Vernetzt im April 2020

April. Ich muss mein Tagebuch hervorholen um nachzusehen, was im April alles war. Die Tage sind lang und zäh wie Kaugummi, aber die Wochen verfliegen. Es ist ja schon der letzte Mai heute, und ich habe noch nicht mal die Linksammlung für April veröffentlicht… Ich mach’s trotzdem, es wäre ja schade um die ganze Arbeit und ich käme mir auch blöd vor, jetzt alles wieder zu löschen, nur weil ich hinterher bin.

Also, April. Mein Mann war wegen Kurzarbeit vormittags zuhause und nachmittags auf der Arbeit. Ich hatte Geburtstag und eine Nachbarin wollte ihr Gewächshaus wegwerfen, weil sie es in Ermangelung einer Anleitung nicht mehr aufbauen konnte. Was genau eine Superkraft von mir ist. Ich finde jede Anleitung, die jemals geschrieben wurde und jetzt habe ich ein Gewächs- und Tomatenhäuschen.

Überhaupt haben wir noch nie so viel Gemüse gegessen, wie im April. Dank wöchentlicher Gemüsekiste probiere ich ständig neue Rezepte aus und ich liebe es! Vielleicht schaffe ich noch den einen oder anderen Blogartikel dazu, sonst geht halt in meinem Flipboard-Magazin nachsehen, da habe ich die gelungenen Rezepte gesammelt.

Ansonsten fasst der Eintrag vom Abend des 29. April meinen Monat eigentlich am besten zusammen:

Eines Tages werden wir auf diese Wochen zurückschauen und sehen, was wir alles geschafft haben. Aber für den Moment erinnere ich mich nur an die Erschöpfung, an der wir alle leiden.

Lesetechnisch ertrage ich die Newstticker kaum mehr und lese deshalb im Moment aktiv nur noch die „Republik“ für die Aktualität und „Higgs“ für Neuigkeiten aus der Welt der Wissenschaft. Neben allem, was es mir sonst noch so anschwemmt…


Interessante Artikel aus dem Monat April

Ich habe die Videos von Mai Thi Nguyen-Kim (ich habe extra einen Bekannten vietnamesischer Herkunft gefragt, man sagt „Maiti Nüjenkim“) schon im letzten Jahr abonniert gehabt. Die junge Chemikerin erklärt komplizierte Zusammenhänge sehr verständlich. Diesen Frühling ist sie aus dem Mutterschaftsurlaub zurück und positionierte sich auch beim Thema Covid-19 gleich sehr pointiert im Team Wissenschaft. Wer etwas über den neuen Star am Wissenschaftshimmel erfahren möchte, dem kann ich das Interview mit Brandeins ans Herz legen: Je länger wir für die Recherche gebraucht haben, desto besser kommt es an.

In der „Sternstunde Philosophie“ vom 26.4.2020 auf SRF haben eine Philosophin, ein Soziologe, eine Kulturwissenschaftlerin und ein Wissenschaftshistoriker darüber diskutiert, was sich durch die Pandemie und den „Coronaschock“ in unserer Gesellschaft verändert hat bzw. verändern wird. Die Sendung geht eine knappe Stunde, man kann aber die wichtigsten Aussagen auch einfach im verlinkten Artikel nachlesen: Corona wie weiter? Es wird nie wieder sein, wie es mal war.

In der Republik hat Christine Lötscher ein lesenswertes Essay über die Tankstelle als „Mythos“, als „Sehnsuchtsort“, als „explosive Begegnungszone“ geschrieben. Und als „Symbol für unser Leben im Anthropozän“. 15 Minuten Lesezeit und noch ein paar Minuten mehr ,um den Artikel sacken zu lassen: Auftanken, abfackeln.

Gleich nochmal die Republik (meines Erachtens die beste Zeitung, die die Schweiz zur Zeit zu bieten hat! also überlegt euch ein Abonnement, es ist mehr als bezahlbar). Simon Schmid berichtet über „Kuznets Kurve der Umwelt“. Simon Kuznet war ein Ökonome, der als Erster einen Zusammenhang zwischen steigendem Wohlstand und sinkender sozialer Umgleichheit feststellte. Dieser Zusammenhang hat sich zwar später nicht bestätigt, aber andere Forschende erkannten dieselbe Kurve eines umgekehrten U auch bei steigendem Wohlstand und Emissionen von Treibhausgasen. Daraus entstand die beachtenswerte „Theorie des umgekehrten U“: Die Jahrhundertidee des umgekehrten U.

Johanna Diener hat in ihrer Abschlussarbeit für den Lehrgang „Wissenschaftsjournalismus“ für das Wissensmagazin Higgs einen interessanten Artikel über die soziale und psychologische Funktion der Scham geschrieben. Lesenswert! Scham ist ein Sensor, der Alarm schlägt.

Mir gefällt die Rubrik „Science Check“ im Wissensmagazin Higgs sehr gut. Sie erinnert an meine eigene Rubrik „Nachgeforscht„, die leider aus Gründen etwas eingeschlafen ist. In diesem Artikel hier geht es beispielsweise um das weltweite Insektensterben: Sterben oder nicht sterben – bei den Insekten hängt das vom Lebensraum ab.


So, das wäre alles für den Monat April. Was sich im Mai Spannendes angesammelt hat, schiebe ich gleich noch hinterher, aber in einem eigenen Artikel, sonst wird das hier zu lang.

Kommentare: