Tag Archives: Vorlesen

Andrus Kivirähk: „Der Schiet und das Frühjahr“

Schon vor einiger Zeit – es war noch lange nicht Frühling – schickte mir der Potsdamer Verlag Willegoos das Kinderbuch „Der Schiet und das Frühjahr“ des estnischen Autoren Andrus Kivirähk zur Ansicht und Besprechung. Soviel gleich zum Voraus: Sowohl der Verlag Willegoos als auch Andrus Kivirähk und sein Buch haben mich voll und ganz überzeugt. Continue reading

Mini-Bücher Yakari (zum Vorlesen)

Vor einiger Zeit schon erhielten wir die Yakari Mini-Büchlein “Ein zu schwerer Schatz”, “Die seltsamen Besucher”, “Das Labyrinth aus Stein” und “Kleiner Rätselspass” zur Bewertung.

Titelblätter der 4 Yakari-Minibücher

Minibücher Yakari (4er Set)

Die Geschichten

In “Das Labyrinth aus Stein” verirren sich Yakari und Kleiner Donner auf der Suche nach ihren Freunden in einer Schlucht. In “Die seltsamen Besucher begegnen Yakari und seine Freundin Regenbogen ihren jeweiligen Schutzgeistern und in “Ein zu schwerer Schatz” kommt ein Flughörnchen in Not, weil es nicht von seinen Nüssen lassen will.

Das vierte Büchlein in der Reihe enthält zahlreiche Rätsel zum selber Lösen.

Was meint die Zielgruppe?

Laut dem Verlag sind die Büchlein ab vier Jahren, deshalb habe ich sie meinem vierjährigen Sohn gezeigt. Seine Begeisterung hält sich jedoch in Grenzen und zwar aus mehreren Gründen.

Die Texte sind war in kurzen Sätze und einfachen Worten gut verständlich. Dafür sind die Geschichten für Vorschulkinder recht komplex, jeweils mit mit mehr als einem Handlungsstrang. Ich habe keine anderen Vierjährigen zum Vergleich, aber Kurzer (4 Jahre und 3 Monate) hatte beim Vorlesen Mühe, der Handlung zu folgen. Nach mehrmaligem Wiederholen kennt er nun die Geschichten mehr oder weniger und schaut sich die Büchlein auch selber an.

Mein persönliches Fazit

Ich würde mir wünschen, die Geschichten wären vom Plot her etwas weniger komplex und hätten weniger handelnde Charaktere. Im “Labyrinth aus Stein” beispielsweise kommen auf nur 20 Seiten sage und schreibe neun Charaktere vor, und sogar ich als Erwachsene habe mich mehr als einmal gefragt: “Wo kommt denn der jetzt wieder her?”

Meiner Meinung nach wäre weniger mehr gewesen. Nichtsdestotrotz leben die Büchlein nun bei uns im Auto und werden von Zeit zu Zeit angeschaut.

Der “Kleine Rätselspass” überfordert Kurzen vom Schwierigkeitsgrad her, wobei ich nicht beurteilen kann, ob es an ihm oder an den Rätseln liegt. Aber ich denke, sie sind auch für ein fünfjähriges Kind noch Knacknuss genug und habe es noch weggelegt.

Christine Finke (Ihr kennt sicher ihr Blog Mama arbeitet) hat die Büchlein getextet und sie hat mich noch darauf aufmerksam gemacht, dass Kinder, die bereits mit den Yakari-Trickfilmen vertraut sind, die zahlreichen Charaktere bereits kennen würden und deshalb wahrscheinlich den Geschichten besser folgen könnten, als unser Kurzer.

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Christine Finke
Mini-Bücher Yakari 21-24 (4er Set) von Friendz@Kids und Concepts GmbH
Friendz Verlag Stuttgart
1. Auflage 2013
ISBN 978-3-944107-64-6
€ 3.80 (D)
Empfohlen ab 4 bis ungefähr 6 Jahre

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Ingrid Sissung: Der Schluckauf

Ingrid Sissung: Der Schluckauf (Bilderbuch)

Gerstenberg – der Hildesheimer Traditionsverlag, der in der Allgemeinheit vor allem für zwei Buchreihen bekannt ist: Rotraut Susanne Berners “Wimmelbücher” [Werbelink] und Eric Carles “Kleine Raupe Nimmersatt” [Werbelink], hat im vergangenen Herbst das witzige Bilderbuch Der Schluckauf der französischen Illustratorin Ingrid Sissung heraus gebracht.

Die Geschichte

Der Bär Balduin kriegt einen Schluckauf, was sein Cousin Lutz sehr amüsant findet. Gemeinsam gehen sie durch den Wald und die Tiere geben Balduin hilfreiche Ratschläge. Man kennt ja die Tricks: Luft anhalten, erschrecken, auf dem Kopf stehen, Wasser trinken… Aber nichts hilft!

Und Lutz rollt sich jedesmal am Boden vor Lachen, weil er Balduins “Glucksen” so lustig findet.

Aber am Ende ist Balduin den Schluckauf los und wer zuletzt lacht, lacht sowieso am Besten.

 

Was meint die Zielgruppe?

Lutz ist lustig. Der lacht immer. Und dann lacht Balduin auch. Aber ich habe nicht verstanden, was der Fuchs da macht.

 

Mein persönliches Fazit

Der Schluckauf ist eine witzig-freche Geschichte. Auf den ersten Blick geht es um Schadenfreude, auf den Zweiten auch um Mitgefühl und Hilfsbereitschaft. Die Tiere im Wald möchten dem armen Balduin ja gerne helfen und Lutz, tja, der lacht halt gerne…

Die Bilder sind mit schnellem Strich gezeichnet und passen tiptop zur Geschichte. Einige Details sieht man erst bei mehrfachem Durchblättern, z.B. die Vögelchen, die wir mit einer Ausnahme auf jeder Seite gefunden haben.

An einem Ort nehmen die Zeichnungen auf die Fabel vom Fuchs und vom Raben Bezug. Vielleicht gäbe es noch andere solche Hinweise auf andere Bildern, aber ich bin literarisch nicht gebildet genug, um sie zu verstehen. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich diese Art Allusionen in einem Kinderbuch, das sich an Vierjährige richtet, für überflüssig halte, jedenfalls so lange sie nicht in der Geschichte selber thematisiert werden.

Alles in allem ist Der Schluckauf aber ein Buch, das Kurzer sich gerne vorlesen lässt und Mamas Rosinenpickerei ist Kritik auf hohem Niveau. Ich behalte Ingris Sissung auf jeden Fall auf meiner Watchlist und bin schon jetzt neugierig, was von der jungen Französin als Nächstes kommt.

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Klappentext:

„Die beiden Bären Balduin und Lutz machen ein Picknick. Dummerweise hat Balduin plötzlich einen Schluckauf – und wird ihn einfach nicht wieder los. Sein Cousin Lutz findet das sehr komisch und lacht sich halb kaputt. Die anderen Waldtiere haben alle gut gemeinte Ratschläge parat, wie man so einen doofen Schluckauf wieder loswird. Aber ob Balduin trinkt, singt oder sich auf den Kopf stellt, der Schluckauf bleibt ihm treu. Erst als Lutz vor lauter Lachen stolpert und hinfällt, wendet sich das Blatt. Balduin erschrickt so sehr, dass der Schluckauf verschwindet – und sich Lutz als neues Opfer sucht! Eine vergnügliche Bärengeschichte über das Mitfühlen, die Schadenfreude und – den Schluckauf!“

Ingrid Sissung
Der Schluckauf
Gerstenberg Verlag
1. Auflage Juli 2013
ISBN 978-3-8369-5490-7
CHF 18.60/ € 12.95 (D) / € 13.40 (A)
Empfohlen ab 4 bis ungefähr 6 Jahre

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Frederick

Leo Lionni: “Frederick”

Es ist November, der Hochnebel klebt tief an den Flanken des Chaumonts und sieht aus, als würden wir in den nächsten Wochen die Sonne nicht zu Gesicht bekommen. Genau das richtige Wetter also, um auf dem Sofa unter der Faserpelzdecke zu kuscheln, Duftlämpchen aufzustellen und Bilderbücher zu erzählen. Allen voran natürlich, passend zur Jahreszeit und zum Wetter, die Geschichte von Frederick, der Maus. Continue reading

Müssen wir? Eine kleine Klogeschichte

Müssen wir? (Bilderbuch)

Die kleine Klogeschichte „Müssen wir?“ von Anja Fröhlich (Text) und Gergely Kiss (Illustrationen), ursprünglich beim Oetinger Verlag erschienen, ist in der Taschenbuch-Reihe Minimax von Beltz & Gelberg neu aufgelegt worden.

Die Geschichte

Der Förster hat die Nase voll: Im Wald stinkt es und sein Hund, Hektor, hat ständig Kot an den Pfoten. Deshalb stellt er am Waldrand eines dieser blauen Klohäuschen auf.

Die Tiere des Waldes finden das zwar nicht so gut, aber sie gehen trotzdem eines nach dem anderen aufs Klo. Jedes hat so seine Probleme damit, aber keiner würde das vor den anderen zugeben. Schliesslich ist man ja jetzt zivilisiert.

Herr Dr. Grunzer, das Wildschwein, hat am Ende die rettende Idee. Aber die mag ich hier nicht verraten.

Was meint die Zielgruppe?

In dem Alter, in dem Kurzer sich befindet (3¾ jährig) findet er natürlich alles lustig, was mit Pipi und Kacka zu tun hat. Aber Tiere, die versuchen, aufs WC zu gehen, das toppt alles.

“So was gibt es gar nicht. Der Förster ist dumm. Tiere gehen gar nicht aufs Klo. Nur die Katzen. Die gehen aufs Katzenkistchen. Aber im Wald ist keine Katze.”

Hektors Gummistiefel geben Kurzem ebenfalls zu denken: Hunde haben nämlich vier Füsse und da braucht er zwei und nochmal zwei Schuhe. Und er – also Kurzer – er hätte also nicht rosa Stiefel mit Blümchen ausgewählt, sondern vielleicht rote mit McQueen oder einem Traktor drauf. Aber der Hund kann natürlich auf einem richtigen Traktor mitfahren, da braucht er vielleicht keine Gummistiefel mit Traktor.

Am Lustigsten findet Kurzer übrigens das Bild, wo das Füchslein aus dem Klo kommt und mit blauem Schwanz an den anderen vorbei stolziert, die alle am Pipi zurückhalten sind.

Herr Dr. Grunzer hat schnell in unsere interne Familiensprache Eingang gefunden. Wenn irgendwo eine Schweinerei herrscht heisst es sofort: Hier hat Herr Dr. Grunzer gegessen!

 

Das Fazit von uns Eltern

Geschichte und Bilder sind köstlich und passen wunderbar zusammen.

Gergely hat einen feinen Strich und stellt Mimik und Gestik der vermenschlichten Tiere äusserst witzig und gelungen dar.

Alle Tiere haben passende Namen, ausser dem Fuchs, der heisst nur „Füchslein“, was ich persönlich störend fand. Aber das ist Rosinenpickerei.

Grundsätzlich mag ich lieber Hardcover und das grosse Format, vor allem bei Bilderbüchern wo die Zeichnungen ja den grössten Teil ausmachen. Das „Minimax“-Format finde ich aber im Vergleich beispielsweise zu Pixi ganz praktisch: Es ist noch gross genug, dass auch die feineren Details der Zeichnungen zur Geltung kommen, aber klein genug, um es im Schwimmbad-Rucksack oder meiner Handtasche verstauen und mitnehmen zu können. Nur für den Fall, dass man irgendwo aufs Klo müsste und etwas zu Lesen bräuchte…

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Klappentext:

„Der Förster möchte es gern sauber im Wald haben und stellt ein Klo auf die Wiese: Von nun an soll jedes Tier sein Geschäft hier verrichten. Wildschwein, Hase, Bär und Eule geben sich redliche Mühe, aber jeder steht vor einer anderen Schwierigkeit…“

Anja Fröhlich (Text) / Gergely Kiss (Idee und Illustrationen)
Müssen wir? Eine kleine Klogeschichte
Beltz & Gelberg, Reihe „Minimax“, broschiert
August 2013
Empfohlen ab 4 Jahren

Leseprobe auf der Seite des Verlags: Müssen Wir?Webseite von Anja Fröhlich: http://www.anja-froehlich.de/

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Kästners unheile Kinderwelt

(Hinweis: dieses Posting enthält Links zu kommerziellen Buchhandlungen, ich habe nicht alle einzeln als Werbelinks markiert)

Christine Finke alias Mama arbeitet, hat in ihrem heutigen Blogbeitrag darauf hingewiesen, dass es kaum Kinderbücher über getrennte Eltern oder andere Familienkonstellationen, als Mama-Papa-Kind gäbe.
Ihr geantwortet hat Frau Kreis von quadratimkreis, mit einer Liste von ausgewählten Kinderbüchern und der Frage “Wie heil muss die (Kinder)welt sein?

Astrid Lindgren: Die Brüder Löwenherz

Astrid Lindgren: Die Brüder Löwenherz

Gerade bei Astrid Lindgren, deren Geschichten von wunderbaren Freigeistern nur so wimmeln, gibt es mitnichten nur “Heile-Welt-Themen”: Da gibt es schlecht behandelte Waisen- und Pflegekinder (Mio, mein Mio), Krankheit und Tod (Die Brüder Löwenherz) oder Vernachlässigung (Pippi Langstrumpf, die nicht nur mutterlos ist, sondern für ihren Vater gleich auch noch die Verantwortung übernehmen muss). Da sehe ich alles andere, als eine heile Kinderwelt!

Heidi

Johanna Spyri: Heidi

Auch Johanna Spyri, die Klassikerin unter den Schweizer Kinderbuchautoren, beschreibt in Heidi und anderen Werken das harte Alltagsleben Schweizer Kinder der bäuerlichen und städtischen Unterschichten. Heidi wird nach dem Tod ihrer Mutter von ihrer Patentante, die sich nur widerwillig um sie kümmert und die selber in Teufels Küche käme, würde sie ein Kind zu ihrer Dienststelle im fernen Frankfurt mitnehmen, beim eigenbrötlerischen Grossvater abgeliefert, später Knall auf Fall wieder dort abgeholt und als Mägdlein nach Frankfurt geschleppt, wo sie fremden Leuten zu Diensten sein muss, vor Heimweh fast umkommt und schliesslich – Happy End muss sein! – wieder in ihr neues Zuhause beim Grossvater zurückkehren darf.

Der klassische Autor bei der “Alleinerziehenden-Kinderliteratur” ist jedoch Erich Kästner. Viele seiner Heldinnen und Helden leben mit einer alleinerziehenden Mutter (Emil, Anton, …).

Erich Kästner: Emil und die Detektive

Erich Kästner: Emil und die Detektive

Emils Mutter aus “Emil und die Detektive” ist Witwe. In “Emil und die drei Zwillinge” will sie sich nur Emil zuliebe wieder verheiraten und stürzt im Glauben, durch die ungewollte Heirat mit einem ungeliebten Mann ihrem Sohn einen Vater geben zu müssen, fast die Familie ins Unglück. Denn gleichzeitig stimmt Emil im Glauben, seine Mutter würde den Mann lieben, in die Heirat zu.

In “Das doppelte Lottchen” ist Scheidung und Trennung von Geschwistern das grosse Thema. Auch wenn die Geschichte ein Happy End hat, so wird den kleinen Leserinnen und Lesern nicht viel von den Ängsten, der Wut, der Unsicherheit erspart.

Anton, der Held aus “Pünktchen und Anton” ist ebenfalls Sohn einer allein erziehenden Mutter – die zudem schwer krank ist. Er muss neben der Schule einkaufen, kochen und geht nachts, wenn die Mutter schläft, sogar Geld verdienen.

In “Das fliegende Klassenzimmer” sind Martin Thalers Eltern zwar noch zusammen, jedoch so arm, dass ihr Sohn an Weihnachten nicht nachhause fahren kann.

Das sind nur die paar Kästnerbücher, die ich mein Eigen nennen kann. Eine heile, kuschelrosa Zuckerwattenwelt findet man darin nirgends.

Kästners Bücher handeln jedoch nie von Scheidung, Waisentum, etc. und Kindern, die als passive Opfer diese Situationen erdulden müssen. Seine kleine Heldinnen und Helden bilden – ohne diese jedoch zu glorifizieren oder zu dramatisieren – die ganze Palette von Familienkonstellationen ab, die es in den 1930er Jahren so gab: Mama-Papa-Kind-Familien, arme Familien, reiche Familien, liebevolle Eltern, vernachlässigende Eltern (man denke an Pünktchens Eltern, die so sehr mit sich selber beschäftigt waren, dass sie gar nicht mitbekamen, wie Pünktchens wechselnde Kindermädchen mit ihr umsprangen), und immer wieder die allein erziehende Mutter.

Und diese Familienkonstellationen sind meistens Teil einer Geschichte, jedoch nie ihr Mittelpunkt. Im Mittelpunkt stehen Werte wie Freundschaft, Loyalität, Mut, Zivilcourage. DAS sind Kästners Hauptthemen.

Deshalb meine Empfehlung: Wiederlesen!

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