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Sommerferien

Lange war es jetzt still auf diesem Blog, ausser ein paar Buchbesprechungen kam kaum mehr Neues. Auch über die Social Media gab es fast nur noch Recyceltes und nicht mal mehr die Swiss Blog Family – auf die ich mich riesig freue – mochte ich mehr bewerben, dabei hätte es noch Plätze frei!

Was ist passiert? Nur die Sommerferien des Kurzen und ein grosser Auftrag für mein Übersetzungsbüro. @froumeier formulierte neulich auf Twitter das Problem folgendermassen: Continue reading

So ein Ding kommt mir nicht ins Haus!

Diese Laufräder machen wir meine Heidenangst!

Kurzer mit LaufradSchon vor 35 Jahren habe ich aus nächster Nähe erlebt, was ein genügend verrückter Bub damit anstellen kann. Denn – glauben Sie es oder nicht – mein kleiner Bruder hat die Dinger erfunden. Er muss da so ungefähr fünf gewesen sein. Sein kleines Kinderfahrrad war vom vielen Gebrauch kaputt, die Stützräder völlig verbogen und das eine Pedal abgeschert. Mein Vater – ich vermute, dass er es war – hat schliesslich die Pedale abmontiert: Das Laufrad war erfunden. Kleiner Bruder nannte es “Töff”(1) und war glücklich. Wann immer er konnte, verdünnisierte er sich fortan aus der schwesterlichen Aufsicht und ging auf Töfftour.

Grosse Schwester und ich waren damals so um die 12 oder 13 Jahre alt und hätten Besseres und Wichtigeres zu tun gehabt, als jede schulfreie Minute auf den Zwerg aufpassen zu müssen. Entsprechend motiviert kamen wir dieser Aufgabe nach und entsprechend oft erfuhr meine Mutter von einer besorgten Nachbarin per Telefon, dass Kleiner Bruder wieder mal ausgebüxt war und mit dem kleinen, blauen Fahrrad diese oder jene Strasse runtersauste.

“Dänu isch ab”, “wo isch eure Brüetsch” oder “göht Dänu go sueche” waren Befehle, die danach durchs Haus gebrüllt zur – nach dem Hüten – zweitmeist gehassten Freizeitbeschäftigung von Grosser Schwester und mir wurde. Winter und Sommer, jahrein jahraus stürchelten wir durchs idyllische Dorf auf der Suche nach unserem fugitiven Brüderchen.

Natürlich versuche ich, diese Erfahrungen nicht in meine eigene Elternschaft einfliessen zu lassen. Wie sehr sie mich aber trotz allem geprägt haben merke ich an so kleinen Dingen wie einem geschenkten Laufrad. Es stand für mich ausser Frage, für Kurzen so ein Teil anzuschaffen. Kommt! Nicht! In! Frage!

Seit dem Frühjahr holten unsere Bekannten und Nachbarn mit grösseren Kindern ihre verstaubten Laufräder aus Estrichen und Kellern und drängten sie uns regelrecht auf. “Kurzer muss das lernen, sonst wird er nie Radfahren können!” (2) So oft uns jemand ein Laufrad anschleppte, so oft lehnte ich das Angebot dankend ab. Unser Dorf ist zwar klein, im Gegensatz zu dort, wo ich aufgewachsen bin, hat es jedoch mehr als Kühe und Traktoren: Es gibt Haupstrassen, eine Autobahn, ein Schloss mit Verteidigungsrampe und Schlossmauer, und anderweitig geht es nur hoch oder runter. Untauglich schon für Räder und für bremsenlose Laufräder sowieso!

Dann aber, nachdem Kurzer bei einem Campingausflug mit Bekannten deren Buben fast ein Auge ausgekratzt und ihn fast zu Brei geschlagen hätte, um sich dessen Like-a-bike auszuleihen(3), hatte der Lange dann genug von meinem Zögern und fragte die Nachbarin, deren Rad ich mehr als einmal abgelehnt hatte, ob dieses noch zu haben sei.

Danach vergingen weitere Wochen, die als “Helmkrieg” in die Familiengeschichte eingehen werden.

Seit vorgestern nun ist auch der Helm kein Thema mehr und Kurzer saust auf seinem Laufrad durch die Prärie als gäbe es kein Morgen.

So kanns gehen!

(1) Motorrad
(2) Wie haben wir es denn in den 70er Jahren gelernt?
(3) Ich begann an der Effizienz gewaltfreier Erziehung zu zweifeln!

Edelglacé aus eigener Produktion

Es war heiss, der einzig aushaltbare Ort der Wohnung war mit nacktem Bauch vor dem Ventilator. Auch der Häsu war dieser Meinung.
Da Mama eigentlich arbeiten sollte, gab es keine Badi. Aber natürlich schaute bei 36° nicht mehr viel heraus, da auch Mama nicht für die Tropen, sondern eher für den kühlen Norden konstruiert wurde.

Jänu, was tut man da? Zuerst wurde natürlich ausgiebig Siesta gehalten. Danach schaute man mal in der Kühltruhe nach, was es dort Feines zum Zvieri hat. Die Ausbeute war himmeltraurig, nur Elterndinge fanden sich, aber nichts für überhitzte Kleinkinder. Nun denn, wohlauf, wie immer hatte Mama die rettende Idee: Wenn’s kein Glacé hat und man für eines extra ins Auto sitzen müsste, dann muss man es halt selber machen.

Tja, aber Mama ist kulinarisch ein Luxusgeschöpf. Mit Wasser- oder Sirupglacé kann man sie jagen. Ihren Jungs wär’s ja noch gleich, die würden auch Raketen schlecken. Diverse Versuche mit Schlagrahm, Milch, Schokipulver etc. wurden in den letzten Jahren schon gemacht und allesamt verworfen. Ohne Glacémaschine (kein Platz für sowas!) kristallisiert der Rahm aus oder macht klebrigen Schlüdderlig (wie Kunststoffdichtung! örks). We’ve been there, seen that, igitt-igitt! Hier nun die rettende Idee:

Mousse au chocolat Pulver

Ein Beutel Mousse au chocolat Pulver (es kann auch von einem anderen Anbieter sein)

1.5 Deziliter kühlschrankkalte Milch

1.5 Deziliter kühlschrankkalte Milch

5 Minuten mixen

5 Minuten mixen

Glacé-Förmchen vorbereiten

Glacé-Förmchen vorbereiten (die gibt’s heute auch von fast allen Anbietern von Kunststoff-Kochzubehör)

Abfüllen...

Abfüllen…

...und in den Tiefkühler stellen

…und in den Tiefkühler stellen

Und während die Glacé vor sich hingefriert, darf der wichtigste Produktionsschritt natürlich nicht vergessen werden: DAS AUSSCHLECKEN DER SCHÜSSEL!

P.S. Das Rezept funktioniert übrigens auch mit anderen Moussen: Strachiatella oder Zitrone und was es heutzutage sonst noch für Sorten gibt.