Category Archives: Geschrieben für lokalo24.de

Extrovertierte Kinder brauchen andere Menschen (bei lokalo24.de)

lokalo24.deMenschen sind verschieden und die meisten vereinen introvertierte und extrovertierte Eigenschaften in sich. Sie haben aber eindeutige Vorlieben und eine klare Tendenz ist ersichtlich. Ein extrovertiertes Kind kann man deshalb an folgenden Eigenschaften erkennen… [weiterlesen bei lokalo24.de].

Bedürfnisorientierte Erziehung nach Persönlichkeitstyp (bei lokalo24.de)

lokalo24.deDer erste Teil meiner Miniserie beschreibt die Vorteile, die es hat, wenn man in der Erziehung bzw. im Familienleben Rücksicht auf den jeweiligen Persönlichkeitstyp der Kinder und der Eltern nimmt:
Bedürfnisorientierte Erziehung nach Persönlichkeitstyp.
Im zweiten und dritten Teil geht es dann im Detail darum, wie man introvertierte bzw. extrovertierte Kinder dabei unterstützen kann, ihr ganzes Potenzial zu entfalten.

Sie macht die Hausarbeit und er befürchtet, dass sie zu kurz kommt

Wisst ihr noch? “Ich manage ein kleines Familienunternehmen” als synonym für das Dasein als Hausfrau? Trotz der vorwerk’schen Bemühungen, Hausfrauentum aufzuwerten, hat sich in den letzten 20 Jahren nicht viel geändert.

(dieser Artikel erschien zuerst bei lokalo24.de)

~~~

Vorwerk Familienstudie 2013: Sie macht die Hausarbeit und er befürchtet, dass sie zu kurz kommt

VON KATHARINA BLEUER

„Muß ich, um ein wahres Weib zu sein, bügeln, nähen, kochen und kleine Kinder waschen?“ fragte Hedwig Dohm 1903 ihre Leserschaft. Wenn es nach den 11’012 Menschen geht, die das Institut Allensbach im Auftrag der Firma Vorwerk 110 Jahre später zu verschiedenen Familienthemen befragte, scheint die Antwort „JA“ zu sein.

Vorwerk, der Wuppertaler Hersteller von Haushaltgeräten, beauftragt seit 2005 das Institut für Demoskopie Allensbach alljährlich mit der Befragung von gut zehntausend Deutschen. Die Fragen behandeln verschiedene Themen aus dem Bereich Partnerschaft und Familie. Überraschungen gab es auch bei der am 25. November veröffentlichten Familienstudie 2013 keine. Außer vielleicht der Tatsache, dass Väter heute weniger als vor 20 Jahren bereit sind, ihre Berufstätigkeit zu reduzieren, damit die Partnerin ihrerseits mehr arbeiten kann. Auch weniger Frauen würden das von ihrem Partner erwarten oder gar verlangen. Trotzdem könnten sich mehr Frauen und Männer als 1993 vorstellen, dass der Mann in Elternzeit geht oder abends die Kinder beaufsichtigt, um der Frau mehr Freiräume zu verschaffen.

Haus- und Familienarbeit ist noch immer Frauensache

Vom beruflichen Standpunkt aus gesehen bevorzugt ein Großteil der Befragten also eine traditionelle Rollenaufteilung, bei der die Berufstätigkeit des Mannes Priorität hat. Aber obwohl nur gerade 32% der Mütter von Kindern unter 16 Jahren nicht berufstätig sind, sagen 77%, sie würden die ganze oder die meiste Familienarbeit im Alleingang bewältigen und 20%, sie teilten sich die Haus- und Familienarbeit zur Hälfte mit ihren Männern.

Letztere sehen das jedoch anders: Mehr als 35% der befragten Männer sind überzeugt, dass sie die Hälfte der Haus- und Familienarbeit erledigen.

Männer und Frauen sind gleichermaßen davon überzeugt, dass in Familien mit Kindern vor allem die Bedürfnisse der Mütter zu kurz kommen: 65% aller Frauen denken so und sogar 73% der Männer.

Woher kommen die Unterschiede in der Wahrnehmung?

Leider liefert das Institut Allensbach bzw. die Firma Vorwerk keine Hintergrundinformationen zu den erhobenen Zahlen.

Gehört das „bügeln, nähen, kochen und kleine Kinder waschen“ zum Frausein einfach automatisch dazu, wie Hedwig Dohm provokativ fragte? Vermutlich nicht! Aber wir können nur darüber spekulieren, weshalb diese Tätigkeiten auch 110 Jahre nach Dohms Streitschrift immer noch größtenteils von Frauen ausgeübt werden. Ist diese Aufteilung eine bewusste, freiwillige Entscheidung, von den Beteiligten so gewünscht? Oder zwingen sie die wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu einer pragmatischen, aber nicht unbedingt so gewollten Entscheidung? Wie hoch ist die Zufriedenheit mit dem gelebten Modell, gefällt es ihnen oder wünschten sich die Elternpaare eine Veränderung?

Dass Männer und Frauen ihren jeweiligen Anteil an der Care-Arbeit so unterschiedlich einschätzen zeigt den Gesprächsbedarf innerhalb vieler Partnerschaften. Auf individueller Ebene können jederzeit neue Kompromisse ausgehandelt werden, auch wenn Politik und Wirtschaft den geänderten Bedürfnissen von Familien nur schwerfällig folgen. Eine ideale familiäre und berufliche Aufteilung ist erst dann erreicht, wenn beide Partner finden, ihr jeweiliger Anteil würde vom Anderen anerkannt und wenn keiner mehr dem Partner oder den Kindern gegenüber ein schlechtes Gewissen haben muss.

Im Internet finden sich zahlreiche Hilfen und Checklisten, um Haus- und Familienarbeit gerechter aufzuteilen. Als besonders nützlich für viele Familien hat sich der Fragebogen „Fairplay at home – Fairplay at work“ des Schweizerischen Büros für Gleichstellung herausgestellt, in dem die Partner ihre Leistung aber auch ihre Wünsche eintragen und sich so eine Diskussionsbasis schaffen können, um neue Kompromisse zu finden. Dabei geht es nicht darum, dass sich beide zu gleichen Teilen beteiligen, sondern dass jedes Paar und jede Familie die Aufteilung findet, die ihren Bedürfnissen und Erwartungen entspricht.

Der friedliche Weg zur Sauberkeit

In meinem neuesten Artikel für Lokalo24.de beschäftige ich mich mit der Frage, wie man sein Kind ohne Druck und Stress auf dem Weg zur Sauberkeit begleiten kann:

 

Der friedliche Weg zur Sauberkeit

von Katharina Bleuer

„Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“.

Das wissen wir!

Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem Eltern, die nicht „Windelfrei“ von Geburt an praktiziert haben, für eine Lebenszeit genug Hintern geputzt haben und nur noch eines wollen: Dass ihr Kind endlich selber aufs Klo geht. Am besten ohne es ständig daran erinnern zu müssen.

Die gute Nachricht lautet: Es wird kommen. Das Kind wird es lernen. Irgendwann. Manche früher, andere später.

Lesen Sie hier, wie Sie den Vorgang zwar nicht beschleunigen, Ihr Kind aber liebevoll und geduldig auf seinem Weg zur Sauberkeit begleiten können.

Zwischen etwa 2 und 3.5 Jahren entwickelt ein Kind die so genannte „Eigeninitiative“. Es nimmt nun Harn- und Stuhldrang bewusst wahr undlernt, beides zu kontrollieren. Früher mit dem Töpfchentraining zu beginnen, hat keinen Sinn. Außer vielleicht, dass sich das Kind schon im Vorfeld an eine gewisse Regelmäßigkeit beim Toilettengang gewöhnt. Es ist aber wahrscheinlicher, dass ihm die Sache verleidet, bevor es richtig damit begonnen hat weil es weder versteht, was von ihm erwartet wird, noch diesen Erwartungen gerecht werden kann.

Etwas Vorarbeit können Sie als Eltern aber trotzdem schon jetzt leisten. Beispielsweise mit dem Kind über Ausscheidungen, das Töpfchen oder das Klo sprechen, den Fäkalien eine Bezeichnung geben, mit denen sie für die nächsten 5 oder mehr Jahre leben können, während des Waschens sanft die entsprechenden Organe und ihre Funktion benennen („das ist der After, hier kommt Kacka raus“). Auch Wörter wie „nass“, „abwischen“, „waschen“ usw. werden in diesem Zusammenhang wichtig werden und es ist von Vorteil, wenn das Kind sie bereits den benötigten Wortschatz kennt, bevor das Klotraining ernsthaft beginnt.

Bereits sehr früh kann man das Baby oder Kleinkind mitnehmen, wenn man den Windelinhalt ins Klo entsorgt. Erklären Sie ihm, was Sie tun und dass Ausscheidungen ins Klo gehören. Lassen Sie es spülen.

Wenn es Ihnen nichts ausmacht, lassen Sie die Klotür geöffnet, wenn Sie selber Ihr Geschäft verrichten. Erklären Sie dem neugierigen Kind, was Sie tun und kommentieren Sie den gesamten Prozess (pinkeln, abwischen, spülen, Hände waschen). Erklären Sie ihm, dass es bald selber lernen darf, Pipi und Kacka ins Klo/Töpfchen zu machen.

Lassen Sie Ihr Kind wachsen und sich entwickeln.

Kaufen Sie ein Töpfchen oder einen Toilettenring.

Stellen Sie es gemeinsam mit dem Kind im Badezimmer auf und erklären ihm, wozu es dient und wie es benutzt wird. Lassen Sie es sich selber – wenn es sich nicht traut, seine Puppe – darauf setzen.

Lesen Sie ihm Bilderbücher vor, die das Thema Toilettengang behandeln.

Lassen Sie das Kind sich einfach so aufs Töpfchen setzen, ohne gleich ein Geschäft von ihm zu erwarten oder es dazu zu drängen.

Wenn Ihr Kind anfängt, echtes Interesse zu zeigen und sie merken, dass es seine Schließmuskel zu kontrollieren anfängt – beispielsweise indem es den berühmten „Pipitanz“ aufführt – dann ist der Moment gekommen!

Damit Aussicht auf Erfolg besteht, müssen Sie selber ebenfalls bereit sein, viel Zeit mit Ihrem Kind im Badezimmer zu verbringen. Erlauben es Ihre Lebensumstände im Moment nicht, diese Zeit und Geduld aufzubringen, warten Sie lieber noch ein paar Wochen, bis sich Ihr Leben beruhigt hat.

Beginnen Sie mit einer Töpfchenroutine: Setzen Sie das Kind gleich nach dem Aufstehen, nach jeder Mahlzeit, vor Autofahrten und vor dem zu Bett gehen aufs Töpfchen. Bleiben Sie bei ihm und verhelfen Sie ihm zu einem schönen, interessanten, intensiven oder lustigen Moment.

Erwarten Sie zu Beginn nicht zu viel. Es werden wahrscheinlich Monate vergehen, bis die Klogänge wie gewünscht klappen. Wenn das Kind nicht mitmacht oder Sie nicht die nötige Geduld aufbringen können – Sie beispielsweise merken, dass sie wütend werden – versuchen Sie es ein paar Wochen später wieder.

Ihr Kind muss sich erst entspannen lernen. Lesen Sie ihm vor, singen Sie mit ihm oder sprechen Sie über den Tag. Oder lassen Sie es auf dem iPad spielen oder Filmchen schauen. Was in Ihrer Familie am besten funktioniert.

Ihr Kind muss nicht nur das Verhalten lernen, wenn es keine Windeln trägt, sondern auch das bewusste Loslassen auf dem Töpfchen oder Klo. Das erfordert zu Beginn viel Geduld – Aber lassen Sie es nicht länger als etwa 10 Minuten auf dem Töpfchen sitzen, wenn nichts kommt versuchen Sie es lieber in einer halben Stunde wieder.

Wenn Ihr Kind während des Spielens den „Pipitanz“ aufführt: Fragen Sie nicht, ob es gehen muss, sondern führen Sie es ins Badezimmer und helfen Sie ihm aufs Klo! Stellen Sie sich einen Wecker und fordern Sie das Kind alle zwei Stunden zum Toilettengang auf, bis es gelernt hat auf seine Körpersignale zu achten und entsprechend zu reagieren.

Das Händewaschen sollte unbedingt Teil der Routine werden. Stellen Sie dazu einen Schemel bereit und eine bunte, fein riechende Seife (die es vielleicht sogar selber auswählen durfte?). Waschen Sie die Hände mit dem Kind gemeinsam, singen Sie Händewaschliedchen, oder -verse, damit es sich die einzelnen Schritte gut merken kann.

Singen Sie Händewaschliedchen, oder -verse, damit es sich die einzelnen Schritte gut merken kann.

Rechnen Sie mit „Unfällen“ – und reinigen sie kommentarlos weg. Vermitteln Sie dem Kind nicht das Gefühl, es müsse sich dafür schämen. Ermutigen Sie es viel lieber: Schon bald wird es gelernt haben, rechtzeitig sein Spiel zu unterbrechen und zu gehen.

Haben Sie Geduld. Es werden wahrscheinlich Monate vergehen, bis alles wie gewünscht klappt.

Ein regelmäßiger Tagesablauf ist hilfreich. Die meisten Kleinkinder urinieren im Schnitt zwischen 4 und 8 Mal pro Tag, d.h. etwa alle zwei Stunden und haben ein bis zweimal im Tag Stuhlgang . Beobachten Sie Ihr Kind, versuchen Sie seinen Rhythmus herauszufinden und setzen Sie es zu den Momenten aufs Töpfchen oder Klo, wenn die Chancen für ein Erfolgserlebnis besonders hoch sind.

Ziehen Sie ihm für die Nacht und Mittagsschläfchen eine Windel an. Die Nachttrockenheit wird sich später entwickeln und kann nicht trainiert werden. Für längere Autofahrten können Sie ihm je nachdem eine Windel anziehen oder den Autokindersitz mit einer wasserfesten Unterlage (z.B. Inkontinenzunterlage) schützen. Am Besten fragen Sie Ihr Kind, was ihm lieber ist!

Nutzen Sie jede Gelegenheit, anderswo die Waschräume zu besichtigen und, wenn Ihr Kind mitmacht, sie zu benutzen. So gewöhnt es sich daran, an verschiedenen Orten aufs Klo zu gehen.

Haben Sie Geduld! Es kann drei bis zwölf Monate dauern, bis Ihr Kind selbständig auf die Toilette gehen wird.

Sie sollten das Training unterbrechen, wenn Ihr Kind weinen muss, Trotzanfälle bekommt, nicht sitzen bleiben möchte, oder Sie selber Ihre Geduld verlieren. Lassen Sie ein paar Wochen verstreichen, bevor Sie es wieder versuchen.

Rückschläge sind normal. Vom Beginn des Trainings bis das Kind verlässlich trocken ist, können zwischen 3 und 12 Monaten vergehen. Je besser es vorbereitet ist und je mehr es selber bereit dazu ist, desto schneller wird das Kind Fortschritte machen können.

Auch bei Rückschlägen oder wenn Ihr Kind eher zu den Späten gehört: Das Alter, in dem ein Kind trocken wird, hat absolut keinen Einfluss auf seine spätere Intelligenz, Talente, Erfolg oder Glücksfähigkeit.

Vertrauen Sie deshalb Ihrem Kind: Es wird trocken werden. Seien Sie geduldig und unterstützen Sie es, aber setzen Sie keinen Druck auf. Stellen Sie keine für den Moment unerfüllbaren Forderungen. So wird die Zeit auf der Toilette zu einer entspannten Erfahrung für Sie und für Ihr Kind und bald können Sie sich gemeinsam darüber freuen, dass es auch diesen Meilenstein gemeistert hat.