Tag Archives: Artgerecht-Projekt

Nicola Schmidt: „Mut. Wie Kinder über sich hinauswachsen“

Auf der ersten Blick ist unser Kurzer ein eher ängstliches Kind. Wenn etwas neu für ihn ist, ist er zwar neugierig und schaut gerne zu, aber wenn man ihn drängt, auch mal zu probieren, kommt ganz schnell „das kann ich nicht!“ und die Weigerung, es überhaupt zu versuchen. Continue reading

Julia Dibbern: Geborgenheit

Julia Dibbern: „Geborgenheit. Wie Kinder sie spüren und Eltern sie geben können“

Das „damals-war-die-Welt-noch-in-Ordnung“-Gefühl, mit dem wir uns als Erwachsene manchmal an unsere eigene, „glückliche“ Kindheit zurück erinnern; Das, nach dem wir uns machmal zurück sehnen, es lässt sich in einem einzigen Wort zusammenfassen: Geborgenheit. Continue reading

Eine kleine Physikstunde

Nicola Schmidt schrieb in einem lange zurück liegenden Blogbeitrag Montags-Mama-Mantra: Wasser sein darüber, wie es in manchen Situationen einfacher ist, ein Kind zu führen indem die Autoritätsperson “wie Wasser ist” statt Druck zu machen.

reissendes Seil

Aktion und Reaktion – bis die Verbindung reisst
Rainer Sturm / pixelio.de

Nun, Kurzer ist ja sehr druckempfindlich und Druck erzeugt bei ihm automatisch sofortigen Gegendruck in gleicher Stärke. Sehr oft ist die Situation dann so verbockt, dass gar nichts mehr geht.

In der Erziehung gilt das Gesetz von Aktion und Reaktion, das wir aus dem Physikunterricht kennen:  Ziehe ich mit einer Kraft X an einem Gegenstand, zieht dieser mit identischer Kraft in die andere Richtung.

Was kann ich tun, um den Gegenstand zu bewegen? Ich kann stärker ziehen, die Zugkraft so weit erhöhen, bis sich entweder der Gegenstand bewegt, die Verbindung reisst oder ein Bauteil des Gegenstandes bricht. Wie kann man voraussehen, welcher Teil bei zu viel Zug reisst oder bricht? Man kann es nicht. Klar ist nur: Der schwächste Teil wird reissen, nicht der Stärkste.

In einer Eltern-Kind-Beziehung ist das Erwachsene stärker. Immer. Es kann selber nicht kaputt gehen, jedoch beim Gegenüber oder an der Verbindung viel zerstören. Deshalb liegt es in seiner Verantwortung abzuschätzen, wie fest es am Kind (herumer)ziehen kann, bevor etwas im Kind kaputt geht oder aber die (Ver)Bindung mit dem Kind abreisst. Meistens hören wir weit früher auf, Druck oder Zug auszuüben.

Nur: Wo genau ist der Punkt erreicht, wo die Verbindung zwar noch nicht zerrissen ist, aber bereits unwiderruflich und unreparierbar beschädigt? Wann kommt der Punkt, an dem ein zu oft gespanntes Gummiband seine Elastizität verliert?

Das weiss man erst hinterher und das macht die Sache so schwierig.

Deshalb gefällt mir der “Artgerecht”-Ansatz von Nicola Schmidt: Sei wie Wasser, fliesse ums Kind herum aber immer talwärts:

Immer, wenn ich das berücksichtige, kommen wir gut miteinander aus. Kein Streit, kein Stress, keine Erschöpfung, keine Tränen. Dann finden wir den Weg, der für uns beide okay ist. Und wir kommen immer im Tal an. Wir mäandern ein bisschen wie ein guter Fluss, aber wir kommen an. Wenn ich es mit Druck versuche, wenn ich “durchziehen” will, wenn ich hetze, wenn ich will, dass die Kinder funktionieren, gibt’s Tränen, Streit und Erschöpfung und wir sind keinen Deut schneller oder effizienter als mit der Wasserstrategie. Ist das bei euch auch so?

Ja ist es. Aber nur wenn ich mich daran erinnere und daran halte.

Die Pille, die ich heute gebraucht hätte…

 

Zitat von der Website:

Es ist für jedes Alter vom Zeitpunkt der Geburt an geeignet.
Die Kinder werden dadurch gefügig, zahm, mucken nicht    mehr auf, wollen nicht mehr ins elterliche Bett oder gar an die mütterliche    Brust, schlafen von Geburt an 25 Stunden am Stück durch, tun, auch wenn sie    älter werden, nur noch, was man ihnen sagt, trödeln nicht mehr herum und werden    alles in allem konforme und wohlanständige Bürger.
Natürlich vollkommen    nebenwirkungsfrei.

Er wollte nur essen, wenn er hungrig war.

Es handelt sich dabei um die coolen Werbeplakate von Julia Dibbern.

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P.S. Aber weshalb, liebe Frau Dibbern, schreiben Sie immer nur “er”? Wirken die Pillen nur bei Jungs und bei Mädchen nicht, weil Mädchen von Natur aus subversive Wesen sind?