Tag Archives: Feminismus

Vernetzt im Februar 2015

ins Netz gegangen (funnytools / Pixabay)

ins Netz gegangen
(funnytools / Pixabay)

Im Februar war dann der Schnee da. Meterweise von dem nassen, kalten Zeugs. Die Kinder freuts, wer täglich sein Auto ausgraben muss, etwas weniger. Momentan regnet und schneit es in etwa gleichermassen.
Kurzer langweilt sich während der Sportwoche zu Tode, da all seine Kumpels in die Skiferien gefahren sind, während ich und sein Papa arbeiten müssen. Wenigstens hat er vom Arzt das OK bekommen, wieder Eishockey zu spielen und Schlitten zu fahren.

~~~||~~~

Mit diesen Helden sind wir aufgewachsen. Nicht alle haben den Weg aus dem 1980er Jahre-Ruhm mit Anstand geschafft: Legenden in Lederslippern.

Nieselpriem schreibt über den Kloss im Hals, den man als Mutter eines Aussenseiters öfter hat. Und trotzdem nicht viel mehr tun kann, als sein Kind mit aller Kraft zu lieben und es in den Arm zu nehmen.

Bei Scilogs gibt es “Blogewitter, Bloggen für Kinder“, wo verschiedene wissenschaftliche Themen Kindgerecht aufbereitet werden. Spannende Themen, spannend geschrieben! Wenn Eure Kurzen wissensmässig auch so unersättlich sind wie meiner, dann lest dort mal rein. Aber achtung: Suchtgefahr!

Was haben Schlaflernprogramme und Feminismus miteinander zu tun? Evolutionary parenting hat es für Euch aufgeschrieben: Sleep Training IS A Feminist Issue (Just Not in the Way You Think) (und hier in der deutschen Übersetzung von Nora Imlau: Schlaflernprogramme sind ein feministisches Thema)

Unser Reichtum geht auf Kosten anderer. Das wissen wir schon lange. Und doch tut es weh, dass eines unserer liebsten Spielzeuge so unsägliches Leid verursacht: Ein sauberes Handy gibt es nicht.

Das Flüchtlingsdrama in Syrien und Jordanien nimmt kein Ende. Ein hier wenig bekanntes und für die Opfer doch so schlimmes “Nebenthema” ist der florierende Mädchen- und Frauenhandel mit Flüchtlingen: Tochter zu verkaufen. Die UNICEF berichtet, in Jordanien sei jedes dritte Mädchen unter 18 bereits verheiratet.

Die folgende Geschichte ist irgendwie tragisch, aber auch sympathisch. Ich glaube, das gäbe einen guten Film. Ein vernachlässigter Junge fängt an, sich als andere, als vermisste Kinder auszugeben, um Liebe und Aufmerksamkeit zu ergattern. Sogar ein Happy-End hat die Geschichte von Frédéric Bourdin: Das Chamäleon.

Pädophile sind Monster, so die gängige Meinung. Töten müsse man sie, kastrieren, lebenslang wegsperren. Aber was wäre, wenn es mein Sohn wäre? Ein bedrückender Artikel im Spiegel: Nachts im Kinderzimmer.

 

Ernetztes und Vernetztes im Juli 2014

Warten auf die Beute (Bild Gitti Moser @ pixelio.de)

Was ist mir diesen Monat ins Netz gegangen?
(Bild Gitti Moser / pixelio.de)

Selten so einen verregneten Juli erlebt. Kein Wunder also, dass trotz Kita-Ferien und Hochsommer viel Zeit zum Lesen und rumsurfen blieb. Dabei bin ich erneut auf ein paar spannende, berührende, nachdenklich machende, bewegende oder einfach lustige Geschichten und Artikel gestossen.

~~||~~

Wie lebt ein 14jähriger unter dem “Kanun”, des Gesetzes der Blutrache, wie es in Albanien mancherorts noch gelebt wird? Ein Junge, einer junger Mann schon bald, der sich verstecken oder seinerseits töten muss? Wir kriegen Dich!

Ein weiterer Ausländer wird wegen des Vorwurfs, für die Aufenthaltsbewilligung eine Scheinehe eingegangen zu sein, ausgeschafft. Dahinter steht jedoch eine lange Geschichte: Der Name hinter der Rose.

Anne Schüßler beschreibt, weshalb sie angefangen hat, Frauen zu zählen: “Frauen machen ungefähr 50 Prozent unserer Gesellschaft aus. Zu behaupten, es wäre nicht möglich, unter diesen 50 Prozent ausreichend interessante Menschen für Thema A bis Z zu finden, ist schlichtweg eine nette Formulierung von “Männer sind halt interessanter als Frauen”, was wiederum eine nette Formulierung von “Frauen sind zu vernachlässigen”ist.
Den ganzen, meines Erachtens sehr klug durchdachten und stimmig argumentierten Text finden Sie unter: Was Sie schon immer über Frauenzählen wissen wollten aber nie zu fragen wagten.

Pubertät und Jugendzeit war schon immer schwierig für die, die dort durch mussten. Mit den neuen Medien ist es nicht einfacher geworden und als Eltern werden wir Wege finden müssen, damit unsere Kinder im Rausch der Hormone ihren Kopf nicht verlieren:
Lauras Entblößung.

Mareice Kaiser schreibt auf ihrem Blog “Kaiserinnenreich” über die menschlichen Aspekte der Pränataldiagnostik und darüber, wie wichtig dabei eine kompetente menschliche Begleitung ist, damit Mütter für sich herausfinden können, was für sie stimmig ist und was nicht: Appell an den Mutterbauch.

Ich bin sonst die Erste, die gerne bei subversiven Protestaktionen mitmacht. Aber das hier ist irgendwie, wie soll ich sagen? Eigenwillig? Bemitleidenswert? Rechte in den USA verpesten absichtlich die Luft.

Der Lehrplan 21 gibt in der Schweiz viel zu reden, insbesondere weil konservativ-christliche Kreise um die “Frühsexualisierung” ihrer Kinder fürchten. Dabei gerät die wichtiste Neuerung des LP 21 aus dem Fokus: Der Paradigmenwechsel von der Inputorientierung hin zur Outputorientierung. Zukünftig wird nicht mehr im Mittelpunkt stehen, was Lehrpersonen den SuS vermitteln, sondern das, was die SuS tatsächlich gelernt haben. Ob das gut ist und warum, darüber denkt Jürg Meier beim Infosperber nach: Kompetenz- und andere Hochstaplergeschichten.

Die Villa Kunterbunt existiert tatsächlich und man kann sie sogar besichtigen gehen: Wo Pippi Langstrumpf erfunden wurde.

Eine Geschichte aus einem Land, wo unterdessen wieder Bomben fallen, weil sich feige Terroristen hinter Kindern verstecken: Liebe in Gaza.

Noch zwei Liebesgeschichten, aus einem anderen Krieg: Die Liebe nach dem Krieg.

Und eine weitere Kindheit, beschrieben vom Sohn eines von Interpol gesuchten Kriminellen auf der Flucht: So, und jetzt kommst du.

 

 

~~||~~

 

Tagesaktuelle Linktipps findet Ihr auch auf meiner Facebookseite: https://www.facebook.com/MamahatjetztkeineZeit

 

 

.

 

 

 

Ernetztes und Vernetztes im Juni 2014

Warten auf die Beute (Bild Gitti Moser @ pixelio.de)

Was ist mir diesen Monat ins Netz gegangen?
(Bild Gitti Moser @ pixelio.de)

Nach dem Strandurlaub, bei dem sich 36° Grad im Schatten locker aushalten liessen, solange ich mich nur nicht übermässig bewegte – alle paar Minuten der leichte “Klick” mit dem rechten Ringfinger auf den Display des Kindles brachten mich schon ins Schwitzen – und in der Gewissheit, dass Langer sich mit Kurzem im und am Wasser köstlich amüsierte und seinen Spieltrieb auslebte, hat jemand eine Ahnung auf was ich mit diesem Satz hinauswollte? Ich weiss es nicht mehr, die Gedanken schwimmen davon und die Augenlider senken sich schon wieder. Ich geb’ dem Drang mal anstandshalber nach, man will ja nicht unhöflich zu sich selber sein.

~~||~~

Journelle nervt sich über das “echte Männer pinkeln öffentlich”-Gejammer von Wolfgang Bergmann und anderen. Ich schliesse mich dem einfachheitshalber an, statt es selber zu verbloggen (heraus käme sowieso nur ein böser, böser Rant eines bösen Weibes): Das böse Weib.

Zum Thema “Feminismus” hat Alphamädchen Meredith Haaf in der Süddeutschen viel Selbstkritisches und Nachdenkenswertes geschrieben: “Wie ein Parasit hält sich eine publizistische Feminismusverbesserungs-Industrie am Leben, indem sie jene große Frage, wie die Gesellschaft gerechter werden kann, umwälzt auf die ungleich leichter zu beantwortende Frage, was am “Feminismus” unangenehm, abschreckend oder kompliziert ist.” Weiterlesen unter: Die schreckliche Macht der fiktiven Horrortussi.

Der Kinderdok schrub einen interessanten Artikel Über das Wissen und weshalb in manchen Fällen ein Allgemeinmediziner halt doch besser Bescheid weiss, als googelnde Eltern.

~~||~~

Die monatliche Linksammlung ist leider etwas bescheiden ausgefallen, aber nicht, weil niemand Gutes geschrieben hätte sondern weil ich das Notieren und Kommentieren vor mir hergeschoben habe und ständig Anderes dazwischen kam. Tja, nächsten Monat dafür wieder mehr.

Tagesaktuelle Linktipps findet Ihr jeweils auf meiner Facebookseite: https://www.facebook.com/MamahatjetztkeineZeit

 

 

.

 

 

 

Feminismus und Mutterschaft: Kind dabei und Hände frei

Schon vor einigen Wochen rief “glücklich scheitern” auf ihrem Blog zur Interviewreihe Feminismus und Mutterschaft auf. Obwohl die Reihe schon seit ein paar Wochen zu Ende ist, möchte ich die Fragen noch beantworten.

The Gale

Mutter und Feministin: Kind dabei und Hände frei!

Dein Name (egal ob klarname, pseudonym, blog…)

Katharina alias “Mama hat jetzt keine Zeit”.

Hast Du (eigene, adoptierte, zu pflegende…) Kind(er), möchtest Du welche, hast Du Dich bewusst dafür/dagegen entschieden, welche Voraussetzungen bräuchtest Du um Kinder bekommen zu können/wollen?

Ich darf einen leiblichen Sohn auf seinem Weg zum erwachsen Werden begleiten. Er ist ein geplantes Wunschkind, und ich bekam ihn erst mit 38 Jahren. Sein Vater und ich leben seit 1991 zusammen, und Kinder waren zwar immer mal wieder ein Thema, doch für uns stimmten die Bedingungen nie. Unser Traum wäre gewesen, gemeinsam zu arbeiten und unser(e) Kind(er) gemeinsam zu betreuuen. Sie im Geschäft bei uns zu haben, solange sie nicht zur Schule gingen oder lieber mit ihren Kumpels spielten. Wir wollten das Kind weder “wegorganisieren”, noch unser eigenes Leben für es aufgeben müssen. Die Vision war, das Kind in unser Leben zu integrieren, unser Leben mit ihm teilen zu können.

Leider wurde dann die Zeit knapp, bevor wir die Bedingungen erfüllt sahen und wir mussten uns entscheiden: Jetzt oder gar nicht.
(aber bereut haben wir die Entscheidung nicht)

Spielt der leibliche Vater eine Rolle? Oder anders: welche Rolle spielt er (für Dich/für die Kinder)?

Ja, er spielt eine grosse Rolle, sowohl als mein Lebensgefährte, als auch als Vater für den Kleinen. Er übernimmt echte Verantwortung als Vater, auch wenn rein zeitliche gesehen sein Teil an der Betreuungsarbeit kleiner ist.

Teilst Du Dir die Sorgearbeit fürs Kind mit jemandem? Wie? Und wie wäre es Dir am Liebsten?

Die Betreuungs- und Sorgearbeit teilen mein Gefährte und ich mit ganz vielen Leuten. Einerseits sind da meine Eltern, die einen Tag die Woche übernehmen. Zahlreiche Nachbar*innen und Co-Mütter im Dorf, wo der Kurze mit wachsender Autonomie ein- und ausgeht und auch mal einen Nachmittag verbringt, wenn er Lust dazu hat oder meine Arbeit als Freiberuflerin es erfordert.  Und dann wäre da noch die Kita, wo er ebenfalls einen Tag die Woche verbringt.
Wie weiter oben beschrieben wäre unser liebstes Modell gewesen, gemeinsam zu arbeiten und gemeinsam zu betreuen. Oder doch wenigstens 50/50 zu machen. Wobei das auch theoretisch ist, denn als wir uns solche Visionen erträumten, haben wir schlicht die möglichen Bedürfnisse und Wünsche des Kurzen – als eigene Person – nicht mit eingedacht. Er ist bisher ein eher schüchternes, anhängliches Kind, dass nur langsam enge Beziehungen zu “neuen” Menschen eingeht und in grösseren Gruppen ist ihm unwohl. Aber trotzdem spielt er gerne mit anderen Kindern. Von dem her ist es genau richtig, wie es sich schliesslich ergeben hat.

Wenn Du in einer Partnerschaft lebst: Wie teilst Du Dir Lohn- und Sorgearbeit? Gab es dazu “Verhandlungen”? Was waren die Gründe für Eure Arbeitsteilung?

Nein, gross Verhandlungen gab es nicht. Grundsätzlich träumten wir denselben Traum. Und dass es dann anders kam (mein Gefährte 100% erwerbstätig, ich freiberuflich selbständig mit varialem Pensum), lag an äusseren Umständen (meinen Ex-Arbeitgeber) und unvorhergesehenen Entwicklungen (der Gesundheitszustand von Kurzem im ersten Jahr).

Was bedeutet für Dich Mutterschaft? Steht diese Bedeutung für Dich in einem Konflikt zu Deinem Feminismus-Verständnis?

Nein. Ich muss dazu aber sagen, dass sich mein Feminismusverständnis mit der Mutterschaft verändert hat. Im Vorfeld hatte ich das Biologische – oder soll ich sagen, was mit einem passiert wenn der “Tier-Teil” streckenweise die Kontrolle über den “Kultur-Teil” übernimmt – völlig unterschätzt.  Ich war immer (und bin es auch heute meistens noch) eine rationale Person, die viel nachdenkt, bevor sie entscheidet und noch viel mehr, bevor sie handelt. Sehr kopflastig halt. Die Hormonstürme während der Schwangerschaft und erst recht nach der Geburt haben mich dann regelrecht umgehauen. Gerade die Komplikationen während und nach der Geburt riefen in mir die Säugetiermutter wach – damit hatte ich nicht gerechnet, und hätte mir das jemand im Voraus gesagt, ich hätte es nicht geglaubt.
Und dieser Säugetieranteil kam tatsächlich mit meiner feministischen Einstellung in Konflikt, jedenfalls zu Beginn. Mit den Wochen und den Monaten hat sich einerseits der Hormonsturm gelegt, andererseits aber auch meine Selbstdefinition und Identifikation als Feministin verändert.

Was braucht es Deiner Meinung nach, um feministische Mutterschaft zu leben? Welche Rahmenbedingungen bräuchtest Du, politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, um Deine Vision vom “guten Mutter- und Feministin-Sein” leben zu können?

Ich würde “Feminismus” in Anführungs- und Schlusszeichen setzen. Denn Feminismus, Feministin zu sein, ist ja nicht das Ziel. Das Ziel ist Selbstbestimmung. Dazu gehört für mich ökonomische Unabhängigkeit. Sobald wirtschaftliche Abhängigkeiten ins Spiel kommen, ist es mit der Selbstbestimmung dahin und schlussendlich ist es egal, ob man von einem/r Partner/in oder vom Staat abhängig ist: Man muss einen Teil seiner Selbstbestimmung aufgeben.
Deshalb halte ich die Möglichkeit, auch mit Kind mindestens ein Existenzeinkommen erarbeiten zu können, für die Conditio Sine Qua Non für echte Emanzipation. Das “wie” sollte man jedoch den Menschen überlassen. Kitas für alle halte ich für eben so falsch wie Hausfrauenehe für alle. Also oberste staatliche Rahmenbedingung würde ich mir in erster Linie wünschen, dass der Staat aufhört, alle die individuell nach neuen Wegen ausserhalb der Hausfrauenehe suchen, Steine in den Weg zu legen oder steuerlich zu benachteiligen! Damit wäre schon viel gewonnen.

Was bedeutet Dein Feministin-Sein für die Erziehung Deines_r Kind_er? (z.B. Vorbilder suchen, was für Stereotype ans Kind herangetragen werden, Kleider-/Spielzeugwahl)

Meine “feministische” Vorbildung hilft mir sicher, gewisse Dinge und Abläufe bewusster wahrzunehmen und/oder gezielt zu hinterfragen. Ich erziehe meinen Sohn zum Selberdenker und lehre ihn gleichzeitig Respekt gegenüber anderen Menschen und Tieren – DAS ist, was ich “feministische” Erziehung nenne. Respektive “emanzipiert” und “selbstbestimmt” würden es wohl besser treffen.
Dabei gehe ich natürlich das Risiko ein, dass er auch mal anderer Meinung sein wird, als ich. Ihm jedoch meine Vorstellung von Feminismus aufzupfropfen würde meiner Vorstellung von Selbstbestimmtheit genau so wiedersprechen wie das Runterbeten von Genderstereotypen und “das macht man eben so weil alle es so machen”.

Hast Du andere Mütter in Deinem Umfeld, die was mit Feminismus anfangen können? Wo holst Du Dir Unterstützung?

In meinem Umfeld diskutiere ich selten bis nie über den theoretischen Überbau “meines” Feminismus. Wir sind hier aber eine gute Truppe von Müttern und Vätern, die zahlreiche praktische Projekte auf die Beine stellen und im Quartier schon fast einen “Stamm” bilden, in dem man sich gegenseitig praktisch unter die Arme greift und zusammen arbeiten.
Das geht weit über das gegenseitige Babysitten hinaus. Beispielsweise haben wir in nur sechs Monaten einen Kinderhort für die ausserschulische Betreuung auf die Beine gestellt und die nötige Finanzierung beschafft.
Und all das läuft unanbhängig der sonstigen politischen Einstellungen und sozialer Herkunft. Von altem Adel bis Lesbenkommune ist so ziemlich alles vertreten.

Daneben bin ich aber auch dankbar für all die Internetkontakte, wo ich mich Menschen mit ähnlichem Bildungsstand auch mal über allgemeinere Probleme oder politische Themen diskutieren, oder auch mal ein böses Erlebnis “abladen” oder mitten in der Nacht Trost und Zuspruch finden kann. Was Susanne Mierau den “Internet Online-Clan” genannt hat. Danke dafür!

Welche Bedeutung hat Erwerbsarbeit für Dich?

Ich muss da differenzieren:

Einerseits halte ich ein eigenes, existenzsicherndes Einkommen für die Grundbedingung, damit Emanzipation/Selbstbestimmung überhaupt möglich ist. Ohne eigenes Geld geht das in unserer kapitalistischen Gesellschaftsform nicht. Ob dieses Einkommen jedoch erarbeitet wurde oder es sich um ein bedingungsloses Grundeinkommen handelt, ist dabei gar nicht so wichtig.

Andererseits ist für mich eine Aktivität, im Sinne von Hanna Arends Vita Activa ebefalls sehr wichtig. Diese kann, aber muss nicht, ein Einkommen erwirtschaften. Ich selber brauche das Lernen, das Lesen, das Recherchieren und auch das Durchdenken und Aufschreiben, wie die Luft zum Atmen. Ohne könnte ich nicht.

Ich gehe davon aus, dass jeder Mensch eine solche Tätigkeit hat, die ihn ausfüllt und ihm tiefe Zufriedenheit verschafft. Für manche Mutter mag das die Beschäftigung mit dem Kind sein, für andere vielleicht ein Hobby.

Wenn “Herz-Beschäftigung” mit Erwerbsarbeit zusammenfallen, ist es am Schönsten und ich bin meinem Gefährten sehr dankbar, dass er mir das ermöglicht, indem er die wirtschaftlich noch unrentable Anlaufszeit finanziell abpuffert. Honey, ich schulde Dir was!

Welche Konflikte/Spannungen spürst Du zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und Deinem Verständnis von Feminismus und Mutterschaft?

Mit unserer Idee, Kinderbetreuung und Erwerbsarbeit wortwörtlich zu vereinbaren und das Kind ins Arbeitsleben zu integrieren statt es davon auszuschliessen, stehen mein Partner und ich hier in unserer Wohngegend fast allein auf weiter Flur. So starb das angedachte Eltern-Kind-Büro (nach dem Vorbild des Leipziger Rockzipfels) nicht nur am galoppierenden Amtsschimmel, sondern auch an mangelndem Interesse unserer Mit-Eltern.

Was mich ebenfalls zu lang anhaltenden Wutanfällen verführt, ist die landesübliche Meinung, dass eine Mutter, die von zuhause aus arbeitet, sowieso immer Zeit für jeden Mist hat und wenn sie sich weigert, hier mitzuspielen, als schlechte Mutter taxiert wird. Ich spreche vom Geburtstagskuchen-Wettbewerb und anderen Supermum-Contests. Der Rechtfertigungsdruck (“aber ich arbeite”, “ja, haha, Hausfrausein ist auch ein Hundertprozentjob”) ist unglaublich! Aber man gewöhnt sich daran und filter seine sozialen Kontakte entsprechend aus.

Ernetztes und Vernetztes im November 2013

Warten auf die Beute (Bild Gitti Moser @ pixelio.de)

Warten auf die Beute
(Bild Gitti Moser @ pixelio.de)

Der November hat uns in seinem nebeligen Klauengriff und gerade vergeht die Zeit fast überhaupt nicht und wenn man sich umschaut, ist sie gerast. Bald geht schon der Kerzenterror wieder los.

Was mir diesen Monat über den Bildschirm getickert ist und ich gerne mit Euch teilen möchte, findet Ihr wie immer an dieser Stelle:

~~||~~

Antje Schrupp wurde irgendwann zu einem unfreundlichen Menschen. Jedenfalls manchmal. Welche könnte es ihr verübeln? “Wie ich zu einer unfreundlichen Person wurde” liess mich, wie mancher andere Artikel dieser Vordenkerin, sehr nachdenklich zurück.

Zora Debrunner spricht auf Demenz für Anfänger (übrigens ein äusserst empfehlenswertes Blog) ihre Bewunderung aus für alle Menschen, die in der Pflege –  insbesondere der Altenpflege – arbeiten und tagtäglich geduldig und liebevoll mit nicht immer einfachen Patientinnen und Patienten umgehen: Die grosse Nähe.

David Trumble, ein US-amerikanischer Cartoonist, hat als Antwort auf die “Prinzessifizierung” Meridas durch die Disney Marketingabteilung zehn weibliche Rollenvorbilder (“women you should know”) disneysifiziert: David’s Disney Princessified “World of Women”

Nach Ansicht dieser 3D-Simulation britischer Orthopäden kann ich mich wieder guten Gewissens in meinen orthopädischen Gesundheitslatschen suhlen.

Mama arbeitet alias Christine Finke schreibt sehr offen und ehrlich, wann sie ihren Kindern eine geschmiert hat: Dem Kind eine Ohrfeige geben – geht gar nicht. Aber passiert. Trotz Grundgesetz und allen guten Vorsätzen passiert es.

Nochmal Zora Debrunner, hier schreibt sie in Anlehnung an die Sendereihe des Schweizer Fernsehens SRF über die wichtigsten Schweizer (spezifisches Maskulinum!) über bärtige Eidgenossen und was die mit ihrer Identität zu tun haben: Über meine Identität.

Hast Du gewusst, dass Leonard Nimoy (Mister Spock) heute als Fotograf arbeitet? Ich habe ja ganz schön gestaunt, als ich auf dem mich sehr beeindruckenden Full Body Project seinen Namen las. Aber er ist es tatsächlich. Alle Fotogalerien von Nimoy finden sich hier.

Über den Umweg des sehr lesenswerten Sprachlogs bin ich auf eine neurologische Forschungsarbeit gestossen, die herausgefunden hat, dass bei primäre Bilingues die Demenzkrankheiten später ausbrechen als bei einsprachigen Menschen: Bilingualism delays age at onset of dementia, independent of education and immigration status.

Refe und seine Partnerin hatten die grandiose Idee zum Dinovember und Das Nuf doppelte mit der Frage nach, was eigentlich ihre Anziehpuppen in unbeobachteten Momenten tun: Das geheime Leben.

Salman Ansari (über dessen aktuellen Buch ich hier berichtete), schreibt auf seinem Blog einen bemerkenswerten Artikel über die Gründe für die chronische Unruhe und Konzentrationsstörungen, unter der heutzutage viele Kinder leiden. Ansari versteigt sich nicht wie andere in Verschwörungstheorien, und behauptet auch nicht, dass AD(H)S eine erfundene Krankheit sei; Aber er geht davon aus, dass viele unruhige Kinder zu Unrecht mit AD(H)S diagnostiziert und mit Ritalin dagegen behandelt würden und das Problem anderswo läge: “Wenn Jugendliche mit Unruhe verbreitender Aggressivität, Agilität und Nervosität auf die Anforderungen ihrer Umwelt reagieren, dann ist ihr Verhalten zugleich eine Antwort auf die Unzumutbarkeiten einer Wirklichkeit, der sie sich nicht entziehen können.  Kinder sind permanent umgeben von Lärm und Hektik. Hinzu kommen ständig wechselnde Reize, ununterbrochene, verwirrende Wechsel zwischen realen und virtuellen Geschehnissen. Kinder nehmen teil an all den Bildern globaler Katastrophen und Informationen und werden somit Zeugen von Gewalt, von Mord und Krieg, von Geschehnissen, die sie noch gar nicht einordnen und verkraften können.” (ganzer Artikel: Warum Kinder hyperaktiv reagieren: Antworten auf eine unbewältigbare Wirklichkeit)

Der aus der Forschung zu häuslicher Gewalt seit Jahren bekannte und renommierte Soziologe Michael Kimmel äussert sich im Interview mit Colette Schmidt von Die Standard zur Frage, weshalb feministische Forderungen auch die Männer etwas angeht und was sie mit der Unterstüzung antipatriarchaler Bewegungen gewinnen können: “Feminismus ist eine feine Sache für uns Männer“.

Die Politikerin Jacqueline Fehr fasst in einem Kommentar die verschiedenen Rollen zusammen, die Mütter in den letzten 150 Jahren hatten und fragt, ob es nicht an der Zeit wäre, darüber nachzudenken, was Kinder stark und selbständig macht: “Weshalb Heidi auch Nein zur SVP-Familieninitiative gesagt hätte“.

Normal ist, was wir dafür halten. In der Regel ist es das, was wir kennen oder mit den meisten Menschen unserer Umgebung teilen. Normalität ist beruhigend […].” Bei Brandeins schreiben vier Medienleute darüber, wie sie das, was wir als Normal empfinden, konstruieren und inszenieren: “Ganz normale Leute”.

 

 

~~||~~

Meta: Suchbegriffe

Nach Durchlesen der Blogeinträge von Antje Schrupp, Das Nuf und Journelle zum Thema “Relevanz” und einigen Gedanken dazu, habe ich wieder mal die Statistiken meines eigenen Blogs betrachtet. Bin ich relevant? Sind meine Beiträge relevant?

Interessanterweise sind die Top-3-Suchbegriffe für mein Blog folgende:

  1. obszöne bilder
  2. erziehung früher
  3. obzöne bilder

Spannend, spannend! Habe ich erwähnt, dass ich eine über Erziehungsthemen bloggende Spätmutterundaltemanze bin?

Da fragt man sich als Autorin eines kleinen, unbedeutenden Blogs ganz weit Aussen am Rande des Universums halt schon, welche Bedeutung man hat und für wen…

Obzöne Bilder gibt’s hier sicher zuhauf und wem dieses hier nicht obzön genug ist, der sei auf “Types of Diaper Loads” bei How to be a Dad verwiesen.

P.S. “Resonanz tönt besser, als Relevanz” meint Denkding zu diesem Thema. Wie wahr, wie wahr.

P.P.S. Am Tag nach diesem Posting, am 11. Mai, hat sich noch ein viel besserer Suchbegriff heraus kristallisiert: “sex geschichten mann mit weiblichen busen”

Löhne für Hausfrauen?

Es ist spannend, aber auch bedenklich, dass dieselben Themen in jeder Frauen/Mütter-Generation wieder auftauchen – und dabei behandelt werden, als wär’s zum ersten Mal.
Die Naturwissenschaften stehen „auf den Schultern von Riesen“. Fortschritt ist sichtbar, weil jede Forschergeneration auf den Vorarbeiten ihrer Vorgänger aufbaut und von dort ausgehend weiter forscht.
Die Frauenbewegung hat das bis jetzt nicht geschafft. Dabei sind seit Hedwig Dohm praktisch keine neuen grossen Themen dazu gekommen. Sie haben sich mit der gesellschaftlichen Veränderung weiter entwickelt, aber die Grundthemen sind seit dem 19. Jahrhundert dieselben geblieben!

Worauf lassen wir uns da ein: Wir fordern Lohn für Hausarbeit, aber wirklich LOHN, das heißt, eine Summe, die der kapitalistische Staat nicht aufbringen kann. Irgendwann im Laufe unseres Kampfes wird dann ein „Hausfrauengehalt“ eingeführt, ein lächerliches Taschengeld, so wie die bürgerlichen Parteien sich das vorstellen. Und das in absehbarer Zeit, bevor die Frauen sich so richtig radikalisiert haben. Die meisten von uns, gewöhnt daran, gar nichts zu kriegen, werden für das bißchen dankbar sein, und nicht mehr weiter aufmotzen. Und wie sieht dann unsere Situation aus?: Wir müssen sagen, das wollten wir nicht, damit sind wir nicht zufrieden, wir wollen zwar, daß die Hausarbeit bezahlt wird, aber eigentlich wollen wir uns von unserem Rollenverhalten befreien, wir wollen, daß dieHausfrau anerkannt und entlohnt wird, wie jede berufstätige Frau, aber jedes Mädchen soll einen Beruf erlernen, wir fordern die Aufhebung der geschlechtsspezifischen Erziehung, aber Hausarbeit soll als Beruf gelten. Wir manövrieren uns da in ziemlich schlimme Widersprüche hinein! Wider Sprüche, die wir auch kaum vermitteln können, mit denen wir uns unglaubwürdig machen.

Strobel, Ingrid: “Wider den Hausfrauenlohn”, 1975

In Mütterblogs ist Einsamkeit und Überforderung ein Dauerthema…

kevinschmitz / Pixabay

…steht in der neuen Ausgabe der EMMA (Sommer 2011).
Naja…
Etwas viele Platitüden…
Etwas wenig eigene Erfahrung…
Geringer Informationsgehalt…

…aber irgendwie doch ganz amüsant geschrieben.

“Hausfrauen gehören, wenn sie mit kleinen Kindern ans Haus gebunden sind, zur Risikogruppe für die Internetsucht […] Allerdings – was heisst hier Sucht? Wie viel im Netz verbrachte Zeit ist zuviel?”

Positiv doch der Erfahrungsaustausch mit anderen Müttern, das gegenseitige Motivieren, Ermuntern, Aufmuntern. Auf der Minus-Seite könnte man hingegen anmerken, dass frau eher raus ginge, gäbe es das Netz nicht. Und doch…. ich für meinen Teil kann schon behaupten, dass die Möglichkeiten des Netzes meine geistige Gesundheit gerettet haben. So war es in der Zeit, als mein Kleiner krank war und nur in homöopathischen Dosen unter Leute konnte, mein einziger Kontakt zu anderen Erwachsenen ausserhalb des engeren Familien- und Freundeskreises, den Muttis bei der Mütterberatung und im Wartezimmer des Kinderarztes.

Natürlich sind im Baby- und Kleinkinderalter vor allem Windel- und Stillthemen aktuell – und die kann man auch mit Leuten abhandeln, die vom Alter her schon mein eigenes Kind sein könnten… aber es kommt mir komisch vor. Es gibt Gebiete, da tut das Alter nichts zur Sache und dann gibt es Gebiete, da fühlen sich die 20 Jahre Unterschied wie 200 Jahre an. Das hat Vorteile – man bleibt auch im hohen Alter geistig flexibel 🙂 – aber manchmal möchte man sich einfach nur mit Menschen austauschen, die einen ähnlichen Erfahrungshintergrund haben und sei es nur, dass sie selbst noch ohne Helm Mofa gefahren sind, sich erinnern können, was ein Raiders ist oder ihre erste Single nicht etwa eine lesbische Liebhaberin, sondern eine Schallplatte war.

Und im Internet findet man solche Menschen mit ähnlichem Alter, Bildungs- und Beruflichem Hintergrund einfacher, als da draussen im “Real Life”. Auch und vor allem, weil diese sowieso beruflich und familiär so ausgelastet sind (Stichwort Doppel- und Dreifachbelastung), dass keine Zeit für Müttertreffs, Starbucks oder Spielplatz übrig ist. Geschweige denn für’s Babyschwimmen morgens um Zehn oder das Elkiturnen nachmittags um Drei.

Dann kommt noch ein Punkt hinzu:
Man stellt mit der Zeit fest, dass im Leben Zwei-Punkt-Null (das mit Kind) der intellektuelle und berufliche Hintergrund bei Freundschaften und Beziehungen auf die zweite oder dritte Priorität rutscht. Wichtiger wird hingegen, dass man pädagogisch dieselbe Sprache spricht, wie die Menschen, mit denen man Zeit verbringt. Die im Emma-Artikel angetönten Grabenkämpfe zwischen Eltern (Stillen vs. Flasche, autoritär vs. antiautoritär, JKKSL vs. Familienbett,…) ziehen sich plötzlich auch durch’s eigene Privatleben, auch wenn man dies gar nie gewollt hatte und sich doch gerne als weltoffenes und tolerantes Individuum sehen möchte.

In solchen Momenten sind die neuen Netzbekannt- und -freundschaften mit Menschen, die eine ähnliche pädagogische Schiene fahren, wie man selbst, die ähnliche Bücher gelesen haben und die Dinge ähnlich sehen, besonders wertvoll und bereichernd. Denn man lernt nicht nur neue Seiten von sich selber kennen, sondern auch Menschen von anderem Alter und Bildungshintergrund, mit denen man eigentlich nur einen Punkt gemeinsam hat: Kinder und wie man mit ihnen umgeht.

An dieser Stelle also ein grosses Danke an Euch da draussen!
Und ein anderes grosses Danke an die alten Freundinnen, die trotz Stilldemenz und mütterlicher Monomanie immer noch regelmässig Kontakt halten!