Category Archives: Elternschaft

Plädoyer für elterliche Weiterbildung und gegen das Bauchgefühl

Seit mein Sohn auf der Welt ist und ich mich öfter mal mit Eltern über Erziehungs- und Kinderthemen unterhalte, heisst es immer mal wieder, als Mutter, als Eltern, solle man sich auf sein Bauchgefühl verlassen, dann würde man schon das Richtige tun. Ich habe diese Aussage eigentlich nie hinterfragt. Bis auf heute. Continue reading

Mutterschaft in der Schweiz: Reply zu “Finding Europe – Elternschaft anderswo” von Séverine

Bildquelle: hslergr1 / Pixabay

“Paradiesische Zustände in der Schweiz”
Bildquelle: hslergr1 / Pixabay

Die spannende Serie “Finding Europa – Elternschaft anderswo” von Mama Notes zeigt, wie Elternschaft in verschiedenen europäischen Ländern gelebt und erlebt wird. Für die Schweiz hat Séverine alias “Mama on the Rocks” einen Beitrag geschrieben.

Continue reading

Mommy wars? Du meine Güte!

Erst wollte ich diesen Artikel mit “Werdet endlich erwachsen oder wartet mit Kinderkriegen, bis ihr es seid” betiteln, dachte dann aber es wäre vielleicht etwas harsch…

skeeze / Pixabay

skeeze / Pixabay

Es mag einer der Vorteile später Mutterschaft sein, dass man sich nicht mehr so oft damit aufhält, was andere über einem denken (oder es einem weniger belastet als noch vor 10 oder 20 Jahren). Continue reading

Vom Vertrauen und vom Loslassen

Von der ersten Sekunde an, in der mein Sohn geboren wurde, musste ich ihn anderen Menschen anvertrauen. Da mir irgendwann im Laufe meiner eigenen Biographie das Vertrauen in meine Mitmenschen abhanden gekommen war, war das eine harte Lektion.

eloisa / Pixabay

eloisa / Pixabay

Schon das Wort “Anvertrauen” beinhaltet “Vertrauen”: Darauf vertrauen, dass sie es grundsätzlich gut meinen mit meinem Kind. Darauf vertrauen, dass sie meinem Kind weder selber Schaden zufügen, noch zulassen, dass es Schaden erleidet. Continue reading

Sprachlos

Dieser Artikel ist Teil der 2. Blogger Thementage zum Thema “Gemeinsam stark”

~~|~~

Zum Thema Kommunikation wollte ich etwas beitragen. Aber eigentlich kann ja gar nicht aus erster Hand mitreden: Ich bin ja nicht behindert und mein Kind soweit man das abschätzen kann, auch nicht. Wie die meisten Menschen habe ich – soweit ich weiss! – äussert selten Kontakt zu Behinderten.

Wie ich also so über das Thema Behinderung und Kommunikation nachdenke, kommen mir verschiedene Personen, Begegnungen und Erlebnisse in den Sinn. Selber Erlebtes und Gehörtes. Meine Gedanken schweiften in die eine und in die andere Richtung, aber ich konnte mich nicht auf ein Thema festlegen.

All die Erlebnisse und Begegnungen, die mir in den Sinn kommen, haben nur eine Gemeinsamkeit: Die Sprachlosigkeit, nicht wissen was sagen oder sich nicht mehr rechtfertigen wollen.

.

Wie kommuniziert man mit Behinderten?

Nicht anders, als mit anderen Menschen nehme ich mal an. Eigentlich müsste das doch so sein. Im Internet ist es einfach zu sagen “so und so, dann passt das schon”, aber im richtigen Leben ist es viel schwerer. Man will schliesslich nichts falsch machen, niemanden beleidigen, niemanden verletzen, und sagt am Ende aus den richtigen Gründen das Falsche. Oder fast noch schlimmer: Man sagt gar nichts, sondern dreht sich weg, tut als hätte man den anderen Menschen nicht gesehen, frei nach dem Motto “wenn ich dich nicht sehen kann, kannst Du mich auch nicht sehen”.

So ging es auch mir, als Kurzer im Bahnhof Bern beim Treffpunkt laut brüllte:

“Schau mal Mama, ein Mann mit Rädern, ich will auch Räder haben!”

Was sagt man in so einem Moment? Zum Kind, zu dem Mann? Mir hat es einfach die Sprache verschlagen, ich habe den grinsenden Herrn im Rollstuhl ebenfalls angegrinst und Kurzem vor Verlegenheit stammelnd erklärt, er solle bitte nicht so laut rumbrüllen.

Ich denke, mit Behinderten zu kommunizieren ist an Ende auch nicht schwieriger als mit anderen Menschen. Aber dazu muss man sich natürlich erst mal durchringen, den Menschen zu sehen statt seiner Behinderung.

.

Wie kommuniziert man Behinderung?

Damit meine ich jetzt nicht, wie man einem Kind erklärt, was Behinderung sei. Dazu hat Raul Krauthausen hier schon alles gesagt, was es zu sagen gibt.

Ein Rollstuhl, Blindenstock, Begleithund oder sonstiges Hilfsmittel sind sichtbar, und sie lassen auf die entsprechende Behinderung schliessen auch ohne dass die behinderte Person oder ihre Begleitung extra darauf hinweisen müsste.

Aber was ist mit unsichtbaren Behinderungen?

Neulich sprach ich mit der Mutter eines Mädchens mit Asperger-Autismus. Bis auf einige Ausraster und Meltdowns macht das Kind einen völlig normalen Eindruck. Ihre Eltern und sie selber haben gelernt, mit der Behinderung umzugehen und wann immer möglich die Meltdowns zu umschiffen. Es gibt jedoch Momente, da kreischt die Tochter los, manchmal aus heiterem Himmel, manchmal aus einem für uns nichtigen Anlass, der höchsten noch die Augenbraue eines Dreijährigen zucken lassen würde.

Wie kommuniziert man die Behinderung in einem potenziell feindlichen Umfeld? Den unbeteiligten Zuschauern, deren Uninformiertheit sie weder davon abhält, sich eine (negative) Meinung über die Erziehungsfähigkeiten der Mutter zu bilden noch diese kundzutun?

“Manchmal wünschte ich, meine Tochter sässe im Rollstuhl. Das ist furchtbar.”

Das ist es. Das Furchtbarste daran ist, in einem Umfeld leben zu müssen, wo eine Mutter die Behinderung ihrer Tochter wieder und wieder erklären muss und trotzdem auf kein Verständnis stösst, weder für ihre Tochter noch für sich selber.

Besagte Mutter hat aufgehört darüber zu reden. Wenn ihre zwölfjährige Tochter ein Verhalten an den Tag legt, das dem klassischen Trotzanfall eines Dreijährigen ähnlich sieht, dann ist das halt so. Sie mag nicht mehr erklären. Jeder Versuch führte zu noch mehr Erklärungen, Fragen, direkten und indirekten Vorwürfen und Kritik an ihren Fähigkeiten als Mutter, als Pädagogin, als Mensch.

Nicht mehr reden mögen.
Nicht mehr erklären mögen.
Auch das ist Kommunikation.

.

Die Tochter einer andere Bekannten hat bei der viel zu frühen Geburt einen irreversiblen Gehirnschaden erlitten. Während andere Mütter mit so kleinen Babys sich freudig über jeden Pups unterhalten, dreht sie sich mit Tränen in den Augen weg.
Von einem Tag auf den anderen befand sie sich auf einem anderen Planeten. Oder in Holland.
Was soll sie schon sagen?
Was sollen die anderen ihr schon sagen?
Von einem Tag auf den anderen steht da eine Mauer und macht die Menschen auf beiden Seiten sprachlos.

.

Die Sprachlosigkeit fängt aber schon früher an:

“Immer wieder fuhr der Arzt mit dem 
Ultraschallkopf über die gleiche Stelle an ihrem Bauch. Er schwieg […]”

So berichtete Stefanie Steiner der Zeitschrift “Der Beobachter”. Hier war der Arzt sprachlos. Wie erklärt ein fühlender Mensch den sich hoffnungsvoll freuenden Eltern eines werdenden Kindes, dass es schwerst behindert sein, den sicheren Tod oder aber zahlreiche schwere Operationen vor sich haben wird?

Die Eltern des kleinen Nael verharrten nicht in Sprachlosigkeit, sondern kommunizieren offensiv. Sie gründeten die Gruppe “Lebenssturm” für Eltern von kranken und behinderten Kindern zur gegenseitigen Unterstützung. Denn oft ist es schwierig oder unmöglich mit Menschen zu reden, die nicht denselben Weg gegangen sind. Also ob man eine andere Sprache spräche.

Seit Kurzem setzt sich auch der vom Ehepaar Steiner gegründete Verein Fontanherzen Schweiz bei Behörden, IV und Krankenkassen für Kinder mit Fontanherz und ihre Familien ein, und informiert über diesen Herzfehler und seine Folgen. So bieten sie betroffenen Familien eine Ansprechstelle, die die Kommunikation nach Aussen vereinfacht.

.

Und da war da noch die junge Frau mit Trichotillomanie, die sich so sehr für ihre Krankheit – und was sie aus ihr macht – schämte, dass sie lieber Freunde verlor, als arrogant und eigen galt, als darüber zu reden. Scham, aber auch (berechtigte) Angst vor den Reaktionen der Anderen auf ihre Krankheit, Angst davor, den Respekt der Freunde zu verlieren, wie sie zuvor den Respekt vor sich selber verloren hatte.

Was wiegt schwerer? Die Sprachlosigkeit, der Rückzug und die freiwillige Selbstbeschränkung oder der Respekt, die Würde und der Stolz?

.

Mehr Offenheit in der Kommunikation wäre zwar schön. Aber noch viel mehr braucht es Menschen, die zuhören ohne zu werten, annehmen ohne RatSCHLÄGE zu erteilen, und aufhören, Menschen mit Behinderung oder ihre Pflegepersonen im Alltag zu behindern.

Vierjahreskontrolle: Volle Kooperation

So hätten wir den lang ersehnten Termin mit mehr oder weniger Anstand hinter uns gebracht. Im Vorfeld habe ich Kurzem – immer schön nahe am Kind – erklärt was auf ihn zukommen wird und was ich von ihm erwarte. Nicht weniger als die totale Kooperation!

Rolf van Melis  / pixelio.de

Rolf van Melis / pixelio.de

Wägen, messen, temperieren, auf einem Bein hüpfen und sich die Nase anfassen – wie erwartet und wie erwartet alles kein Problem.

Die Impfung hat er stoisch über sich ergehen lassen, nur als sie ihm ein Dinopflaster aufkleben wollte – Dinos sind für Babys! – gab es kurz Radau, aber auch nur bis Kurzer das gewünschte Pflästerchen mit einem lila Hasen aufgeklebt bekommen hat.

Aber dann ging der Kinderarzt zur Kontrolle der Entwicklungsstandes über. Auf dem Spiel steht nicht mehr und nicht weniger als die Einschulung in die “petite école” im nächsten Sommer.

“Kurzer, kannst Du schon zählen?”
“Ja”
“Dann gib mir mal bitte 3 Klötze”
“Nein”
“Gib mir bitte mal 3 Klötze, ich möchte wissen ob du weisst, wieviele Klötze 3 sind”
“Ja, das weiss ich”
“Dann gib sie mir bitte”
“Nein”

Und das war erst der Anfang!

“Kurzer, du hattest doch eben erst Geburtstag, wie alt bist du denn jetzt?”
Schulterzucken
“kannst du es mir mit den Fingern zeigen?”
Schulterzucken
“bist du zwei jährig?”
“bin ich auch schon gewesen”
“oder bist du drei jährig?”
“bin ich auch schon gewesen”
“oder bist du vielleicht vier?”
“weiss nicht”
“kannst du es mir mit den Fingern zeigen?”
Kurzer streckt dem Kinderarzt beide Hände hin.
“Mit welchen soll ich?”

So ging das dann noch eine Zeit lang weiter, das Gespräch führte über den Geburtstag zu den erhaltenen Geschenken.

“Was hast du denn zum Geburtstag gekriegt?”
“ein Kraktor”
“ein WAS?”
“ein John Deere 6210 aber ohne Frontlader aber den wünsche ich mir noch ganz fest”
“ach so, einen Traktor? kann man auf dem fahren?”
“nein”
(ich so: “???”)
“dann ist es so ein kleiner Traktor?” (Arzt zeigt mit den Händen)
“nein”
“also ein grosser? ist er grösser oder kleiner als deine Katze?”
“ich will nicht teilen!”

Nun, das ging dann fast eine Stunde lang so weiter. Arzt fragte was, Kurzer antwortete entweder wörtlich auf die Frage, oder aber – vermeintlich total zusammenhangslos – auf eine ganz andere Frage. Er geht halt davon aus, dass das, was er weiss oder erlebt hat, allgemein bekannt ist.

Lange Rede, kurzer Sinn: Unser Nicht-mehr-so-ganz-Kurzer hat wieder mal aus dem Vollen geschöpft! Immerhin hat er nicht den Rainman gegeben, wie bei der Zweijahreskontrolle, aber ein Besuch bei der Kinderpsychiaterin zur Abklärung wurde uns dringend ans Herz gelegt, weil das Kind irgendwie nicht so ist, wie die anderen.

Auf meine Gegenfrage, wer denn schon sein wolle wie alle anderen, wusste der Kinderarzt nichts zu sagen. Dafür Eckart von Hirschhausen: “Versuch lieber, Dich selber zu sein. Andere gibt es schon genug!”

Zum weiter Lesen:

Jede Mutter kann schlafen lernen – wenn man sie nicht hängen lässt!

Fast zeitgleich mit Nora Imlaus “Geheimnis zufriedener Babys”, das Eltern ermutigt, möglichst vollständig auf die Bedürfnisse ihres Babys einzugehen , veröffentlichte der Verlag Gräfe und Unzer (GU) diesen Herbst eine weitere Auflage ihres umstrittenen Longsellers “Jedes Kind kann schlafen lernen”.

In den sozialen Medien und auf Blogs wird nun eine Petition herumgereicht, die den Verlag GU dazu auffordert, das umstrittene Buch vom Markt zu nehmen. Obwohl ich das Buch mehr als kritisch ansehe und von seinem Kauf oder der Anwendung der darin propagierten Methode dringend abrate, habe ich die Petition nicht unterschrieben. Und ich finde es auf Deutsch gesagt unter aller Sau, wie die in der Petition namentlich genannte zuständige Pressesprecherin des Verlags teilweise beschimpft wird. Die Presseabteilung macht das Verlagsprogramm nicht!

Ich mag die Methode des “kontrollierten” alleine weinen Lassens – der Ferber-Methode – nicht. Wegen des hohen Stresses, dem das Baby dabei ausgesetzt wird, halte ich sie für gesundheitsschädigend und dass das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und ihrem Kind bereits im frühen Babyalter so bedroht wird, halte ich ebenfalls für ungut. Es finden sich heute zahlreiche Studien, die die Schädlichkeit verschiedener Aspekte der Methode beschreiben (wenn auch nicht der Ferber-Methode als Ganzes).
(wer sich dafür interessiert: Kathrin Szabó von nestling.org hat eine einfach verständliche Zusammenfassung über diese Art Schlaflernprogramme geschrieben: Schlaflernprogramme, ein Blick hinter die Schreikulisse und in der Broschüre “Kinder brauchen uns auch nachts” von Sibylle Lüpold kommen erklären namhafte Experten – Largo, Renz-Polster, Hüther, Sears, u.v.m. – die möglichen Nebenwirkungen der Ferber-Methode)

Trotz allem wird die Methode weiter propagiert. Sie verspricht eine schnelle Lösung für ein Problem, das offenbar viele Eltern haben und da so viele Leute das auch gemacht haben und erzählen, ihr Kind hätte keinen Schaden davon getragen, wird die Sache zum Selbstläufer. Wer “es” getan hat wird sich immer damit rechtfertigen, dass “es” funktioniert hat und beim Kind kein kurzfristig wahrnehmbarer psychischer Schaden feststellbar sei. “Und es liebt mich immer noch so stark wie vorher”.

Was sollen denn Eltern sonst sagen, die sich aus Unwissen oder reiner Verzweiflung heraus zu dieser Methode entschlossen haben?!

Es gibt bereits genug Hexenjagden. Auch ein Verbot dieses Buches oder der Ferber-Methode würde das Grundproblem heutiger Eltern nicht lösen: Die Isolation, die Tatsache, dass die meisten während den anstrengenden ersten Lebensmonaten völlig allein auf sich selber gestellt sind, das Fehlen eines Stammes. Diese Problematik verschwindet nicht einfach mit dem Buch!

Statt auf verzweifelte Eltern schlafloser Babys und Kleinkinder herumzuhacken wäre es meiner Meinung nach sinnvoller und zielführender, ihnen Hilfestellung zu geben. Sei es im Internet mit Ermutigung und Aufmunterung, dem Hinweis auf andere Ratgeber, wie oben erwähntes “Geheimnis zufriedener Babys” von Norma Imlau oder Elizabeth Pantleys “Schlafen statt Schreien” (Werbelink).

Und daneben natürlich die praktische, tatkräftige Mithilfe. Es ist immer einfach, andere zu kritisieren. Aber der übermüdeten Nachbarin mit Neugeborenen anzubieten, mit diesem zwei Stunden spazieren zu gehen, damit die Mutter mal ein Bad nehmen oder sich in Ruhe aufs Ohr hauen kann, ihr einen Teil des Haushaltes abzunehmen oder für die junge Familie ein paar Mahlzeiten zu kochen, ist auf Dauer nutzbringender.

Aufklärung tut dringend Not, aber bitte nützliche, positive Aufklärung: Was können Eltern stattdessen ändern, das der ganzen Familie zu mehr Schlaf verhilft? Und was können wir selber konkret tun, um übermüdeten Eltern zu helfen?

Natürlich will ich eine perfekte Mutter sein

Die perfekte Mutter nach den Vorstellungen einiger

Die perfekte Mutter nach den Vorstellungen einiger

Ich bin keine perfekte Mutter. Zum Glück.” titelte Susanne Mierau in ihrem gleichnamigen Beitrag auf “Geborgen Wachsen”, dem Blog für bindungsorientierte Elternschaft.

Aber ja doch, liebe Susanne, natürlich bist Du eine perfekte Mutter! Was Du nicht bist, ist eine Mutter nach den Standards, die irgendwelche Fremde vor langer Zeit gesetzt haben und die nichts, aber auch gar nichts mit der heutigen Lebensrealität gemein haben (auch nicht mit der damaligen, um genau zu sein).

Was ist denn eine perfekte Mutter? Etwa eine, die sich ungefragt für ihre Kinder aufopfert (und ihnen das Jahre später bei jeder sich bietenden Gelegenheit unter die Nase reibt)? Sicher nicht!

Eine perfekte Mutter erfüllt die Bedürfnisse ihrer Kinder, solange diese es nicht selbst tun können. Der Rest ist Supplément: Solange es Spass und Freude macht, umso besser – und wenn’s keine Freude mehr macht, dann lässt es die perfekte Mutter sein und schaut, wie sie sich organisieren kann, damit es für das Kind und für sie selber stimmt.

Eine perfekte Mutter tut mitnichten alles für ihr Kind. Im Gegenteil: Sie überlässt ihm so viel Eigenverantwortung, wie dieses selber übernehmen kann. Jeden Tag ein kleines Bisschen mehr. Und sie lässt es üben, selber ausprobieren, eigene Fehler machen, trainieren, immer wieder, bis es eine Aufgabe meistern kann. Das ist nur möglich, wenn man dem Kind auch erlaubt, wiederholt zu versagen. Denn anders kann es sich die geistigen oder körperlichen Muskeln nicht antrainieren, die es für den Erfolg benötigt. Das Versagen des Kindes und die damit einhergehenden Frustrationen, die muss die perfekte Mutter aushalten können!

Eine perfekte Mutter liest ihrem Kind auch nicht jeden Wunsch von den Augen ab, geschweige denn erfüllt sie ihm diesen. Denn wie soll das Kind auf diese Weise lernen können, für etwas zu kämpfen, wichtige und unwichtige Wünsche zu unterscheiden oder die wunderbare Befriedigung zu erleben, die man verspürt, wenn man sich für etwas hat anstrengen müssen und es schlussendlich erreicht hat? Die Glacé, die man sich durch Jäten hat verdienen müssen, der schmeckte so viel besser als die, die man einfach so bekam. Die perfekte Mutter gönnt ihrem Kind dieses Gefühl! Das heisst nicht, dass sie ihr Kind nicht auch verwöhnen darf, wie sie auch andere geliebte Menschen von Zeit zu Zeit verwöhnt und ihnen einen Gefallen tut. Eine perfekte Mutter sorgt jedoch dafür, dass das Kind lernt, die Ausnahme als Solche zu erkennen und nicht als Normalität.

Eine perfekte Mutter ist kein Roboter, jeden Tag ausgeglichen und freundlich gelaunt. Eine perfekte Mutter ist ein echter Mensch, mit Launen, mit Spleens, mit guten und mit schlechten Angewohnheiten. Eine perfekte Mutter ist an manchen Tagen erzgeduldig und an anderen brüllt sie ihr trotzendes Kind an – und wenn es deswegen weinen muss, setzt sie sich zu ihm und erklärt ihm weshalb sie so gereizt ist.

Das ist das Wichtigste, was eine perfekte Mutter tun kann: Mit ihrem Kind sprechen. Es war die wichtigste Lektion, die ich schon am ersten Lebenstag meines Sohnes erhalten habe: “Sprechen sie mit ihm, sagen sie ihm, wie es Ihnen geht und wie Sie fühlen. Die [Kinder] verstehen mehr, als man meint”. Daran habe ich mich seither gehalten und mir scheint, es funktioniert nicht schlecht.

Eine perfekte Mutter gibt ihr Bestes!

Mehr geht nicht und mehr ist auch nicht gut.

Und irgendwie geben wir doch alle unser Bestes, nicht?

(und ob wir wirklich gute Mütter waren, werden uns unsere Kinder in zehn, zwanzig oder dreissig Jahren sagen – sie sind die Einzigen, die das überhaupt beurteilen können)

~~~||~~~

Zum weiterlesen:

Auf der Suche nach Supermutti

In Blogs, Diskussionsforen, Online-Magazine, Ratgeber und Kein-Ratgeber-sein-wollende Ratgeber grinst sie uns zähnefletschend an: Die Supermutti!
Schreckfigur aller Durchschnittsmütter, Verkörperung von schlechtem Gewissen und schlaflosen Nächten.

Ein Rudel Supermuttis beim Spaziergang <br>Bundesarchiv, Bild 183-1989-0413-015 / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

Ein Rudel Supermuttis beim Spaziergang
[CC-BY-SA-3.0-de], via Wikimedia Commons

Als akademisch gebildete Einzelkindspätmutter mit einer Affinität zu Ratgeberliteratur passe ich natürlich voll ins Supermuttischema und stehe somit auch potenziell unter Supermuttiverdacht. Continue reading