Tag Archives: Behinderung

dich hatte ich mir anders vorgestellt

Fabien Toulmé: „Dich hatte ich mir anders vorgestellt“

Heute, am 3. Dezember, ist der internationale UN-Gedenktag für Menschen mit Behinderung und zu diesem Anlass möchte ich Euch mal ein etwas anderes Buch ans Herz legen, das mir sehr nahe gegangen ist und zwar die Graphic Novelle „Dich hatte ich mir anders vorgestellt“ des Franzosen Fabien Toulmé. Continue reading

Vernetzt im Oktober 2015

ins Netz gegangen (funnytools / Pixabay)

ins Netz gegangen
(funnytools / Pixabay)

Unser Geburtstagsmarathon im Oktober führt alljährlich dazu, dass ich kaum dazu komme, den Altweibersommer zu geniessen. Der Kurze hatte sage und schreibe vier (in Worten: 4!!!) Geburtstagsfeste und in der Folge ertrinken wir in Lego. Für ihn ist das natürlich toll, versteht mich nicht falsch, aber für eine alte Introvertöse wie mich ist das ganz schön anstrengend. Schön darum, wenn ich mich am Abend noch ein wenig hinter meinem Bildschirm verstecken kann. Continue reading

Ernetztes und Vernetztes im Mai 2014

Warten auf die Beute (Bild Gitti Moser @ pixelio.de)

Was ist mir diesen Monat ins Netz gegangen?
(Bild Gitti Moser @ pixelio.de)

Auch im Mai sind mir wieder zahlreiche Reportagen und Artikel begegnet, die im entferntesten Sinn mit Elternschaft zu tun haben.

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Was geschah eigentlich mit den Menschen, die in dieser eingestürzten Textilfabrik in Bangladesch verletzt wurden oder Familienmitglieder verloren haben? Wir alle fanden es doch so skandalös, was dort geschah, nur damit wir hier ein T-Shirt für unter zehn Franken kaufen können? Nur die Anderen tun so was, wir selber kaufen natürlich nie im H&M oder im C&A, Vögele, und wie sie sonst alle heissen, die Textilhandelsketten, die dort produzieren liessen. Was geschah mit den Menschen, die dort arbeiteten und denen Versicherungszahlungen und Wiedergutmachung versprochen wurde? Selber lesen und fremdschämen: Im Stich gelassen!

Hier kommt wieder einer dieser Beiträge, die mich sprach- und ratlos zurück lassen. Wann kippt ein Kind? Wann wird es vom niedlichen, neugierigen Lauser zum Mörder und Attentäter und was muss Furchtbares geschehen, damit das passiert?
“Darum geht es in Afghanistan: um Menschen, die verschwinden. Um Kinder, die sich und andere ermorden. Es geht nicht um Ballons. Es ging selten um die Vorstellungen, die sich Fremde machten.”Ein Kind, ein Killer.

In Einer von sieben Milliarden nimmt Katja Schwab von SciLogs etwas Abstand zu den Alltagsproblemchen und zeigt auf, wie relativ die im Grund genommen sind.

Körperlich oder geistig behinderte Menschen und Sex. Auch so ein Thema, über das man nicht nachdenkt, nicht nachdenken will. Denn es betrifft einem ja nicht. Und überhaupt. Benjamin Piel hat sich des Themas angenommen und für seine einfühlsame Annäherung gleich den Theodor Wolff Preis verliehen bekommen: Bettys erstes Mal.

Warum sich manche junge Menschen mit Migrationshintergrund in ihrer Heimat nie ganz zuhause fühlen können erklärt Özlem Gezer in diesem Spiegel-Artikel und erhielt dafür den Henri-Nannen-Preis: Türkisiert.

Wie hoch war eigentlich der wahre Preis für das T-Shirt, das Du trägst? Bitte nur anklicken, wenn Du Zeit und Ruhe hast, um die Präsentation zu verdauen: The shirt on your back.

Ein Thema, so bedrückend, dass es einem als Mutter oder Vater fast das Herz abdrückt. Dürfen Eltern eines Amokläufers um ihren Sohn trauern? “Tims Eltern brechen ihr Schweigen: ‘Er fehlt mir so’

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Kurz gefasst im Oktober 2013

ins Netz gegangen (funnytools / Pixabay)

ins Netz gegangen
(funnytools / Pixabay)

Man merkt, dass das Wetter nässer und kälter geworden ist, die internetten Menschen sitzen wieder mehr an ihren Rechnern und produzierten interessante, berührende, spannende, lehrreiche und unterhaltende Texte und Bilder, um sie mit der Welt da draussen zu teilen.

Diesmal hat es wirklich viele Artikel, so viele hatte ich noch nie. Continue reading

Die zweiten Blogger Thementage: Macht mit!

Ich möchte auf die zweite Ausgabe der Blogger Thementage aufmerksam machen, die sich schon wie im letzten Jahr mit Behinderungen und angrenzenden Gebieten befassen.
Letztes Jahr war ich mit dem Text “Hauptsache Gesund: Was ist ausser der Angst sonst noch zurückgeblieben?” dabei.
Das Oberthema lautet in diesem Jahr “Gemeinsam stark”, die Themenbereiche gehen von “Kommunikation” über “Barrieren/Barrierefreiheit” bis hin zu “Tiere und Behinderung”.
Ich habe noch keine Ahnung, worüber ich schreiben werden.
Wenn Du selber teilnehmen willst, melde Dich direkt bei Aleksander von Quergedachtes.

Kurz gefasst im August 2013

Und schon hält der Herbst Einzug….

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Es gibt sie also, die Nicht-Pferdemädchen. Allen voran Anne Schüssler – “Wie ich (zweimal) versuchte, ein Pferdemädchen zu werden und (zweimal) scheiterte” –  und sie hat auch gleich eine Blogparade zum Thema veranstaltet: Das Leben ist kein Ponyhof. Ich habe mich so appaloosashetlandponymässig scheckig gelacht, ihr wisst schon…

Raul Krauthausen hat eine Liste von Kinderbüchern zusammengestellt, in denen das Thema “Behinderung” vorkommt, dazu eigene Erfahrungen und ein Link, weshalb sich das irgendwie komisch anfühlt: Kinderbücher zum Thema “Behinderung”.

Dieser Artikel zum Thema Langzeitarbeitslosigkeit und ihre Folgen in der zweiten Generation hat mich irgendwie berührt: “Meine Hartz-IV-Familie“.

Da laut eines Artikels in der “Zeit und Politikgeschichte” der Elefant Benjamin Blümchen und die Hexe Bibi Blocksberg linke Ökoanarchisten sind, hat Dr. Mutti gleich ein paar alternative BB-Geschichten geplottet, auf dasss sie in Zukunft “dazu geeignet seien, politisch mündige Bürger/innen hervorzubringen”: “Benjamin Blümchem schützt den Castor“.

Anja Gaca vom Blog “Von Guten Eltern” nervt sich darüber, dass immer mehr Firmen, Organisationen und Parteien ihren Werbemist bei den Kindern abladen: “Unser Kinderzimmer ist keine Müllkippe“.

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10 Dinge, die alle Eltern ihren Kindern über Behinderungen beibringen sollten » raul.de

Lieber Raul,

Vielen herzlichen Dank für diesen Text!

Sehr oft weiss man als Fussgänger ja tatsächlich nicht, wie man reagieren soll, wenn der Kurze so einen Mann mit Rädern einfach cool findet und unbedingt auch einen Rolli haben möchte.

10 Dinge, die alle Eltern ihren Kindern über Behinderungen beibringen sollten » raul.de.

Ich werde mir die Tipps hinter die Ohren tätowieren

Und ausserdem schreibe ich den Satz “Fragen ist höflicher als wegschauen!” fünfhundert Mal und hoffe, ihn dabei so auswendig zu lernen, dass ich das im richtigen Leben dann auch umsetzen kann.

Man hat es ja auch so gelernt: Man starrt nicht, man frägt nicht, man schau lieber weg – und spekuliert hinter vorgehaltener Hand, tut lieber so als wäre die behinderte Person nicht da, dann muss man sich auch nicht mit ihr und dem ganzen Elend befassen… Ich muss mich da echt an der Nase nehmen, das habe ich nämlich schon mehr als einmal gemacht in meinem Leben.

Ich möchte meinem Sohn aber ein gutes Vorbild sein und werde mir in Zukunft mehr Mühe geben. Aber bitte, liebe behinderte Mitmenschen, seid ein wenig tolerant mit uns!

Armand

Spielende Kinder in der Waldspielgruppe

Spielende Kinder (magicpen / pixelio.de)

„Armand darf man nicht umschubsen“, verkündete Kurzer neulich beim Abendbrot.

Seine Aussage hatte keinen Zusammenhang mit irgend etwas, das wir in den letzten Minuten diskutiert hatten.

„Wer ist Armand?“ fragte ich, obwohl ich die Antwort schon ahnte.

Und prompt: „Wer ist denn Armand, wer ist denn Armand, wer ist denn Armand?“-singend tanzte Kurzer singend durch die Küche.

Ach wie gut, dass niemand weiss, wer dieser Armand ist!

Langer und ich assen weiter. Nach ein paar Minuten setzt sich Kurzer auch wieder zu uns. „Armand kann nichts sehen“, verkündet er mit bedeutungsvoller Miene.

Meine Neugierde war geweckt.

Was genau kann Armand nicht sehen?“ hakte ich nach.

„Er kann nichts sehen und er hat meinen Traktor genommen und Vanessa hat gesagt nicht schubsen und er darf meinen Traktor nehmen“.

„Und du hast ihm einen deiner Traktoren gegeben?“

Ich war erstaunt. Kurzer ist jemand, der seine Spielsachen nur mit sorgfältig ausgewählten Personen teilt.

„Lieb sein hat Vanessa gesagt“.

Vanessa ist die Betreuerin.

Es dauerte noch etwas, bis ich alle Informationen einzeln aus meinem wortkargen Sohn herausgequetscht hatte.

Armand ist ein blinder Junge, der seit Neuestem in der Kita in Kurzens Gruppe geht. Er spielt ganz normal mit den anderen Kindern, aber die Betreuerinnen halten ein Auge auf ihn.

Was mich bei der Sache fasziniert: Den Drei- und Vierjährigen ist es völlig wurscht, ob dieser Bub behindert ist oder nicht. Er klaut einem anderen Kind einen Spielzeugtraktor und wird dafür umgenietet. Er ist ein Knabe unter vielen, mit der einzigen Besonderheit, nichts sehen zu können. Kinder in dem Alter nehmen die Unterschiede zwischen ihnen einfach zur Kenntnis: Pierre hat einen roten Rucksack, Emma mag kein Obst, Lisa weint viel und Armand kann nichts sehen. Kinder in diesem Alter werten nicht und versuchen nicht, die anderen zu verändern. Sie nehmen sie, wie sie sind. Die soziale Umwelt wird nicht in zig Kategorien eingeteilt, sondern nur in zwei: „Mag ich“ und „Mag ich nicht“. Mehr braucht es in dem Alter nicht.

Erst die Bemühungen und das Eingreifen der Betreuerinnen machen aus Armand etwas Besonderes. Nicht seine Blindheit hebt ihn aus der Masse der anderen Kinder heraus, macht ihn zu jemadem, der nicht ganz dazu gehört, sondern das grundsätzliche Verbot, ihn niemals zu schubsen – auch nicht zur Selbstverteidigung – und das Gebot, besonders nett zu ihm zu sein. Gerade den letzten Punkt erachte ich als problematisch.

Wäre es nicht besser, sie würden nur dann eingreifen, wenn ein Kind wirklich grob würde und Armand tatsächlich gefährdet wäre, anstatt den anderen Kindern einzubläuen, sich ihm gegenüber besonders rücksichtsvoll zu verhalten? Sollte er nicht auch lernen dürfen, sich erst mal selber zu wehren, bevor jemand einschreitet, wie bei den anderen Kindern wo erst eingegriffen wird, wenn eines weint? Müsste das Ziel der Inklusion nicht sein, ihn so weit wie es nur irgend geht „Kind unter Kindern“ sein zu lassen statt „behindertes Kind unter nicht behinderten Kindern“?

Ich weiss es nicht. Deshalb würde ich mich über Eure Kommentare ganz besonders freuen. Was denkt Ihr darüber?

Kurz gefasst im April 2013

Schon wieder ist ein Monat durch, in dem ich einiges gelesen habe. Obwohl ich viel um die Ohren hatte, hier trotzdem eine handvoll Artikel, die mich im Laufe des Aprils beeindruckt, inspiriert, zum Lachen oder Nachdenken gebracht haben:

In den Diskussionen rund um die Inklusion von Kindern mit Behinderungen in den normalen Schulbetrieb taucht immer wieder die Behauptung auf, früher wären Behinderte viel integrierter gewesen als heute, viel “normaler” behandelt worden. Im Standard vom 2. April schreibt Günther Brandstetter einen interessanten Einblick darüber, wie Menschen mit körperlichen Geburtsfehlern von der Antike bis heute angesehen wurden. Sehr empfehlenswerte Kurzlektüre: Unsere Sehnsucht nach Freaks.
(Nachtrag: Ich sehe gerade, dass der gesamte Themenschwerpunkt Monster & Mythen interessante Artikel bereithält.)

Das International Museum of Women kannte ich noch gar nicht. Ich habe es kennen gelernt, nachdem mich Alsmenschverkleidet auf die online Ausstellung Motherhood around the Globe aufmerksam gemacht hatte, die mit vielen Bildern, Filmen und Texten sich dem Thema nähert. Diese Ausstellung kann man nicht mal schnell so husch-husch durchklicken, sondern sollte etwas Zeit und Ruhe mitbringen.

Und da wir schon beim Schmökern sind: Die Ausstellung MUSLIMA – Muslim Women’s Art and Voices desselben Museums hat mich nachhaltig beeindruckt. Da war ich fast froh, ein paar Tage das Bett hüten zu müssen und diese zahlreichen Texte und Bilder wirken zu lassen. Auch hier gilt: Nicht zum schnell darüber klicken, sondern wirklich viel Zeit und Bereitschaft mitbringen, um sich auf das Thema einzulassen.

Die Explosionen in Boston sind grosses Thema. Viel mehr erschüttert hat mich persönlich der Amoklauf eines 60jährigen in der Nähe von Belgrad, der während der Nacht, als sie schliefen, 13 Verwandte und Nachbarn exekutierte, darunter auch einen 2jährigen Buben: Amoklauf in Serbien.

Hauptsache Gesund: Was ist ausser der Angst sonst noch zurückgeblieben?

Dieser Artikel ist Teil der Blogger Themen-Tage zum Thema “Einfach Sein” von Quergedachtes.

Ich wurde mit 37 zum ersten Mal schwanger. Als „alte Mutter“ wurde ich schon in der Kinderwunschzeit und frühen Schwangerschaft mit dem Thema Behinderung konfrontiert: „Seid ihr sicher, dass ihr das Risiko eingehen wollt?“ und ähnliche Fragen wurden regelmässig gestellt. Continue reading