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25 Jahre UN-Kinderrechtskonvention (bei Lokalo24.de)

lokalo24.deMeine Oma kam 1918 halb verhungert als “Rotkreuzkind” aus Schlesien in die Schweiz, um sich von den Strapazen des fürchterlichen Krieges zu erholen, den sie eben überlebt hatte. Sie war damals nicht die einzige. Tausende von Kindern wurden im Ersten Weltkrieg aus ihrer Heimat vertrieben, litten an Hunger und Krankheiten. Für reiche EuropäerInnen war das Elend der Kinder plötzlich sehr nah und manche von ihnen sahen Handlungsbedarf.
So entstand die Idee einer internationeln Konvention zum Schutz der Rechte der Kinder. Weiterlesen bei lokalo24.de: 25 Jahre UN-Kinderrechtskonvention

Kinder in einem Flüchtlingslager

Kinder in einem Flüchtlingslager (tpsdave / Pixabay)

 

Die Burnout-Spirale: Ohne Bremsen in den Abgrund (bei lokalo24.de)

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Grundsätzlich spricht ja nichts dagegen, wenn man sich hohe Ziele setzt und diese auch möglichst gut erledigen möchte. Beides sind Werte, die in unserer Kultur und Gesellschaft positiv besetzt sind: Fleiss und qualitativ gut gemachte Arbeit. Continue reading

Der Weg in die Hölle ist mit Pflichtgefühl und viel Einsatz gepflastert: Mütter im Burnout (bei lokalo24.de)

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Für diesen Artikel bei lokalo24.de habe ich mit zahlreichen Müttern gesprochen oder mich schriftlich mit ihnen unterhalten und das Ausmass und die Tiefe ihrer Erfahrungen hat mich zum Nachdenken und schliesslich auf die Idee des Themenschwerpunktes “Burnout” hier in diesem Blog gebracht: Continue reading

Wenn Ihr Baby nicht schlafen kann (bei lokalo24.de)

lokalo24.deErst gerade hatte ich mehrere Anfragen wegen Babyschlaf – und da fiel  mir auf, dasss ich den folgenden Artikel noch gar nicht hier auf dem Blog verlinkt hatte. Er ist aus dem Oktober letzten Jahres, aber inhaltlich natürlich immer noch topaktuell.

“Für Eltern schlecht schlafender Säuglinge hilft meistens kein Buch und kein Ratgeber, sondern vor allem: Gelassenheit, Unterstützung und Ermutigung, einen Weg zum Schlaf zu finden, der den Bedürfnissen aller Familienmitglieder gerecht wird.” [Weiterlesen: Wenn Ihr Baby nicht schlafen kann.]

Baby-Ernährung im ersten Lebensjahr: Das raten Experten

Nach der Überarbeitung ihrer Empfehlungen für die „Ernährung gesunder Säuglinge im ersten Lebensjahr“ erhielt die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin (DGKJ) viel Kritik, besonders aus der Reihen alternativer Mütter, die BLW (baby lead weaning) praktizieren oder vegan leben (oder beides). Deshalb wollte ich natürlich wissen, ob die DGKJ wirklich gegen das alles ist und habe nachgeforscht. Alles halb so schlimm, ist mein Fazit: Baby-Ernährung im ersten Lebensjahr: Das raten Experten.

(dieser Artikel entstand im August 2014 für die Kasseler Internetplatform Lokalo24.de)

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Baby-Ernährung im ersten Lebensjahr:
Stillen so lange wie möglich und Brei ab vier Monaten

von Katharina Bleuer

Die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin (DGKJ) hat ihre Empfehlungen für die „Ernährung gesunder Säuglinge im ersten Lebensjahr“ überarbeitet und teilweise neu formuliert. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der körperlichen Gesundheit und der Verhütung späterer gesundheitlicher Probleme wie Allergien oder Übergewicht.

So lange wie möglich Stillen

Stillen Sie Ihr Baby während den ersten 4-6 Lebensmonaten möglichst ausschließlich. Auch teilweises oder kürzeres Stillen oder das Füttern von abgepumpter Muttermilch haben eine positive Wirkung.

Wenn Sie Ihr erstes Kind stillen, suchen Sie Unterstützung bei einer qualifizierten Still- und Laktationsberaterin (Adressen am Ende dieses Artikels)1.

Zwei Ursachen können dazu führen, dass Ihr Baby nicht satt wird: Entweder kann das Baby aus einem Grund nicht gut trinken oder Ihre Brüste produzieren nicht genug Milch. Hat das Kind eine Trinkschwäche, können Sie ihm abgepumpte Muttermilch mit der Flasche (ggf. über eine Magensonde) geben. Reicht Ihre Milch nicht aus, kann Ihnen eine qualifizierte Still- und Laktationsberaterin mit Maßnahmen zur Milchbildung helfen. Reichen diese nicht aus, kennt sie sich auch mit Muttermilch-Ersatzprodukten aus und kann Sie beraten.

Wenn Stillen nicht gewollt oder nicht möglich ist: Muttermilchersatz

Wenn Sie nicht stillen, ernähren Sie Ihr Baby bis zur Beikostreife mit Pre- oder 1-Nahrung. Die Auswahl ist groß und vielleicht müssen Sie verschiedene Sorten testen, bis Ihr Kind eine mag. Pre- oder 1-Milchen können – wie Muttermilch – „nach Bedarf“ gegeben werden, d.h. so oft und so viel, wie Ihr Baby verlangt.

Wenn Mutter, Vater oder andere nahe Verwandten Allergien haben, fragen Sie Ihren Kinderarzt nach Hydrolysatnahrung (HA-Nahrung).

Laktose- oder galaktosefreie Sojaeiweißmilch kann im Vergleich zu Pre- und 1-Milch Nachteile haben. Deshalb sollten Sie sie nur dann geben, wenn medizinische Gründe dafür sprechen oder wenn Sie Ihr nicht gestilltes Kind vegan ernähren wollen. Lassen Sie in diesem Fall regelmäßig die Blutwerte Ihres Kindes prüfen, um Mangelzustände schnell erkennen und beheben zu können.

Die DGKJ warnt ausdrücklich vor selbst zubereiteter Säuglingsnahrung aus Kuh- oder anderen Tiermilchen, Nussarten oder Getreide. Sie sind nicht als Muttermilchersatz geeignet.

Fläschchen immer frisch zubereiten

Bereiten Sie die Fläschchen immer frisch zu. Wenn Sie bezüglich der Menge nicht sicher sind, können Sie Wasser in Trinktemperatur in einer Thermoskanne bereit halten und mehrmals hintereinander kleine Portionen aufgießen.

Weitere Empfehlungen:

  • Nehmen Sie zur Zubereitung Leitungswasser, das Sie aufkochen und auf die richtige Temperatur abkühlen lassen.
  • Rühren Sie Milchpulver nie mit siedendem Wasser an, da sonst wichtige Stoffe zerstört würden.
  • Dosieren Sie nach den Angaben des Herstellers und machen Sie die Ersatzmilch weder dicker noch dünner, als auf der Packung angegeben.
  • Waschen Sie Flaschen und Sauger in der Maschine oder mit sehr heißem Leitungswasser. Auskochen und Sterilisieren sind überflüssig.

Brei frühstens ab vier Monaten: Einführung von Beikost

Frühstens ab 17 und spätestens mit 26 Wochen sollten Sie Ihrem Baby neben dem Stillen auch andere Lebensmittel anbieten.

Jedes Baby entwickelt sich anders und deshalb sind auch nicht alle zur gleichen Zeit bereit für die Beikost. Folgende Zeichen deuten darauf hin:

  • es kann für die Dauer einer Mahlzeit mit Ihrer Hilfe oder durch Kissen abgestützt sitzen
  • es zeigt Interesse für Lebensmittel und möchte sie mit allen Sinnen erforschen
  • es öffnet den Mund, wenn sich der Löffel nähert
  • wenn Sie ihm eine Kante Brot oder einen breiverschmierten Löffel in die Hand geben, versucht es, ihn mit dem Mund zu erforschen
  • es gibt aufgenommene Nahrung oder Nahrungsbrei nicht mehr heraus, sondern kann ihn schlucken

Essen soll eine schöne Erfahrung sein. Wenn Ihr Baby bei den ersten Versuchen weint, den Kopf wegdreht, den Mund zumacht oder sonst ablehnend reagiert, lassen Sie locker und versuchen es später wieder. Erzwingen Sie nichts.

Als Leitfaden für die Reihenfolge bei der Einführung neuer Lebensmittel schlägt die Ernährungskommission der DGKJ einen „Ernährungsplan für das 1. Lebensjahr“ vor. Hierbei wird die Nahrung fein püriert und jeden Monat wird eine weitere solche „Breimahlzeit“ eingeführt. Daneben soll weiter gestillt werden, solange Kind und Mutter dies wünschen.

Von allem ein Bisschen

Um Allergien vorzubeugen, sollte Ihr Kind in dieser Zeit möglichst viele verschiedene Lebensmittel kosten. Die geschluckte Menge ist erst mal nebensächlich, da es seinen Hunger ja noch an der Brust oder mit der Flasche stillt.

Die DGKJ schlägt vor, mit Gemüse und Fisch oder Fleisch zu beginnen, etwa einen Monat später eine weitere Mahlzeit, bestehend aus einem Milch-Getreidebrei hinzuzufügen und einen weiteren Monat später einen Getreide-Obst-Brei.

Vegetarismus und Veganismus

Um gesund zu bleiben, muss ein Baby nicht unbedingt Fleisch und Fisch essen. Eine vegetarische Ernährung Ihres Kindes erfordert von Ihnen, dass sie sehr genau auf die Zusammenstellung der Mahlzeiten achten. Vor allem der Eisengehalt ist kritisch und muss ggf. supplementiert werden.

Die DGKJ warnt ausdrücklich vor rein veganer Ernährung ohne Supplementierung wichtiger Nährstoffe (Eisen, Vit. B12). Ihr Kind könnte neurologische Schäden davon tragen, die nicht rückgängig zu machen sind. Wenn Sie und Ihre Familie vegan leben, sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt über die nötigen Maßnahmen und Nahrungszusätze.

Brei oder Stücke?

In den Empfehlungen der DGKJ ist durchgehend von Brei die Rede. Man kann jedoch Gemüse auch sehr weich kochen und mit der Gabel fein zerdrücken, oder es dem Kind in Form von Fingerfood anbieten. Wichtig ist auch hier, auf den Entwicklungsstand des Babys zu achten.

Mit vier Monaten kann ein Baby Klümpchen und Stückchen noch nicht kauen und schlucken. Es muss diese komplexen Bewegungsabläufe erst lernen. Lassen Sie es mit der Nahrung „spielen“: Tasten, Lecken, Riechen und Kosten. Und erwarten Sie nicht, dass es gleich ganze Mahlzeiten aufessen wird.

Beikost sollte in keinem Fall aus Flasche oder Tasse getrunken oder im Liegen verabreicht werden. Als Nahrung in Stücken sind zu Beginn nur solche Lebensmittel geeignet, die mit Speichel zergehen (Zwieback, Babykekse o.ä.).

Babynahrung und Beikost selber herstellen

Je mehr verschiedene Lebensmittel Ihr Baby jetzt kostet, desto besser ist es. Deshalb sollten Sie nicht nur auf Fertigbrei in Gläschen zurückgreifen, sondern Nahrungsmittel auch selber kochen und immer wieder neue Variationen erfinden. Entdecken Sie gemeinsam mit Ihrem Baby auch neue Gemüsesorten.

Verwenden Sie wenn immer möglich Lebensmittel aus biologischem Anbau.

Brühen Sie Gemüse und Kartoffeln und kochen Sie Teigwaren oder Getreideflocken ganz weich. Pürieren oder zerdrücken Sie sie und füllen Sie sie portionenweise in Tiefkühlgefäße. Babybrei sollte nicht länger als 2 Stunden bei Zimmertemperatur oder 24 im Kühlschrank aufbewahrt werden. Im Tiefkühler oder Gefrierfach ist er jedoch wochenlang haltbar.

Sobald er auf die richtige Temperatur aufgewärmt oder abgekühlt ist, geben Sie dem Brei einen Löffel kaltgepresstes Raps- oder Olivenöl aus biologischem Anbau bei.

Selber essen lassen oder füttern?

Mit 4-5 Monaten kann ein Baby noch nicht selber mit dem Löffel essen. Manche Eltern schließen daraus, dass es zu jung zum essen ist und warten zu. Andere folgen den Empfehlungen der DGKJ und füttern Brei mit dem Löffel.

Es spricht jedoch nichts gegen einen Mittelweg: Das Baby entsprechend seinem Entwicklungsstand und seinem Interesse das Essen selber entdecken lassen. Bieten Sie ihm Brei oder zerdrückte Nahrung an. Lassen Sie es sie anfassen, matschen, mit dem Löffel spielen, riechen und lutschen. Mit der Zeit wird von selber immer mehr Essen im Mund statt auf dem Fußboden landen.

Babys wissen, wann sie satt sind

Am Anfang wird Ihr Baby nur ganz wenig essen: Lassen Sie es mit dem Essen spielen und wenn es nicht mehr möchte, stillen Sie oder geben Sie ihm die Flasche gegen den Hunger. Je mehr Brei bzw. feste Nahrung es zu sich nimmt, desto weniger Muttermilch(ersatz) wird es mit der Zeit trinken.

Ihr Baby muss keine Mindestmenge zu sich nehmen. Lassen Sie es genussvoll neue Nahrungsmittel entdecken, aber drängen Sie es nie zum Aufessen. Kinder spüren, wie viel Nahrung und Flüssigkeit sie benötigen. Wenn Ihr Baby den Mund schließt, den Kopf wegdreht oder den Brei wieder ausspuckt, hat es genug gehabt. Es wird keinesfalls verhungern: Bis über den 12. Lebensmonat hinaus kann die Muttermilch im Notfall fast den gesamten Nährstoffbedarf abdecken.

Auch wenn Ihr Kind gerne und viel isst, müssen Sie sich keine Sorgen machen. An Gemüse, Früchten, Kartoffeln und Getreide kann es sich nicht überessen. Was Fleisch, Fisch oder Ei, sowie Käse und andere Milchprodukte angeht, sollten Sie sich an die von der DGKJ empfohlenen Höchstmengen halten (~20-30 gr. Fleisch/Fisch bzw. 1 Ei, max. 200ml Kuhmilch im Tag)

Wie geht es weiter?

Sobald Ihr Kind selbständig sitzen kann, lassen Sie es während den Mahlzeiten mit der Familie am Tisch sitze. Geben Sie ihm eigenes Besteck, Teller und Becher. Bieten Sie ihm Speisen aus der Familienkost an. Vorsicht ist bei Nüssen und rohen, festen Wurzelgemüsen geboten (Erstickungsgefahr). Auch von Honig wird während des ganzen ersten Lebensjahres abgeraten (Botulismus).

Salzen / würzen Sie in dieser Zeit nur sparsam und seien Sie auch mit Zucker zurückhaltend. Sie können wenn nötig in Ihrem eigenen Teller nachwürzen.

Getränke

Kuhmilch ist kein geeignetes Getränk für einen Säugling. Sie hemmt die Aufnahme von Eisen, das für die Bildung der roten Blutplättchen benötigt wird. Aus diesem Grund sind die entsprechend modifizierten Muttermilch-Ersatzmilchen im ersten Lebensjahr besser geeignet. Geben Sie auch später Vollmilch nie aus dem Fläschchen, sondern immer aus einer Tasse oder einem Becher.

Das beste Getränk ist im ganzen ersten Jahr die Muttermilch oder ggf. eine Muttermilch-Ersatzmilch. Je mehr Ihr Kind isst, desto weniger wird es an der Brust trinken. Wenn Sie ganze „Milchmahlzeiten“ durch „Breimahlzeiten“ ersetzen möchten, sollten Sie Ihrem Kind daneben auch ca. 200 ml Wasser/Kräutertee/Früchtetee im Tag anbieten.

Weil so kleine Kinder ihr Durstgefühl noch nicht einordnen oder ausdrücken können ist es wichtig, dass sie sich ggf. selber bedienen können.

 

Stress und Burnout bei Müttern (bei Lokalo24.de)

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Man weiss zwar irgendwie, dass ganz viele Mütter im Bekanntenkreis auf dem Zahnfleisch gehen, aber dass insgesamt ein Viertel aller Mütter – auf Deutschland hochgerechnet sind das 2.1 Millionen Menschen – davon betroffen sind, hätte ich nicht gedacht.
Weiterlesen:
Stress und Burnout bei Müttern – Familie.

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ADHS: Individuelle Therapien statt Pillen für alle (bei lokalo24.de)

ADHS ist eines dieser Themen, bei dem die meisten eine Meinung, aber nur wenige eine Ahnung haben. Mit dem folgenden Artikel bei lokalo24.de möchte ich einen Überblick über den aktuellen Stand geben: ADHS: Individuelle Therapien statt Pillen für alle.

 

ADHS: Individuelle Therapien statt Pillen für alle

Von Katharina Bleuer

Ist das die von vielen Fachleuten und Eltern erhoffte Trendwende? Zum ersten Mal überhaupt gab es 2013 weniger Verschreibungen von Methylphenidat bei Kindern als im Vorjahr, meldete das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im April 2014. Methylphenidat, besser bekannt unter dem Handelsnamen Ritalin®, dient der Behandlung von Kindern mit Aufmerksamkeits-Defizit- und Hyperaktivität-Syndrom (ADHS). Das Medikament wird Kritikern zufolge heute zu oft und zu früh eingesetzt.

„Generation ADHS“

Im Januar 2013 veröffentlichte die Barmer GEK ihren „Arztreport 2013“ und schreckte damit die deutschen Medien auf: Bei den 6 bis 11-jährigen Kindern würden 19.4% aller Buben und 7.8% aller Mädchen mit ADHS diagnostiziert. Oder anders ausgedrückt: „Bei etwa jedem 13. Mädchen und etwa jedem 5. Jungen des Geburtsjahrgangs 2000 wurde bis zum Alter von 11 Jahren demnach bereits mindestens einmalig eine gesicherte Diagnose F90 ‘Hyperkinetische Störungen’ dokumentiert“ (zitiert aus Barmer GEK: „Arztreport 2013: ADHS-Diagnosen und Ritalin-Verordnungen boomen“, Pressemitteilung vom 29.1.2013, S. 176). Rund drei Fünftel dieser Kinder erhalten ein Medikament mit dem Wirkstoff Methylphenidat verschrieben. Viele davon zu Unrecht, sagen Fachleute wie der Schweizer Kinderarzt Prof. Dr. Remo Largo oder der US-amerikanische Psychiater Allen Francis.

Das typische ADHS-Kind

Das typische Kind mit einem ADHS – nennen wir es der Einfachheit halber „Max“ – ist ein Junge und zwischen 9 und 11 Jahre alt. Er kann sich nicht über längere Zeit konzentrieren, rutscht ständig auf seinem Stuhl hin und her, beginnt etwas, springt auf, macht etwas anderes, führt keines von beiden zu Ende. Seine Ideen sind selten bis zum Ende durchdacht, er hat Mühe, sich die Konsequenzen seiner Handlungen vorzustellen und in seine Entscheidungen mit einzubeziehen.

Max war schon immer so. Als Baby weinte er viel und schlief wenig. Als Kleinkind zappelte er herum und brauste schnell auf. Er war immer in Bewegung, vergaß Anweisungen oder seine Sachen, und konnte nie beim Thema bleiben – genau wie die anderen Kinder seines Alters. Nur dass diese im Laufe der Zeit – ungefähr ab ihrem sechsten Lebensjahr – lernten, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden, ihren ersten Impuls zu unterdrücken, die Ausführung einer Idee wenn nötig auf später zu verschieben und ihre Wut zu verbalisieren.

Max kann das nicht. Er sagt Dinge völlig aus dem Zusammenhang, weil sie ihm gerade durch den Kopf gingen. Er kann mit Sprechen nicht warten, bis er an der Reihe ist und hat er eine Idee, will er gleich loslegen.

Weil er sich oft nicht beherrschen kann, wollen seine seine Klassenkameraden immer weniger mit ihm spielen. Dabei ist er ein einfühlsamer, hilfsbereiter Junge mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Er sucht Anschluss bei Erwachsenen oder spielt lieber mit kleineren Kindern.

Als er eingeschult wurde, war Max ein neugieriger, lernbegieriger Junge. Aber das hat sich schnell geändert, nachdem die Lehrerin anfing, „Konsequenzen“ zu verhängen, wenn er während der Stunde aufstand oder ihr ins Wort fiel. Max fühlt sich von ihr ungerecht behandelt – schließlich meint er es nicht böse, er kann einfach nicht anders – und mag nicht mehr in die Schule gehen.

Max merkt, dass er anders als die anderen Kinder ist, dass sie ihn ablehnen und kann sich manchmal selber kaum mehr ausstehen.

Mit etwa acht Jahren fängt er wieder an, ins Bett zu pinkeln. Oder einzukoten. Oder Nägel zu beißen. Oder gefährliche Dinge zu tun, ohne ab die Konsequenzen zu denken. Vieles von dem, was ihm früher Freude machte, scheint ihn nicht mehr zu interessieren.

Seine Eltern sind besorgt und gehen mit ihm zu Kinderarzt. Der überweist ihn zum Kinderpsychiater. Dieser stellt Max und seinen Eltern viele Fragen. Nach langen Gesprächen und einigen Tests bestätigt er den Verdacht auf ADHS. Fortan bekommt Max ein Medikament mit dem Wirkstoff Methylphenidat. Damit soll er sich besser beherrschen und sich besser konzentrieren können.

Aufmerksamkeit statt Pillen?

ADHS ist eine neurologische Störung, eine Fehlschaltung im Gehirn, und kann nach heutigem Forschungsstand nicht geheilt werden. Man kann im Gehirnscan von Menschen mit ADHS sehen, dass gewisse Bereiche im Stirnlappen weniger ausgeprägt sind. Diese Bereiche sind u.a. für die Selbstbeherrschung zuständig, für das Kurzzeitgedächtnis und für das Zeitgefühl. Das erklärt, weshalb Menschen mit ADHS ihre Vorhaben und Ziele rasch aus den Augen verlieren, schnell abgelenkt sind und manchmal wie eine Wespe von einer Idee zur anderen fliegen, ohne je zur Ruhe zu kommen.

Biologie und Schulmedizin sagen, ein Mensch würde bereits mit ADHS geboren, dieses sei erblich bedingt oder ein Geburtsfehler. Psychologie und Psychotherapie hingegen postulieren, dass der betroffene Bereich im Gehirn auch aufgrund ungünstiger Umweltfaktoren „verkümmern“ könne, analog zu einem Muskel, der nicht oder falsch benutzt wird. Denn nicht nur genetische Faktoren, sondern auch von außen kommende Impulse beeinflussen die Verkabelung im Gehirn.

Die Frage, ob ADHS angeboren ist oder erworben wird, bleibt bisher unbeantwortet. Wahrscheinlich ist, dass ungünstige Umweltfaktoren eine angeborene Veranlagung verstärken können.

Methylphenidat wirkt. Es überbrückt die fehlenden Verbindungen im Gehirn chemisch. Mit seiner Hilfe kann ein Kind wie „Max“ aus dem Teufelskreis von Anforderungen nicht erfüllen können, Angst vor Versagen, Gefühle von Unfähigkeit, Depressionen, …. heraus und das Vertrauen in sich und seine Leistungsfähigkeit wieder finden. Methylphenidat kann jedoch keine bleibenden Veränderungen im Gehirn bewirken. Es wirkt nur, solange es genommen wird und es kann ADHS nicht heilen.

Deshalb empfehlen Bundesärztekammer und Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte eine so genannt „multimodale Therapie“, d.h. Therapien auf mehreren Ebenen. Neben dem Medikament sind beispielsweise je nach Kind Ergotherapie, psychomotorische Therapie, Psychoanalyse, kognitive Verhaltenstherapie, Gestalttherapie oder eine andere Therapieform geeignet.

Betroffene können so lernen, ihre Beeinträchtigungen zu kompensieren oder mit ihnen umzugehen, damit sie eines Tages ohne Medikamente leben können.

Nicht jeder Zappelphilipp hat ADHS

Beim Thema ADHS weisen viele renommierte Experten auf die hohe Anzahl von Fehl- und Falschdiagnosen hin. Dr. Prof. Remo Largo beispielsweise sprach im Interview mit ZDF Frontal21 davon, dass nur 1% aller Kinder gut auf Methylphenidat ansprächen und die anderen falsch behandelt würden. Solche Schätzungen basieren auf den Praxiserfahrungen der betreffenden Ärzte. Bisher gibt es keine bundesweite, repräsentative Untersuchung zu Fehldiagnosen und Falschbehandlungen.

Andere psychische Erkrankungen und Persönlichkeitsstörungen, wie beispielsweise Störungen aus dem Autismusspektrum oder eine bipolare Störung,  können sich im Verhalten des Kindes ganz ähnlich ausdrücken, und die Verwechslungsgefahr mit ADHS ist sehr groß.

Die für Hyperaktive typische Unruhe kann auch ein Ausdruck seelischer Nöte sein: Bei Kindern während/nach der Trennung/Scheidung ihrer Eltern, bei Streit und Gewalt in der Familie, nach Kindesmisshandlung oder sexuellem Missbrauch oder anderen traumatischen Belastungen.

Und in manchen Fällen sind Verhaltensweisen, die wie ADHS aussehen, tatsächlich auf „Laisser-faire“-Erziehung, Vernachlässigung, fehlende Bewegung und Überzuckerung zurückzuführen.

Gerade auch deshalb ist eine sorgfältige Abklärung unter Einbezug der Eltern, der familiären Situation und der Eltern-Kind-Beziehung eine Pflicht. Denn wenn die motorische Unruhe und die Verhaltensauffälligkeit des Kindes einen anderen Grund als ADHS hat, muss auch auch anders therapiert werden.

Pillen gegen Erziehungsprobleme?

Das Vorurteil, ADHS sei auf auf schlechte Erziehung oder falsche Ernährung zurückzuführen, ist weit verbreitet und hält sich hartnäckig. Betroffene Familien werden dadurch in eine Rechtfertigungshaltung gedrängt und ihre Situation zusätzlich erschwert.

Tatsächlich ist Max’ Familie der herausfordernden Situation kaum gewachsen. Mit seinem vermeintlich schwierigen Verhalten und den ständigen Vorwürfen und Ratschlägen von aussen sind seine Eltern überfordert und auch seine Geschwister neigen zu Auffälligkeiten, weil Max’ Probleme so viel Zeit und Aufmerksamkeit der Eltern einnehmen.

Das ist mit ein Grund, weshalb nicht nur in der Abklärung, sondern auch in der Therapie, die ganze Familie mit einbezogen und wo nötig ebenfalls therapeutisch begleitet und gecoacht werden muss.

Pillen sind billiger und zeigen Wirkung

Unsere Kinder werden bereits in der Schule auf den immer härter werdenden Arbeitsmarkt vorbereitet. Nicht ihre Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt, sondern die Forderungen der Wirtschaft nach zukünftigen Humanressourcen.

Gleichzeitig führt die Sparpolitik der Länder zu Budgetkürzungen im Schulwesen. Klassen werden immer größer, das einzelne Kind verschwindet im Klassenverband. Normalität ist gefragt. Fach- ersetzen die Klassenlehrer und reine Wissensvermittlung verdrängt mehr und mehr die Beziehungen zwischen Lehrern und ihren Schülern.

Kreative Fächer und Sport müssen mehr und mehr den akademischen Fächern weichen. Kinder haben kaum mehr die Möglichkeit, ihren Bewegungsdrang auszuleben. Kinder mit einer Beeinträchtigung wie ADHS sind hier stark herausgefordert, weil sie kaum mehr kompensieren können.

In der falschen Annahme, je jünger Kinder eingeschult würden, desto mehr würden sie lernen, müssen sie immer früher stillsitzen und dem Unterricht folgen lernen. Was auch dazu führt, dass normales, kindliches, unreifes Verhalten pathologisiert wird. Statt dass der Unterricht passend zu den Kindern gestaltet wird, werden die Kinder passend zum Unterricht gemacht.

Für das Gesundheitssystem, die Versicherungen und den Staat ist es kurzfristig gesehen wirtschaftlich interessanter, wenn „Max“ aus unserem Beispiel Medikamente einnimmt. Die Wirkung anderer Therapieformen ist individuell, nicht alles funktioniert bei jedem Kind – ganz im Gegensatz zum Methylphenidat: Dort ist die Wirkung in Doppelblindstudien wissenschaftlich abgesichert.

Dabei geht vergessen, dass die Pillen zwar die Symptome „ausschalten“, ADHS aber nicht heilen können. Auch lernt das Kind durch die Einnahme nicht, seine Einschränkung anders zu kompensieren.

Was sind die Alternativen?

Sagen wir, unser Beispielkind „Max“ hat einen Freund, den „Moritz“. Moritz hat ebenfalls ein ADHS. Seine Eltern sind beruflich etabliert und verdienen gut. Als Moritz die Diagnose ADHS bekommt, können beide ihre Arbeitszeit etwas reduzieren und sich neben der Schule intensiv um ihren Sohn kümmern. Sie bieten ihm zuhause eine stabile Struktur, regelmäßige Abläufe, klare Regeln und setzen ihm Ziele. Sie leiten ihn an, und helfen ihm, die Regeln und Ziele umzusetzen. Sie bringen ihn ins Kinder-Yoga, wo er Achtsamkeitstechniken trainieren und lernen kann, seinen Körper zu entspannen. Er geht ins therapeutische Reiten, wo er lernt, seine Nervosität zu zügeln. In der kognitiven Verhaltenstherapie übt er, sein Handeln zu reflektieren und bewusst zu verändern und in der psychomotorischen Therapie, lernt er seinen Körper zu spüren und zu kontrollieren.*

Ein Pädopsychiater spricht alle zwei Wochen mit Moritz und bei Bedarf mit seinen Eltern, beantwortet ihre Fragen und hilft ihnen, wenn sie nicht mehr weiter wissen.

Moritz benötigt nur zu Anfang Methylphenidat, schon nach gut einem Jahr kann er es wieder weglassen. Er hat Wege und Strategien gelernt, um mit seiner Einschränkung umzugehen.

Methylphenidat ist kein „Teufelszeug“ und keine „bewusstseinsverändernde Droge“, wie man manchen Kritiken zufolge meinen könnte. Es kann in vielen Fällen hilfreich sein. Sinnvoll ist es jedoch nur dort, wo andere Ursachen als ADHS ausgeschlossen wurden, andere Therapiemöglichkeiten nicht ausreichen und seine Einnahme psychologisch und therapeutisch begleitet wird.

Der vom BfArM festgestellte Rückgang der Methylphenidat-Verordnungen könnte ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Denn die ADHS Diagnosen steigen weiter an und offenbar werden mehr Kinder therapeutisch und weniger Kinder medikamentös behandelt. Das lässt darauf schließen, dass das Medikament vermehrt nur noch dort zum Einsatz kommt, wo es tatsächlich sinnvoll ist.

 

*Natürlich kommen nie alle diese Therapien gleichzeitig zur Anwendung!

Ostern, das bunte und fröhliche Frühlingsfest (bei lokalo24.de)

lo-logo-fam3Lange war ich überzeugt, Ostern sei eigentlich ein keltisches oder sogar noch älteres Fest. Dann aber sagten mir ein paar Deutsche, es sei ursprünglich germanisch. Oder Persisch. Barbara Walker schreibt sogar über einen möglichen Ursprung im alten Ägypten. Und die Christen reklamieren es sowieso für sich selber – wenn auch nicht alle am gleichen Datum oder aus den selben Gründen.
Behauptet wird viel, belegt weniger. Aus Neugier fing ich an, über die Ursprünge von Ostern nachzuforschen.  Den ganzen Artikel auf lokalo24.de lesen: Ostern, das bunte und fröhliche Frühlingsfest.

„Das ist so unglaublich wunderschön“ (bei lokalo24.de)

Helene Souza / pixelio.de

Helene Souza / pixelio.de

Lob, so sagt der gesunde Menschenverstand, stärke das Selbstbewusstsein und je mehr wir seine Leistungen positiv erwähnten, desto stärker würden wir unser Kind machen. Aber stimmt es denn tatsächlich? Welche Auswirkung hat ein Lob auf das Selbstbewusstsein eines Kindes und auf sein Verhalten? Eine Gruppe von Forschern der Universität Utrecht ist der Sache nachgegangen. In ihrer Forschungsarbeit „That’s Not Just Beautiful – That’s Incredibly Beautiful!: The Adverse Impact of Inflated Praise on Children With Low Self-Esteem“ haben Eddie Brummelman und seine Kollegen herausgefunden, dass sich der gesunde Menschenverstand auch mal täuschen kann.
[weiterlesen bei Lokalo24.de]

Introvertierte Kinder brauchen Raum und Zeit für sich (bei lokalo24.de)

lokalo24.deMenschen sind verschieden und die meisten vereinen introvertierte und extrovertierte Eigenschaften in sich. Sie haben aber eindeutige Vorlieben und eine klare Tendenz ist ersichtlich. Ein introvertiertes Kind kann man deshalb an folgenden Eigenschaften erkennen… [weiterlesen bei lokalo24.de].