Tag Archives: Depression

Alleinerziehend und arbeitslos

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunktthema Stress, Burnout und Depression und ist ein Gastbeitrag von Barbara, Mutter eines Sohnes.

Barbara lebt mit ihrem Sohn in einer kleinen Stadt im Süden Deutschlands. Nach der schwierigen Trennung von ihrem Mann und langer Arbeitslosigkeit arbeitete sie fast bis zum Umfallen, um sich und ihren Sohn über die Runden zu bringen. Das hier ist ihre Geschichte:
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Von Rosarot nach Tiefschwarz

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunktthema Stress, Burnout und Depression und ist ein Gastbeitrag von Nadine P., berufstätige Mutter von zwei Kindern.

Als ich vor zehn Jahren in der Firma anfing, glaubte ich mich im Arbeitnehmerparadies. Maximale Flexibilität, leistungsorientiertes Entlohnungssystem, ein Durchschnittsalter von irgendwas-in-den-Zwanziger. Lächelnde Gesichter! Gleichberechtigung, Vereinbarkeit von Karriere und Familie, alles keine Themen. Eine Führungskultur, die fragt: „Was brauchst du, um gut arbeiten zu können?“ Continue reading

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Stress, Burnout und Depression

Vor ein paar Wochen fing in mit den Recherchen zum Thema „Burnout bei Müttern“ an. Ein Viertel aller Mütter in Deutschland soll davon betroffen sein.

Auf den ersten Blick kann man es kaum glauben, denkt man doch, dass gerade Hausfrauen ihre Zeit frei einteilen und ab und zu eine Pause einlegen können. Aber beim näheren Hinschauen wird einem schnell klar, dass das nicht der gelebten Wirklichkeit entspricht: Continue reading

Ein Segen

In gewisser Weise war die Zeit, die wir nach Kurzens Atemstillstand im Krankenhaus verbringen mussten, für uns ein Segen. Ich weiss, das tönt jetzt furchtbar. Die Zeit war schwer, wir wussten nicht was geschehen würde, ob Kurzer jemals gesund sein dürfe, ob von seinem wiederholten Sauerstoffmangel etwas zurückbleiben würde. Die Bilder, wie ich alleine meinen erschlafften, schneeweissen Sohn reanimierte, werde ich wohl bis an ein Lebensende nicht mehr loswerden.

Kinderklinik-Schild. Bild von Paul-Georg Meister / pixelio.de

Bild: Paul-Georg Meister / pixelio.de

Und trotzdem.

Das Wochenbett dauert in der heutigen Zeit statt wie früher sechs Wochen,  noch gerade drei Tage, bei Kaiserschnitt eine knappe Woche. Danach befindet man sich wieder zuhause, muss funktionieren, wenn der Partner (sofern vorhanden) keine Ferientage zum richtigen Zeitpunkt bewilligt bekommt, ist die Wöchnerin auf sich alleine gestellt. Unabhängig davon, ob nur der Säugling oder noch ältere Geschwister zu versorgen sind oder nicht. Der Mann muss arbeiten und kommt zum Essen, der Haushalt will gemacht werden und Baby und seine Geschwister müssen versorgt und Gäste bewirtet werden.

Das alles ist die Aufgabe der Wöchnerin.

Und dann wundert es einem, wenn Mutter und Kind gestresst sind, das Baby entsprechend reagiert und viel weint und junge Mütter gleich reihenweise in Postpartale Depressionen versinken.

Und aus diesem Grund war die Zeit im Kinderspital für uns ein Segen.

Wir konnten uns ausklinken aus dem Alltag. Mussten keinen Besuch abwimmeln, niemand war beleidigt, wenn wir sagten, dass wir niemanden empfangen wollten. Ich konnte über vier Wochen mit meinem Baby verbringen, in Ruhe, ohne Störung von aussen. Sogar das Essen wurde gebracht.

Bonding bis zum Abwinken, Haut an Haut, und nichts anderes zu erledigen, zu tun. Nur wir zwei (und eine Handvoll Ärzte, die Pflegefachleute und die allerliebsten Leute vom Hausdienst, die mir sogar Kaffee holten wenn der Kleine auf mir eingeschlafen war).

Jeden Tag nahm ich den Laptop und mehrere Bücher mit, um ein wenig zu surfen oder zu schreiben – und jeden Tag brachte ich ihn wieder heim, ohne ihn hochgefahren zu haben.

Nichts zu tun, nur mein Baby zu halten, zu riechen, ihm vorzusingen oder zusammen zu dösen in dem blauen Stillstuhl mit der herunterklappbaren Rückenlehne. Alle paar Stunden mal abpumpen und zwischendurch aufs Klo. Den Rest der Zeit verbrachte ich mit meinem Baby.

Ohne die vier Wochen im Krankenhaus hätte ich niemals die Musse gehabt, mich so intensiv auf meinen Kleinen einzulassen. Ich wäre ständig abgelenkt gewesen, hätte tausend Dinge erledigen müssen und ja: Ich hätte mich selber schon sehr schnell wieder zu Leistungen angetrieben, unfreundlich wie ich halt nun mal sehr oft mit mir selber bin (ich arbeite daran, versprochen!), und hätte mir das letzte abverlangt. Natürlich wäre ich in eine Depression verfallen und nie hätte ich diese intensive Nähe kennengelernt oder gefühlt, die sich allein dadurch ergeben hat, dass Kurzer und ich alleine zusammen in diesem Krankenzimmer “eingesperrt” waren und es schlicht nichts gab, was mich hätte ablenken können.

Und durch die erzwungene Ruhe konnte sich auch mein Körper von den Strapazen der Schwangerschaft und der Zeit auf der Neo erholen.

So gesehen waren diese vier Wochen im Krankenhaus ein Segen für meinen Sohn und mich und unsere Beziehung.