Eigentlich fülle ich diesen Fragebogen schon seit Jahren aus, aber so wie’s ausschaut, habe ich letztes Jahr wieder mal ausgesetzt. Das ist ja auch kein Wunder, 2020 war ein komisches, bizarres, schwieriges aber trotzdem ganz wunderbares Jahr. Viele meiner Lieblingsmenschen mussten jedoch grosse Verluste hinnehmen, sei es weil sie eine geliebte Person begraben musste, sei es, weil sie sich von ihrem Geschäft oder einem Lebenstraum verabschieden mussten.

2021 war ein wenig weniger wechselhaft, dafür aber länger, mühsamer, die alles durchdringenden Gefühle waren Wut und Müdigkeit („Pandemüde“ und „Pandewütend“ trifft es schön).

1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?

Ganz ok (in Anbetracht der Umstände).

2. Äusserliche Veränderungen?

Ich bin im April 50 geworden und das sieht man mir unterdessen auch an. Ein paar Falten mehr im Gesicht und meine Haare werden langsam immer heller.

Porträts bei der Arbeit im November 2021

3. Wirtschaftliche Veränderungen?

Seitdem ich 2019 unsere Finanzen, Rentenberechnungen und all das in die Hand genommen hatte, und zudem meine Firma neu ausgerichtet habe, geht es trotz den Verdienstausfällen vom Frühling 2020 stetig nach oben.

4. Berufliche Veränderungen?

Nach 20 Jahren Selbständigkeit war bei mir Ende 2019 die Luft etwas draussen und alles fühlte sich an, wie schon einmal gesehen. Deswegen habe ich Anfang 2020 meine Firma neu ausgerichtet, um insbesondere Kundschaft aus Gastronomie, Tourismus und Weinbau anzusprechen: Themen, die ich liebe und von denen ich nie genug bekommen kann.
Wie sich im März 2020 herausstellte, war die Idee nicht ganz so brillant wie gedacht, aber erstaunlicherweise hat es sich dann trotz allem in diese Richtung bewegt. Jetzt, Ende 2021 hat sich die Struktur meiner Kundschaft so verändert, dass ich wieder grosse Freude an der Arbeit habe.

5. Gesundheitliche Veränderungen?

Naja, ich bin 50, was soll ich sagen? Es zwickt und zwackt halt allenthalben.
Ich bin selbst positiv überrascht darüber, wie stabil meine psychische Gesundheit seit Beginn der Pandemie ist. Kann es sein, dass ich mit Krisen besser umgehen kann, als mit „guten Jahren“?

6. Die tiefste Einsicht

Wie unglaublich reich und privilegiert wir hier in Mitteleuropa sind, hat sich gerade in Anbetracht der Pandemie fast täglich wieder bestätigt. Auch hier im Dorf erlebte ich mehrmals, wie wertvoll es ist, Teil einer Gemeinschaft zu sein, in der gegenseitige Hilfe noch selbstverständlich ist.

7. Der hirnrissigste Plan?

Mitten in der Pandemie eine dreijährige Weiterbildung anzufangen und zu denken, ich könnte regelmässig und diszipliniert studieren.

8. Die gefährlichste Unternehmung?

Die Möglichkeiten für gefährliche Unternehmenungen sind zur Zeit relativ beschränkt.

9. Best-Of 2021

Das beste Essen: Fresh Burger’s (sic!), ein Laden, der im Nachbardorf eröffnet wurde und Burger nachause liefert. Alles frisch mit Fleisch, Gemüse und Brot aus unserem Tal. Regionaler geht nicht mehr!
Darüber hinaus gehört alles, was frisch, aber nicht selbstgekocht ist, zu meinen aktuellen Highlights. Ich habe erkannt, dass ich zwar gerne koche, aber nicht gerne jeden Tag und dass ich es geniesse, wenn ich nicht selber kochen muss.
Eine der guten Sachen, die wir aus der Pandemie mitnehmen werden, ist die Gemüsekiste, die wir alle 2 Wochen erhalten und die uns dazu animiert, neue Rezepte auszuprobieren. Darüber hinaus hat in 1 Kilometer ein Hofladen aufgemacht, der auch Fleisch vom Hof führt. Wir sind kulinarisch also sehr verwöhnt und am besten schmecken die Mahlzeiten, für die wir gemeinsam Rezepte gegoogelt und die wir dann gemeinsam zubereitet haben.

Das beeindruckenste Buch: „Die Telefonzelle am Ende der Welt“ von Laura Imai Messina (Werbelink)

Der ergreifendste Film: „Woman“ von Anastasia Mikova und Yann Arthus-Bertrand (Werbelink)

Die beste CD: „Homeless songs“ von Stepan Eicher (Werbelink)

Das schönste Konzert: Keins. Leider. Konzerte fehlen mir sehr.

Die beste TV-Serie: Immer noch Dr. Who. Ich mag die neuen Staffeln mit dem weiblichen Doctor wirklich sehr. Und Outlander. Langweilig, ich weiss. Aber da wir weder Netflix noch sonst ein Streaming-Abonnement haben – was auch so bleiben soll – wird unser Serienleben auch in Zukunft vom Fernsehprogramm abhängen.

10. In diesem Jahr zum ersten Mal getan?

Porträtfotos anfertigen lassen – einfach aus Spass an der Freude.
Aktien gekauft.

11. Nach langer Zeit wieder getan?

Nach Kroatien in den Urlaub gefahren.
Unter freiem Himmel geschlafen.

12. Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen

13. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte

Sich gegen Covid impfen zu lassen, weil mir sehr viel daran liegt, dass besagte Person am Leben und bei guter Gesundheit bleibt.

14. Schönste Geschenke

Ich verschenke gerne spontan Dinge, deshalb kann ich auch nicht sagen, welche dieser vielen kleinen Geschenke besonders gut ankam. Und ich selbst wurde dieses Jahr so reich beschenkt, dass ich mich fast nicht entscheiden kann. Und das, obwohl wir meinen 50. Geburtstag wegen Covid gar nicht feiern konnten.

Was ich wirklich, wirklich jeden Tag aufs Neue schön finde und für das ich tiefe Dankbarkeit empfinde: Dass mein Mann sich die Zeit nimmt, mir die Bialetti vorbereitet auf den Herd zu stellen, so dass ich beim Aufstehen nur noch die Platte anstellen muss. Der Gedanke, dass jemand Tag für Tag an mich denkt und mir das Aufstehen verschönern möchte, erfüllt mich mit Dankbarkeit.

15. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat

„Wir drei haben es gut“ – Egal ob der Mann oder der Sohn das äussert, ich kann es nicht oft genug hören. Wir drei haben es gut, auch wenn die Welt um uns herum in sich zusammenbricht, und so lange wir zusammen sind, können wir alles überwinden.

16. Meine Lieblingsblogs des Jahres

In den letzten zwei Jahren habe ich kaum Blogs gelesen, erst recht nicht regelmässig. Wovon ich wirklich keinen einzigen Artikel verpasst habe, ist der Covid-19-Uhr-Newsletter und die Wochenbriefings der „Die Republik“ sowie die Policy Briefs und Wissenschaftlichen Lagebeurteilungen der Swiss National Covid-19 Scientific Taskforce. Zudem folgte ich wie eine Süchtige den Twitterkonten unserer Spitzenwissenschaftler*innen Tanja Stadler, Samia Hurst, Isabelle Eckerle, Emma Hodcroft, Marcel Salathé, Dominique de Quervain, Christian Althaus und wie sie alle heissen, um an einigermassen verlässliche Informationen bezüglich Covid zu kommen.

17. 2021 war mit einem Wort

Kräftezehrend

18. Zum Vergleich: Die Fragebogen der letzten Jahre

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