Tag Archives: Wut

Neues Schwerpunktthema: Wenn die Wut kommt

Wut ist ein Thema, das unsere Familie nun schon ein paar Jahre begleitet. Wut – wo sie herkommt, was sie anrichtet, wie man sie kontrollieren kann. Wie wütend kleine Jungs werden können, und wieso. Wie lehrt man sie, ihre Wut nicht herunterzuschlucken, aber doch zu beherrschen? Wohin mit unserer eigenen Wut, wenn sie hochkommt und innert Sekunden unsere schönsten Erziehungskonzepte mit dem Hackebeil zerhackstückselt?

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Rezension: Bücher über Wut | Vereinbarkeitsblog

ErikaWittlieb / Pixabay

Ich sitze schon seit über einem Jahr an dem Thema “Wut” und komme mit meinen Recherchen einfach zu keinem Ende, so weitläufig ist es. Deshalb hier wenigstens schon mal der Hinweis auf drei gute Bücher zu dem Thema, besprochen von Uta auf dem Vereinbarkeitsblog:

Wut ist ein starkes Gefühl und gerade wenn wir Kinder haben, werden wir immer wieder auf unterschiedlichste Art und Weise damit konfrontiert. Die Wut unserer Kinder kann uns erschrecken, aber auch selber wütend machen. Meine eigene Wut ist ein Thema, mit dem ich mich beschäftigen möchte. [weiterlesen beim Vereinbarkeitsblog…..]

 

 

Plädoyer für elterliche Weiterbildung und gegen das Bauchgefühl

Seit mein Sohn auf der Welt ist und ich mich öfter mal mit Eltern über Erziehungs- und Kinderthemen unterhalte, heisst es immer mal wieder, als Mutter, als Eltern, solle man sich auf sein Bauchgefühl verlassen, dann würde man schon das Richtige tun. Ich habe diese Aussage eigentlich nie hinterfragt. Bis auf heute. Continue reading

Knut hat Wut

Knut hat Wut (Bilderbuch)

Da es Kurzens Wutanfälle bis heute in sich haben und wir bisher noch keine befriedigende Coping-Strategie gefunden haben, schaue ich mir gerne Bücher an, die Hilfe versprechen. So wie „Knut hat Wut“ von Edith Schreiber-Wicke, illustriert von Carola Holland, aus dem Thienemann Verlag. Der Klappentext tönte schon mal viel versprechend: Continue reading

Erziehungspersonen als Vorbilder in Sachen Konfliktfähigkeit

Kalte Dusche von Georgios Jakobides

“Kalte Dusche” von Georgios Jakobides, um 1898: Diese Grossmutter fürchtet nicht, durch ihr Handeln die Liebe ihres Enkels zu verlieren.

Neulich sass ich gemütlich auf dem Bänklein beim Spielplatz und genoss es, meinem Sohn beim Spielen zuzuschauen. Es war ein friedlicher Tag, und genug wenig los, um die Gedanken schweifen zu lassen.

Da drangen Worte an mein Ohr:

“Da würde aber dein Papa sehr traurig, wenn Du mir nicht gehorchen würdest!”

“Hä?” dachte ich. “Was soll denn das?”

Eine Oma sprach eher erfolglos auf ihren Enkel ein, damit er vom Spielturm runter und mit ihr nachhause käme.

Zwei Fragen gingen mir durch den Kopf, als ich das hörte:
Wieso macht die Frau das Kind für die Gefühle des (abwesenden!) Vaters verantwortlich? Und weshalb erpresst sie den Buben mit den (vermeintlichen) Gefühlen des Vaters?

Kinder wollen ihren erwachsenen Bezugspersonen gefallen, oder wie Jesper Juul sagen würde: Sie kooperieren. Das ist der Grund, weshalb die “Argumentation” mit den Gefühlen des Vaters kurzfristig auch gut zu funktionieren scheint. Welches Kind, das seinen Vater vergöttert, will diesen schon traurig machen oder enttäuschen?

Aber selbstverständlich ist emotionale Erpressung eine Gewaltform unter anderen. Das Kind wird dabei von einem Erwachsenen in eine Situation hinein manöveriert, die es weder selber verursacht hat, noch selber bereinigen kann. Die einzige Lösung für das Kind heisst in so einer Situation dann auch folgerichtig: Sich fügen, unter Umständen auch wider besseren Wissens oder entgegen seinem eigenen Urteilsvermögen.

Die Situation ist also dem Kind gegenüber extrem unfair. Gleichzeitig aber auch gegenüber dem abwesenden Vater: Wir wissen nämlich nicht, welche Emotionen dieser denn nun wirklich hätte: Wäre er tatsächlich traurig, wenn das Kind nicht sofort gehorchte? Unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher wäre doch, dass er entweder wütend würde, oder aber amüsiert das Kind noch einmal, noch ein einziges Mal, und wirklich noch ein allerletztes Mal rutschen liesse.

Weshalb also benutzt die Oma eine Strategie, die beiden ihre Selbstbestimmung verletzt, um ihre eigenen Wünsche durchzusetzen?

Ich denke, ihr Hauptgrund ist der Wunsch, geliebt zu werden und der Wunsch zu vermeiden, dass ihr Enkel auf sie wütend wird. Die Frau vertraut nicht darauf, dass ihr Enkel sie auch dann liebt, wenn sie eine unpopuläre Entscheidung trifft.
Also überträgt sie ihren eigenen Wunsch, den Spielplatz zu verlassen, auf den Vater des Kindes und ist auf diese Weise dem Kind gegenüber “fein raus”. Nur sind die meisten kleinen Kinder natürlich noch feinfühlig genug, um den Betrug dahinter zu bemerken und entsprechend trotzig zu reagieren.

Selbstbestimmtes Handeln, Konfliktfähigkeit und Eigenverantwortung übernehmen sehen anders aus. Und dies alles möchten wir unseren Kindern natürlich beibringen, weil sie es auf ihrem Lebensweg benötigen werden. Dazu benötigen sie aber Vorbilder, Erziehungsberechtigte, Erwachsene, die nicht nur Entscheidungen treffen, sondern auch den Mut aufbringen, dazu zu stehen und die Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Zu einer Entscheidung stehen bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, sie mit aller Gewalt – körperlich der psychisch – durchzusetzen. Sondern sich hinzustellen und dem Kind gegenüber zu sagen: “Ich möchte das so haben”, den Protest auszuhalten, unter Umständen bei grösseren Kindern auch, sie mit Argumenten zu untermauern, Kompromisse auszuhandeln, Fehlentscheidungen zu revidieren, sich zu entschuldigen, Fehler zuzugeben.

Das ist gar nicht so einfach. Denn dazu muss man erst einmal wissen, was man selber will und dann muss man es formulieren. Das braucht mehr Mut, als man meinen könnte. Wenn man damit anfängt, kann es natürlich passieren, dass man sich bei seinem Kind für einen kurzen Moment lang unbeliebt macht. Damit haben viele so ihre Mühe. Also greifen sie, um ein ehrliches “ich will das so haben” zu vermeiden, auf indirekte Pseudoargumente zurück.

Die Frage ist einmal mehr: Ist es das, was wir unseren Kindern beibringen möchten? Ausflüchte und Ausreden, statt hinzustehen und seine Meinung, seinen Standpunkt offen zu vertreten?