Category Archives: Er-Zogen, Ver-Zogen und Un-Erzogen

Liebe Eltern, lasst doch die ätherischen Spagyrik-Blüten-Salz-Globuli mal stecken

Liebe Eltern,

Die Schule hat vor einer, für manche vor zwei Wochen angefangen, die langen Ferien sind vorbei und die Kinder müssen sich an einen neuen, härteren Rhythmus gewöhnen.

Sie sind überreizt, aggressiv, überdreht und finden Abends kaum zur Ruhe. Continue reading

Plädoyer für elterliche Weiterbildung und gegen das Bauchgefühl

Seit mein Sohn auf der Welt ist und ich mich öfter mal mit Eltern über Erziehungs- und Kinderthemen unterhalte, heisst es immer mal wieder, als Mutter, als Eltern, solle man sich auf sein Bauchgefühl verlassen, dann würde man schon das Richtige tun. Ich habe diese Aussage eigentlich nie hinterfragt. Bis auf heute. Continue reading

Warum wir uns gegen Homeschooling entschieden haben

Dieser Artikel bezieht sich auf das Schweizer Schulsystem der neuesten Generation (HarmoS und LP21) sowie die hiesigen Möglichkeiten und Regeln von Privatunterricht und nicht auf die Verhältnisse in Deutschland.

Stillen, Tragen, Familienbett – das waren vor fünf Jahren die Pfeiler von Attachment Parenting, der beziehungsorientierten Elternschaft, was man in alternativen Kreisen besonders oft antrifft. Am Rande gehören dazu auch Themen wie Windelfrei, Vegetarismus/Veganismus, Nichtimpfen, Homöopathie, und sonst noch ein paar Dinge aus dem alternativ-esoterischen Spektrum. Auch in alternativen Kreisen gibt es Modeströmungen und eine solche stellt der zunehmende Trend zum Homeschooling und die Romantisierung des so genannten freien Lernens dar, den ich in meinem Umfeld zur Zeit beobachte. Continue reading

Schullager

HebiPics / Pixabay

Heute früh sind sie also abgefahren. 25 Fünf- und Sechsjährige auf dem Weg ins erste Schullager ihres Lebens. Etwas ängstlich waren sie, aber gleichzeitig freudig erregt. Vor Aufregung gabs bereits vor dem Abfahren eine Prügelei. Die ersten haben ihre Fresspäckli* schon im Mamataxi geöffnet und im Fussraum verteilt. So muss das sein!

Zurück blieben die Eltern, nach dem fröhlichen Winken betreten herumstehend, mit sorgevollen Gesichtern. Die eine oder andere Mutter ein Tränchen verdrückend. Continue reading

Mutterschaft in der Schweiz: Reply zu “Finding Europe – Elternschaft anderswo” von Séverine

Bildquelle: hslergr1 / Pixabay

“Paradiesische Zustände in der Schweiz”
Bildquelle: hslergr1 / Pixabay

Die spannende Serie “Finding Europa – Elternschaft anderswo” von Mama Notes zeigt, wie Elternschaft in verschiedenen europäischen Ländern gelebt und erlebt wird. Für die Schweiz hat Séverine alias “Mama on the Rocks” einen Beitrag geschrieben.

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So ein Ding kommt mir nicht ins Haus! – Teil fünfeinhalb

So ein Ding kommt mir nicht ins Haus! schrieb ich im August 2012, als es um die Anschaffung eines Laufrades ging. Und natürlich kam dann doch eines zu uns und wurde auch eifrig benutzt, um das Quartier unsicher zu machen.

Wie erwartet verlief dann die Umstellung aufs Fahrrad zwei Jahre später entsprechend problemlos. Er setzte sich aufs Velo und fuhr los: Continue reading

Die schönste Zeit des Lebens

Bild: elijahssong / Pixabay

Die Kindheit ist eine Zeit, um wunschlos glücklich zu sein. So endet eine Werbung für den Kinderriegel.

Woher stammt eigentlich dieser Anspruch, dass Kinder in einem ewigen Glücklichkeitsflash herumwuseln? Das ist doch nur Erwachsenennostalgie, im Rückblick entstanden, sozusagen die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies.

Denn Kinder sind mitnichten ständig glücklich. Einverstanden, sie leben in einem anderen Raum-Zeit-Kontinuum und sie tragen keine Verantwortung. Trotzdem erleben sie zahlreiche Frustrationen, Niederlagen, negative Emotionen. Niemand fühlt so stark, wie ein Kind und ich behaupte: Keiner leidet so stark, wie ein leidendes Kind. Beim jetzt fünfjährigen Kurzen gibt es immer noch nur Vollgas.

Wenn er fertig gefühlt hat, vergisst er relativ schnell – aber während er fühlt, gibt es nichts mehr anderes!

Ich glaube nicht, dass die Kindheit die glücklichere zeit ist – man vergisst das Negative nur sehr schnell. Vor allem dann, wenn da Erwachsene sind, die die Gefühle des Kindes ernst nehmen und sich nicht darüber lustig machen. Auch dann nicht, wenn der Anlass auf den ersten Blick lächerlich scheint. Denn die Gefühle sind echt und Kinder fühlen echt tief.

Trotzen: Es wird anders. Und besser. Definitiv besser.

Es gibt Tage, da schaffe ich es kaum, die nötige Gelassenheit für den von uns gewählten Erziehungsstil aufzubringen. […] An solchen Tagen würde man manchmal am liebsten die ganzen pädagogischen Konzepte in die Tonne treten und das Kind anbrüllen: “Ruhe jetzt oder ich geb’ dir einen Grund zum Heulen”.

So schrieb ich unter dem Titel “Trotzblog” vor ziemlich genau drei Jahren. Ja, Kurzer war ein starker Trotzer und “he gave us shit”, wie man in nicht ganz anständigem Englisch sagen würde. Jetzt ist er fünf durch und ich traue mich zu behaupten, die Gelassenheit, die wir dem Trotzden gegenüber an den Tag gelegt haben, zahlt sich jetzt aus. Continue reading

sleeping child

Den kriegst Du nie wieder aus dem Bett

Unter dem Stichwort “Kann er schon alleine einschlafen?” beschrieb ich im August 2010 weshalb wir unser Baby beim Einschlafen begleiteten. Der Kurze war da gerade mal 10 Monate alt.

Wie oft bekamen wir während seiner Babyzeit und später zu hören, dass wir ihn nie, NIE, NIEMALS mehr aus unserem Bett hinausbekommen würden, wenn wir ihm nicht endlich das alleine Einschlafen beibringen würden. “Da muss man auch mal hart bleiben” oder “lasst euch doch nicht so ins Bockshorn jagen” waren so Sätze, die immer mal wieder vorkamen.

Nun, wir blieben dann auch tatsächlich hart – auf unserer Linie!

Er schlief noch lange im eigenen Bettchen neben unserem grossen Bett, meistens jedoch schlief er mit Papa oder mir im grossen Bett ein und wir legten ihn dann in seines, sobald wir ins Bett gingen. So ungefähr ab 14 oder 15 Monaten merkten wir dann ab und zu, dass unsere Anwesenheit ihn von Einschlafen abhielt. An solchen Abenden schlich man sich dann mit einer Entschuldigung aus dem Zimmer (“ich muss schnell pinkeln gehen”), wartete ein paar Minuten und die reichten dann zum Einschlafen.

Manchmal schlichen wir uns auch einfach so raus, weil wir keine Lust hatten, daneben zu liegen. Gerade mir, die in der Zeit abens um sieben bereits eine Überdosis Kurzen hatte, fiel es nicht immer leicht, ruhig und gelassen daneben zu liegen, ich brauchte ein paar Momente für mich selber. Das merkte der Kurze natürlich und klammerte umso mehr.

Ich kann mich erinnern dass ich in der Zeit öfter mal einen Abendspaziergang machte, im Wissen dass Kurzer wegen meiner Abwesenheit traurig sein würde – aber sein Papa ganz nah bei ihm wäre. Trotzdem hatte ich ein schlechtes Gewissen, merkte aber ganz stark, dass ich auch für mich selber schauen musste. Sonst hätte ich am nächsten Tag keine aufmerksame, zugewandte Mutter sein können, sondern wäre gereizt gewesen und hätte mich weit weg gewünscht.

Etwa mit zwei Jahren schraubten wir die Füsse wieder an unser Bett ran, während die Matratze des Kurzen am Boden blieb. So lernte er sanft, während der Nacht zwar nicht allein zu sein, aber doch ohne ständigen Körperkontakt.

Etwa ab dem dritten Geburtstag sprachen wir mit ihm darüber, dass grössere Kinder eigene Betten im eigenen Zimmer hätten. Zuerst dachte er, das ginge ihn nichts an. Im Frühjahr, als er 3.5 war, fuhren wir dann ins Bauhaus, Material zu kaufen um sein Zimmer einzurichten. Er durfte mithelfen das Secondhand-Hochbett zu dekorieren, die Zimmertür zu ersetzen, ein Gestell zu konstruieren für sein “Funkgerät” (Babyphone).

Dann zog er aus.

Mann, war das ein komisches Gefühl. Ich erwachte zig Mal während der Nacht und lief rüber um zu schauen, ob es ihm gut ging. Mit der Zeit gewöhnte ich mich daran. Das Babyphone blieb jedoch immer angeschaltet, auch heute noch. In der verwinkelten Mittelalter-Wohnung höre ich ihn sonst weder rufen noch weinen.

Er ist jetzt fünf Jahre alt. Wir haben ihm sein Einschlafen immer selber überlassen und hatten nie, so weit ich mich erinnern kann wirklich noch kein einziges Mal Streit oder Konflikte was das Zubettgehen betrifft. Er sagt selber, wo er einschlafen will und ob er noch kuscheln will oder nicht. Meistens fragt er für eine Gutenacht-Geschichte im grossen Bett und danach schläft er entweder dort ein (und wird später in sein eigenes Bett rüber getragen) oder er watschelt direkt nach der Geschichte selber rüber.

Ganz selten mal sagt er, er könne nicht einschlafen, dann darf er noch Musik hören oder noch ein wenig im Sitzsack im Wohnzimmer sitzen und Büchlein lesen. Von uns erhält er jedoch nach acht Uhr kein Unterhaltungsprogramm mehr. Nach acht ist Mamazeit und Papazeit. Das weiss und akzeptiert er und meistens geht es nicht lange, bis er wieder in seinem Zimmer verschwindet.

Wenn er krank ist, ihn etwas beschäftigt oder es ihm nicht gut geht, fragt er manchmal, ob er bei uns im grossen Bett schlafen darf. Wie neulich, als er von der Leiter gefallen war und schlimme Rückenschmerzen hatte. Da war dann Papa so lieb und schlief auf dem Gästesofa, und Kurzer ausnahmsweise bei mir. Oder es kam auch schon vor, dass ich mit Kurzem auf dem Gästesofa schlief, weil er so sehr hustete, dass wir alle davon aufgewacht waren. Aber das sind Ausnahmen. Sehr oft jedoch erwachen wir morgens zu dritt im Bett und keine/r hat was gehört oder gesehen. Vielleicht kann er ja beamen?

Aufgrund unserer eigenen Erfahrungen bin ich heute klar davon überzeugt, dass Gelassenheit bei der Schlaffrage die besten Resultate bringt: Nichts erzwingen wollen und dem Kind Eigenkompetenz zugestehen ist der Weg zu harmonischen Feierabenden und entspanntem Einschlafen.

 

Andere Leute, andere Sitten: