Tag Archives: Schule

Fuck

Der Finger des Anstosses

Aus der Schule kommt ein Anruf.

“Kurzer zeigt seinen Kamerädchen ständig den Mittelfinger!” säuselt eine empörte Stimme.

“Fuck”, denke ich, “geht das schon wieder los?”

Kurzer ist impulsiv, nahe am Wasser gebaut und reagiert wunderbar vorhersehbar auf Pöbeleien anderer Kinder. Ein perfektes Opfer auf dem Pausenplatz. Continue reading

„Die Lehrerin will immer über mich bestimmen“ – Die erste Schulwoche des Kurzen

Vielerorts in Deutschland und der deutschsprachigen Schweiz ist die Einschulung ja eine ganz grosse Sache. Hier in der Westschweiz ist der Übergang von der Vorschule zur „richtigen“ Schule fliessend und eher so ein historisches Überbleibsel aus der Zeit vor der Harmonisierung der Lehrpläne (Harmos). Continue reading

Helle Jensen: „Hellwach und ganz bei sich“

Ich bin eine Person, die schnell die Aufmerksamkeit verliert und manchmal Mühe hat, sich auf eine einzige Sache zu konzentrieren. Gerade auch im zwischenmenschlichen Bereich kann dies ein Handicap darstellen, denn für das Gegenüber ist es unangenehm, wenn meine Gedanken plötzlich abschweifen. Es fühlt sich nicht gesehen, nicht ernst genommen. Das Buch „Hellwach und ganz bei sich“ von Helle Jensen ist deshalb nicht nur für Lehrpersonen geeignet, sondern auch für solche Eltern wie mich, die lernen möchten, die im Umgang mit ihren Kinder präsenter und aufmerksamer zu werden. Continue reading

Schullager

HebiPics / Pixabay

Heute früh sind sie also abgefahren. 25 Fünf- und Sechsjährige auf dem Weg ins erste Schullager ihres Lebens. Etwas ängstlich waren sie, aber gleichzeitig freudig erregt. Vor Aufregung gabs bereits vor dem Abfahren eine Prügelei. Die ersten haben ihre Fresspäckli* schon im Mamataxi geöffnet und im Fussraum verteilt. So muss das sein!

Zurück blieben die Eltern, nach dem fröhlichen Winken betreten herumstehend, mit sorgevollen Gesichtern. Die eine oder andere Mutter ein Tränchen verdrückend. Continue reading

Vom Vertrauen und vom Loslassen

Von der ersten Sekunde an, in der mein Sohn geboren wurde, musste ich ihn anderen Menschen anvertrauen. Da mir irgendwann im Laufe meiner eigenen Biographie das Vertrauen in meine Mitmenschen abhanden gekommen war, war das eine harte Lektion.

eloisa / Pixabay

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Schon das Wort “Anvertrauen” beinhaltet “Vertrauen”: Darauf vertrauen, dass sie es grundsätzlich gut meinen mit meinem Kind. Darauf vertrauen, dass sie meinem Kind weder selber Schaden zufügen, noch zulassen, dass es Schaden erleidet. Continue reading

und noch mal ein paar Zentimeter grösser

Kurzer wird gross. Lang war er ja schon immer, aber jetzt wird er richtig gross: Morgen geht er erstmals in den Kindergarten oder wie das hier bei uns heisst: La petite école.

Alles ist seit Tagen bereit: Rucksäcklein, Turnbeutel, Znünibüchse, Trinkflasche, Pantoffeln und Malerschürze. Alles? Nein, nur seine alte Mutter sitzt da, heult rum und ist noch Lichtjahre vom Zustand des Bereitseins entfernt. Continue reading

Was der Schnuppertag in der Schule mit dem Autofahren zu tun hat

Kurzer freut sich auf die Schule, sagt er. Denn dann könne er endlich das Autofahren lernen, sagt er.

Bild: Steglich / pixelio.de

Bild: Steglich / pixelio.de

Neulich war bei uns Schnuppertag in der Schule. Mit Harmos beginnt die obligatorische Schulzeit ja schon zwischen vier und fünf Jahren und dauert geschlagene elf Jahre, während denen wir zur Hochsaison in Urlaub zu fahren gezwungen sein werden und längere Überlandreisen unmöglich sind.

(wobei ich kürzlich erfahren habe, dass streng genommen der Unterricht obligatorisch ist und nicht die Schule, Homeschooling wäre also möglich, sollten wir wider Erwartens das Budget für eine Weltreise zusammenkratzen, bevor wir im AHV-Alter sind)

Kurzer mag natürlich, wie sein Vater und ich, grosse, schwere Fahrzeuge mit Vierradantrieb einer aus Film (Lara Croft) und Fernsehen (Born Free) bekannten britischen Automarke. Und natürlich möchte er so schnell wie nur irgend möglich damit fahren lernen. Damit das Genöle aufhört, habe ich ihm vor langer Zeit schon erklärt, dass er das erst dürfe, wenn er die Schule fertig habe, und gross genug sei, um die Pedale erreichen zu können (Zweiteres ist schon bald der Fall, er ist ja auch schon 4.5jährig).

Am Abend vor dem Schnuppertag lagen wir so im grossen Bett und debrieften wie immer den Tag. Ich klärte Kurzen auch darüber auf, dass er am nächsten Tag früh raus müsste, da wir wie gesagt die Schule besuchen und seine Lehrerinnen kennen lernen würden.

“Und am Nachmittag lerne ich Auto Fahren”, antwortete er mit ernstem Nicken.
“Wie kommst Du denn darauf?” fragte ich verblüfft.
“Weil Du es versprochen hast, Mama: Nach der Schule darf ich Auto Fahren lernen!”

Jetzt frage ich mich natürlich die ganze Zeit, wie ich aus DER Nummer mit Anstand wieder rauskomme.