Tag Archives: Thienemann Verlag

Oliver Pötzsch: „Ritter Kuno Kettenstrumpf und die geheimnisvolle Flaschenpost“

Auf den Tag genau vor einem Jahr habe ich Euch an dieser Stelle das wunderbare Buch von Ritter Kuno Kettenstrumpf vorgestellt. Im August 2015 veröffentlichte der Thienemann-Verlag den lange ersehnten Folgeband „Ritter Kuno Kettenstrumpf und die geheimnisvolle Flaschenpost“. Dieser berichtet von der abenteuerlichen Schiffsreise auf der Suche nach Kunos Vater. Continue reading

Oliver Pötzsch: „Ritter Kuno Kettenstrumpf“

Ein paar meiner allerliebsten Kinderbücher stammen aus dem Thienemann Verlag und das meiste, was aus dessen Druckerpresse kommt, kann man mit geschlossenen Augen kaufen und sicher sein, dass es kein Mist ist. Trotzdem war ich natürlich gespannt, was es mit Ritter Kuno Kettenstrumpf und seinen Freunden aus Feenland Ost auf sich hatte. Continue reading

David McKee: Elmar und das Monster

David McKee: „Elmar und das Monster“

Brüll!“ tönt es aus dem Urwald.
Alle Tiere laufen davon und warnen Elmar, den karierten Elefanten, vor dem Monster.
So fängt das neueste Bilderbuch mit Elmar an, das im Herbst bei Thienemann erschienen ist.

Elmar, der bunte Elefant, steht für Toleranz, Einfühlungsvermögen und Perspektivenwechsel. Aber wenn man sich fürchtet, ist es gar nicht so einfach, nicht davonzulaufen. Nur Elmar, neugierig wie immer, möchte wissen, wer da so laut brüllt und weshalb und geht immer tiefer in den Wald hinein. Immer mehr Tiere kommen ihm auf der Flucht vor dem brüllenden Monster entgegen und zwar durchaus nicht nur die Ängstlichen, sondern auch Tiger, Löwe (was macht der eigentlich im Urwald?), Krokodile und die grossen Elefanten. Am Ende stösst er auf ein kleines, blaues, pelziges Ding, das sich zwar als Einziges nicht vor dem brüllenden Monster fürchtet, dafür vor allen anderen bösen Gestalten im Wald.

 

Fazit

Jeder ist jemandes Monster – so könnte man die Moral der Geschichte zusammenfassen und wie immer bei Elmar, wird sie mit einem Lachen und nicht mit erhobenem Zeigefinger vermittelt.

Obwohl David McKee schon ein paar Dutzend Elmar-Geschichten veröffentlicht hat, und alle mehr oder weniger um den Themenbereich Toleranz, Integration, Fremdenangst, usw. drehen, ist „Elmar und das Monster“ witzig und frisch.

Mir gefällt es!

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Klappentext:

„Ohrenbetäubendes Gebrüll dringt durch den Urwald. Das kann nur ein Monster sein! Alle Tiere sind auf der Flucht. Nur Elmar, der bunt karierte Elefant, nicht. Der hat nämlich noch nie ein echtes Monster gesehen…“

„Elmar und das Monster“
David McKee
Thienemann Verlag, Stuttgart
ISBN 978-3-522-43777-6
Alteresempfehlung des Verlags: ab 4 Jahren

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Knut hat Wut

Knut hat Wut (Bilderbuch)

Da es Kurzens Wutanfälle bis heute in sich haben und wir bisher noch keine befriedigende Coping-Strategie gefunden haben, schaue ich mir gerne Bücher an, die Hilfe versprechen. So wie „Knut hat Wut“ von Edith Schreiber-Wicke, illustriert von Carola Holland, aus dem Thienemann Verlag. Der Klappentext tönte schon mal viel versprechend: Continue reading

Ein Haufen Freunde

Kerstin Schöne: Ein Haufen Freunde (Bilderbuch)

Von Kerstin Schöne, der Autorin und Zeichnerin des in mehrere Sprachen übersetzten Bestsellers „Monster gibt es nicht …“ [Werbelink], erschien im Juli 2013 bei Thienemann ein neues Bilderbuch namens „Ein Haufen Freunde“. Es erzählt die Geschichte von einem kleinen Pinguin, der so gerne fliegen können möchte. Continue reading

Herr Glück und Frau Unglück

Antonie Schneider und Susanne Strasser: “Herr Glück und Frau Unglück”

Frau Unglück lebt mit ihrer Ziege und ihrer schwarzen Katze im Haus Nummer 13. Ihr Haus ist grau, im Garten wachsen schwarze Bäume ohne Blätter und eine Regenwolke verdeckt die Sonne.
Da zieht Herr Glück ins Nachbarhaus Nr. 12. Fröhlich begrüsst er, was immer die Tage so bringen. In seinem Garten sät er zarte Pflänzchen, die schon bald wachsen und blühen.
Frau Unglück betrachtet argwöhnisch, was Herr Glück in seinem Garten treibt. Als er eines Tages sogar bei ihr klingelt und ihr die Hand reicht, wird es ihr zu bunt. Sie will etwas unternehmen, damit er wegzieht. Aber der Wind hat die Glücks-Samen über den Gartenzaun geweht…

Auf den ersten Blick ist die Geschichte einfach, fast simpel. Die Handlung ist minimal. Dasselbe mit den Bildern: Sie sind einfach und plakathaft.

Und dann lässt es einem nicht mehr los. Bei jedem Durchblättern entdeckt man in den Illustrationen mehr Details und einen feinen Humor, der bei oberflächlicher Betrachtung kaum sichtbar ist. Jedes Detail ist symbolhaft und passt ins Bild, kein Strich ist zu viel aber auch keiner zu wenig.
Für die Geschichte gilt das Selbe: Je länger man sie wirken lässt, desto tiefer und philosophischer wird sie und man merkt, dass man beim ersten Durchlesen, beim ersten Erzählen, nur knapp die Oberfläche angeritzt hat.

Was das Zielpublikum dazu meint

Noch tiefer geht sie, wenn man sich das Buch von einem knapp Vierjährigen erzählen lässt. Ich sass jedenfalls mit heruntergeklapptem Unterkiefer da, als Kurzer den Sinn des Buches mit einer einzigen Frage zusammengefasst hat: „Wieso will die Frau Unglück denn unbedingt unglücklich bleiben?

Aber von vorne:

„Frau Unglück hat eine Regenwolke und eine Geiss und der Fensterladen ist kaputt, Papa soll den reparieren. Die Sonne sieht lustig aus. Herr Glück hat Schwein gehabt.
Der Herr Glück nimmt die blaue Schaufel. Der soll eine grosse Schaufel nehmen? Das braucht ein ganz grosses Loch, da muss man eine sooooo grosse Schaufel nehmen (zeigt mit den Händen).
Die Regenwolke ist immer noch da. So eine lustige Regenwolke. Das gibt es doch gar nicht so eine Regenwolke. Isst die Geiss lieber Gras als Schlamm?
Der Herr Glück hat eine rote Leiter. Die Regenwolke ist immer noch da. Jetzt ist noch die Zahl runtergefallen. Wieso repariert der Herr Glück nicht den Fensterladen? Papa kann alles reparieren. Die Katze ist lustig.
Wo ist jetzt die Regenwolke? Ist die jetzt weggeflogen? Wieso schneit es jetzt? Hat Frau Unglück auch eine Schneewolke? Aber wenn es schneit gibt es gar keine Blumen. Der Schneemann ist ganz falsch. Hat Frau Unglück einen Schneemann gebaut? Jetzt ist das Spinnennetz ganz weiss.
Jetzt ist die Regenwolke wieder da. Die Spinne ist wieder schwarz. Das ist lustig. Ist die Sau angebunden? Wieso ist die Sau angebunden? Wieso will Frau Unglück denn unbedingt unglücklich bleiben?
Die Geiss will gar nicht unglücklich sein. Aber jetzt wohnt die Sau bei Frau Unglück. Wieso wohnt die Sau bei Frau Unglück? Muss die Sau jetzt Katzenbrötchen fressen? Was frisst eine Sau?
Hihi, jetzt ist die Socke rot. Und ganz viele Mücken. Die sind ja rot. Das ist lustig. Mücken nerven. Die Katze hat ein lustiges Auge. Schau, das kann ich auch (längere Pause in der Kurzer übt, nur ein Auge zu öffnen und das andere geschlossen zu halten).
Jetzt ist die Katze zum Herr Glück gegangen. Die mag sicher mit der roten Katze spielen. Wieso versteckt sich Frau Unglück? Die Regenwolke hat aufgehört zu regnen.
Frau Unglück will die Sämlein einfangen. Gelt, Mama, das kann man gar nicht. Die Geiss frisst sowieso alles. Ist Frau Unglück jetzt traurig?
Jetzt schläft er im Liegestuhl! Das ist lustig.
Was macht sie jetzt? Muss sie Haare schneiden? Die rote Mücke nervt.
Frau Unglück hat keine Brille mehr. Wo ist jetzt die Schere? Ist die Blume jetzt da?“

Fazit

Mein Fazit: Ein Buch, das wir gerne wieder anschauen, erzählen, vorlesen werden! Auch wenn es kein typisches Kinderthema behandelt, empfehle ich es guten Gewissens weiter.

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Antonie Schneider, Susanne Straßer: Herr Glück und Frau Unglück
Gebunden
32 Seiten
Format: 29,0 x 23,2 cm
Ab 4 Jahren
ISBN: 978-3-522-43679-3
Februar 2013 bei Thienemann

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Danke für die Rettung des deutschsprachigen Kinderkulturgutes

(Hinweis: dieses Posting enthält Links zu kommerziellen Buchhandlungen, ich habe nicht alle einzeln als Werbelinks markiert)

Die kleine Hexe

Die kleine Hexe

Seit der Thienemann Verlag Anfang Januar 2013 darüber informierte, dass im Frühsommer eine sprachlich modernisierte, überarbeitete Ausgabe von Ottfried Preußlers “Die kleine Hexe” auf den Markt kommt, laufen Feuilleton und Blogsphäre Sturm. Das Kredo: Thienemann beuge sich der “PC” und veröffentliche neuerdings Bücher in “Neusprech”, wichtiges Kulturgut ginge dabei verloren.

Uns steht also nicht weniger als der Untergang des Abendlandes bevor. Min-dess-stens!

Die gesamte deutschsprachige Kinderliteratur wird den Bach runtergehen, denn sie gibt ihren künstlerischen Anspruch zugunsten politischer Korrektheit in vorauseilendem Kniefall vor der Linken Intelligenzia auf, wenn das Wort “Neger” nicht mehr verwendet werden darf!

Wir sprechen, versteht sich, nicht etwa von “Onkel Toms Hütte“, wo Rassismus das Thema ist oder von “Jim Knopf“, wo der Protagonist offensichtlich afrikanischer Herkunft ist (aber Textstellen, die eventuell als rassistisch aufgefasst werden könnten, bereits in den frühen 1980er Jahren von Michael Ende überarbeitet wurden, ohne dass die Welt unterging oder die Jim-Knopf-Bücher an Popularität oder künstlerischem Ausdruck verloren). Nein, es geht um “Die kleine Hexe”, präziser zwei Kapitel daraus, in denen sich Kinder für die Fastnacht verkleiden. Otfried Preußler ginge es darum, die Tradition von Fastnacht wiederzugeben – als was sich die Kinder verkleiden, sei für ihn nebensächlich und ändere auch nichts an der Geschichte. Aus diesem Grund hätten er und seine Familie Änderung vorgeschlagen, meldete der Verlag (siehe Stellungsnahme des Thienemann Verlag zur Überarbeitung der “Kleinen Hexe”)

Ein Argument ist in dieser Diskussion öfter aufgetaucht: Man könne doch, während man dem Kind vorlese, ihm gleich den historischen Kontext eines solchen Wortes erklären, was es bedeute, weshalb man es heute nicht mehr verwenden sollte usw. usf. Ja, der Gedanke ist mir selber auch durch den Kopf! Und auch der, dass das Kind während der Lektüre auch gleich noch etwas lernen könnte. Wo kämen wir denn da hin, würde es sich einfach man nur amüsieren und eine Geschichte geniessen!

Schon bei dem Gedanken stellt sich bei mir so ein diffuses Unwohlsein ein. Erst konnte ich es nicht einordnen. Ich habe hüben und drüben mehr oder weniger rationale, mehr oder weniger sinnvolle, pädagosiche, psychologische, historische und linguistische Argumente für und gegen das Wort “Neger” in Kinderbüchern gehört und gelesen. Die meisten fand ich nicht sehr überzeugend und das Unwohlsein ist geblieben.

Lesendes Kind

Lesendes Kind
(Bild: S. Hofschlaeger / pixelio.de)

Als ich heute Abend meinen dreijährigen Sohn in seinem Zimmer beobachtete, wie er auf dem Bett sass, in seinen Büchern blätterte und Musik hörte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Die schönsten Lesemomente hatte ich als Kind nicht etwa, wenn Mama vorlas, sondern wenn ich alleine in meinem Zimmer war – oft erst nach dem Zapfenstreich, unter der Bettdecke, mit der Taschenlampe – und in die Zauberwelten Otfried Preußlers oder Michael Ende, Astrid Lindgren oder Tove Jansson, Selma Lagerlöf oder Ursula M. Williams versank, dann war ich weg. Nicht mehr von dieser Welt sondern wahlweise in Schweden, in Lummerland und Mandala (das damals noch “China” hiess) oder im Mumintal. Historisch-kritische Fussnoten hätte ich wohl nicht mal wahrgenommen, geschweige denn hätten sie mich interessiert.

Gönnen wir doch unsere Kindern diese magischen Momente! Die Schule kommt noch früh genug!

Ich wünsche mir Bücher für meinen Sohn, die er selber lesen kann und Geschichten, in die er versinken darf, ohne dass ich daneben sitze und mit erhobenem Zeigefinger erkläre, dass gewisse Wörter im historischen Zusammenhang nicht so gemeint gewesen waren wie man heute denken würde, und dass er seine Freundinnen Rebecca und Sarah unter keinen, wirklich keinen Umständen so nennen darf, „weil man sowas heute nicht mehr sagt“. Und ich mag auch nicht erklären, weshalb die Kleine Hexe das sagen darf, aber er nicht oder wann das Wort neutral gemeint ist (ist es das jemals?) und wann es ein Schimpfwort ist.

Nein, ehrlich, das ist mir zu blöd!

Diese Art Geschichtsunterricht braucht ein Kind weder mit drei noch mit fünf, es reicht, wenn es diese Zusammenhänge und das Differenzieren später in der Schule lernt. Mit drei, vier oder fünf, dem Alter in dem das “magische Denken” eine wichtige Rolle in der Entwicklung spielt, reicht es, die Fantasie laufen zu lassen.

Heute gibt es ein riesiges Angebot an ganz tollen Kinderbüchern. Wenn ich meinem Sohn meine eigenen „besten Freunde“ nicht mehr geben kann, weil sie unmöglich und inakzeptabel geworden sind, dann ist das zwar traurig, aber es gibt zahlreiche gute Alternativen. Er wird dann einfach mit anderen „besten Freunden“ aufwachsen – aber damit könnte ich leben.

Zum Glück aber haben sich die Familie Preußler und der Thienemann Verlag dazu entschlossen, ihre Klassiker sprachlich der Moderne anzupassen und somit dafür zu sorgen, dass sie auch weiterhin gekauft und gelesen werden, anstatt dem “Struwwelpeter” und der “Struwwelliese” ins historische Exil zu folgen und fortan in einer Schublade zu vergammeln.

So werde ich sie meinem Sohn zum Lesen geben und ich werde mich mit ihm erneut an die Geschichten und an die Abende unter der Bettdecke erfreuen können. Und auf diese Weise werden diese Beiträge deutschsprachigen Kulturgutes nicht verloren gehen, sondern im Gegenteil am Leben erhalten und an die nächste Generation weitergereicht werden.

P.S. Ursprünglich wollte ich eine Linkliste mit Artikeln dieser Diskussion anfügen, habe mich dann aber dagegen entschieden. Nur den Artikel von Antje Schrupp, “Kontext. Wie Wörter zu ihrer Bedeutung kommen.” möchte ich Euch auf den Weg mitgeben.