfindet. Weil ich als Selbständige im Homeoffice ja flexibel sei.

Es ist mein Arbeitstag. Ich sage nein.

“Du bist doch dein eigener Chef und kannst ja einfach zu einer anderen Zeit arbeiten.”

“Trotzdem, wenn ich da jede Woche eine Ausnahme machen würde, käme ich zu gar nichts.”

“Du weisst ja gar nicht, was du verpasst, wir haben da immer ganz viel Spass und die Kinder freuen sich.”

“Dann verpasse ich das halt. Die freuen sich auch ohne mich.”

“Aber du könntest doch wirklich locker frei nehmen, du arbeitest ja sowieso ständig.”

“Nimmt dein Mann auch frei?”

“Nein, weisst du, der ist selbständig und da kann man nicht einfach so frei nehmen, wer nicht arbeitet verdient auch nichts”

Suche den Fehler!

 

Volksvertreter

Es gibt so Momente, in denen einem klar wird, wie toll dieses Land, in dem wir leben, eigentlich ist.

So sitzt man beispielsweise im Theater und wartet, dass die Vorstellung beginnt. Ein Tuscheln beim Eingang, da steht eine Bundesrätin, eine Ministerin aus der Regierung, in Begleitung ihrer Familie. Die Leute flüstern und tuscheln kurz, schauen zu ihr rüber, nicken ihr zu und schauen wieder weg. Continue reading

„Die Lehrerin will immer über mich bestimmen“ – Die erste Schulwoche des Kurzen

Vielerorts in Deutschland und der deutschsprachigen Schweiz ist die Einschulung ja eine ganz grosse Sache. Hier in der Westschweiz ist der Übergang von der Vorschule zur „richtigen“ Schule fliessend und eher so ein historisches Überbleibsel aus der Zeit vor der Harmonisierung der Lehrpläne (Harmos). Continue reading

Sommerferien

Lange war es jetzt still auf diesem Blog, ausser ein paar Buchbesprechungen kam kaum mehr Neues. Auch über die Social Media gab es fast nur noch Recyceltes und nicht mal mehr die Swiss Blog Family – auf die ich mich riesig freue – mochte ich mehr bewerben, dabei hätte es noch Plätze frei!

Was ist passiert? Nur die Sommerferien des Kurzen und ein grosser Auftrag für mein Übersetzungsbüro. @froumeier formulierte neulich auf Twitter das Problem folgendermassen: Continue reading

Der alte Herr H.

Herr H., unser Nachbar, ist über neunzig Jahre alt. Vor einem Jahr starb seine Frau und vor einigen Wochen seine alte Hündin Clara.

Jahrzehntelang trat Herr H. zweimal täglich mit dem Hund seine Runde ums Dorf an. Die Dorfkinder liebten die verschmuste Hündin und wenn sie sie sahen, kamen sie angerannt, um sie zu streicheln. Continue reading

So schön wie heute

Arbeiten müsste ich, in chronischer Ermangelung von Aufträgen umso mehr. An der Firma werkeln, Webseite verbessern, Mailings aufsetzen, Aquiseanrufe führen. Mein Magen zieht sich zusammen, “es bringt eh alles nichts”, flüstert mir die Angst ins Ohr.

Der Kurze hat schulfrei, das mit dem Arbeitensollenwollen ist somit eh nur in der Theorie eine gute Idee. Ausserdem scheint die Sonne und Kurzens bester Kumpel ist bei seinen Grosseltern. Also bleibe ich als einzige Spielgefährtin. Eine Stunde Pokémon-Filmchen schauen im Internet, so viel Mittagsschläfchen braucht ich alte Mutter einfach, um mit dem Sohn mithalten zu dürfen. Continue reading

Wohin kommt man eigentlich, wenn man gestorben ist?

pattyjansen / Pixabay

Mama, Mama, was ist eigentlich das Paradies?” fragte mich gestern Abend der Kurze, als ich ihn aus dem Schülerhort abholte.

“Das ist eine Art Garten, der in vielen Geschichten vorkommt”, antwortete ich nach einigem Nachdenken. “Dort soll es wunderschön sein. Es soll dort keinen Streit geben und niemand haut den anderen. Und manche Leute glauben, dass man dorthin geht, wenn man gestorben ist”. Continue reading

Buntes Quartierleben

Quelle: davekeys / Pixabay

Zwei Jungen aus unserem Quartier, sechs- und sieben jährig, haben bei einem der Nachbarhäuser die Treppe mit Strassenkreide dekoriert.

Der Clue dabei: Der Hausbesitzer mag das nicht. Er wird sich bei den Eltern der Kinder beschweren und die Kinder ausschimpfen. Danach wird er ihnen Wasser und Bürste reichen, damit sie die “Bescherung” beseitigen. Continue reading

Schullager

HebiPics / Pixabay

Heute früh sind sie also abgefahren. 25 Fünf- und Sechsjährige auf dem Weg ins erste Schullager ihres Lebens. Etwas ängstlich waren sie, aber gleichzeitig freudig erregt. Vor Aufregung gabs bereits vor dem Abfahren eine Prügelei. Die ersten haben ihre Fresspäckli* schon im Mamataxi geöffnet und im Fussraum verteilt. So muss das sein!

Zurück blieben die Eltern, nach dem fröhlichen Winken betreten herumstehend, mit sorgevollen Gesichtern. Die eine oder andere Mutter ein Tränchen verdrückend. Continue reading