Category Archives: Gesundheit und Krankheit

Neues Schwerpunktthema: Wenn die Wut kommt

Wut ist ein Thema, das unsere Familie nun schon ein paar Jahre begleitet. Wut – wo sie herkommt, was sie anrichtet, wie man sie kontrollieren kann. Wie wütend kleine Jungs werden können, und wieso. Wie lehrt man sie, ihre Wut nicht herunterzuschlucken, aber doch zu beherrschen? Wohin mit unserer eigenen Wut, wenn sie hochkommt und innert Sekunden unsere schönsten Erziehungskonzepte mit dem Hackebeil zerhackstückselt?

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Cover von Gundula Göbel: „Trost. Wie Kinder lernen, Traurigkeit zu überwinden“

Gundula Göbel: „Trost. Wie Kinder lernen, Traurigkeit zu überwinden“

Neulich sah es aus, als sei mein Kurzer am Boden zerstört: Sein bester Freund feierte  Geburtstag und hatte ihn nicht eingeladen. In mir machte sich Wut auf dieses Kind und seine Eltern breit. Wie konnten die nur zulassen, dass so was geschieht, wenn sie doch ganz genau wissen, wie lieb mein Sohn den ihren hat und wie die beiden ständig zusammen abhängen. Und ausserdem hatten wir ihren Sohn schliesslich auch zu unserem Kindergeburtstag eingeladen, da ist es nur Recht, wenn sie sich revanchieren!

Zum Glück hatte ich genau in dem richtigen Moment das Buch von Gundula Göbel auf dem Nachttisch! Continue reading

Rezension: Bücher über Wut | Vereinbarkeitsblog

ErikaWittlieb / Pixabay

Ich sitze schon seit über einem Jahr an dem Thema “Wut” und komme mit meinen Recherchen einfach zu keinem Ende, so weitläufig ist es. Deshalb hier wenigstens schon mal der Hinweis auf drei gute Bücher zu dem Thema, besprochen von Uta auf dem Vereinbarkeitsblog:

Wut ist ein starkes Gefühl und gerade wenn wir Kinder haben, werden wir immer wieder auf unterschiedlichste Art und Weise damit konfrontiert. Die Wut unserer Kinder kann uns erschrecken, aber auch selber wütend machen. Meine eigene Wut ist ein Thema, mit dem ich mich beschäftigen möchte. [weiterlesen beim Vereinbarkeitsblog…..]

 

 

Plädoyer für elterliche Weiterbildung und gegen das Bauchgefühl

Seit mein Sohn auf der Welt ist und ich mich öfter mal mit Eltern über Erziehungs- und Kinderthemen unterhalte, heisst es immer mal wieder, als Mutter, als Eltern, solle man sich auf sein Bauchgefühl verlassen, dann würde man schon das Richtige tun. Ich habe diese Aussage eigentlich nie hinterfragt. Bis auf heute. Continue reading

Dumm ist, immer dasselbe zu tun und jedesmal ein anderes Resultat zu erwarten

Ich weiss nicht mehr, wer den Satz im Titel gesagt oder geschrieben hat (Internet kennt verschiedene Quellen). Fakt ist aber: Er stimmt. Als Menschen funktionieren wir heuristisch. Das bedeutet: Wenn etwas mal funktioniert hat, dann verwenden wir immer dieselbe Strategie.

wrong way

Bildquelle: geralt / Pixabay

Grundsätzlich ist das nicht negativ, es erspart uns viel Zeit und Energie und erlaubt uns, speditiv vorwärts zu schaffen, statt jedes Mal das Rad neu erfinden zu müssen. Nur dass wir dieselbe Strategie auf andere Situationen anwenden, schliesslich hat sie sich ja bereits bewährt. Plötzlich funktiniert aber diese Strategie nicht mehr, wenn sich die Umstände geändert haben. Und was tun wir? Wir wiederholen sie. Und nochmal und nochmal.

“Lösungsorientiertes Vorgehen bedeutet in der Praxis, zu beobachten und zu erkennen, ws (gut) funktioniert und was nicht. Dann liegt es nahe, all das verstärkt und häufiger zu tun, was zu erwünschten Ergebnissen führt, und alles zu unterlassen, was nicht (gut) klappt. Stattdessen tun aber viele Menschen ‘mehr und mehr desselben’, wenn sie nicht zum Ziel kommen”
(Monika Gruhl, Resilienz, S. 200)

Ja, so ist das. Wenn unser Kind uns nicht gehorcht, wiederholen wir das Gesagte noch mehrmals, das Einzige was wir anders machen ist, dass wir dabei jedes Mal etwas lauter und generverter tönen.

Die Autorin des Ratgebers “Resilienz. Die Strategie der Stehauf-Menschen” empfiehlt, Verhaltensweisen, die nicht zum Ziel führen, über Bord zu werfen und was anderes auszuprobieren:

“Wenn Ihre Vorgehensweise Ihnen nicht das bringt, was Sie damit bezwecken, hören Sie auf damit!
[…]
Die Kunst der Lösungsorientierung besteht darin, unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung zu haben und gezielt da einzusetzen, wo Sie eine Verbesserung für wünschenswert oder nötig halten. Die Voraussetzung dafür, das tun zu können, ist, die Situationen und Kontexte zu analysieren, sich selbst und die Reaktionen anderer aufmerksam wahrzunehmen, und zu evaluieren, welche Möglichkeiten sich wo bewähren. Schaffen Sie sich durch Beobachten, Ausprobieren und Auswerten im Lauf der Zeit ein Repertoire von bewährten und erdenklichen Lösungsstrategien. Trainieren Sie Ihre Fähigkeit, diese flexibel einzusetzen und gleichzeitig offen zu bleiben für neue Varianten”.
(Monika Guhl, Resilienz, S. 201)

Noch während ich diesen Absatz las, zeigte sich vor meinem inneren Auge ein Bild, das ich kaum mehr los wurde: Ich sah mich selber, morgens um 7 Uhr 30, noch im Schlafanzug, wie ich den Kurzen zu überzeugen suche, sich endlich anzuziehen, Zähne zu putzen, aufhören zu spielen, weil der Schulbus um 8 Uhr fährt und das alles nur durch “Beobachten”, “Analysieren” und “Evaluieren”. Nein, in der Situation selber würde ich es wohl wieder ganz ohne Analyse, dafür mit lautem Brüllen versuchen, die Lösung des Konfliktes zu erzwingen.

Was ich aber hilfreich finde ist, jeweils Abends vor dem Zubettgehen mit dem Kurzen kurz darüber zu diskutieren, was ihm während des Tages gefallen hat und was nicht. Das mache ich auch für mich selber, wenn Mann und Kind im Bett und der Computer ausgeschaltet ist. Dann denke ich den Tag nochmal durch, reflektiere, überlege, wo etwas schief lief, wo es Streit oder Gebrüll gab, welche Verhaltensweisen destruktiv und welche produktiv waren. Und was ich ein nächstens Mal in der gleichen Situation besser machen könnte, um zum gewünschten Resultat zu kommen.

Weil, ganz ehrlich: Meistens wüsste man doch, wie es eigentlich ginge, kann dann aber aus irgend einem Grund nicht aus seiner Haut. Oder auf psychologisch: Man kann das Wissen zu dem Zeitpunkt nicht abrufen und dann kommen Heuristiken zum Tragen, die wir vielleicht sogar schon als destruktiv erkannt haben. Wenn man sich das wieder und wieder bewusst macht – ohne sich selber dafür zu beschimpfen! – kann man sich mit der Zeit neue, konstruktive Verhaltensweisen antrainieren, davon bin ich überzeugt.

 

Alleinerziehend und arbeitslos

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunktthema Stress, Burnout und Depression und ist ein Gastbeitrag von Barbara, Mutter eines Sohnes.

Barbara lebt mit ihrem Sohn in einer kleinen Stadt im Süden Deutschlands. Nach der schwierigen Trennung von ihrem Mann und langer Arbeitslosigkeit arbeitete sie fast bis zum Umfallen, um sich und ihren Sohn über die Runden zu bringen. Das hier ist ihre Geschichte:
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Monika Gruhl: „Resilienz. Die Strategie der Stehauf-Menschen“

Resilienz ist eines dieser Wörter, die bis vor Kurzem kaum einer kannte und seit einigen Monaten ist es plötzlich in aller Munde. Als ich deshalb zufällig über den Titel „Resilienz. Die Strategie der Stehauf-Menschen“ gestossen bin, war ich neugierig.

Wo man auch hinschaut in Zeitschriftenartikeln und Ratgebern, scheint Resilienz DIE Eigenschaft zu sein, über die ein modernes Individuum verfügen sollte und eine der wichtigsten Fähigkeiten, die wir unseren Kindern beibringen sollen.

 

Aber was ist Resilienz?

Resilienz, ursprünglich ein Begriff auf der Werkstoffkunde, bedeutet gleichzeitig Anpassungsfähigkeit, als auch Widerstandskraft. Resilienz ist die Eigenschaft eines Materials, sich unter Belastung zu verformen und danach, wenn die Belastung nachlässt, in seine Ausgangsform zurückzukehren. Resilienz ist die Fähigkeit eines Grashalmes, sich bei Wind fast bis zum Boden neigen und bei Nachlassen des Windes wieder aufrichten zu können.

In der Psychologie ist Resilienz aber mehr als die Fähigkeit, eine Krise zu überwinden. Sie ist der „qualitative Entwicklungsprozess von Individuen,der nicht nur die ursprüngliche Lage wieder herstellt, sondern sie überwindet“ (S. 16)

Resilienz erklärt, weshalb einige Menschen an einer traumatischen Kindheit fast zerbrechen und andere aber gestärkt und als gesunde Menschen daraus hervorgehen.

In ihrem Buch „Resilienz“ erklärt Monika Gruhl Resilienz zu einer zentralen Kraft im Leben. In einem ersten Teil geht sie auf deren Bedeutung für die Menschen ein. Im zweiten Teil erklärt sie drei Grundhaltungen – Optimismus, Akzeptanz und Lösungsorientierung – die zu Resilienz führen.

Ein resilientes Individuum verfügt über vier Fähigkeiten: Selbstregulation, Eigenverantwortung, die Fähigkeit, Beziehungen aktiv zu gestalten sowie die Fähigkeit, seine Zukunft in die Hand zu nehmen und zu gestalten. Was darunter zu verstehen ist, erklärt die Autorin im dritten Kapitel.

Im vierten Kapitel geht es dann um die Resilienz als Prozess, wie die verschiedenen Merkmale zusammenspielen und um die Wichtigkeit, dass die vier im vorderen Kapitel beschriebenen Faktoren ausgeglichen sind.

Resilienz alleine reicht jedoch nicht. Zwar ist sie eine „Schlüsselkompetenz in Belastungssituationen“, ein Mensch benötigt jedoch auch „Selbstwahrnehmung, Selbstrespekt und Selbstsorge“, um aus der „Überforderungsfalle“ zu entkommen. Sieben verschiedene Strategien und die nötigen Ressourcen beschreibt Gruhl im fünften Kapitel.

Im sechsten Teil schlägt die Autorin dann praktische Übungen und „Trainings“ vor, mit deren Hilfe man an den nötigen Grundhaltungen und Fähigkeiten arbeiten und diese verbessern kann.

 

Mein Fazit

Die Autorin bietet in ihrem Buch einen guten Überblick über das Thema. Sie spricht die Leserinnen und Leser direkt an und ermutigt sie, ihre Resilienz zu trainieren.

Für jemanden, der sich in einer akuten Lebenskrise befindet oder der am Ausbrennen ist und nach einer Möglichkeit sucht, mit Stress und Überforderung besser umgehen zu lernen, ist es meines Erachtens das falsche Buch zum falschen Zeitpunkt.

Ich war Ende letzten Jahres in so einer Situation (nahe einer Erschöpfungsdepression) und für mich las sich das Buch von vorne bis hinten (mit Ausnahme des sechsten Kapitels) wie ein riesiger Vorwurf. Selbstmotivation, Selbstregulation, Selbstbeherrschung, Selbstkontrolle, Selbst… Selbst… Selbst…! Es gibt Situationen, da benötigt man Unterstützung von anderen Menschen und keine Tipps und Tricks, wie man sich noch mehr Verantwortung aufhalst und sich noch länger alleine durchwurstelt. Und wer in einer solchen Situation steckt, für den ist das Buch einfach nicht das Richtige in dem Moment!

Ich habe es dann mit etwas zeitlichem und mentalem Abstand erneut durchgeblättert und da fand ich im sechsten Kapitel doch ein paar hilfreiche Hinweise und Übungsmöglichkeiten, wie man sich gewisse destruktive Verhaltensweisen bewusst machen und sich vielleicht sogar in etwas Konstruktives wandeln kann. Ich denke, am meisten kann “Resilienz” einem weiterhelfen, wenn man sich gerade in einer entspannten Phase befindet und nach Möglichkeiten sucht, sich für die nächste Stressphase zu rüsten und zu stärken.

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Klappentext:

„Die emotionale Stärke, die durch Krisen trägt, heisst Resilienz. Die Resilienztrainerin Monika Gruhl zeigt, wie jeder Mensch ein Stehauf-Mensch sein kann. Sie erläutert die 7 Kräfte der Resilienz und gibt konkrete Hinweise, wie Menschen sich diese aneignen können. Mit Sonderkapitel zur Überforderungsfalle und umfassenden Trainingseinheiten: Damit die Resilienz zur inneren Haltung wird.“

„Resilienz. Die Strategie der Stehauf-Menschen. Krisen meistern mit innerer Widerstandskraft.“
Monika Gruhl
Kreuz Verlag, Freiburg im Breisgau, 2014
ISBN 978-3-451-61298-5

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Ein Lachen schenken

Diese Woche hatte ich das grosse Privileg, für eine aussergewöhnliche Truppe dolmetschen zu dürfen: Die Spitalclowns der Fondation Théodora.

Die Spitalclowns der Stiftung besuchen die Kinderstationen Schweizer Spitäler und Institutionen und bringen dabei den kranken Kindern ein Lächeln, ein bisschen frische Luft oder eine kleine Auszeit vom manchmal strengen Krankenhausalltag. Sie sind gestandene Artistinnen und Artisten, die während ihrer Ausbildung einerseits viel über Hygiene und dem nötigen Sicherheits-Verhalten im Krankenhaus lernen, andererseits aber auch über die psychischen und körperlichen Anforderungen und Einschränkungen vieler Krankheiten.

In den Tagen, die ich mit den Spitalclowns in spe teilte, ging es um den Umgang mit dem Sterben, den Umgang mit Schmerzen und die Erlebniswelt von Eltern sterbenskranker und/oder chronisch kranker Kinder. Unglaublich, über welches Fingerspitzengefühl die Clowns da verfügen müssen, um einerseits locker und spontan im Umgang mit den Menschen zu bleiben, andererseits aber auch in nicht allzu viele Fettnäpfe zu treten.

Obwohl ich die Vorträge auch als Dolmetscherin als emotional sehr stark belastend fand – gerade beim Thema “Umgang mit Schmerzen” kamen mir ein paar unschöne Erinnerungen hoch – waren sie gleichzeitig auch sehr bereichernd. Nicht zuletzt der Einblick in das, was diese wunderbaren Menschen alles leisten und aushalten müssen, um unseren Kindern und Eltern im Sturm ein paar Lichtblicke in den Spitalalltag zu bringen.

Danke dafür!

 

P.S. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Stiftung Théodora zu unterstützen: Schenken Sie kranken Kindern und ihren Angehörigen ein Lachen!

ausgebrannt

Die Burnout-Spirale: Ohne Bremsen in den Abgrund (bei lokalo24.de)

Grundsätzlich spricht ja nichts dagegen, wenn man sich hohe Ziele setzt und diese auch möglichst gut erledigen möchte. Beides sind Werte, die in unserer Kultur und Gesellschaft positiv besetzt sind: Fleiss und qualitativ gut gemachte Arbeit.

Je nach den Umständen, in denen sich jemand befindet und je nachdem, was sonst noch an Unvorhergesehenem hinzu kommt, kann das fleissige Streben jedoch ganz schnell in einen Teufelskreis von Überforderung und noch mehr Anstrengung kippen, der am Ende zum psychischen und physischen Zusammenbruch führen kann.

Im Auftrag von lokalo24.de habe ich diesen Teufelskreis beschrieben. Continue reading