Tag Archives: Nord-Süd-Verlag

Cover von Alain Serres und Aurélia Fronty: "Ich bin ein Kind und ich habe Rechte"

Alain Serres und Aurélia Fronty: „Ich bin ein Kind und ich habe Rechte“

Am 20. November 2014 wurde weltweit das 25jährige Jubiläum der UN-Kinderrechtskonvention gefeiert. Im Nord-Süd-Verlag ist dazu schon im Herbst 2013 ein Bilderbuch erschienen: „Ich bin ein Kind und ich habe Rechte“: Continue reading

Coverfoto: Heule Eule Nein ich lasse keinen rein

Paul Friester und Philippe Goossens: „Heule Eule. Nein – ich lasse niemand rein!“

Ich war ein Kind mit viel Fantasie. Zu viel, meinte meine Mutter oft, denn manchmal malte ich mir Dinge aus, die mir Angst machten. Stelle ich mir vor, meine Mama wäre schnell einkaufen gegangen, ich hätte, um das Warten zu verkürzen, derweil die Geschichte von den Sieben Geisslein gelesen, und kurz darauf hätte es an die Tür geklopft – mir wäre es ganz genau gleich ergangen, wie der kleinen Heule Eule aus dem Bilderbuch „Ich lasse niemand rein!“ von Paul Friester und Philippe Goossens, das diesen Herbst im Nord-Süd-Verlag herausgekommen ist. Continue reading

Adélia Carvalho und João Vaz de Carvalho: „Es war einmal ein Hund“ (Bilderbuch)

Ich bin ein Mensch, der gerne beim Gewohnten bleibt. Danke deshalb an den NordSüd-Verlag, mich João Vaz de Carvalho entdecken zu lassen. Ich hätte es bereut, ihn zu verpassen! In Portugal und Frankreich ist der Zeichner schon länger ein Begriff und hat auch schon bedeutende Preise gewonnen. Nord-Süd hat ihn jetzt mit “Es war einmal ein Hund” erstmals in den deutschsprachigen Raum geholt. Die Texterin Adélia Carvalho ist ursprünglich Lehrerin, leitet jetzt aber die von ihr gegründete Internet-Bücherplattform “Papas-Livros” und einen Bilderbuchverlag. Continue reading

Cover von "Fritz Frosch pupst"

Birte Müller: „Fritz Frosch pupst!“

Erst neulich habe ich mich darüber beschwert, dass so viele Bilderbücher von sprechenden Tieren handeln. Und jetzt komme ich selber mit einem daher. Bei amazon.de schrieb ein Rezensent etwas von „wertvollen Werten vermitteln“ (von wegen, dass „man“ nicht pupst und wie ungesund, wenn man es sich verklemmt), aber echt, vergesst doch bitte für einen kurzen Moment das Vermitteln von Werten. Continue reading

Lindbergh - Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus

Torben Kuhlmann: „Lindbergh“

Es ist lange her, dass mich ein Buch so richtig mit einem in riesigen Lettern geschriebenen „WOW“ erschlagen hat. Dann schickte mir der Nord-Süd-Verlag Torben Kuhlmanns Erstling „Lindbergh“ zur Besprechung und ich war platt.

Die fotorealistischen Zeichnungen in Sepia-Tönen katapultieren einen innert Sekunden in die Aufbruchstimmung um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert, als durch die technischen Fortschritt plötzlich alles möglich wurde. Filme wie „Es war einmal in Amerika“ kommen mir bei den Bildern in den Sinn und die heimliche Sehnsucht, dabei gewesen zu sein in der Zeit, als Ingenieure und Erfinder die Helden waren und ihre Selbstversuche von den Menschen frenetisch gefeiert wurden. Es war die Zeit der grossen Flugpioniere und der Dampfschiffe, die Zeit, als Tausende Europäer nach Amerika auswanderten, weil sie dort Hoffnung und eine neue Zukunft in Freiheit und Wohlstand sahen.

Aber nicht nur in der Fliegerei und Seefahrt wurde im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert fleissig erfunden und entwickelt. Auch für zahlreiche Probleme des Alltages wurden technische Lösungen gesucht. Im Jahr 1899 erfand beispielsweise der Engländer Henry Atkinson die Mausefalle.

Und hier, im Jahr 1899, setzt die Geschichte von „Lindbergh“ ein. Eine Maus, die ihre Tage am liebsten mit dem Lesen von Menschenbüchern in der Bibliothek verbringt, kommt aus der Bibliothek zurück und stellt fest, dass sie ganz allein ist:

„Eines Tages, als die kleine Maus von ihren Studien heimkehrte, war es merkwürdig still. Zu still. Früher wuselten hunderte Mäuse durch die alten Häuser, um Freunde zu treffen und an exotischen Dingen zu knabbern. […] Aber nun lagen überall unheimliche Apparaturen herum. Die Menschenwelt war gefährlich geworden.“

Die anderen Mäuse sind verschwunden. Die kleine Heldin von „Lindbergh“ sucht nach ihren Freunden und vermutet, dass diese nach Amerika, dem Land der grossen Freiheit ausgewandert sein müssen. Sie beschliesst, ebenfalls dorthin zu gehen. Dieses Unterfangen ist schwieriger, als gedacht, denn es lauern überall böse Feinde, die es ihr unmöglich machen, ein Schiff nach Amerika zu besteigen.

Auf dem Rückweg in ihr Versteck beobachtet die kleine Maus ihre Cousinen, die Fledermäuse. Sie beschliesst, einen Flugapparat zu bauen und damit nach Amerika zu fliegen. Doch der Weg dorthin ist weit und mit Hindernissen gespickt.

 

Mein Fazit

An Kuhlmanns Buch ist überhaupt nichts Niedliches, nur dunkle Farben, realistische und technische Zeichnungen, so richtig unheimliche Katzen und Eulen, denen man die Bosheit von Weitem ansieht, und endlose Hochspannung.

Schafft es die Maus, den Fallen, den Katzen und den Eulen zu entkommen? Funktioniert ihr Flugapparat? Schafft sie es zum Hafenkran, zum Kirchturm, ohne dabei von einem ihrer zahlreichen Feinde erwischt zu werden? Fliegt der Apparat überhaupt? Schafft sie es über das grosse Meer, ohne einzuschlafen oder abzustürzen? Hat sie genug Treibstoff? Was erwartet sie in New York? Sind die anderen Mäuse tatsächlich in Amerika?

Die Handlung ist sehr dicht, mit intensiver Atmosphäre gezeichnet und spannend erzählt. Handlung und Illustrationen fügen sich meisterhaft ineinander. Zugleich ist die Geschichte aber auch ausserordentlich vielschichtig: Es ist nicht nur die Geschichte einer kleinen Maus, die sich einen Flugapparat baut. Ihre verschiedenen Versuche bilden die Entwicklung der Flugzeuge im Zeitraffer ab, von den ersten Konstruktionen Otto Lilienthals bis zu den grossen Entdeckungsflügen von Lindbergh.

Hochspannung!

Hochspannung!

Daneben ist es die, soweit ich es überblicken kann, historisch korrekte Darstellung einer Epoche und ihrer Grundstimmung, die Städte Hamburg und New York und was dazwischen liegt.

Hinzu kommt eine für ein Bilderbuch seltene, aber erfrischende Darstellung von Tieren als Jäger und Gejagte, von richtig fiesen Bösewichten in Form der Eulen. Es geht nicht nur, wie so oft in Büchern für die Kleinen, um ein „banales“ Alltagsproblem, sondern um Leben und Tod:

„Riesige Klauen schnappten nach der kleinen Maus. Sie duckte sich tief in ihren Pilotensitz, kniff die Augen zusammen udn zog mit aller Kraft am Steuerknüppel. Die kleine Flugmaschine raste über die Kante hinweg und … flog!“

Aber damit ist es natürlich noch lange nicht ausgestanden, denn die Eulen sind schnell und der Weg noch weit.

Habe ich erwähnt, dass die Bilder allein für sich genommen schon grandios sind?

 

Und die Zielgruppe?

Wenn Eltern für ein Buch schwärmen heisst das ja noch lange nicht, dass die Kinder es auch mögen.

Kurzer (4 Jahre 4 Monate) will mal „Fuchaniker“ werden. Wir konnten bisher nicht genau herausfinden, was ein Fuchaniker genau tut, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, aber mechanische Konstruktionen kommen darin vor.

Das bezeichnet dann auch gerade die Art und Weise, wie er auf das Buch reagiert hat: Die ersten paar Tage hat er die Bilder angeschaut, die Zeichnungen studiert, die Konstruktionen betrachtet und wissen wollen, ob Uhren wirklich so aussehen… Ganz viele Details hat er dabei entdeckt, schon fast wie in einem Wimmelbuch, und eine gefühlte Million Fragen dazu gestellt.

Lindbergh: Uhrwerk und Flugmaschine

Zahnräder und Mechanismen: Dafür kann sich Kurzer stundenlang begeistern

Dann ging er los und fing an, Uhrwerke und Flugzeuge zu basteln. Die Geschichte hört er gerne, aber meist nicht an einem Stück, sondern über zwei oder dreimal verteilt. Er holt sich das Buch ab und an aus dem Gestell, um etwas anzuschauen oder etwas abzuzeichnen.

Der etwas über fünf Jahre alte Nachbarsjunge hingegen war mehr von der Geschichte als von den technischen Aspekten gefesselt. Er ging so richtig mit, zuckte an den richtigen Stellen zusammen, an einem Ort heulte er sogar los und an anderen konnte er vor Spannung kaum mehr stillsitzen.

Deshalb würde ich sagen, dass die Altersangabe ab 5 wohl in etwa passt. Für die Kleineren würde ich die Geschichte von der Komplexität und dem Spannungsbogen her am oberen Ende der Skala ansiedeln.

Ich könnte mir vorstellen, dass für gewisse sensible Kinder die Bilder vielleicht etwas unheimlich sind. Wobei wir unsere Kurzen ja gerne unterschätzen.

Aber sonst ist „Lindbergh“ definitiv ein Buch, das ich gerne weiter empfehle. Für technisch interessierte Mädchen und Buben sowieso, aber eigentlich für alle Kinder, die spannende Abenteuer mögen. Und vielleicht lässt sich eines von ihnen zu eigenen Abenteuern inspirieren – so wie der kleine Charles, der am Ende der Geschichte von einer mutigen, kleinen Maus erfährt und davon träumt, irgendwann selbst den Himmel zu erobern….

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Lindbergh – Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus
Nord-Süd-Verlag, Zürich
Text und Illustrationen: Torben Kuhlmann
Gebunden
96 Seiten
Empfohlen ab 5 Jahren
ISBN 978-3-314-10210-3
Preis CHF 25.90 / € 17.95

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Edit vom 26.1.2015: Unterdessen ist das zweite Buch von Kuhlmann, “Maulwurfstadt“, erschienen.

Edit vom 9.3.2015: Lindbergh hat den Troisdorfer Bilderbuchpreis der Kinderjury gewonnen.

Edit vom 12.3.2015: Lindbergh wurde für den Deutschen Jugenliteraturpreis 2015 nominiert.

Edit vom 18.6.2017: Unterdessen gibt es den eben so tollen Folgeband “Armstrong“, wo eine andere kleine Maus zum Mond fliegt.

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Dieser Elch gehört mir

Oliver Jeffers: “Dieser Elch gehört mir”

“A MOI” (“meins!”) ruft mein vierjähriger Sohn, wenn er etwas entdeckt, das ihm gefällt. Wilfred, der Protagonist in Oliver Jeffers neuem Bilderbuch, ist auch so einer:

„Wilfred besass einen Elch.
Das war nicht immer so. Der Elch kam vor Kurzem erst zu ihm und Wilfred WUSSTE, dass er für ihn bestimmt war.“

So beginnt das Bilderbuch des Australiers Oliver Jeffers, das eben im Nord-Süd-Verlag erschienen ist.

Wilfred nennt den Elch Marcel und fängt an, ihn zu dressieren. Oder war es umgekehrt? Jedenfalls gibt es sehr viele Regeln und Wilfred hat alle Hände voll zu tun, um sie seinem Elch beizubringen. Wenn Marcel nur nicht immer weglaufen würde und wenn Wilfreds Orientierungssinn ein kleines Bisschen besser wäre, dann hätte das klappen können. Aber so kommt es halt ein wenig anders (aber am Ende auch gut).

Marcel, der anarchistische Elch, erinnert mich sehr an einen gewissen, fast vierjährigen Sturkopf, der in meinem Haushalt lebt. Obwohl der natürlich kein Haustier ist und wir auch keine 73 Regeln haben. Marcel macht einfach so lange was er will, bis Wilfred seine Regeln dem Elch anpasst.

Die Zeichnungen sind humorvoll, gleichzeitig realistisch und comicartig stilisiert. Die Hintergründe sind auf jeder Seite in einem anderen Stil gemalt oder gezeichnet und die Protagonisten mit ihren Steckenbeinchen haben so ausdrucksstarke Gesichter, dass man beim Anschauen fast meint, das aufgeregt piepsende Stimmchen Wilfreds und das zufriedene Kauen Marcels zu hören.

Was meint die Zielgruppe?

Kurzer (z.Z. 3 ¾ Jahre alt) war beim ersten Anschauen von der Geschichte nicht allzu begeistert. Die Pointe kann er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ganz erfassen. Er schaut sich aber die Bilder gerne an und dank den illustrierten Sprechblasen kann er einige Szenen selber verstehen und nacherzählen. Über das Fadenknäuel kann er herzhaft lachen und die Etikette am Geweih hat ihn so überzeugt, dass er „Spikes“, unserer Katze,  ebenfalls eine verpassen wollte. Wilfred hingegen findet er etwas blöd, weil der nicht mal weiss, das Elche eigentlich gar kein Deutsch können.

Update (17.8.13): Unterdessen ist Kurzer mit dem Elch warm geworden. Und das ging so: Eines Mittags, als er eigentlich mit seinem Vater zusammen ein Schläfchen halten sollte, kamen plötzlich ganz fürchterliche Geräusche aus dem Schlafzimmer. Es tönte, als hätten sich beide gleichzeitig einen Hühnerknochen in den Hals gerammt und bekämen nicht mehr genügend Luft.
Als ich angerannt kam, erfuhr ich, dass Elche so tönen.
Die beiden hatten das Buch mehrmals zusammen angeschaut und dabei kamen zwei Fragen auf. Die erste war, wie ein Elch wohl tönt. Das war das Röhren.
Die zweite Frage konnte Google zur vollsten Zufriedenheit beantworten.

Unser Fazit als Eltern

Zu Beginn fand ich das Buch etwas sehr künstlerisch und dachte, dass es vielleicht doch eher erwachsenen Kinderbuchfans und Wettbewerbsjurys gefallen könnte, als den real existierenden Kleinkindern.

Unterdessen wurde ich aber eines Besseren belehrt. Ein paar Vier- und Fünfjährige, denen ich es in der Zwischenzeit gezeigt habe, die fanden Wilfred und seinen Elch so lustig, dass sie die ganze Zeit über kicherten. Und auch Kurzer schaut es sich nach mehrmaligem Erzählen sehr gerne an. Insbesondere die Idee, sich nur an Regeln zu halten wenn man sich daran halten möchte, gefällt ihm je länger je besser.

Ich empfehle den Elch Marcel also gerne an Menschen weiter, die nichts gegen ein kleines Bisschen Anarchie im Kinderzimmer haben.

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Oliver Jeffers
DIESER ELCH GEHÖRT MIR

Nord-Süd-Verlag, Zürich

Aus dem Englischen von Anna Schaub
durchgehend farbig illustriert
€ D 14,95 / € A 15,40 / CHF 21.90
Hardcover / 22 x 28 cm
32 Seiten / ab 4 Jahren
ISBN: 978-3-314-10172-4

  • Gewinner des CBI Book of the Year Awards 2012
  • Gewinner des „Irish Book Award“ für „Junior Children‘s Book of The Year 2012“

Zum weiterlesen:

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