Rezept: Gefüllte Dings Neuenburger Art

Man soll ja auch neue Sachen ausprobieren und so dachte ich mir, ich mache mal einen Blogartikel mit einem Kochrezept. Ich bin nämlich gerade dabei, ein wundervolles Kochbuch (Affiliate-Link) durchzutesten. Ein einfaches, simples Buch, ohne Bilder, sondern nur mit Buchstaben. Auf dass die Köchin auch ihre Fantasie walten lassen kann und sich nicht an der Perfektion professionell gekochter Speisen und ihrer von Profis fotografierten Präsentation messen muss.

Denn ich bin nämlich von der beruflichen Kompetenz der Autorinnen und Autoren meiner neunundzig Kochbücher Lichtjahre entfernt und so appetittlich wie dort sieht mein Gekochtes im Lieben nie aus. Ich finde das frustrierend und es verleidet mir regelmässig die Lust am Ausprobieren neuer Speisen. Deshalb koche ich lieber aus Büchern mit ohne Bilder. So, jetzt wisst ihr Bescheid.

Kommen wir also zum Wesentlichen: Etwas Saisonales mit Lauch, Neuenburger Saucisson, Tomme, Teig und sonst noch so ein paar Dingen. Realistisch beschrieben und realistisch fotografiert. Wer es sich nicht anschauen mag, soll halt nach Pinterest rüber machen, dort sieht’s schöner aus, als hier.

Feuilletés du terroir et leur garniture – Gefüllte Blätterteigsterne Neuenburger Art

Zutaten:

  • 1 Neuenburger Saucisson; kein Waadtländer, die sind zu fettig! Die besten Saucisson findet man meiner Meinung nach bei Schwarz oder Montadon
  • 1 Neuenburger Tomme (oder was du halt grad für Weichkäse im Kühlschrank hast, wir wollen mal nicht so sein)
  • 1 Lauch (ein richtiger, erwachsener Lauch mit dunkelgrünen Blättern, nicht diese faden kleinen hellweissen Dinger)
  • 1/2 Zwiebel
  • 1 EL Butter oder Margarine oder Öl oder sonst was Fettiges
  • 1 TL Mehl
  • 1/2 dl Weisswein (ich habe Merlot genommen weil ich grad keinen Weissen im Haus hatte)
  • Salz
  • Pfeffer
  • 1 viereckiger Blätterteig (in Ermangelung eines Solchen habe ich normalen Kuchenteig genommen)
  • Eigelb

Wie gesagt, das war eher so ein spontaner Einfall, bzw. hatte ich es schon vor, aber keinen Einkaufszettel geschrieben und als ich dann im Laden stand, konnte ich mich nur noch an die Saucisson und den Lauch erinnern.

Am Vorabend habe ich die Saucisson gekocht. Also sie für eine Stunde in knapp nicht kochendem Wasser sieden gelassen, so wie sich das gehört. Wenn das Wasser sprudelt, dann platzt sie und füllt sich mit Wasser und wird dann völlig fade. Aber das wisst ihr ja schon.

Dann eine Nacht darüber schlafen, derweil die Wurst abkühlen lassen, aber bitte nicht dort, wo unter Umständen pelzige Mitbewohner sich daran gütlich tun könnten.


Am nächsten Tag den Lauch waschen und in Rädchen schneiden. Zusammen mit der gehackten halben Zwiebel in der Butter oder was auch immer andünsten. 5 Minuten ziehen lassen.

Mit Mehl überstreuen und dem Weisswein ablöschen. Wie gesagt, ich habe Merlot genommen, das ging auch, aber die Füllung bekam dadurch eine abartig grausige Farbe.

Mit Salz und Pfeffer nachwürzen.

Jetzt müsste man eigentlich aus dem Blätterteig 12cm grosse Sterne ausstechen. Aber wer hat schon einen 12cm grossen Sternausstecher? Überhaupt würd dabei mehr Teigabfall entstehen, als ich guten Gewissens schnausen könnte. Also habe ich einfach Vierecke gemacht. Riesenravioli sozusagen. Weil Vierecke langweilig sind, zeige ich euch hier lieber die gekochte Wurst.

Aber jetzt wird’s interessant, denn nun wird die Füllung auf die Sterne oder was auch immer ihr als Form wählt, transferiert. Zuunterst natürlich der Lauch, darauf so viele Wursträdchen wie gerade noch zu rechtfertigen sind sowie ein rechtes Stück der Tomme. Bei mir sieht der Käse etwas mickerig aus, das liegt daran, dass jemand das halbe Käslein aufgegessen hat, bevor ich es verwenden konnte.

Dann wird der Rand mit Wasser bepinselt und die zweite Teighälfte darauf geklebt. Ich hoffe, ihr seid schlauer als ich und belegt nicht alle Teigstücke mit Füllung, sondern nur die Hälfte! Dann kriegt ihr am Ende auch nicht so pampige Etwasse, sondern etwas richtig Hübsches, das ihr sogar der Schwiegermutter zeigen könntet.

Am Ende werden die Teigsterne oder was auch immer mit dem Eigelb bestrichen und bei 200 Grad für zirka 20 Minuten im Ofen goldgelb gebacken. Wer’s gerne hübsch mag, kann noch Mohnkörnchen oder so darüber streuen – meinen Männern wäre das zu suspekt, deshalb habe ich es weggelassen.

und so sah es dann am Ende aus

Auch wenn vom Ästhetischen her noch viel Luft nach oben besteht, waren meine Testesser von diesem Experiment sehr angetan und möchten diese Dings fortan mindestens einmal pro Woche auf dem Teller haben. Das wäre mir dann aber doch zu aufwendig, aber so ab und an mal… wieso auch nicht? Saisonal, regional und schmeckt fein – da spricht eigentlich nichts dagegen, oder?

Dieses und weitere feine Rezepte gibt es in dem fabelhaften Buch „Neuenburger Landfrauenküche“, erhältlich bei Amazon (wenn ihr es über diesen Link bestellt, kriege ich eine kleine Provision). Direkt bei den Landfrauen kostet es aber sehr viel weniger, deshalb würde ich den Schweizerinnen empfehlen, es dort zu kaufen.

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