Tag Archives: Beltz & Gelberg

Sang-Keun Kim: Wenn du Sorgen hast, rolle einen Schneeball

Sang-Keun Kim: „Wenn du Sorgen hast, rolle einen Schneeball“

Draussen fallen die ersten Schneeflocken, es ist kalt und wird bereits früh dunkel. Gibt es eine bessere Zeit, um zusammen auf dem Sofa zu kuscheln und neue Bücher zu lesen oder vorzulesen? Dazu passt ganz wunderbar die Schneegeschichte des jungen Koreaners Sang-Keun Kim.

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Leo Lionni: „Tico und die goldenen Flügel“

Bilderbücher kann man ja nicht so gut mitnehmen, weil sie einfach zu gross für eine Handtasche oder ein Kinderrucksäcklein sind. Was waren wir deshalb schon froh um die Taschenausgaben „Minimax“ aus dem Beltz-Verlag! Im immer gleichen Kleinformat (15x19cm), passt ein ganzer Stapel davon in eine kleine Tasche. Wir sind wohl die letzte Familie auf diesem Kontinent, die noch kein Tablet oder DVD-Player für die Kinder hat und deshalb im Auto anderweitig für Ablenkung und Abwechslung sorgen müssen. Mit den Minimax-Büchlein war auf längeren Urlaubs- oder anderen Reisen immer für genügend Lesestoff gesorgt. Continue reading

Lorenz Pauli und Kathrin Schärer: „Die Kiste“

Muss ich nach Da bist Du ja! und mutig, mutig! überhaupt noch erwähnen, dass ich ein Riesenfan des Texter-Illustratorin-Teams Pauli & Schärer bin? So konnte ich natürlich auch nicht widerstehen, als in diesem Frühling Beltz & Gelberg das schon über 10jährige, preisgekrönte Bilderbuch  „Die Kiste“ als Minimax-Taschenbuch herausbrachte. Continue reading

Nicola Schmidt: „Mut. Wie Kinder über sich hinauswachsen“

Auf der ersten Blick ist unser Kurzer ein eher ängstliches Kind. Wenn etwas neu für ihn ist, ist er zwar neugierig und schaut gerne zu, aber wenn man ihn drängt, auch mal zu probieren, kommt ganz schnell „das kann ich nicht!“ und die Weigerung, es überhaupt zu versuchen. Continue reading

Nora Imlau: „Freundschaft“

Kurzer hat zwei beste Freunde. Den einen kennt er seit Babyzeiten, den anderen seit letztem Frühjahr. Seit Ende August gehen sie zusammen in die Vorschule. “Die Drei aus dem Städtchen” nennt sie die Lehrerin, weil sie alle drei im Quartier leben und wie Pech und Schwefel aneinander kleben. Das heisst, wenn sie sich nicht gerade untereinander zoffen, prügeln, das Gesicht zerkratzen. „Du bist für immer und ewig mein Bester“ und „du bist so blöd, ich lade dich nie, nie, nie mehr zu meinem Geburtstag ein“ im Fünfminutentakt.

Sie prügeln sich oft, die Drei aus dem Städtchen. Aber wehe ein anderes Kind oder gar ein Erwachsenes mischt sich ein – da sieht es sich plötzlich drei kampfbereiten Musketieren gegenüber, die einander Deckung geben. „Lass meinen Freund in Ruhe“, schimpfte mich neulich einer der Drei, als ich Kurzen wegen etwas zur Rechenschaft zog, das er ausgefressen hatte.

Solche Freunde, die zusammenhalten und mit ihm durch Dick und Dünn gehen, wünscht man seinem Kind und hofft, dass die Freundschaft ein Leben lang hält. Bei jedem Streit leidet man mit und drückt die Daumen, dass bald die Versöhnung folgt. Ganz besonders, wenn die „Entfreundung“ mal eine ganze Woche andauert oder noch andere Kinder ins Spiel kommen, plötzlich Rivalität um die Gunst des Freundes da ist und Eifersucht auf andere. Fünfjährige fühlen stark und intensiv – und laut. Man leidet mit ihnen mit und möchte ihnen helfen. Im ersten Reflex möchte man abwiegeln, aber im Innersten weiss man natürlich, dass das wohl nicht das Richtige ist.

Deshalb war ich natürlich neugierig und freute mich etwas zu lernen, als Nora Imlau, die Autorin von „Das Geheimnis zufriedener Babys“ für die Beltz Nikolo Reihe „Grosse Gefühle“ ein Buch über Kinderfreundschaften geschrieben hat.

Dort geht es nicht nur um die Bedeutung von Kinderfreundschaften und Cliquen für die Entwicklung unserer Kinder, sondern man erfährt auch, wie schüchterne Kinder Freunde finden können, lernt etwas über Mobbing unter Kindern, und über Einzelgänger. Wann sollen sich Erwachsene zurückhalten, wann einmischen? Wie können wir unsere Kinder dabei unterstützen eine Freundschaft auch über Distanz aufrecht zu erhalten (beispielsweise nach einem Umzug)? Was tun, wenn ein Kind unbeliebt ist, wenn es von anderen gehänselt wird oder wenn unser eigenes Kind ein anderes hänselt?

Wie immer bei Nora Imlau gibt es keine fertigen 1-2-3-Rezepte. Stattdessen finden Leserinnen und Leser zahlreiche wertvolle Inputs und Dinge zum Nachdenken und eine lange Literaturliste zum weiterlesen. Darunter auch zahlreiche Kinderbücher, in denen Freundschaft eine wichtige Rolle spielt.

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Klappentext:

„Kinder entdecken miteinander die Welt und lernen voneinander. Jeder Freund inspiriert auf eigene Weise und prägt die Persönlichkeit des Kindes beim Spielen, Streiten, Versöhnen. Wer Kinderfreundschaften versteht und fördert, öffnet Kindern ganz neue Horizonte.“

„Freundschaft. Wie Kinder sie erleben und Eltern sie stärken können“
Nora Imlau
Beltz & Gelberg, Weinheim und Basel, 2014
ISBN 978-3-407-72716-9

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Cover von Die Vogelscheuchenhochzeit

Rosalies Rezension von Scheffler & Donaldsons: „Die Vogelscheuchenhochzeit“

Vielleicht mögt Ihr Euch noch erinnern: In meiner Rezension von Scheffler & Donaldsons „Die Vogelscheuchenhochzeit“ verloste ich meiner Leserschaft ein Exemplar des Buches mit der Bedingung, dass die Gewinnerin oder der Gewinner ebenfalls eine Rezension schreiben sollte.  Continue reading

Cover von Die Vogelscheuchenhochzeit

Axel Scheffler und Julia Donaldson: „Die Vogelscheuchenhochzeit“ (Bilderbuch)

Als Grüffelo-Fan der ersten Stunde freue ich mich natürlich jedes Mal, wenn von Scheffler & Donaldson etwas Neues kommt. So konnte ich es kaum erwarten, bis Ende August diesen Jahres das Bilderbuch „Die Vogelscheuchenhochzeit“ bei Beltz & Gelberg erschien.

 

Die Geschichte

Die Vogelscheuchen Betti von Binsen und Herbert von Stroh lieben sich und möchten gerne heiraten.

„Die Hochzeit wird herrlich, die Hochzeit wird fein,
herrlicher wird eine Hochzeit nie sein!“

Sie machen eine Liste mit den benötigten Sachen und fangen an, sie zusammenzutragen. Am Ende fehlen nur noch die Blumen und Herbert macht sich alleine auf, sie zu holen. Dabei stösst er auf allerlei Hindernisse, die ihn viel Zeit kosten.

Derweil baut der Bauer eine neue Vogelscheuche, Reinhold den Rüpel, um den verschwundenen Herbert zu ersetzen. Reinhold macht sich prompt an Betti heran und versucht, ihr Herbert madig zu machen. Aus Versehen zündet er das Stroh auf dem Feld an, auf dem sie stehen und macht sich darauf vom Acker.

Am Ende kommt aber alles gut, Betti wird gerettet und die Hochzeit kann stattfinden.

 

Was meint die Zielgruppe?

Kurzer (5 Jahre) fand “Die Vogelscheuchenhochzeit” mässig interessant, was natürlich daran liegen könnte, dass der Traktor überhaupt erst auf der letzten Seite auftaucht. Aber eigentlich denke ich, dass Heiraten nicht unbedingt ein Thema ist, das Vier- und Fünfjährige interessiert, ausser es stünde in ihrem näheren Umfeld gerade eine Hochzeit an. Auch J., ein viereinhalbjähriges Testkind aus unserem Bekanntenkreis ist nicht auf die Geschichte angesprungen.

Kurzer stellte aber viele Fragen: Was ist Heiraten und weshalb tut man so was? Weshalb ist Reinhold so gemein und wieso überhaupt zündet er Betti an?

Als Betti brannte, fing er zu weinen an.

 

Mein persönliches Fazit

Ich mag die Bilder von Axel Scheffler und ich mag die Reime von Julia Donaldson und auch an der Übersetzung dieser Reime aus der Tastatur der grandiosen Salah Naoura ist nichts auszusetzen.

Aber dieses Buch mag ich nicht. Ich kann nicht behaupten, dass es schlecht wäre – technisch gesehen ist es durchaus in Ordnung. Wie immer bei diesem Autorenduo hat es eingängige Reime mit einem Refrain, der sich auf jeder Seite wiederholt und den das Kind schon beim zweiten Vorlesen mitspricht. Auch die bunten Zeichnungen mit den vielen Details und den glubschäugigen Figürchen sind witzig wie immer.

Aber statt wie in anderen Büchern mit Vorurteilen zu spielen und diese frech zu demontieren (man denke nur an das Mäuschen, wie es den Grüffelo an der Nase herum führt), schöpft das Grüffelo-Team hier mit der grossen Kelle aus der Klischeesuppe.

Wer sich liebt, heiratet. Ok, das kann man noch durchgehen lassen, manche Leute denken tatsächlich so.

Betti, das dumme Hascherl, muss natürlich eine „richtige“ Hochzeit haben mit allem was dazu gehört. Organisieren soll das der Mann und Betti steht passiv und dekorativ in der Botanik herum. Prompt kommt ein so ein Pick-up-artist mit seinen Aufreissersprüchen daher und fasst sie gar gegen ihren Willen an (!). Sie steht einfach nur da und erzählt ihm von ihrem Verlobten und ihrer feinen Hochzeit, statt ihm eine Gerade auf die Nase zu knallen. Statt also ihre eigene bedrohte Integrität zu verteidigen, hält sie ihm auch noch einen Vortrag über die Schädlichkeit des Rauchens (was interessiert sie überhaupt wenn so ein daher gelaufener Sapperlot seine Gesundheit aufs Spiel setzt?).

Und dann lässt sie sich zu guter Letzt auch noch von ihm anzünden. Wortwörtlich! Statt wegzulaufen oder das Feuer zu löschen steht sie da und ruft um Hilfe, die in Form von Herbert natürlich prompt auch eintrifft. Happyend und so weiter, aber bis dahin war ich von der unerträglichen Passivität Bettis so genervt, dass ich die Geschichte gar nicht mehr geniessen konnte.

In Anbetracht der angsthaften Reaktion meines Kurzen auf den Strohbrand würde ich diesen Teil der Geschichte als eher grenzwertig bezeichnen. Immerhin empfiehlt der Verlag das Buch ab vier Jahren und ich kann mir nicht vorstellen, dass mein Sohn der einzige ist, der mit Panik reagiert, wenn die Protagonistin lichterloh brennt!

 

Was soll ich nur empfehlen? „Kauft es nicht“ wäre zu viel gesagt. Wie gesagt: Mir gefällt es nicht, aber manch anderem mag es gefallen. Aber uneingeschränkt empfehlen mag ich es auch nicht, denn ich finde es kaum zum Aushalten, wenn Geschlechterstereotypen nicht wenigstens ein klein Wenig aufgeweicht werden oder doch wenigstens bewusst damit gespielt wird.

Was wird denn hier den Kindern vermittelt? Dass sogar Vogelscheuchenprinzessinnen einfach nur darauf warten, dass ein Prinz sie retten kommt? Dass wenn ihnen einer blöd vorbeikommt, sie einfach da stehen, sich nicht wehren, sondern nett sein und lächeln sollen? Dass Männer entweder Arschlöcher wie Reinhold sind, oder liebe Simpel, wie Herbert von Stroh?

Die Verlosung hat Rosalie gewonnen. Ihre Besprechung der “Vogelscheuchenhochzeit” findet Ihr hier.

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Klappentext

„Betti von Binsen und Herbert von Stroh wollen Hochzeit feiern. Bald haben sie all das beisammen, was sie dafür brauchen – die Federn für das Kleid, eine Kette, Ringe und Glocken. Es fehlen nur noch die Blumen…
Um ein Haar wäre alles schief gegangen, aber das Glück steht auf ihrer Seite und Betti von Binsen und Herbert von Stroh feiern die schönste Hochzeit aller Zeiten.“

„Die Vogelscheuchenhochzeit“
Axel Scheffler und Julia Donaldson
Beltz & Gelberg, Weinheim und Basel, 2014
ISBN 978-3-407-79580-9
Altersempfehlung des Verlags: ab 4 Jahre

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Jesper Juul: Nein aus Liebe

Jesper Juul: „Nein aus Liebe“

Juuls „Nein aus Liebe“ aus dem Jahr 2008 ist nun endlich auch als Taschenbuch beim Beltz Verlag erhältlich.

„Letztlich können wir nur dann aus vollem Herzen Ja zu uns und zueinander sagen, wenn wir auch zu einem authentischen Nein in der Lage sind.“

Wenn mich jemand fragt, welches Buch von Juul ich für das Wichtigste halte, dann würde ich „Nein aus Liebe“ direkt nach „Dein kompetentes Kind“ nennen (das dritte auf meiner „Best-of“ Liste ist übrigens „Grenzen, Nähe, Respekt“). Continue reading

Lorenz Pauli und Kathrin Schärer: "mutig, mutig"

Lorenz Pauli und Kathrin Schärer: „mutig, mutig“

Je Herbst, desto Bilderbücher. Schliesslich kann ich den Kurzen nicht ständig vor dem Computer parken – nicht, dass er sich darüber beschweren würde – und deshalb bleibt mir nichts anderes übrig, als ihn durch Erzählen bei Laune zu halten. Das hier steht seit Wochen ganz weit oben auf der Beliebtheitskala: Continue reading

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Erwin Moser: „Von sagenhaften Katzen und tollkühnen Bären“

Gute-Nacht-Geschichten-Bücher gibt es wie Sand am Meer und keines hat mich bisher nachhaltig vom Hocker gerissen. Die meisten erzählen von braven Kindern, die brave Dinge tun und ohne Diskutieren ihre Zähne jeden Tag nach jedem Essen drei Minuten lang putzen. Zum Vorlesen finde ich solche Geschichten unerträglich langweilig und Kurzer fängt mitten drin wieder zu spielen oder reden an, weil sie ihn eben so wenig zu packen vermögen. Continue reading