schlafen im familienbett, co-sleeping

SIDS Risiko im Familienbett

Im Sommer 2013 schreckten die Resultate einer neuen Metastudie aus England weltweit Eltern auf, die gemeinsam mit ihren Kindern im Familienbett schlafen. In diesem Artikel für die kasseler Online-Plattform lokalo24.de habe ich beschrieben, unter welchen Umständen das Schlafen im Familienbett für das Baby gefährlich bzw. sicher ist.

SIDS Risiko im Familienbett

von Katharina Bleuer

Immer mehr Familien in Deutschland geniessen die Vorteile, die durch das gemeinsame Schlafen mit einem Säugling im Familienbett entstehen können. Gerade wenn die Eltern erwerbstätig sind und ihre Kinder nicht ganztags selber betreuen, ist „Co-Sleeping“ eine Möglichkeit, Nähe und Vertrautheit herzustellen.

Durch die Nähe kann die Pflegeperson (Mutter oder Vater) ohne Verzögerung auf ein Bedürfnis des Babys reagieren (Stillen, Schnuller geben), so dass die Wachzeiten kurz und die Familienmitglieder morgens besser ausgeruht sind. Durch den zusätzlichen Körperkontakt und die Anwesenheit der Eltern fürchtet sich das Kind nicht im Dunkeln und kann viel eher wieder selbstständig einschlafen, als wenn es alleine im eigenen Zimmer wäre.

Zudem hat der US-amerikanische Schlafforscher James J. McKenna festgestellt, dass Säuglinge, die bei ihren Eltern schlafen, weniger gefährdet sind, dem plötzlichen Kindstod (SIDS) zu erliegen.

Im Frühjahr 2013 veröffentlichte jedoch sein Kollege, Robert Carpenter, eine Forschungsarbeit, die genau das Gegenteil herausgefunden haben will: Das gemeinsame Schlafen im Elternbett würde das Risiko, an plötzlichem Säuglingstod zu sterben, erhöhen. Die Meldung ging um die Welt und verunsicherte zahlreiche Eltern. Dürfen sie weiterhin gemeinsam mit ihren Säuglingen schlafen oder riskieren sie damit deren Leben?

Kritik anderer Forscher an Carpenters Resultaten

Namhafte Wissenschaftler, Schlafforscher und Kinderärzte haben Carpenters Methoden und Resultate scharf kritisiert. Unter anderem Herbert Renz-Polster („Kinder verstehen“) weisen darauf hin, dass Carpenters Daten veraltet sind. Sie bemängeln die verwendeten Definitionen, die unbrauchbar seien, weil sie neuere Erkenntnisse der SIDS-Forschung – insbesondere zum Stillen und zur Schlafumgebung – ausblendeten.

Renz-Polster hat in seiner Antwort an Carpenter dessen Berechnungen auf die jährlichen Todesfälle von Säuglingen in Deutschland hochgerechnet und kam dabei zu folgendem Schluss:

„Es mag tatsächlich Fälle geben, in denen SIDS bei einem voll gestillten Kind auftritt, dessen Eltern alles richtig gemacht haben. Wie häufig diese Fälle genau sind, und ob sie ursächlich überhaupt etwas mit dem Schlafort zu tun haben, kann die Wissenschaft nicht sicher beantworten. Auf jeden Fall aber sind diese Fälle Raritäten“

(H. Renz-Polster, „Antwort an Carpenter et al“, S. 3)

Es gibt für gemeinsam schlafende Familien also weiterhin keinen Grund, ihre Babys ins eigene Zimmer zu verbannen. Weltweit schlafen Millionen von Menschen gemeinsam und genießen die Nähe ohne Angst.

Faktoren, die gegen das Schlafen im Familienbett sprechen

Der grösste Risikofaktor, darin sind sie alle Forschenden einig, ist das elterliche Rauchen und der Konsum von Alkohol, Drogen oder bestimmten Medikamenten. Wenn Sie darauf nicht verzichten möchten, verzichten Sie besser darauf, gemeinsam mit Ihrem Kind in einem Bett zu schlafen.

Weitere Risiken bestehen bei Frühgeborenen und Säuglingen mit gesundheitlichen Problemen (bsp. Atemnotsyndrom bei der Geburt oder nach einem ALTE). Gesundheitlich angeschlagene Babys schlafen gesünder und risikofreier im Balkon- oder Beistellbettchen direkt neben dem Elternbett.

Eine sichere Schlafumgebung ist auch im Familienbett möglich

So können Sie Ihr Familienbett sicher machen:

  • schützen Sie Ihr Kind vor Nikotin und Rauch
  • lassen Sie es auf dem Rücken schlafen
  • ziehen Sie Ihr Baby so an, dass es warm aber nicht heiss hat
  • ein geregelter Tagesablauf hilft, Stress zu vermeiden
  • stillen Sie wenn möglich
  • pflegen Sie viel Körperkontakt, tragen Sie Ihr Baby oder kuscheln Sie viel mit ihm
  • lassen Sie Ihr Baby in Ihrer Nähe sein
  • lassen Sie es nicht über längere Zeit alleine weinen
  • lassen Sie die empfohlenen kinderärztlichen Untersuchungen machen, damit gesundheitliche Probleme möglichst früh entdeckt werden können

Daneben gibt es noch ein paar Sicherheitshinweise, die sich auf den Schlafraum und das Bett beziehen:

  • die Umgebungstemperatur sollte 18° Celsius nicht überschreiten um einen Hitzestau zu vermeiden
  • Schlafzimmer und Bettzeug sollten täglich gut gelüftet werden
  • die Matratze / Unterlage sollte möglichst hart und schadstofffrei sein, kein Wasserbett, kein Bettsofa
  • das Kind sollte in einem Schlafsack schlafen und nicht mit Decken oder Federbetten gedeckt sein
  • es dürfen sich keine Gegenstände, Kissen, Lagerungshörnchen, Plüschtiere etc. in greifbarer Nähe des Babys befinden
  • auch Spieluhren müssen sich ausser Reichweite des Kindes befinden
  • das Baby muss genügend Raum haben, um sich drehen zu können
  • bei Beistellbetten/Balkonbetten muss darauf geachtet werden, dass keine Lücke oder Spalte zwischen dem Elternbett und der Matratze des Kindes entsteht, auch nicht zwischen Babymatratze und Wand
  • das Baby sollte immer auf der Aussenseite schlafen, nur neben der verantwortlichen Pflegeperson (wenn Sie stillen ist dies meist die Mutter, nichts spricht jedoch dagegen, dass der Vater diese Aufgabe übernimmt)
  • Geschwisterkinder gehören während des ganzen ersten Lebensjahres auf die andere Seite des Bettes und nicht neben den Säugling!

Wir wünschen Ihnen einen guten Schlaf im Familienbett!

Quellenangaben:

  • Sibylle Lüpold: „Ich will bei euch schlafen!“, Urania Verlag Freiburg, 2013 (bei Amazon kaufen)
  • Herbert Renz-Polster und Nora Imlau: „Schlaf gut, Baby!“, GU Verlag, 2016 (bei Amazon kaufen)

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