Tag Archives: Mutterschaft

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Von Rosarot nach Tiefschwarz

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunktthema Stress, Burnout und Depression und ist ein Gastbeitrag von Nadine P., berufstätige Mutter von zwei Kindern.

Als ich vor zehn Jahren in der Firma anfing, glaubte ich mich im Arbeitnehmerparadies. Maximale Flexibilität, leistungsorientiertes Entlohnungssystem, ein Durchschnittsalter von irgendwas-in-den-Zwanziger. Lächelnde Gesichter! Gleichberechtigung, Vereinbarkeit von Karriere und Familie, alles keine Themen. Eine Führungskultur, die fragt: „Was brauchst du, um gut arbeiten zu können?“ Continue reading

Ernetztes und Vernetztes im August 2014

Warten auf die Beute (Bild Gitti Moser @ pixelio.de)

Was ist mir diesen Monat ins Netz gegangen?
(Bild Gitti Moser / pixelio.de)

Das war unser August 2014: Kurzer wird eingeschult, mag nicht ohne mich dort bleiben, muss nach einer Woche aber bei der Trennung nicht mehr weinen und geht fortan gerne dortin. Und auch andere, lange ersehnte Entwicklungsschritte tun sich auf. Wir alle sind gewachsen in diesem Monatu und unser gesamtes Leben verändert sich wieder.

Auch die Kinder anderer Eltern werden gross, werden erzogen, und schreiben oder berichten darüber, wie es sich anfühlt und was andere dazu meinen. Hier meine Links des Monats August 2014.

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Ein schon etwas älterer Text über die oft komplizierte Beziehung zwischen Töchtern und ihren Müttern hat mich sehr zum Nachdenken über mich selber gebracht und ich möchte ihn Euch nicht vorenthalten: Der steinige Weg zwischen Dankbarkeit, Respekt und Freiheit zwischen Töchtern und Müttern.

Anouk lebt in einem Quartier mit 50% Menschen mit Migrationshintergrund und wird dort in eine Schule gehen, wo 3/4 der Kinder nicht Deutsch als Muttersprache haben. Ihre Eltern möchten das so: Was soll Anouk lernen?

Passend zum vorhergehenden Artikel denkt Heidemarie Brosche in der SZ darüber nach, wie das Bildungsbürgertum auf das “Prekariat” runterschaut und wie unhöflich das im Grunde ist, weil auch diese Eltern ihr Bestes für ihre Kinder geben: Schantall in der Schule.

Ich bin einfach nur sprachlos: “Lucia ist heute 59 Tage alt. Sie misst 54 Zentimeter und wiegt 4500 Gramm. Sie ist immer noch einen Großteil des Tages von ihrer Mutter getrennt. Jugendamt und Ärzte wollen ausschließen, dass ihr Name einmal in einer Reihe mit Jessica, Chantal und Yagmur genannt wird.”Warum eine Mutter ihr Baby nicht in den Arm nehmen darf.

Christine Link erklärt in der “Zeit”, wie das mit der Inklusion funktioniert und was der Staat dazu tun könnte: Wie ich im Traum mein Abitur verlor.

Die Entstehung von Kriegen war mal mein Spezialgebiet. Medien und Krieg ist ein weiteres Thema, das viele Sowis beschäftigt. Der folgende Text von Richard C. Schneider, dem Studioleiter der ARD in Tel Aviv, fasst die Problematik der Berichterstattung eindrücklich und verständlich zusammen: Gegen die Bilder ist unser Text machtlos.

Der Tsunami in Südostasien von 2004 hat unzählige Menschen getötet und Familien getrennt. Und doch scheint es Wunder gegeben zu haben oder auch nicht: Die verlorene Tochter.

Hier ein neues Blog, dem zu folgen ich Euch dringend ans Herz möchte: Das Fürchten lernen.

Spannend, was trotz Exportverboten mit Elektroschrott aus Mitteleuropa geschieht: Wo unsere alten Fernseher landen. Die dazu gehörende Projektwebsite heisst Follow the Money und kann ihrerseits per RSS verfolgt werden.

 

 “Grosse-Töchter-Spezial”

Anfang Monat ging es an der Sprachfront ja wieder mal hoch zu und her. Offenbar ist es für viele Deutschsprachige immer noch unzumutbar, Frauen nicht nur mitzumeinen (wenn überhaupt), sondern auch noch mitzunennen. Das ging sogar bis zu Todesdrohungen gegenüber der österreichischen Familienministerin. “Alle schreiben wie sie wollen” ist ein paar ewiggestrigen Sprachschützern zu wenig, lieber hätten sie so neumodisches Zeug wie Beidnennung wenn Frauen und Männer gemeint sind, auf dem Gesetzes weg verboten. Da sie dazu einen offenen Brief schrieben, war das Geschehen natürlich viel beachtet und viel diskutiert. Hier ein paar Schmankerln:

 

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Tagesaktuelle Lesetipps findet Ihr auch auf meiner Facebookseite: https://www.facebook.com/MamahatjetztkeineZeit

 

 

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Stress und Burnout bei Müttern (bei Lokalo24.de)

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Man weiss zwar irgendwie, dass ganz viele Mütter im Bekanntenkreis auf dem Zahnfleisch gehen, aber dass insgesamt ein Viertel aller Mütter – auf Deutschland hochgerechnet sind das 2.1 Millionen Menschen – davon betroffen sind, hätte ich nicht gedacht.
Weiterlesen:
Stress und Burnout bei Müttern – Familie.

logo lokalo24.de

Natürlich will ich eine perfekte Mutter sein

Die perfekte Mutter nach den Vorstellungen einiger

Die perfekte Mutter nach den Vorstellungen einiger

Ich bin keine perfekte Mutter. Zum Glück.” titelte Susanne Mierau in ihrem gleichnamigen Beitrag auf “Geborgen Wachsen”, dem Blog für bindungsorientierte Elternschaft.

Aber ja doch, liebe Susanne, natürlich bist Du eine perfekte Mutter! Was Du nicht bist, ist eine Mutter nach den Standards, die irgendwelche Fremde vor langer Zeit gesetzt haben und die nichts, aber auch gar nichts mit der heutigen Lebensrealität gemein haben (auch nicht mit der damaligen, um genau zu sein).

Was ist denn eine perfekte Mutter? Etwa eine, die sich ungefragt für ihre Kinder aufopfert (und ihnen das Jahre später bei jeder sich bietenden Gelegenheit unter die Nase reibt)? Sicher nicht!

Eine perfekte Mutter erfüllt die Bedürfnisse ihrer Kinder, solange diese es nicht selbst tun können. Der Rest ist Supplément: Solange es Spass und Freude macht, umso besser – und wenn’s keine Freude mehr macht, dann lässt es die perfekte Mutter sein und schaut, wie sie sich organisieren kann, damit es für das Kind und für sie selber stimmt.

Eine perfekte Mutter tut mitnichten alles für ihr Kind. Im Gegenteil: Sie überlässt ihm so viel Eigenverantwortung, wie dieses selber übernehmen kann. Jeden Tag ein kleines Bisschen mehr. Und sie lässt es üben, selber ausprobieren, eigene Fehler machen, trainieren, immer wieder, bis es eine Aufgabe meistern kann. Das ist nur möglich, wenn man dem Kind auch erlaubt, wiederholt zu versagen. Denn anders kann es sich die geistigen oder körperlichen Muskeln nicht antrainieren, die es für den Erfolg benötigt. Das Versagen des Kindes und die damit einhergehenden Frustrationen, die muss die perfekte Mutter aushalten können!

Eine perfekte Mutter liest ihrem Kind auch nicht jeden Wunsch von den Augen ab, geschweige denn erfüllt sie ihm diesen. Denn wie soll das Kind auf diese Weise lernen können, für etwas zu kämpfen, wichtige und unwichtige Wünsche zu unterscheiden oder die wunderbare Befriedigung zu erleben, die man verspürt, wenn man sich für etwas hat anstrengen müssen und es schlussendlich erreicht hat? Die Glacé, die man sich durch Jäten hat verdienen müssen, der schmeckte so viel besser als die, die man einfach so bekam. Die perfekte Mutter gönnt ihrem Kind dieses Gefühl! Das heisst nicht, dass sie ihr Kind nicht auch verwöhnen darf, wie sie auch andere geliebte Menschen von Zeit zu Zeit verwöhnt und ihnen einen Gefallen tut. Eine perfekte Mutter sorgt jedoch dafür, dass das Kind lernt, die Ausnahme als Solche zu erkennen und nicht als Normalität.

Eine perfekte Mutter ist kein Roboter, jeden Tag ausgeglichen und freundlich gelaunt. Eine perfekte Mutter ist ein echter Mensch, mit Launen, mit Spleens, mit guten und mit schlechten Angewohnheiten. Eine perfekte Mutter ist an manchen Tagen erzgeduldig und an anderen brüllt sie ihr trotzendes Kind an – und wenn es deswegen weinen muss, setzt sie sich zu ihm und erklärt ihm weshalb sie so gereizt ist.

Das ist das Wichtigste, was eine perfekte Mutter tun kann: Mit ihrem Kind sprechen. Es war die wichtigste Lektion, die ich schon am ersten Lebenstag meines Sohnes erhalten habe: “Sprechen sie mit ihm, sagen sie ihm, wie es Ihnen geht und wie Sie fühlen. Die [Kinder] verstehen mehr, als man meint”. Daran habe ich mich seither gehalten und mir scheint, es funktioniert nicht schlecht.

Eine perfekte Mutter gibt ihr Bestes!

Mehr geht nicht und mehr ist auch nicht gut.

Und irgendwie geben wir doch alle unser Bestes, nicht?

(und ob wir wirklich gute Mütter waren, werden uns unsere Kinder in zehn, zwanzig oder dreissig Jahren sagen – sie sind die Einzigen, die das überhaupt beurteilen können)

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Zum weiterlesen:

Auf der Suche nach Supermutti

In Blogs, Diskussionsforen, Online-Magazine, Ratgeber und Kein-Ratgeber-sein-wollende Ratgeber grinst sie uns zähnefletschend an: Die Supermutti!
Schreckfigur aller Durchschnittsmütter, Verkörperung von schlechtem Gewissen und schlaflosen Nächten.

Ein Rudel Supermuttis beim Spaziergang <br>Bundesarchiv, Bild 183-1989-0413-015 / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

Ein Rudel Supermuttis beim Spaziergang
[CC-BY-SA-3.0-de], via Wikimedia Commons

Als akademisch gebildete Einzelkindspätmutter mit einer Affinität zu Ratgeberliteratur passe ich natürlich voll ins Supermuttischema und stehe somit auch potenziell unter Supermuttiverdacht. Continue reading

Mütterliche Empfindlichkeiten

In meinem ganzen bisherigen Leben bin ich noch nie in so viele verschiedene Fettnäpfchen auf so engem Raum getreten, wie in der Zeit, seit ich in Mütterkreisen verkehre!

Madonna del Latte (16. Jh.)

Madonna del Latte (16. Jh.)

So viele Schuldgefühle, Vorfürfe und präventive Defensivagriffe sind mir noch in keinem anderen Umfeld begegnet. Und hinter jedem Busch lauert Supermutti. Continue reading

Löhne für Hausfrauen?

Es ist spannend, aber auch bedenklich, dass dieselben Themen in jeder Frauen/Mütter-Generation wieder auftauchen – und dabei behandelt werden, als wär’s zum ersten Mal.
Die Naturwissenschaften stehen „auf den Schultern von Riesen“. Fortschritt ist sichtbar, weil jede Forschergeneration auf den Vorarbeiten ihrer Vorgänger aufbaut und von dort ausgehend weiter forscht.
Die Frauenbewegung hat das bis jetzt nicht geschafft. Dabei sind seit Hedwig Dohm praktisch keine neuen grossen Themen dazu gekommen. Sie haben sich mit der gesellschaftlichen Veränderung weiter entwickelt, aber die Grundthemen sind seit dem 19. Jahrhundert dieselben geblieben!

Worauf lassen wir uns da ein: Wir fordern Lohn für Hausarbeit, aber wirklich LOHN, das heißt, eine Summe, die der kapitalistische Staat nicht aufbringen kann. Irgendwann im Laufe unseres Kampfes wird dann ein „Hausfrauengehalt“ eingeführt, ein lächerliches Taschengeld, so wie die bürgerlichen Parteien sich das vorstellen. Und das in absehbarer Zeit, bevor die Frauen sich so richtig radikalisiert haben. Die meisten von uns, gewöhnt daran, gar nichts zu kriegen, werden für das bißchen dankbar sein, und nicht mehr weiter aufmotzen. Und wie sieht dann unsere Situation aus?: Wir müssen sagen, das wollten wir nicht, damit sind wir nicht zufrieden, wir wollen zwar, daß die Hausarbeit bezahlt wird, aber eigentlich wollen wir uns von unserem Rollenverhalten befreien, wir wollen, daß dieHausfrau anerkannt und entlohnt wird, wie jede berufstätige Frau, aber jedes Mädchen soll einen Beruf erlernen, wir fordern die Aufhebung der geschlechtsspezifischen Erziehung, aber Hausarbeit soll als Beruf gelten. Wir manövrieren uns da in ziemlich schlimme Widersprüche hinein! Wider Sprüche, die wir auch kaum vermitteln können, mit denen wir uns unglaubwürdig machen.

Strobel, Ingrid: “Wider den Hausfrauenlohn”, 1975

Stillzwang

Madonna mit dem grünen Kissen (Maria lactans) von Andrea Solario (16. Jh.)

Madonna mit dem grünen Kissen (Maria lactans) von Andrea Solario (16. Jh.)

Wenn ich das Wort nur schon wieder lese, kommt mir ein saures Görpsli hoch!

Als Westeuropäerinnen haben wir das Privileg, das riesengrosse Privileg, in diesem Bereich praktisch absolute Wahlfreiheit zu haben. Wir dürfen stillen, aber wir müssen nicht.

Selbstverständlich belegt Studie um Studie, dass an der Art und Weise, wie die Natur, Gott oder die Evolution (chose your favourite!) die Sache mit der Babyernährung eingerichtet hat, kaum mehr etwas zu verbessern gibt: Sie stellt das Optimum dar. Aber dank moderner Lebensmitteltechnologie müssen Kinder, die aus welchem Grund auch immer nicht mit Muttermilch, sondern mit Kunstmilch ernährt werden, kaum mehr Nachteile in Kauf nehmen. Für viele westeuropäische Mütter bedeutet dies die Freiheit vom Zwang, um jeden Preis stillen zu müssen. Andere, wie die französische Feministin Badinter, gehen sogar so weit zu behaupten, dass erst “die Freiheit vor dem Stillen” die Basis für echte Emanzipation ist.

Nur vor zwei Generationen bestand auch in Europa keine wirkliche Wahlfreiheit: Wer nicht stillte, musste Schafs- oder Ziegenmilch zufüttern, was wie wir wissen zwar für Lämmer und Zicklein, nicht aber für Menschenbabys die optimale Ernährung darstellt. Auch heutzutage kann 90% der Weltbevölkerung nicht wirklich wählen, denn es steht weder das Geld für erstklassige Formelmilch, noch sauberes, für Säuglinge geeignetes Trinkwasser zur Verfügung. Nicht grundlos empfiehlt die WHO in Entwicklungsländern das Stillen bis zwei oder drei Jahre.

Liebe Frauen, wir Mitteleuropäerinnen haben die Wahl. Aber wie jede freie Entscheidung bedeutet Wählen dürfen gleichzeitig auf Wählen müssen. Und dies wiederum bedeutet, dass man für seine Entscheidung einstehen muss. Offenbar, und das irritiert mich etwas, sind viele damit überfordert. Oder was sonst könnte der Grund sein, dass sie nicht laut und deutlich sagen können: “Nein, ich stille nicht und die Gründe dafür gehen dich absolut nichts an”. Stattdessen wird über angebliche “Stillzwänge” und “Nötigung zum Stillen” lamentiert, die scheints in so genannt stillfreundlichen Spitälern vorherrschen soll.

Nun denn, solange keine Bussen verteilt, keine Gefängnisstrafen verhängt und keine Frauen mit vorgehaltener Pistole zum Stillen gezwungen werden, freue ich mich weiter darüber, in einem Land leben zu dürfen, wo jede Mutter selber wählen darf, was sie für sich und ihr Kind für das Beste hält.

In Mütterblogs ist Einsamkeit und Überforderung ein Dauerthema…

kevinschmitz / Pixabay

…steht in der neuen Ausgabe der EMMA (Sommer 2011).
Naja…
Etwas viele Platitüden…
Etwas wenig eigene Erfahrung…
Geringer Informationsgehalt…

…aber irgendwie doch ganz amüsant geschrieben.

“Hausfrauen gehören, wenn sie mit kleinen Kindern ans Haus gebunden sind, zur Risikogruppe für die Internetsucht […] Allerdings – was heisst hier Sucht? Wie viel im Netz verbrachte Zeit ist zuviel?”

Positiv doch der Erfahrungsaustausch mit anderen Müttern, das gegenseitige Motivieren, Ermuntern, Aufmuntern. Auf der Minus-Seite könnte man hingegen anmerken, dass frau eher raus ginge, gäbe es das Netz nicht. Und doch…. ich für meinen Teil kann schon behaupten, dass die Möglichkeiten des Netzes meine geistige Gesundheit gerettet haben. So war es in der Zeit, als mein Kleiner krank war und nur in homöopathischen Dosen unter Leute konnte, mein einziger Kontakt zu anderen Erwachsenen ausserhalb des engeren Familien- und Freundeskreises, den Muttis bei der Mütterberatung und im Wartezimmer des Kinderarztes.

Natürlich sind im Baby- und Kleinkinderalter vor allem Windel- und Stillthemen aktuell – und die kann man auch mit Leuten abhandeln, die vom Alter her schon mein eigenes Kind sein könnten… aber es kommt mir komisch vor. Es gibt Gebiete, da tut das Alter nichts zur Sache und dann gibt es Gebiete, da fühlen sich die 20 Jahre Unterschied wie 200 Jahre an. Das hat Vorteile – man bleibt auch im hohen Alter geistig flexibel 🙂 – aber manchmal möchte man sich einfach nur mit Menschen austauschen, die einen ähnlichen Erfahrungshintergrund haben und sei es nur, dass sie selbst noch ohne Helm Mofa gefahren sind, sich erinnern können, was ein Raiders ist oder ihre erste Single nicht etwa eine lesbische Liebhaberin, sondern eine Schallplatte war.

Und im Internet findet man solche Menschen mit ähnlichem Alter, Bildungs- und Beruflichem Hintergrund einfacher, als da draussen im “Real Life”. Auch und vor allem, weil diese sowieso beruflich und familiär so ausgelastet sind (Stichwort Doppel- und Dreifachbelastung), dass keine Zeit für Müttertreffs, Starbucks oder Spielplatz übrig ist. Geschweige denn für’s Babyschwimmen morgens um Zehn oder das Elkiturnen nachmittags um Drei.

Dann kommt noch ein Punkt hinzu:
Man stellt mit der Zeit fest, dass im Leben Zwei-Punkt-Null (das mit Kind) der intellektuelle und berufliche Hintergrund bei Freundschaften und Beziehungen auf die zweite oder dritte Priorität rutscht. Wichtiger wird hingegen, dass man pädagogisch dieselbe Sprache spricht, wie die Menschen, mit denen man Zeit verbringt. Die im Emma-Artikel angetönten Grabenkämpfe zwischen Eltern (Stillen vs. Flasche, autoritär vs. antiautoritär, JKKSL vs. Familienbett,…) ziehen sich plötzlich auch durch’s eigene Privatleben, auch wenn man dies gar nie gewollt hatte und sich doch gerne als weltoffenes und tolerantes Individuum sehen möchte.

In solchen Momenten sind die neuen Netzbekannt- und -freundschaften mit Menschen, die eine ähnliche pädagogische Schiene fahren, wie man selbst, die ähnliche Bücher gelesen haben und die Dinge ähnlich sehen, besonders wertvoll und bereichernd. Denn man lernt nicht nur neue Seiten von sich selber kennen, sondern auch Menschen von anderem Alter und Bildungshintergrund, mit denen man eigentlich nur einen Punkt gemeinsam hat: Kinder und wie man mit ihnen umgeht.

An dieser Stelle also ein grosses Danke an Euch da draussen!
Und ein anderes grosses Danke an die alten Freundinnen, die trotz Stilldemenz und mütterlicher Monomanie immer noch regelmässig Kontakt halten!

 

Gestern vor einem Jahr

Gestern morgen vor einem Jahr rückten wir zwar ängstlich, aber mit grosser Vorfreude, ins Krankenhaus ein, um “die dicke Steisslage” (Arbeitstitel) per Kaiserschnitt zu gebären.

Gestern Mittag vor einem Jahr hätte der Kaiserschnitt vorbei gewesen sein, wir hätten in einem Gebärsaal Bonding bis zum Abwinken betreiben und alles hätte perfekt sein sollen. Continue reading