Category Archives: Schule

Fuck

Der Finger des Anstosses

Aus der Schule kommt ein Anruf.

“Kurzer zeigt seinen Kamerädchen ständig den Mittelfinger!” säuselt eine empörte Stimme.

“Fuck”, denke ich, “geht das schon wieder los?”

Kurzer ist impulsiv, nahe am Wasser gebaut und reagiert wunderbar vorhersehbar auf Pöbeleien anderer Kinder. Ein perfektes Opfer auf dem Pausenplatz. Continue reading

„Die Lehrerin will immer über mich bestimmen“ – Die erste Schulwoche des Kurzen

Vielerorts in Deutschland und der deutschsprachigen Schweiz ist die Einschulung ja eine ganz grosse Sache. Hier in der Westschweiz ist der Übergang von der Vorschule zur „richtigen“ Schule fliessend und eher so ein historisches Überbleibsel aus der Zeit vor der Harmonisierung der Lehrpläne (Harmos). Continue reading

Warum wir uns gegen Homeschooling entschieden haben

Dieser Artikel bezieht sich auf das Schweizer Schulsystem der neuesten Generation (HarmoS und LP21) sowie die hiesigen Möglichkeiten und Regeln von Privatunterricht und nicht auf die Verhältnisse in Deutschland.

Stillen, Tragen, Familienbett – das waren vor fünf Jahren die Pfeiler von Attachment Parenting, der beziehungsorientierten Elternschaft, was man in alternativen Kreisen besonders oft antrifft. Am Rande gehören dazu auch Themen wie Windelfrei, Vegetarismus/Veganismus, Nichtimpfen, Homöopathie, und sonst noch ein paar Dinge aus dem alternativ-esoterischen Spektrum. Auch in alternativen Kreisen gibt es Modeströmungen und eine solche stellt der zunehmende Trend zum Homeschooling und die Romantisierung des so genannten freien Lernens dar, den ich in meinem Umfeld zur Zeit beobachte. Continue reading

Noch ein Diskussionspunkt zum sog. “Diagnose- und Therapiewahn”

Wieder schwappt eine Welle von Empörung durch die Schweiz. “Therapiewahn” wird  geschrieben und “ist das alles nötig?” gefragt, eine “Therapeutenmafia” soll unsere Kinder im Würgegriff haben. Artikel in der NZZ, dem Tagesanzeiger und in diversen Blogs zeugen davon, dass die Frage, weshalb immer mehr Kinder in immer mehr Abklärungen geschickt werden, viele Menschen beschäftigt (*).

“Hilfe von außen steht und fällt mit einer Diagnose des Kindes”, schreibt  Leidenschaftlichwidersynnig unter dem Titel “Hilf Dir selbst…

Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch für die Schweiz. Ohne zahlreiche Abklärungen und abschliessender Diagnose vor dem 5. bzw. dem 9. Geburtstag gibt es bei Verhaltensauffälligkeiten keine finanzielle Unterstützung durch die IV. Für Eltern aus Mittelstand oder Unterschicht hingegen ist es schlicht nicht möglich, ihren Kindern benötigte Förderung aus eigener Tasche zu bezahlen.

Also wird ab Kindergarteneintritt (zwischen 4 und 5 Jahren) therapiert und getestet, abgeklärt und diagnostiziert, damit das Kind, sollte Punkt 404-406 aus dem Anhang 1 der “Verordnung über Geburtsgebrechen” zur Anwendung kommen,  Unterstützung zugute hat:

404.Störungen des Verhaltens bei Kindern mit normaler Intelligenz, im Sinne krankhafter Beeinträchtigung der Affektivität oder Kontaktfähigkeit, bei Störungen des Antriebes, des Erfassens, der perzeptiven Funktionen, der Wahrnehmung, der Konzentrationsfähigkeit sowie der Merkfähigkeit, sofern sie mit bereits gestellter Diagnose als solche vor der Vollendung des 9. Altersjahres auch behandelt worden sind; kongenitale Oligophrenie ist ausschliesslich als Ziffer 403 zu behandeln.
405.Autismus-Spektrum-Störungen, sofern diese bis zum vollendeten 5. Lebensjahr erkennbar werden
406.Frühkindliche primäre Psychosen, sofern diese bis zum vollendeten 5. Lebensjahr erkennbar werden

Anders ausgedrückt: Die Diagnose muss bis zum 5. bzw. 9. Geburtstag stehen. Das ist meines Erachtens der Hauptgrund, weshalb man den Kindern oft eben nicht die Zeit geben kann, sich selber zu entwickeln, bevor abgeklärt wird. Sollte sich der Verdacht nicht erhärten, hat das Kind auch nach der Abklärung noch alle Zeit der Welt, sich mit oder ohne Unterstützung durch Psychomotorik, Logopädie und was es sonst noch alles gibt in seinem eigenen Tempo zu entwickeln.

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(*) Meistens solche, deren Kinder gesund und altersgemäss entwickelt sind und kein Therapieangebot in Anspruch nehmen. Honi soit qui mal y pense.