Tag Archives: Stillen

Vernetzt im März 2015

ins Netz gegangen (funnytools / Pixabay)

ins Netz gegangen
(funnytools / Pixabay)

DAS Thema bei uns ist Ostern. Irgend jemand versteckt kleine Schokoeier an den unmöglichsten Orten und läuft dann ganz schnell weg. Kurzer ist überzeugt, dass es sich um den Osterhasen handelt… doch kann man da so sicher sein?!

Die Tragik des Absturzes eines Germanwings-Maschine überdeckt die Fröhlichkeit des Frühjahrsbeginns. Sprachlos und Verständnislos macht aber nicht nur das Unglück, sondern vor allem die Berichterstattung darüber. Continue reading

Ein Kopfstand sorgt für Aufregung

Da gibt es dieses Stillbild, das seit 2011 mehrmals über meinen Bildschirm getickert ist:

daughters of the sun doing yoga

daughters of the sun doing yoga

Es zeigt eine nackte Mutter im Yoga-Kopfstand, und ihre vielleicht knapp einjährige, ebenfalls nackte Tochter, die an ihrer Brust saugt. Aufgenommen wurde das Foto in einer hawaiianischen Yoga-Kommune. Ein schönes, friedliches Bild, bei dem sich jedesmal wenn ich es sehe ein Lächeln auf mein Gesicht schleicht.

Offenbar ging es aber nicht allen so, die das Bild gesehen haben. Amy (“Daughter of the Sun”, die Frau auf dem Bild) erzählte in einem Interview mit Sara McGinnis vom Babycenter-Blog, dass sie Reaktionen des ganzen Spektrums bekommen habe: Mütter aus der Yoga und alternativen Szene seien von dem Bild begeistert, Menschen aus dem konservativen Mainstream hingegen weniger angetan gewesen. Wieder andere haben gemeint, dass die Frau auf dem Bild an den Füssen aufgehängt sei (es sieht wirklich fast so aus) und waren besorgt.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie sich Menschen über Stillbilder so aufregen können. Natürlich, die beiden abgebildeten Menschen sind nackt. Aber das Bild ist mitnichten erotisch, und erst recht nicht pornografisch.

Wie verkorkst muss eine Gesellschaft sein, die das Stillen eines Kindes mit sexuellem Missbrauch verwechselt?

Oder sind wir so oversexed, dass wir den Unterschied tatsächlich nicht mehr wahrnehmen können?

 

 

Kurz gefasst im Juli 2013

Eigentlich wäre doch Sommer, aber ich schaff’s einfach nicht ins Schwimmbad, stattdessen sitzen wir schlotternd im Wohnzimmer und fragen uns, weshalb der Hausbesitzer die Heizung nicht anstellt. Komischer Juli…

Das war natürlich Anfang Monat, als ich das oben Stehende geschrieben habe – unterdessen ist es schweinisch heiss und ich Totsch habe mir tatsächlich beim Baden im Bodensee einen Sonnenbrand geholt. So schnell kann’s gehen und der Juli ist auch schon vorbei. Noch einen Monat und dann sind die Kühe am Morgen früh schon wieder weiss vom Rauhreif…

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Buntraum hat einen ganz tollen Artikel darüber geschrieben, wie sie ihre Einstellung zu einem vermeintlichen Charakterfehler ihres Kleinen ändern konnte und sich allein dadurch das Verhalten des Kleinen verändert hat: Die Erleuchtung.

China ist ein Land mit fast einer Milliarde Einwohnerinnen und Einwohner. In diesem riesigen Land gab es eine Agentur namens Xinxinyu. Die vermittelte Ammen für Säuglinge und Kranke und offenbar auch an gesunde Menschen, die es sich leisten konnten, einer Frau das Vierfache eines Durchschnittslohnes zu bezahlen, damit sie ihre Milch trinken konnte. Diese Agentur wurde geschlossen. Eine westliche Zeitung erfuhr davon. Und weil grad Sommer war und es sowieso nicht viel zu berichten gab – wer interessiert sich denn schon für Kriege in Syrien, Vergewaltigungen in Ägypten oder die Überwachung unbescholtener Bürgerinnen und Bürger durch die US-Behörden? – hat man flugs einen neuen “Trend” erkannt. Der ist zwar zwei Tage nach der Meldung schon wieder beendet (weil besagte Agentur ja geschlossen wurde), aber es wird trotzdem viel diskutiert, weil es eine gute Gelegenheit ist, wieder mal über die Chinesen abzulästern. Schön, dass wir darüber geredet haben: Muttermilch ist Modegetränk der Reichen.

Der US-amerikanische Künstler Nickolay Lamm kreierte eine Barbie nach den Durchschnittsmassen durchschnittlicher neunzehnjähriger Amerikanerinnen. Das Resultat ist immer noch sehr gut aussehend, finde ich: ‘Normal’ Barbie By Nickolay Lamm Shows Us What Mattel Dolls Might Look Like If Based On Actual Women

Wunderschöne Frauenkörper post partum, Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht: The Shape of a Mother.

Bibliotheken. Schöne, verrückte, spezielle, aber immer voller Liebe zu Büchern: The 10 Weirdest And Most Wonderful Libraries In The World.

Wolfgang Lünenbürger-Reidenbachs entspannter Artikel darüber, wie sich die heutige Jugend die virtuellen Räume zu eigen machen. Unbedingt lesenswert!
Freundschaft anders erleben – wie unsere Kinder sich die Onlinewelt erobern

Ein altes Kinderbuch von einem meiner Lieblingsautoren wurde neu aufgelegt: Advice to Little Girls von Mark Twain.

Kurz gefasst im Juni 2013

Warten auf die Beute (Bild Gitti Moser @ pixelio.de)

Warten auf die Beute
(Bild Gitti Moser @ pixelio.de)

Endlich wird das Wetter wieder besser und da ich immer noch keinen sonnentauglichen Bildschirm habe, werde ich mich vermehrt mit dem Medium befassen, das landläufig “frische Luft” genannt wird.

Trotzdem habe ich auch im Juni ein paar Artikel gelesen, die ich Euch nicht vorenthalten möchte.

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Obwohl laut einigen Kommentatorinnen regelrechter “Stillzwang” herrschen soll, ist in manchen Ländern das Stillen rückläufig. So beispielsweise in Mexiko, wo auch in ländlichen Gegenden mit schlechtem Trinkwasser immer weniger Frauen stillen, die Säuglingssterblichkeit und Brustkrebsrate gleichzeitig aber steigt. Ein Zusammenhang ist wahrscheinlich: Warum Mexikos Frauen ihre Babys nicht stillen.

Mutter und Töchter von Julie Fullerton-Batten und noch ein paar Echte Disney-Prinzessinnen von Jirka Väätäinen im fantastischen virtuellen Museum My Modern Met.

Sehr speziell: Polizeilich angeordnetes Hausverbot für drei Elfjährige in ihrem eigenen Schulhaus, weil sie am Samstagabend auf dem Schulareal Fussball spielten. Das geschah nicht etwa in Seldwyla, sondern im Schweizerischen Oensingen: Schulhausverbot wegen Fussballspiels.

Susanne Mierau schreibt auf ihrem Blog über Respekt, und dass Kinder den nicht dadurch lernen können, dass man ihnen “Bitte” und “Danke” andressiert, sondern nur, indem man ihnen selber Respekt entgegen bringt: “Wie heisst das Zauberwort? RESPEKT

Immer nur hin und her, von einem Kurs in den anderen und Fördern bis der Kopf wackelt – um all das zu verdauen und zu speichern, müssen Kinder auch mal Entspannen können. “Faulenzen will gelernt sein” im Focus Online.

Nicht nur wie wir etwas sagen ist wichtig, sondern auch was wir sagen und welche Worte wir wählen. Dr. Anja Schmelz auf Urbia: “Was Eltern niemals sagen dürfen“.

Und gleich nochmal Susanne Mierau, diesmal über das Trösten: “Ist doch nicht so schlimm. Ist es doch!

Optimistisch wie immer macht uns die Bernerin Ursula Lüthi (“Einfach Essen”) mit erfrischenden Sommerdrinks gluschtig: “Dr Summer chunnt – Limonaden für die wärmeren Tage“. Es lohnt sich übrigens nicht, diesem Blog zu folgen, man wird dabei nur hungrig 🙂

 

Mütterliche Empfindlichkeiten

In meinem ganzen bisherigen Leben bin ich noch nie in so viele verschiedene Fettnäpfchen auf so engem Raum getreten, wie in der Zeit, seit ich in Mütterkreisen verkehre!

Madonna del Latte (16. Jh.)

Madonna del Latte (16. Jh.)

So viele Schuldgefühle, Vorfürfe und präventive Defensivagriffe sind mir noch in keinem anderen Umfeld begegnet. Und hinter jedem Busch lauert Supermutti. Continue reading

Erfahrung der Mutterschaft: So rum oder so rum?

Als ich mich auf das Abenteuer des Mutterwerdens einliess, war für mich selbstverständlich, dass dazu das ganze Paket von Schwangerschaft, Geburt und Stillen gehören sollte. Meinem Kind beim Wachsen und Gedeihen helfen, mit vollem körperlichem Einsatz. Für mich gehört das einfach zusammen und ich wollte diese Erfahrung ganz oder gar nicht machen.

Umso erstaunter bin ich jeweils, wenn ich so etwas zu Lesen bekomme, wie Rita Angelone neulich beschrieb. Wunschkaiserschnitt, ok, die Frauen werden ihre Gründe haben, auch wenn ich sie nicht nachvollziehen kann. So dachte ich immer. Continue reading

Wem gehören meine Brüste?

Unter dem Titel “Deutschland und meine Brüste” schreibt Fuckermothers einen offenen Brief an die “Nationale Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung”. Ein wunderbar unaufgeregter Artikel, der sich zwar was das Stillen betrifft, nicht mit meiner eigenen Erfahrung und Einstellung deckt (muss er aber auch nicht). Ich empfinde es als positiv, dass die Autorin nicht sofort in eine diesere unsäglich destruktiven Stillen-versus-nicht-stillen-Diskussionen umgeschwenkt ist. Solche überschwemmen seit dem gestrigen Titelbild der US-amerikanischen Zeitschrift “Time”, das einen stillenden Dreijährigen mit seiner Mutter zeigt, ohnehin das Internet. Brüste! Brüste, die nicht zur Belustigung unserer männlichen Mitmenschen abgebildet werden, sondern als Nahrungsquelle für unsere Kinder.

Was ich in der ganzen aktuell stattfindenden Debatte vermisse, ist, dass das Stillen nicht als Norm rüberkommt, sondern als “das Besondere”, das “Exotische” und Langzeitstillen sogar als das “Abartige” und “Abnormale”. Dabei würde ja auch niemand abstreiten, dass es der Norm entspricht, wenn ein Lämmchen Schafsmilch trinkt oder ein Kätzchen Katzenmilch, und zwar genau so lange, wie es diese Milch benötigt. Nur beim Menschen wird das in Frage gestellt.

Das hat aber nicht mit doofen Broschüren einer Hand voll alter Herren Professoren zu tun, sondern mit der Darstellung von Weiblichkeit, Mutterschaft, etc. in der Öffentlichkeit: Weibliche Brüste dürfen nicht gezeigt werden und wenn, dann ausschliesslich als allzeit für Männer verfügbare Sexualobjekte. Viel mehr Impakt als Stillkampagnen würde es haben, wenn in diesem Bereich unsere Gesellschaft wieder zur Normalität zurück finden und sich diese Normalität auch in den Medien widerspiegeln würde.

Das Stillen, wie auch die Geburt, eigentlich die gesamte menschliche Reproduktion, gehören zu den Schlüsselthemen der weiblichen Emanzipation bzw. des Gegenteils davon. Und diese Themen müssen wir uns zurückholen!  Schlussendlich geht es nicht darum, ob wir stillen oder nicht, sondern darum, dass WIR SELBER die Entscheidung dazu treffen.  Die Entscheidungshoheit über unsere Körper und die Körper unserer Kinder dürfen wir uns weder von einem aus alten Männern bestehenden Expertengremium (Experten? hat auch nur einer von denen jemals seinem Kind die Brust gegeben? na also!) , noch von einer milliardenschweren Nahrungsmittelindustrie wegnehmen lassen.

Weder den alten Männern noch den Nahrungsmittelindustriellen geht es um unser Wohl oder das Wohl unserer Kinder. Den einen geht es um Macht, den anderen um Geld.

Deshalb dreht sich die Frage einmal mehr um unsere Selbstbestimmung! Unsere Brüste gehören uns. Und ich für meinen Teil entscheide in diesem Bereich selber, in Absprache mit meinem Partner, was für mich, mein Kind und meine Familie am Besten ist!

Das Private als Politikum: Nipplegate und Nurse-In

Breasts

Brüste. Symbolbild.

Alternative Mutti-Gruppen im Internet haben einen neuen, alten Feind: Facebookgründer und -besitzer Mark Zuckerberg. Denn wie schon 2008 wurden erneut nach nicht nachvollziehbaren Kriterien Stillbilder aus den privaten Profilen von Nutzerinnen gelöscht. Weltweit sind online und offline Proteste geplant.

Mir haben zeitlebens humorvolle und subversive Protestaktionen gefallen. Man erinnere sich nur, als die Frauen der FBB 1975 den Nationalrat mit benutzten Windeln beworfen haben, um für reproduktive Selbstbestimmung zu kämpfen.

Deshalb gefällt mir wohl bei dem ganzen Lärm ums Stillen im Internet die Aktion von Heather Cushman-Dowdee alias “Mama is… comic!” am Besten: Während den beiden Protesttagen postet sie jede Stunde ein neues Comic auf ihrer Facebookseite.

Ich möchte keine Diskussionen darüber anreissen, ob es sinnvoll ist, Bilder von seinen Brüsten in sozialen Netzwerken zu veröffentlichen. Auch über’s Stillen in der Öffentlichkeit mag ich grad nicht diskutieren. Wen’s stört, soll wegschauen – sowohl im Netz, als auch im richtigen Leben. Oder wie die Jüngeren unter uns sagen würden: If you don’t like it, don’t “like” it! Mehr gibt es darüber meiner Meinung nach nicht zu sagen.

Was ich hingegen erwähnen möchte, ist diese merkwürdige moralische Schieflage, die das Buch der Gesichter bei diesem Thema an den Tag legt. Stillbilder werden als “obszön” bezeichnet und gelöscht, bei wiederholtem Hochladen durch die entsprechende Benutzerin wird deren Account gesperrt. Auf der anderen Seite hingegen werden Sexismus, Rassismus, Cybermobbing, Verleumdung, et j’en passe, auf Hunderten wenn nicht  Tausenden von Seiten und Postings toleriert. Bilder einer absolut natürlichen, alltäglichen und normalen Handlung wie das Füttern eines Babys hingegen werden als Regelverstösse geahndet.

Für mich unverständlich.

Nachtrag: Nein, ich möchte auch keine Diskussion über die Prüderie der US-Bevölkerung anzetteln. Denn auch hier in der Schweiz werden jeden Tag wieder Eltern gebeten, ihr Kind möge doch bitte auf der Toilette – oder sonst an einem diskreten Ort – essen, weil sich andere Menschen dadurch gestört fühlen könnten.

Stillzwang

Madonna mit dem grünen Kissen (Maria lactans) von Andrea Solario (16. Jh.)

Madonna mit dem grünen Kissen (Maria lactans) von Andrea Solario (16. Jh.)

Wenn ich das Wort nur schon wieder lese, kommt mir ein saures Görpsli hoch!

Als Westeuropäerinnen haben wir das Privileg, das riesengrosse Privileg, in diesem Bereich praktisch absolute Wahlfreiheit zu haben. Wir dürfen stillen, aber wir müssen nicht.

Selbstverständlich belegt Studie um Studie, dass an der Art und Weise, wie die Natur, Gott oder die Evolution (chose your favourite!) die Sache mit der Babyernährung eingerichtet hat, kaum mehr etwas zu verbessern gibt: Sie stellt das Optimum dar. Aber dank moderner Lebensmitteltechnologie müssen Kinder, die aus welchem Grund auch immer nicht mit Muttermilch, sondern mit Kunstmilch ernährt werden, kaum mehr Nachteile in Kauf nehmen. Für viele westeuropäische Mütter bedeutet dies die Freiheit vom Zwang, um jeden Preis stillen zu müssen. Andere, wie die französische Feministin Badinter, gehen sogar so weit zu behaupten, dass erst “die Freiheit vor dem Stillen” die Basis für echte Emanzipation ist.

Nur vor zwei Generationen bestand auch in Europa keine wirkliche Wahlfreiheit: Wer nicht stillte, musste Schafs- oder Ziegenmilch zufüttern, was wie wir wissen zwar für Lämmer und Zicklein, nicht aber für Menschenbabys die optimale Ernährung darstellt. Auch heutzutage kann 90% der Weltbevölkerung nicht wirklich wählen, denn es steht weder das Geld für erstklassige Formelmilch, noch sauberes, für Säuglinge geeignetes Trinkwasser zur Verfügung. Nicht grundlos empfiehlt die WHO in Entwicklungsländern das Stillen bis zwei oder drei Jahre.

Liebe Frauen, wir Mitteleuropäerinnen haben die Wahl. Aber wie jede freie Entscheidung bedeutet Wählen dürfen gleichzeitig auf Wählen müssen. Und dies wiederum bedeutet, dass man für seine Entscheidung einstehen muss. Offenbar, und das irritiert mich etwas, sind viele damit überfordert. Oder was sonst könnte der Grund sein, dass sie nicht laut und deutlich sagen können: “Nein, ich stille nicht und die Gründe dafür gehen dich absolut nichts an”. Stattdessen wird über angebliche “Stillzwänge” und “Nötigung zum Stillen” lamentiert, die scheints in so genannt stillfreundlichen Spitälern vorherrschen soll.

Nun denn, solange keine Bussen verteilt, keine Gefängnisstrafen verhängt und keine Frauen mit vorgehaltener Pistole zum Stillen gezwungen werden, freue ich mich weiter darüber, in einem Land leben zu dürfen, wo jede Mutter selber wählen darf, was sie für sich und ihr Kind für das Beste hält.