Archiv der Kategorie: Feminismus

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Mental load: Frauen müssen mehr Verantwortung delegieren

Ich fand Das Nufs Artikel vom 25. August zum Thema Aufgabenteilung sehr hilfreich, aber ich hatte da schon das Gefühl, dass etwas Wesentliches fehlt. Der Artikel von Jessica Valenti „Kids don’t damage women’s careers – me do“ vom 13. September bei Medium.com hat dieses Gefühl für mich in (leider nur englische) Worte gefasst: Weiterlesen

Was bin ich diese ewige Diskussion leid

Amadis / Pixabay

Die Schweizer Demokratie, unser Föderalismus, basiert auf dem Proporzsystem. Das heisst nichts anderes, als dass jede Bevölkerungsgruppe, jede Sprachgruppe, jeder Landesteil proportional zu seiner Bevölkerungsgrösse im Parlament vertreten ist. Auch in der Regierung, dem Bundesrat, wird peinlichst darauf geachtet, dass keine Bevölkerungsgruppe benachteiligt wird.

Dieses Vorgehen verhindert zwar schnelle Reaktionen auf manche Problemstellungen, garantiert aber andererseits langfristige Stabilität und inneren Frieden, was die Hauptgründe sind, weshalb wir hier trotz der aktuellen Weltlage, und obwohl der Wind etwas kälter geworden ist, immer noch komfortabel in Wohlstand und Frieden leben dürfen. Weiterlesen

Halbe Jungen und richtige Mädchen #WasAndersWäre

Relay

Staffelübergaben (PublicDomainPictures / Pixabay)

Almut Schnerring und Sascha Verlan („Die Rosa-Hellblau-Falle“ – Werbelink) hat vor ein paar Wochen ein Blogstöckchen in den Raum geworfen, das mir einiges zu Denken gegeben hat, Die Frage lautet: Was wäre anders, wenn Du vom anderen Geschlecht wärst?

Ich habe bisher äusserst interessiert mitgelesen und nun hat Mama on the Rocks das Stöckchen an mich weitergegeben (ihr Beitrag „Ich will kein Mann sein“ enthält übrigens ganz viel typischen Mädchenkram 😉 )

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Feminismus und Mutterschaft: Kind dabei und Hände frei

Schon vor einigen Wochen rief „glücklich scheitern“ auf ihrem Blog zur Interviewreihe Feminismus und Mutterschaft auf. Obwohl die Reihe schon seit ein paar Wochen zu Ende ist, möchte ich die Fragen noch beantworten.

The Gale

Mutter und Feministin: Kind dabei und Hände frei!

Dein Name (egal ob klarname, pseudonym, blog…)

Katharina alias „Mama hat jetzt keine Zeit“.

Hast Du (eigene, adoptierte, zu pflegende…) Kind(er), möchtest Du welche, hast Du Dich bewusst dafür/dagegen entschieden, welche Voraussetzungen bräuchtest Du um Kinder bekommen zu können/wollen?

Ich darf einen leiblichen Sohn auf seinem Weg zum erwachsen Werden begleiten. Er ist ein geplantes Wunschkind, und ich bekam ihn erst mit 38 Jahren. Sein Vater und ich leben seit 1991 zusammen, und Kinder waren zwar immer mal wieder ein Thema, doch für uns stimmten die Bedingungen nie. Unser Traum wäre gewesen, gemeinsam zu arbeiten und unser(e) Kind(er) gemeinsam zu betreuuen. Sie im Geschäft bei uns zu haben, solange sie nicht zur Schule gingen oder lieber mit ihren Kumpels spielten. Wir wollten das Kind weder „wegorganisieren“, noch unser eigenes Leben für es aufgeben müssen. Die Vision war, das Kind in unser Leben zu integrieren, unser Leben mit ihm teilen zu können.

Leider wurde dann die Zeit knapp, bevor wir die Bedingungen erfüllt sahen und wir mussten uns entscheiden: Jetzt oder gar nicht.
(aber bereut haben wir die Entscheidung nicht)

Spielt der leibliche Vater eine Rolle? Oder anders: welche Rolle spielt er (für Dich/für die Kinder)?

Ja, er spielt eine grosse Rolle, sowohl als mein Lebensgefährte, als auch als Vater für den Kleinen. Er übernimmt echte Verantwortung als Vater, auch wenn rein zeitliche gesehen sein Teil an der Betreuungsarbeit kleiner ist.

Teilst Du Dir die Sorgearbeit fürs Kind mit jemandem? Wie? Und wie wäre es Dir am Liebsten?

Die Betreuungs- und Sorgearbeit teilen mein Gefährte und ich mit ganz vielen Leuten. Einerseits sind da meine Eltern, die einen Tag die Woche übernehmen. Zahlreiche Nachbar*innen und Co-Mütter im Dorf, wo der Kurze mit wachsender Autonomie ein- und ausgeht und auch mal einen Nachmittag verbringt, wenn er Lust dazu hat oder meine Arbeit als Freiberuflerin es erfordert.  Und dann wäre da noch die Kita, wo er ebenfalls einen Tag die Woche verbringt.
Wie weiter oben beschrieben wäre unser liebstes Modell gewesen, gemeinsam zu arbeiten und gemeinsam zu betreuen. Oder doch wenigstens 50/50 zu machen. Wobei das auch theoretisch ist, denn als wir uns solche Visionen erträumten, haben wir schlicht die möglichen Bedürfnisse und Wünsche des Kurzen – als eigene Person – nicht mit eingedacht. Er ist bisher ein eher schüchternes, anhängliches Kind, dass nur langsam enge Beziehungen zu „neuen“ Menschen eingeht und in grösseren Gruppen ist ihm unwohl. Aber trotzdem spielt er gerne mit anderen Kindern. Von dem her ist es genau richtig, wie es sich schliesslich ergeben hat.

Wenn Du in einer Partnerschaft lebst: Wie teilst Du Dir Lohn- und Sorgearbeit? Gab es dazu “Verhandlungen”? Was waren die Gründe für Eure Arbeitsteilung?

Nein, gross Verhandlungen gab es nicht. Grundsätzlich träumten wir denselben Traum. Und dass es dann anders kam (mein Gefährte 100% erwerbstätig, ich freiberuflich selbständig mit varialem Pensum), lag an äusseren Umständen (meinen Ex-Arbeitgeber) und unvorhergesehenen Entwicklungen (der Gesundheitszustand von Kurzem im ersten Jahr).

Was bedeutet für Dich Mutterschaft? Steht diese Bedeutung für Dich in einem Konflikt zu Deinem Feminismus-Verständnis?

Nein. Ich muss dazu aber sagen, dass sich mein Feminismusverständnis mit der Mutterschaft verändert hat. Im Vorfeld hatte ich das Biologische – oder soll ich sagen, was mit einem passiert wenn der „Tier-Teil“ streckenweise die Kontrolle über den „Kultur-Teil“ übernimmt – völlig unterschätzt.  Ich war immer (und bin es auch heute meistens noch) eine rationale Person, die viel nachdenkt, bevor sie entscheidet und noch viel mehr, bevor sie handelt. Sehr kopflastig halt. Die Hormonstürme während der Schwangerschaft und erst recht nach der Geburt haben mich dann regelrecht umgehauen. Gerade die Komplikationen während und nach der Geburt riefen in mir die Säugetiermutter wach – damit hatte ich nicht gerechnet, und hätte mir das jemand im Voraus gesagt, ich hätte es nicht geglaubt.
Und dieser Säugetieranteil kam tatsächlich mit meiner feministischen Einstellung in Konflikt, jedenfalls zu Beginn. Mit den Wochen und den Monaten hat sich einerseits der Hormonsturm gelegt, andererseits aber auch meine Selbstdefinition und Identifikation als Feministin verändert.

Was braucht es Deiner Meinung nach, um feministische Mutterschaft zu leben? Welche Rahmenbedingungen bräuchtest Du, politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, um Deine Vision vom “guten Mutter- und Feministin-Sein” leben zu können?

Ich würde „Feminismus“ in Anführungs- und Schlusszeichen setzen. Denn Feminismus, Feministin zu sein, ist ja nicht das Ziel. Das Ziel ist Selbstbestimmung. Dazu gehört für mich ökonomische Unabhängigkeit. Sobald wirtschaftliche Abhängigkeiten ins Spiel kommen, ist es mit der Selbstbestimmung dahin und schlussendlich ist es egal, ob man von einem/r Partner/in oder vom Staat abhängig ist: Man muss einen Teil seiner Selbstbestimmung aufgeben.
Deshalb halte ich die Möglichkeit, auch mit Kind mindestens ein Existenzeinkommen erarbeiten zu können, für die Conditio Sine Qua Non für echte Emanzipation. Das „wie“ sollte man jedoch den Menschen überlassen. Kitas für alle halte ich für eben so falsch wie Hausfrauenehe für alle. Also oberste staatliche Rahmenbedingung würde ich mir in erster Linie wünschen, dass der Staat aufhört, alle die individuell nach neuen Wegen ausserhalb der Hausfrauenehe suchen, Steine in den Weg zu legen oder steuerlich zu benachteiligen! Damit wäre schon viel gewonnen.

Was bedeutet Dein Feministin-Sein für die Erziehung Deines_r Kind_er? (z.B. Vorbilder suchen, was für Stereotype ans Kind herangetragen werden, Kleider-/Spielzeugwahl)

Meine „feministische“ Vorbildung hilft mir sicher, gewisse Dinge und Abläufe bewusster wahrzunehmen und/oder gezielt zu hinterfragen. Ich erziehe meinen Sohn zum Selberdenker und lehre ihn gleichzeitig Respekt gegenüber anderen Menschen und Tieren – DAS ist, was ich „feministische“ Erziehung nenne. Respektive „emanzipiert“ und „selbstbestimmt“ würden es wohl besser treffen.
Dabei gehe ich natürlich das Risiko ein, dass er auch mal anderer Meinung sein wird, als ich. Ihm jedoch meine Vorstellung von Feminismus aufzupfropfen würde meiner Vorstellung von Selbstbestimmtheit genau so wiedersprechen wie das Runterbeten von Genderstereotypen und „das macht man eben so weil alle es so machen“.

Hast Du andere Mütter in Deinem Umfeld, die was mit Feminismus anfangen können? Wo holst Du Dir Unterstützung?

In meinem Umfeld diskutiere ich selten bis nie über den theoretischen Überbau „meines“ Feminismus. Wir sind hier aber eine gute Truppe von Müttern und Vätern, die zahlreiche praktische Projekte auf die Beine stellen und im Quartier schon fast einen „Stamm“ bilden, in dem man sich gegenseitig praktisch unter die Arme greift und zusammen arbeiten.
Das geht weit über das gegenseitige Babysitten hinaus. Beispielsweise haben wir in nur sechs Monaten einen Kinderhort für die ausserschulische Betreuung auf die Beine gestellt und die nötige Finanzierung beschafft.
Und all das läuft unanbhängig der sonstigen politischen Einstellungen und sozialer Herkunft. Von altem Adel bis Lesbenkommune ist so ziemlich alles vertreten.

Daneben bin ich aber auch dankbar für all die Internetkontakte, wo ich mich Menschen mit ähnlichem Bildungsstand auch mal über allgemeinere Probleme oder politische Themen diskutieren, oder auch mal ein böses Erlebnis „abladen“ oder mitten in der Nacht Trost und Zuspruch finden kann. Was Susanne Mierau den „Internet Online-Clan“ genannt hat. Danke dafür!

Welche Bedeutung hat Erwerbsarbeit für Dich?

Ich muss da differenzieren:

Einerseits halte ich ein eigenes, existenzsicherndes Einkommen für die Grundbedingung, damit Emanzipation/Selbstbestimmung überhaupt möglich ist. Ohne eigenes Geld geht das in unserer kapitalistischen Gesellschaftsform nicht. Ob dieses Einkommen jedoch erarbeitet wurde oder es sich um ein bedingungsloses Grundeinkommen handelt, ist dabei gar nicht so wichtig.

Andererseits ist für mich eine Aktivität, im Sinne von Hanna Arends Vita Activa ebefalls sehr wichtig. Diese kann, aber muss nicht, ein Einkommen erwirtschaften. Ich selber brauche das Lernen, das Lesen, das Recherchieren und auch das Durchdenken und Aufschreiben, wie die Luft zum Atmen. Ohne könnte ich nicht.

Ich gehe davon aus, dass jeder Mensch eine solche Tätigkeit hat, die ihn ausfüllt und ihm tiefe Zufriedenheit verschafft. Für manche Mutter mag das die Beschäftigung mit dem Kind sein, für andere vielleicht ein Hobby.

Wenn „Herz-Beschäftigung“ mit Erwerbsarbeit zusammenfallen, ist es am Schönsten und ich bin meinem Gefährten sehr dankbar, dass er mir das ermöglicht, indem er die wirtschaftlich noch unrentable Anlaufszeit finanziell abpuffert. Honey, ich schulde Dir was!

Welche Konflikte/Spannungen spürst Du zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und Deinem Verständnis von Feminismus und Mutterschaft?

Mit unserer Idee, Kinderbetreuung und Erwerbsarbeit wortwörtlich zu vereinbaren und das Kind ins Arbeitsleben zu integrieren statt es davon auszuschliessen, stehen mein Partner und ich hier in unserer Wohngegend fast allein auf weiter Flur. So starb das angedachte Eltern-Kind-Büro (nach dem Vorbild des Leipziger Rockzipfels) nicht nur am galoppierenden Amtsschimmel, sondern auch an mangelndem Interesse unserer Mit-Eltern.

Was mich ebenfalls zu lang anhaltenden Wutanfällen verführt, ist die landesübliche Meinung, dass eine Mutter, die von zuhause aus arbeitet, sowieso immer Zeit für jeden Mist hat und wenn sie sich weigert, hier mitzuspielen, als schlechte Mutter taxiert wird. Ich spreche vom Geburtstagskuchen-Wettbewerb und anderen Supermum-Contests. Der Rechtfertigungsdruck („aber ich arbeite“, „ja, haha, Hausfrausein ist auch ein Hundertprozentjob“) ist unglaublich! Aber man gewöhnt sich daran und filter seine sozialen Kontakte entsprechend aus.

Wie begeistert man Mädchen (nicht) für Ingenieurswissenschaften?

Zur Zeit kursiert im Internet ein Video, auf dem drei Mädchen mit ihren pinken und rosa Spielsachen quer durch ein Haus hindurch eine Rube-Goldberg-Maschine bauen. Das Video bewirbt ein Spielzeug namens GoldieBlox:

GoldieBlox wurde für Mädchen konzipiert, da andere Konstruktionsspielsachen – die Erfinderin von GoldieBlox nennt namentlich Lego – auf die Fähigkeiten und Bedürfnisse von Jungen ausgelegt seien. Spätestens da schlägt mein Bullshitdetektor mit der Stirn auf den Arbeitstisch. AUTSCH!

„I’m creating GoldieBlox to inspire girls the way Legos and Erector [US-Handelsname von Meccano] sets have inspired boys, for over 100 years, to develop an early interest and skill set in engineering. It’s time to motivate our girls to help build our future.“ (Debbie Sterling, Erfinderin von GoldieBlox)

Dafuq?!

Es gibt absolut! keinen! Grund! weshalb Mädchen nicht mit Lego oder Meccano spielen könnten ausser dem Einen: Dass seit ein paar Jahren ständig irgend welche Leute gebetsmühlenartig runterbeten „die sind nicht für Mädchen“.

Was ist da los? Nach 1985 geborene Eltern können sich kaum vorstellen, dass es für Mädchen mal Spielsachen gab, die nicht „prinzessinnig“ daher kamen. Besser noch: Es einfach Spielzeug gab, ohne Geschlechterapartheid im Spielzeugladen und Pinkvergiftung beim Betreten der Mädchenabteilung. Für diese jungen Eltern ist die Trennung von Spielsachen so normal, dass sie tatsächlich davon überzeugt sind, der Pinkwahn sei eine biologische Notwendigkeit.

Ich bin ja sonst nicht die, die Geschichten aus dem Krieg erzählt, aber in diesem Punkt scheint es nötig zu sein: Das ist alles nur Marketing!

Natürlich gab es immer Spielsachen, die eher den Jungen oder eher den Mädchen zugedacht waren. Welche es genau waren hing von der jeweiligen Mode und den jeweiligen Stereotypen ab, an die die Gesellschaft zu dem Zeitpunkt glaubte, an dem sie produziert wurden. Die Entwicklung, die seit den 1990er Jahren stattfindet, ist aber neu in der Geschichte:

Für Mädchen gedachte Spielsachen, ca. 1970er Jahre und 2000er Jahre im Vergleich

Für Mädchen gedachte Spielsachen, ca. 1970er Jahre und 2000er Jahre im Vergleich

Arbeiten wie jene der Entwicklungspsychologin Donna Fisher-Thompson („Adult toy purchases for children: Factors affecting sex-typed toy selection“, Journal of Applied Developmental Psychology, Volume 14, Issue 3, July–September 1993, Pages 385–406) zeigen, dass Kinder mehr noch als ihre Eltern auf „Genderspielzeug“ anspringen. Während es jedoch für einen interessierten Jungen bis Ende der 1980er Jahre noch möglich war, mit einem Puppenhaus zu spielen, ist es für ihn heute praktisch unmöglich. Die „Pink Zone“ ist für Jungen tabu: Weder seine Eltern noch er selber würden sich ab einem gewissen Alter dort hinein trauen, da die sog. sozialen Kosten für Nonkonformität extrem hoch sind („Mädchensachen“ gelten nach wie vor als „minderwertig“ – dass sie es rein qualitativ und vom Gebrauchswert her tatsächlich auch sind, hilft nicht).

Zurück zur Frage: Was ist da passiert?

Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Mit Biologie hat das nichts zu tun, auch wenn man es uns heute genau das weiszumachen versucht. Vielmehr sind die Ursachen im auf Kinder abzielenden Zielgruppenmarketing zu suchen, das seit den späten 1980er Jahren eingesetzt hat. Sieht man die Entwicklung an, wurden bis dahin in der Werbung die Erwachsenen angesprochen, die das Spielzeug kaufen sollten. Mit der Ausbreitung des Fernsehens, Kinderkanals etc. wurden die Kinder selber als Zielgruppe interessant und die Werbebotschaften richteten sich fortan direkt an die Kinder.

Damit setzte ein sich selbst befruchtender Kreislauf ein. Denn im Alter von ca. 3 bis 6 Jahren sind Kinder dabei, ihre Geschlechtsidentität zu entdecken und zu festigen. Entsprechend sensibel sind sie dann auch auf sämtliche Botschaften, die darauf abzielen, wie Mädchen/Jungen sind, wofür sie sich interessieren, welche Aufgaben sie wahrnehmen, welche Tätigkeiten sie ausüben etc.

Genau in diese Altersgruppe hinein zielt die Spielzeugwerbung mit ihren geschlechtsbezogenen Botschaften. Und die Botschaft kommt an: Eltern berichten, dass bereits ihre Dreijährigen „ganz genau wissen, was sie wollen“ und richten sich bei ihren Kaufentscheidungen danach. Ein Kind wird durchschnittlich pro Jahr mit ca. 60’000 an ihns gerichteten Werbebotschaften torpediert und jede von ihnen sagt „kauf mich, ich bin für dich!“

Wer kann’s den Kurzen verübeln, wenn sie das glauben?

Legowerbung 1980er Jahre

Legowerbung 1980er Jahre

Zurück zur Herkunft der grassierenden Geschlechtersegregation bei den Spielsachen. Führende Hersteller von Spielsachen, wie beispielsweise die Firma Lego, haben gegen Ende der 1980er Jahre angefangen, ihre bis anhin für Jungen und Mädchen gleichermassen gedachten Spielwaren ausschliesslich für Jungen zu promoten. Vielleicht weil sich auch vorher meistens Jungen dafür interessierten? Schon möglich. Aber fortan wurden Mädchen ausgeschlossen. Sie kamen nicht mehr vor und die Botschaft war klar: Lego ist für Jungen (Botschaft zwischen den Linien: Mädchen, Finger weg!)

10 Jahre später dann fanden umtriebige Marketingfachleute heraus, dass sich Mädchen kaum für Lego interessierten und suchten gemeinsam mit eben so umtriebigen Produktmanagern nach Erklärungen.

Das muss man sich auf dem Bildschirm zergehen lassen: Erst sagt man den Mädchen zehn Jahre lang, Lego sei nicht für sie und dann fragt man sich, weshalb sie sich nicht für Lego interessieren!

Und siehe da: Man fand heraus, dass sich erwachsene Frauen nicht für Konstruktionen interessierten und überhaupt: Messungen ihrer Gehirne würden belegen, dass die diesbezüglichen Fähigkeiten bei erwachsenen Frauen weniger ausgebildet sind, als bei Männern gleichen Alters. Das musste der Beweis sein! Davon, dass das menschliche Gehirn nur jene Synapsen und Fähigkeiten verfestigt, die es tatsächlich benutzt, haben sie noch nie gehört.

Lego Friends: Damit sollen Mädchen für Konstruktionsspiele begeistert werden.

Lego Friends: Damit sollen Mädchen für Konstruktionsspiele begeistert werden.

„Wofür interessieren sich denn Mädchen?“ fragten sie sich also und kamen auf all die Tugenden, über die die weibliche Bevölkerung dieses Planeten verfügen soll: Kuchen backen, reden, Freundinnen treffen, noch mehr reden, noch mehr Kuchen backen. Und schon war die Idee für „Lego Friends“ und „GoldieBlox“ geboren!

Die Beweisführung ist in etwa analog zu der antifeministischen Argumentation Ende des 19. Jahrhunderts, um den Frauen den Zugang zu den Universitäten vorzuenthalten: Dass Frauen für ein Studium nicht geeignet seien, wurde damit „bewiesen“, dass keine Frauen studieren. Weil sich erwachsene Frauen grösstenteils nicht für Konstruktionen begeistern, wird kleinen Mädchen gar nicht erst Konstruktionsspielzeug angeboten, sie können also weder Interesse noch Fähigkeiten dazu trainieren.

Diese Lücke wollen nun, glaubt man den jeweiligen Marketingabteilungen, Spielsachen wie Lego Friends oder GoldieBlox, füllen und Konstruktionsspielsachen anbieten, die für Mädchen interessant sind.

GoldieBlox

GoldieBlox, Konstruktionssystem für zukünftige Ingenieurinnen

Diese Spielsachen bedienen jedoch genau so die gängigen Genderstereotypen und fördern dieselben Eigenschaften und Fähigkeiten, wie andere „typischen Mädchenspielsachen“. Die unterschwelligen Annahmen und Wertungen, die den Stereotypen zugrunde liegen, führen dann zu so absurden Auswüchsen sie diesen GoldieBlox, lila und hellgelbe Tönnchen in himmelschreiend schlechter Verarbeitung, mit denen man nach Anleitung kleine Hündchen und hübsche Bänder drehen kann. Diese Dinger haben nur einen Zweck: Zu beweisen, dass Mädchen tatsächlich den Jungen nicht das Wasser reichen können, wenn es um Bauen, Erfinden und Konstruieren geht. Stellt Euch vor, zukünftige Ingenieurinnen würden mit der Erwartung an die TUs strömen, später solchen Mist zu bauen. Was soll das? Trotz der gut gemachten Werbung ist dieses Spielsystem nur teurer, nichtsnutziger Unfug!

Ihr wollt mir nicht glauben, dass der lila Plastikmüll nur so von Stereotypen strotzt?   O-Ton von Debbie Sterling, der Erfinderin von GoldieBlox:

„GoldieBlox geht über ‚mach es pink‘ hinaus, um für Mädchen attraktiv zu sein. Ich verbrachte ein Jahr damit, die Unterschiede zwischen den Geschlechtern und die Entwicklung von Kindern zu studieren und ein Konzept zu erarbeiten. Mein grösstes ‚Aha-Erlebnis‘? Jungen haben das bessere räumliche Vorstellungsvermögen, deshalb lieben sie Konstruktionsspielzeuge so sehr. Mädchen hingegen haben überlegene verbale Fähigkeiten. Sie lesen gerne, mögen Geschichten und Personen.

GoldieBlox vereint das Beste aus beiden Welten: Lesen und Bauen. Es ist für Mädchen attraktiv, weil die sich weniger dafür interessieren, was sie bauen, sondern weshalb. Die Geschichten von Goldie beziehen sich direkt auf das Leben von Mädchen. Die Maschinen die sie baut, helfen ihren Freunden Probleme zu lösen. Beim Lesen der Goldie-Geschichten wünschen sich die Mädchen, wie sie zu sein und das zu tun, was sie tut.

Goldie’s Werkzeuge sind von Objekten inspiriert, die man in jedem Haushalt findet – Dinge, die Mädchen bereits kennen. Die hübschen Farben, runden Ecken und weichen Formen und Oberfläche sind für Mädchen besonders attraktiv. Und nicht zuletzt sind die Geschichten, die Goldier erlebt, humorvoll und leicht. So macht das Bauen und Erfinden den Mädchen weniger Angst und macht Spass.“

Soviele Weisheiten über Jungen und Mädchen auf so kleinem Raum. Maschinen bauen, um die Probleme ihrer Freunde zu lösen. Du meine Güte!

Bei so viel Mist rollen sich meine Fussnägel hoch!

Ich habe mich damals trotz einigermassen ausgeprägter technischer Begabung aus Gründen gegen ein Ingenieursstudium entschieden. Aber hätte man mir mit fünf oder sechs ein solches GoldieBlox geschenkt und gesagt, das sei jetzt eben Ingenieurskunst – ich wäre schreiend davon gelaufen und hätte nie mehr etwas von Technik wissen wollen!

Obwohl man überall diese unbewiesenen Behauptungen lesen und hören kann, wurde bisher in der Forschung weder ein Technikgen bei Jungen noch ein Beziehungsgen bei Mädchen gefunden. Auch kein Traktorengehn, Gewehregen, Prinzessinnengen oder Schminkgen. Zweijährige Mädchen und Jungen interessieren sich noch für dieselben Dinge, bei Dreijährigen kippt es dann schon. Wenn wir unseren Kindern die Chance zur freien Entfaltung geben wollen, dann ist die Erfindung weiterer Spielsachen „für Mädchen“ oder „für Jungen“ (auch in der besten Absicht!) nicht der richtige Weg. Denn sie zementieren und tradieren genau die Stereotypen, die sie überwinden wollen.

Stattdessen benötigen wir wieder Spielsachen in allen Farben und Formen, die für alle Kinder sind und die auch als Solche beworben werden, wo weder das Spiel noch die Farb- oder Formgebung exklusiv nur den Kindern eines Geschlechtes zugesprochen wird. Wo man Jungen und Mädchen mehr zutraut, als nur den Schubladen gesellschaftlich vorgegebener Stereotypen zu folgen statt eigenes Denken zu entwickeln.

Eröffnen wir unseren Söhnen und Töchtern alle Möglichkeiten und lassen wir sie daraus machen, was immer sie wollen!

Spielzeug und Spielzeug für Mädchen: Ihr werdet pinkifiziert!

Es gibt gewisse Themen, die werden ohne aktuellen Anlass im Internet nach oben gespült, machen Furore und versinken dann wieder im Nirvana. Vielleicht angeregt durch die zahlreichen Spielwarenkataloge, hyped zur Zeit das Thema „Mädchenspielzeug“. Weiterlesen

Gehört sich das? #aufschrei

Gehört sich das, in einem Mamablog über Sexismus oder gar sexuelle Übergriffe zu schreiben? Gehört es sich überhaupt, über Erfahrungen mit Sexismus oder sexuellen Übergriffen zu schreiben und zu sprechen? Sollte man sich nicht viel eher dafür schämen, wenn einem solche Dinge passieren? Etwas hat man doch falsch gemacht, sonst wäre man doch nicht in diese Situation gekommen? Oder man hätte sich doch wenigstens wehren sollen? Wenn man sich mehr gewehrt hätte, lauter geschrieben, den Typen nicht quasi durch eigenes Verhalten eingeladen hätte, ja dann, dann wäre das doch alles nicht passiert…

Seien wir ehrlich: Die meisten von uns haben doch seit Jahren so oder ähnlich gedacht. Das ist, was wir gelernt haben, das ist, was uns unsere Mütter beigebracht haben. Wenn ein Mann nicht weiss, was sich gehört oder sich respektlos verhält, dann hat die Frau ihm sicher einen Grund dafür gegeben… sich nicht respektabel verhalten… Ja, das haben wir gelernt und das haben wir gedacht.

Auch wenn man sich ganz respektabel verhielt und züchtig kleidete, sich nie in uneindeutige Situationen begab oder Situationen, wo das eigene Verhalten hätte fehlinterpretiert werden können, auch dann konnte „so etwas“ passieren. Dann tröstete einem die Mutter liebevoll und raunte „Männer sind halt so“. Als ob das irgend etwas erklären würde.

Vor ein paar Tagen hat irgendwo in Deutschland ein Tropfen ein Fass zum Überlaufen gebracht, ist ein Sack Reis umgefallen, aufgeplatzt und heraus gekommen sind Zehntausende von Berichten von Frauen über Sexismen und sexuelle Übergriffe, denen sie ausgesetzt waren. Ich sass mit offenem Mund vor dem Bildschirm und sah die Tweets defilieren, die bei Twitter unter dem Hashtag #aufschrei veröffentlicht wurden. Bis Sonntag Abend waren es fast 60’000. Man stelle sich diese Zahl mal vor. 60’000 Erlebnisse mit Sexismen und sexuellen Übergriffen und das allein im deutschsprachigen Raum.

Die Tweets decken die gesamte Skala ab, von zwar nervigen, aber einigermassen harmlosen Machosprüchen wie „hau ab du Lesbe“ nach einem „nein Danke“ bis hin zu handfesten sexuellen Übergriffen an kleinen Mädchen und Vergewaltigungen.

Schnell stand die Frage im Raum, ob man Sexismus und sexuelle Übergriffe im selben Atemzug nennen darf. Ich sage: Man muss! Denn sie sind die beiden entgegengesetzten Enden derselben Skala. Nicht jeder Sexist wird zum Vergewaltiger – aber jeder Vergewaltiger hat als Sexist angefangen. Sexismus ist mehr als nur mühsam, nervtötend, energieraubend und ärgerlich. Er zieht einem runter, zermürbt einem und bindet Ressourcen, die man lieber für andere Dinge aufwenden würde. Es sind kleine Dinge, teilweise unausgesprochene Erwartungen, aber wenn man sie verweigert oder darauf aufmerksam macht, wird man behandelt, wie eine Aussätzige. Es gehört sich nicht, gewisse Dinge auszusprechen. Und tut man es doch heisst es: Was beklagst Du Dich, das ist normal, das geht allen so.

Aber mal ehrlich: Wird es dadurch richtiger?!

Müssen wir, nur weil es normal ist und es allen gleich geht, bis in alle Ewigkeit über anzügliche Witze von Vorgesetzten lachen? Den Kaffee bringen und die leeren Tassen abräumen, weil wir die einzige Frau in der Kadersitzung sind? Am Telefon erklären, dass man die Chefin ist und nicht die Sekretärin des Chefs? Auf immer und ewig gute Miene zum bösen Spiel machen?

Dann wehr dich halt!

Womit ich bei den sexuellen Übergriffen angekommen wäre. Denn auch da heisst es: Wehr dich. Wieso? Wieso ist es normal, von den Mädchen zu verlangen, sich zu wehren um nicht angegrapscht zu werden, aber nicht, von den Jungs zu verlangen, sich anständig zu benehmen und andere Menschen zu respektieren – auch dann, wenn sie nicht mit einem ins Bett wollen. Respekt vor dem Gegenüber, Respekt vor seinen Wünschen und Respekt vor seinem Menschsein.

„Ich will nicht!“ ist eine klare Aussage, da gibt es nichts zu missverstehen. Das versuche ich, meinem Sohn beizubringen: Seine eigenen Grenzen zu kommunizieren und die Grenzen anderer Menschen zu respektieren.

So gehört sich das!

Wem gehören meine Brüste?

Unter dem Titel „Deutschland und meine Brüste“ schreibt Fuckermothers einen offenen Brief an die „Nationale Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung“. Ein wunderbar unaufgeregter Artikel, der sich zwar was das Stillen betrifft, nicht mit meiner eigenen Erfahrung und Einstellung deckt (muss er aber auch nicht). Ich empfinde es als positiv, dass die Autorin nicht sofort in eine diesere unsäglich destruktiven Stillen-versus-nicht-stillen-Diskussionen umgeschwenkt ist. Solche überschwemmen seit dem gestrigen Titelbild der US-amerikanischen Zeitschrift „Time“, das einen stillenden Dreijährigen mit seiner Mutter zeigt, ohnehin das Internet. Brüste! Brüste, die nicht zur Belustigung unserer männlichen Mitmenschen abgebildet werden, sondern als Nahrungsquelle für unsere Kinder.

Was ich in der ganzen aktuell stattfindenden Debatte vermisse, ist, dass das Stillen nicht als Norm rüberkommt, sondern als „das Besondere“, das „Exotische“ und Langzeitstillen sogar als das „Abartige“ und „Abnormale“. Dabei würde ja auch niemand abstreiten, dass es der Norm entspricht, wenn ein Lämmchen Schafsmilch trinkt oder ein Kätzchen Katzenmilch, und zwar genau so lange, wie es diese Milch benötigt. Nur beim Menschen wird das in Frage gestellt.

Das hat aber nicht mit doofen Broschüren einer Hand voll alter Herren Professoren zu tun, sondern mit der Darstellung von Weiblichkeit, Mutterschaft, etc. in der Öffentlichkeit: Weibliche Brüste dürfen nicht gezeigt werden und wenn, dann ausschliesslich als allzeit für Männer verfügbare Sexualobjekte. Viel mehr Impakt als Stillkampagnen würde es haben, wenn in diesem Bereich unsere Gesellschaft wieder zur Normalität zurück finden und sich diese Normalität auch in den Medien widerspiegeln würde.

Das Stillen, wie auch die Geburt, eigentlich die gesamte menschliche Reproduktion, gehören zu den Schlüsselthemen der weiblichen Emanzipation bzw. des Gegenteils davon. Und diese Themen müssen wir uns zurückholen!  Schlussendlich geht es nicht darum, ob wir stillen oder nicht, sondern darum, dass WIR SELBER die Entscheidung dazu treffen.  Die Entscheidungshoheit über unsere Körper und die Körper unserer Kinder dürfen wir uns weder von einem aus alten Männern bestehenden Expertengremium (Experten? hat auch nur einer von denen jemals seinem Kind die Brust gegeben? na also!) , noch von einer milliardenschweren Nahrungsmittelindustrie wegnehmen lassen.

Weder den alten Männern noch den Nahrungsmittelindustriellen geht es um unser Wohl oder das Wohl unserer Kinder. Den einen geht es um Macht, den anderen um Geld.

Deshalb dreht sich die Frage einmal mehr um unsere Selbstbestimmung! Unsere Brüste gehören uns. Und ich für meinen Teil entscheide in diesem Bereich selber, in Absprache mit meinem Partner, was für mich, mein Kind und meine Familie am Besten ist!

Wir hätten ihn fast vergessen, den Tag der Frau!

FeminismWir hätten ihn fast vergessen, den Tag der Frau. Und das ist irgendwie auch bezeichnend.
Stolperfalle Nummer Eins ist und bleibt die Mutterschaft und daran arbeiten wir nach wie vor: Nicht die Mutter 1)  gehört zum Kind, sondern das Kind zur Mutter. Unabhängig davon, ob die Motocrossfahrerin, Bürokauffrau oder Ärztin ist! Lösungen müssen her, damit nicht nur Kinder, sondern vor allem auch ihre Mütter artgerecht gehalten werden können und nicht zwischen Windeln und Abwaschmaschine verblöden müssen, nur weil ein obsoletes System sie dazu zwingt.

1) Der Begriff „Mutter“ wurde hier aus statistischen Gründen anstelle von „Hauptbetreuungsperson eines Säuglings“ verwendet.

Löhne für Hausfrauen?

Es ist spannend, aber auch bedenklich, dass dieselben Themen in jeder Frauen/Mütter-Generation wieder auftauchen – und dabei behandelt werden, als wär’s zum ersten Mal.
Die Naturwissenschaften stehen „auf den Schultern von Riesen“. Fortschritt ist sichtbar, weil jede Forschergeneration auf den Vorarbeiten ihrer Vorgänger aufbaut und von dort ausgehend weiter forscht.
Die Frauenbewegung hat das bis jetzt nicht geschafft. Dabei sind seit Hedwig Dohm praktisch keine neuen grossen Themen dazu gekommen. Sie haben sich mit der gesellschaftlichen Veränderung weiter entwickelt, aber die Grundthemen sind seit dem 19. Jahrhundert dieselben geblieben!

Worauf lassen wir uns da ein: Wir fordern Lohn für Hausarbeit, aber wirklich LOHN, das heißt, eine Summe, die der kapitalistische Staat nicht aufbringen kann. Irgendwann im Laufe unseres Kampfes wird dann ein „Hausfrauengehalt“ eingeführt, ein lächerliches Taschengeld, so wie die bürgerlichen Parteien sich das vorstellen. Und das in absehbarer Zeit, bevor die Frauen sich so richtig radikalisiert haben. Die meisten von uns, gewöhnt daran, gar nichts zu kriegen, werden für das bißchen dankbar sein, und nicht mehr weiter aufmotzen. Und wie sieht dann unsere Situation aus?: Wir müssen sagen, das wollten wir nicht, damit sind wir nicht zufrieden, wir wollen zwar, daß die Hausarbeit bezahlt wird, aber eigentlich wollen wir uns von unserem Rollenverhalten befreien, wir wollen, daß dieHausfrau anerkannt und entlohnt wird, wie jede berufstätige Frau, aber jedes Mädchen soll einen Beruf erlernen, wir fordern die Aufhebung der geschlechtsspezifischen Erziehung, aber Hausarbeit soll als Beruf gelten. Wir manövrieren uns da in ziemlich schlimme Widersprüche hinein! Wider Sprüche, die wir auch kaum vermitteln können, mit denen wir uns unglaubwürdig machen.

Strobel, Ingrid: „Wider den Hausfrauenlohn“, 1975