Campen gegen Schlafprobleme

In diesem Artikel aus dem Jahr 2013 beschrieb ich für die kasseler Onlineplattform lokalo24.de eine einfache Methode, die nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Säuglinge hilfreich sein könnte, wenn sie Mühe mit dem Schlafen haben.



Campen gegen Schlafprobleme

Text: Katharina Bleuer

Babys und Kleinkinder durchlaufen immer wieder Phasen, in denen sie
abends nicht müde werden und die Nacht zum Tag machen. Neuere
Untersuchungen des Instituts für Schlaf- und Chronobiologie der
Universität Boulder, Colorado, zum Tag- und Nachtrhythmus junger
Erwachsener könnten für die Eltern dieser Kinder hilfreich sein.

Wie entsteht der Tag-Nacht-Rhythmus?

Wenn am Abend das Licht weniger wird, steigt das Hormon Melatonin im Körper an. Der Mensch wird müde und geht schlafen. Im Laufe der Nacht sinkt das Hormon im Blut langsam ab und erreicht am Morgen, gegen Sonnenaufgang, seinen Tiefststand. Der Mensch erwacht ausgeruht. Soweit die Theorie.In der Praxis sind jedoch viele Menschen am Abend zwar müde, haben aber keinen Schlaf und hängen deshalb bis in die Puppen am Bildschirm – und kommen am Morgen, wenn der Wecker klingelt, nicht in die Gänge.

Woher kommt das?

Dieser Frage sind die Forschenden rund um Kenneth Wright und James Wyatt nachgegangen und haben dabei herausgefunden, dass unsere innere Uhr unter dem Einfluss elektrischer Lichtquellen und elektronischer Geräte in Bezug auf den natürlichen Tag- und Nachtrhythmus etwa zwei Stunden nachgeht ( Kenneth Wright Jr. Ph.D.; James Wyatt, Ph.D.; Jordan Josephson, M.D.: Entrainment of the Human Circadian Clock to the Natural Light-Dark Cycle, New York City; Aug. 1, 2013)

Es ist also keine faule Ausrede: Abends werden Büromenschen tatsächlich nicht richtig müde und am Morgen, wenn der Wecker klingelt, haben sie noch Melatonin im Blut. Der Körper ist also biologisch gesehen immer noch auf „Nacht“ eingestellt, obwohl die Sonne bereits aufgegangen ist.

Das kann man zum Glück korrigieren: Bereits nach einer Woche
Aufenthalt in der Natur, ohne elektrisches Licht oder Geräte, stellt
sich die innere Uhr des Menschen wieder auf den natürlichen Rhythmus
ein. Dann mögen plötzlich auch Menschen vom Typ „Eule“ kurz nach
Sonnenaufgang erfrischt aus dem Zelt hüpfen. Auch die Qualität des
Schlafes verbessert sich messbar, wenn der Rhythmus des Menschen sich
auf den natürlichen Rhythmus eingependelt hat.

Was bedeuten diese Resultate in Bezug auf Säuglinge und Kleinkinder?

Was für Erwachsene gilt, trifft erst recht bei kleinen Kindern zu,
die ihren Rhythmus „noch nicht gefunden haben“. Sie sind noch viel
anfälliger auf Schwankungen und Störungen in ihrem biochemischen
Haushalt. Erstmals in der Geschichte der Menschheit sind die heutigen
Babys einer solchen Menge an elektrischen und elektronischen Reizen
ausgesetzt. Kein Wunder also, dass manche Babys und Kleinkinder schlecht
ein- und unruhig durchschlafen, unausgeruht sind, viel weinen, und
trotz Müdigkeit keine Ruhe finden können.

Diesen Babys und Kindern könnte ein längerer Aufenthalt in der freien
Natur – beispielsweise beim mehrtägigen Campingausflug – helfen, ihren
Rhythmus wieder zu finden und zur Ruhe zu kommen. Viel Sauerstoff und
das Einpendeln der inneren Uhr auf den natürlichen Tag-Nacht-Zyklus,
ohne elektrische und andere künstliche Reize, wird dem Kind auf jeden
Fall zu mehr und besserem Schlaf verhelfen.

Man kann ja nicht einfach mal so für eine Woche im Wald verschwinden

Natürlich ist es nicht immer möglich, bei jeder kleinen Schlafstörung gleich zu einem mehrwöchigen Campingurlaub aufzubrechen.

Aber ein paar Tricks kann man auch dann anwenden, wenn kein Urlaub ansteht:

  • so viel (Tages-)Zeit wie möglich draußen verbringen
  • Tagesschläfchen mit offenen Jalousien / Fensterläden
  • auch nachts mit offenen Jalousien / Fensterläden schlafen
  • abends das elektrische Licht weglassen, so weit wie möglich abdämpfen oder Kerzen benutzen
  • das Baby oder Kleinkind bereits tagsüber, aber vor allem in den
    Abendstunden so wenig wie möglich elektromagnetischer Strahlung von
    Handys, Schnurlostelefonen, W-Lan und Bildschirmen aussetzen

Weitere Artikel zum Thema Schlafen



Literatur

Kenneth Wright Jr. Ph.D.; James Wyatt, Ph.D.; Jordan Josephson, M.D.: Entrainment of the Human Circadian Clock to the Natural Light-Dark Cycle, New York City; Aug. 1, 2013, Current Biology, online
http://www.cell.com/current-biology/abstract/S0960-9822%2813%2900764-1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

zwei × zwei =