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Vernetzt im Oktober 2015

ins Netz gegangen (funnytools / Pixabay)

ins Netz gegangen
(funnytools / Pixabay)

Unser Geburtstagsmarathon im Oktober führt alljährlich dazu, dass ich kaum dazu komme, den Altweibersommer zu geniessen. Der Kurze hatte sage und schreibe vier (in Worten: 4!!!) Geburtstagsfeste und in der Folge ertrinken wir in Lego. Für ihn ist das natürlich toll, versteht mich nicht falsch, aber für eine alte Introvertöse wie mich ist das ganz schön anstrengend. Schön darum, wenn ich mich am Abend noch ein wenig hinter meinem Bildschirm verstecken kann. Continue reading

Weihnachten im Oktober

Halloween war von August bis September, jetzt stehen schon die Weihnachtssachen in den Gestellen der Supermärkte! Eigentlich wollte ich doch nur nach etwas Ausschau halten, das ich ans frisch geputzte Küchenfenster hängen könnte. Ja, Fensterputzen ist etwas, das sogar mir so alle paar Jahre mal passiert.

Pumpkins

so ‘ne Herbstdekoration halt(Foto von Nino Barbieri (Own work) [CC-BY-SA-2.5], via Wikimedia Commons)

Ich bin nicht gerade ein Hirsch im Dekorationen basteln, aber was Herbstiges wäre hübsch und schliesslich muss Kurzer auch etwas über Jahrezeiten lernen. Eigene Bastelprojekte mit Fundstücken aus dem Wald sind aus Ermangelung an Ideen, Zeit und Bastelleidenschaft schamhafterweise im Komposteimer gelandet und Mama hat sich aufgemacht, in der Stadt nach Deko ohne Basteln Ausschau zu halten. Ok, zugegeben, ich hatte sowieso dort was zu erledigen und musste nicht extra hinfahren.

So begab ich mich also freudig erregten Schrittes (Himmel hilf! Irgend ein positives Adjektiv muss sich doch finden lassen!) begab ich mich also ins nächst gelegene Innendekrationskrimskramsstaubfängergeschäft. Und was sahen meine entsetzten Augen? Ihr  werdet es nicht erraten! Es waren

Kläuse!
Mistelzweige!
und Glocken!

X-mas decoration, by Petr Kratochvil [Public domain], via Wikimedia Commons

Da bleibt einer ja das Ausrufezeichen in der Tastatur kleben.

Es ist kein Geheimnis, was ich von dem ganzen Weihnachtskonsumrummel halte.

Also vom Weihnachtsrummel überhaupt.

Aber am diesjährigen Weihnachten wird Kurzer Drei sein und zum ersten Mal in vollem Bewusstsein mitmachen (wollen). Und irgendwie will ich es ihm ja auch nicht vorenthalten, schliesslich gehört es zu unserer Kultur. Also ohne den Santaclaus versteht sich. Und ohne Rudi das Rentier, stilisierte Mistelzweige und Jingle Bells. Aber irgendwie gehört Weihnachten schon noch dazu. Aber doch nicht DIESES!

Naja, es sind ja noch drei Monate dahin, um diese Fragen zu klären.

Viel drängender ist jedoch schon jetzt die Frage, die in Internet-Eltern-Foren, über Twitter und Facebook auftaucht: Was bastelt Dein Kind für Geschenke?

MEIN KIND?

Der dreijährige Sonnenschein mit der Feinmotorik von Mani, dem Mammut?

Ja was bastelt der wohl? Ausser gelochtes Altpapier, das ich als Geschenk nur bedingt geeignet ansehe und Scherenschnitt im Wohnzimmerteppich.

Grad nach dem Welchemutterdekoriertdencoolstengeburtstagskuchenwettbewerb ist der Wessenkindbasteltdieschönstenweihnachtsgeschenkewettbewerb mein zweitschlimmster Mütter-Albtraum! Schon jetzt habe ich schweissnasse Hände und schlaflose Nächte und das Fest des Grauens der Feste rückt minütlich, nein, sekündlich näher! Ich muss basteln. Am besten etwas Nützliches, Hübsches, Brauchbares, kein Staubfänger! Wie vom Kleinen selber gemacht muss es aussehen aber doch nicht so scheusslich, dass es sogar für Grossmütter eine Zumutung wäre, es sichtbar zu präsentieren.

Also, raus mit Euren Geheimnissen! Wo kauft ihr Geschenke, die selber gebastelt aussehen?
Wie komme ich aus der Nummer noch heil raus?
Was habt ihr für ultimative Basteltips für dreijährige Söhne bastellegastenischer Mütter?

Soll doch bitte jemand die Batterie herausnehmen (Teil 2)

(Bild: René Heber / pixelio.de)

Zeug, so weit das Auge reicht
(Bild: René Heber / pixelio.de)

Kurzer wächst langsam aber sicher aus seiner Baby-Autoschale heraus. So fuhren er und ich kürzlich in einen dieser grossen Baby-Zubehör-Märkte mit guter Auswahl, um die verschiedenen Auto-Kindersitze durchzutesten. Über die Auswahl und den Kauf von Auto-Kindersitzen liessen sich seitenweise Abhandlungen schreiben, so komplex ist das Angebot, die “Pros” und “Kons”, die Check- und Prioritätenlisten. Die sind hier und jetzt aber nicht das Thema.

Nein, das Thema ist die “Spielecke”. Schlimmer als die Quengelwaren gleich bei den Supermarktkassen standen dort die verschiedensten Fliwatüts (vor allem “tüts”!) in Reih und Glied, alle zum Ausprobieren für den motivierten Säugling. Rote, grüne, gelbe, eines leuchtender, bunter und lauter, als das andere, heischen sie um Aufmerksamkeit. Junior war begeistert. Er drückte mit zunehmender Begeisterung jeden Knopf, jeden Hebel und jede Taste, die er finden konnte. Das war ja fast so gut, wie Mamas Handy, Telefon und Computer zusammen!

Ich verdrehte die Augen aber die freundliche Verkäuferin hatte – trotz meines Tragetuchs! – noch nicht verstanden, dass ich zu diesen alternativen Ökomamis gehöre, die in den Händen ihres Kindes lieber Holz- als Plastikspielzeug sehen (noch lieber Rollgabelschlüssel aus einer korrekten Inox-Legierung, aber mach das mal jemandem verständlich). Sie führte mich zu einem Gestell mit tausenden von Fliwatüts in allen Farben und Variationen. Steuerrädchen, Autöchen, Telefönchen, Tierchen, Häuschen,…. Es gab nichts, was es nicht gab, nur bunter und lauter als in  Wirklichkeit! Kurzem fiel vor Staunen der Schnuller aus dem Mund.

Die Begeisterung hielt etwa 10 Minuten an, dann krabbelte er zurück zu dem hölzernen Lastwagen. Cleveres Kerlchen, weiss genau, was seine alte Mutter von ihm erwartet 🙂

Soll doch bitte jemand die Batterie herausnehmen!

In den letzten knapp 10 Monaten konnten wir es irgendwie verhindern, dass unser Sohn mit buntem Dingel-Dängel-Bling-Blong-Spielzeug beschenkt wurde. Hoch im Kurs standen bisher Plüschis und Lego, Rasseln und Holzspielzeug. Wenn dies alles – plus alles, was so ein Baby an Bespielbarem in einem durchschnittlichen Haushalt findet und untersuchen muss – nicht ausreicht, um Langeweile abzuwenden, wird schnell, schnell umdisponiert und statt Reis füllen nun Kichererbsen die Blechdose, so dass sie wieder neu und interessant anders tönt. Bis anhin war das völlig ausreichend.

Es scheint, als hätten Langer und ich irgend eine Entwicklung verpasst: Wir sind nämlich der Meinung, dass aktives Spiel dem passiven Konsum von Gütern (ebenfalls  “Spielzeug” genannt, auch wenn man eigentlich nicht viel damit anfangen kann, jedenfalls nicht, bevor die kleinen Fingerchen keinen Schraubenzieher zwecks Demontage zu bedienen wissen) vorzuziehen ist. Deshalb erschienen mir einige Abschnitte in dem von mir ansonsten sehr geschätzten Buch Oje, ich wachse! (Werbelink) auch etwas verwirrend: Um eine ausgeglichene motorische, psychische und intellektuelle Entwicklung eines Babys zu gewährleisten benötigt es, so schreibt der Experte, einen Hellraumprojektor (um farbige Tiere an die Wand zu projizieren und diese herumwandern zu lassen), ein “Aktivitätscenter”, ein Mobilé (aber nicht so ein billiges Holzteil, sondern ein richtiges, mit blinkenden Lämpchen und “Musik”) sowie eine “Activitydecke” mit mindestens einem Spiegel, einer Hupe und Etwas, das bei Berühung hupdüdelt. In den erwähnten Buch kann die eifrige Mutterundhausfrau dann auch in einer vorgedruckten Seite ausfüllen, wie ihr Baby in welchem Lebensmonat lernt, die diversen Tüüts und Piiiips zu provozieren und wie es darauf reagiert.

Im Spielwarenladen

Im Spielwarenladen
(Bild Helene Souza / pixelio.de)

Nach dieser Lektüre wollte ich meinem Sohn diese Entwicklungshilfen natürlich nicht mehr vorenthalten und begab mich schnurstracks in unseren Kinder-Second-Hand-Laden. Der hatte natürlich nichts Derartiges im Angebot, wie immer, wenn man etwas dringend braucht. Also ab in die nächste Stadt, wo es  einen Laden mit Babyaccessoires hat. Ich also zu der gelangweilten Dame hinter dem Infodesk (heisst das so?) und sage:

“Ich bräuchte so ein Fliwatüüt-Dingens”

Das Fräulein – ich musste kurz darüber nachdenken, ob die obligatorische Schulzeit kürzlich abgeschafft worden war, kam dann aber zum Schluss, dass nicht sie so jung, sondern ich so alt war – schaute mich aus grossen Augen an, kaute zweimal auf ihrem Kaugummi und antwortete langsam:

“Ein WAAAS?”
Fliwatüüt?

wiederholte ich, diesmal mit fragendem Unterton. Sie hatte wirklich keine Ahnung, wovon ich sprach. Der Anfang unserer Beziehung war irgendwie nicht so erfolgversprechend, wie ich mir das gewünscht hätte.

So versuchte ich es nun anders rum und erklärte ihr:

“Ich suche eine Activitydecke für mein Baby”.

Da leuchteten ihre Augen auf. Sie führte mich zu einem Gestell, an dem zahlreiche gelb-rot-blau-bunte Stoffvierecke aufgehängt waren und fing an, mir mit ihrem auswendig gelernten Verkaufsgesalbe die Ohrenblutig zu texten. Irgendwann musste sie Luft holen und diese Gelegenheit nutzte ich, um mit meiner tendenziell unhöflichen Frage dazwischen zu gehen:

“Wieviel kostet denn sowas?”

Dieser Blick!

Wenn es um die Förderung der frühkindlichen Entwicklung geht, gehört es sich offensichtlich nicht, an den Rest des Monats nach dem Ende des Geldes zu denken.

Nach erfolgter Preisauskunft bedankte ich mich artig bei der Verkäuferin für ihre Hilfe und verliess fluchtartig das Geschäft.

Zuhause angekommen tat ich, was ich in solchen Situationen immer tue: Ich googelte. Und fand dabei zahlreiche Bastelideen für Mobilés und Spielbögen, eine kreativer und schöner, als die andere. Da sich meine Kreativität nicht auf visuelle Gestaltung ausdehnt, überliess ich die Umsetzung meinem Göttergatten, der für den Kleinen einen fantastischen Spielbogen über’s gesamte Laufgitter hinüber montierte. An den hängten wir in den folgenden Wochen und Monaten zahlreiche kleine Spielsachen, und wechselten diese wöchentlich aus, damit keine Langeweile aufkam.

Das ist Monate her und weder Spielbogen noch Laufgitter erfreuen sich bei Junior mehr grosser Beliebtheit. Aber Spielsachen hat er immer noch genug, denn seine ganze Welt ist voll davon!

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Leider hat sich vor einer Woche die Situation drastisch verändert. Kurzens Patenonkel aus England kam zu Besuch und brachte eine kunterbunte, um präzise zu sein: eine orange-violett-leuchtgrün-gelbe Spielgarage aus Kunststoff, bestückt mit zwei eben so kunterbunten, rasselnden Spielzeugautos, die, wenn sie über eine bestimmte Stelle der vorgesehenen Bahn fahren, einen heimtückischen Schalter auslösen, der seinerseits wiederum die abartigsten Geräusche produziert.

“Kinder mögen so was!”

Der Schenkende sprachs mit Überzeugung!

Kurzer sah das Teil, das vor ihm aufgebaut wurde, misstrauisch an. Kaum ging das Gedüdel los, heulte er, wie er noch nie geheult hatte, noch nicht mal neulich, als ihn das grosse Pferd direkt ins Gesicht schnaubte. Die pure Panik! Schnell räumte Langer das Höllending weg und ich putzte Tränen und Nase und tröstete das weinende Baby. Der Patenonkel hingegen war leicht konsterniert.

Baby mit Spielzeug

Komische Geräusche können den echten Forscher nur kurze Zeit faszinieren.

Einige Tage sind seither vergangen und das Höllending steht in der Mitte des Wohnraumes. Junior muss jeweils einen grossen Umweg krabbeln, wenn er vom Wohnzimmer in sein Kinderzimmer möchte. Und tatsächlich: Irgendwann schaute er sich das Ding an. Vorsichtig krabbelte er heran, darum herum, fasste es an, nahm es in den Mund und erforschte es eingehend. Bis…, ja genau: Bis zu dem Moment, als er aus Versehen den Schalter drückte!

Und dann ging die Sirene los!

Nach weiteren vorsichtigen Untersuchungen des besagten Gegenstandes und mehrfachen Abhörens der fünf oder sechs nervtötenden Geräusche des Dings, befand übrigens mein cleverer Sohn, dass er nun lieber wieder etwas Nützliches tun möchte und ging die Tupperware-Schublade aufräumen.