Tag Archives: Antje Schrupp

Warten auf die Beute (Bild Gitti Moser @ pixelio.de)

Ernetztes und Vernetztes im November 2013

Der November hat uns in seinem nebeligen Klauengriff und gerade vergeht die Zeit fast überhaupt nicht und wenn man sich umschaut, ist sie gerast. Bald geht schon der Kerzenterror wieder los.

Was mir diesen Monat über den Bildschirm getickert ist und ich gerne mit Euch teilen möchte, findet Ihr wie immer an dieser Stelle:

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Antje Schrupp wurde irgendwann zu einem unfreundlichen Menschen. Jedenfalls manchmal. Welche könnte es ihr verübeln? “Wie ich zu einer unfreundlichen Person wurde” liess mich, wie mancher andere Artikel dieser Vordenkerin, sehr nachdenklich zurück.

Zora Debrunner spricht auf Demenz für Anfänger (übrigens ein äusserst empfehlenswertes Blog) ihre Bewunderung aus für alle Menschen, die in der Pflege –  insbesondere der Altenpflege – arbeiten und tagtäglich geduldig und liebevoll mit nicht immer einfachen Patientinnen und Patienten umgehen: Die grosse Nähe.

David Trumble, ein US-amerikanischer Cartoonist, hat als Antwort auf die “Prinzessifizierung” Meridas durch die Disney Marketingabteilung zehn weibliche Rollenvorbilder (“women you should know”) disneysifiziert: David’s Disney Princessified “World of Women”

Mama arbeitet alias Christine Finke schreibt sehr offen und ehrlich, wann sie ihren Kindern eine geschmiert hat: Dem Kind eine Ohrfeige geben – geht gar nicht. Aber passiert. Trotz Grundgesetz und allen guten Vorsätzen passiert es.

Nochmal Zora Debrunner, hier schreibt sie in Anlehnung an die Sendereihe des Schweizer Fernsehens SRF über die wichtigsten Schweizer (spezifisches Maskulinum!) über bärtige Eidgenossen und was die mit ihrer Identität zu tun haben: Über meine Identität.

Hast Du gewusst, dass Leonard Nimoy (Mister Spock) heute als Fotograf arbeitet? Ich habe ja ganz schön gestaunt, als ich auf dem mich sehr beeindruckenden Full Body Project seinen Namen las. Aber er ist es tatsächlich. Alle Fotogalerien von Nimoy finden sich hier.

Über den Umweg des sehr lesenswerten Sprachlogs bin ich auf eine neurologische Forschungsarbeit gestossen, die herausgefunden hat, dass bei primäre Bilingues die Demenzkrankheiten später ausbrechen als bei einsprachigen Menschen: Bilingualism delays age at onset of dementia, independent of education and immigration status.

Refe und seine Partnerin hatten die grandiose Idee zum Dinovember und Das Nuf doppelte mit der Frage nach, was eigentlich ihre Anziehpuppen in unbeobachteten Momenten tun: Das geheime Leben.

Salman Ansari (über dessen aktuellen Buch ich hier berichtete), schreibt auf seinem Blog einen bemerkenswerten Artikel über die Gründe für die chronische Unruhe und Konzentrationsstörungen, unter der heutzutage viele Kinder leiden. Ansari versteigt sich nicht wie andere in Verschwörungstheorien, und behauptet auch nicht, dass AD(H)S eine erfundene Krankheit sei; Aber er geht davon aus, dass viele unruhige Kinder zu Unrecht mit AD(H)S diagnostiziert und mit Ritalin dagegen behandelt würden und das Problem anderswo läge: “Wenn Jugendliche mit Unruhe verbreitender Aggressivität, Agilität und Nervosität auf die Anforderungen ihrer Umwelt reagieren, dann ist ihr Verhalten zugleich eine Antwort auf die Unzumutbarkeiten einer Wirklichkeit, der sie sich nicht entziehen können.  Kinder sind permanent umgeben von Lärm und Hektik. Hinzu kommen ständig wechselnde Reize, ununterbrochene, verwirrende Wechsel zwischen realen und virtuellen Geschehnissen. Kinder nehmen teil an all den Bildern globaler Katastrophen und Informationen und werden somit Zeugen von Gewalt, von Mord und Krieg, von Geschehnissen, die sie noch gar nicht einordnen und verkraften können.” (ganzer Artikel: Warum Kinder hyperaktiv reagieren: Antworten auf eine unbewältigbare Wirklichkeit)

Der aus der Forschung zu häuslicher Gewalt seit Jahren bekannte und renommierte Soziologe Michael Kimmel äussert sich im Interview mit Colette Schmidt von Die Standard zur Frage, weshalb feministische Forderungen auch die Männer etwas angeht und was sie mit der Unterstüzung antipatriarchaler Bewegungen gewinnen können: “Feminismus ist eine feine Sache für uns Männer“.

Die Politikerin Jacqueline Fehr fasst in einem Kommentar die verschiedenen Rollen zusammen, die Mütter in den letzten 150 Jahren hatten und fragt, ob es nicht an der Zeit wäre, darüber nachzudenken, was Kinder stark und selbständig macht: “Weshalb Heidi auch Nein zur SVP-Familieninitiative gesagt hätte“.

Normal ist, was wir dafür halten. In der Regel ist es das, was wir kennen oder mit den meisten Menschen unserer Umgebung teilen. Normalität ist beruhigend […].” Bei Brandeins schreiben vier Medienleute darüber, wie sie das, was wir als Normal empfinden, konstruieren und inszenieren: “Ganz normale Leute”.

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Kurz gefasst im Mai 2013

Ich weiss schon gar nicht mehr, weshalb ich diese Linklisten führe, wenn ich doch kaum mehr nachkomme mit Artikel lesen und überdenken. Deshalb auch in diesem Monat nur ein paar wenige Verlinkungen.

Antje Schrupp hat sich Gedanken über pränatale Geschlechterselektion und ihre kulturellen und gesellschaftlichen Auswirkungen gemacht. In Artikel “Alle haben jetzt Jungen” hält sie sich aber nicht damit auf, wie böse das alles ist und wie unmoralisch, sondern sie widmet sich vielmehr der Frage, wie man damit umgehen könnte.

Die re:publica interessiert mich nur am Rande (wenn ich mal hinfahren könnte, würde sich das vielleicht ändern), aber der Vortrag von Tanja und Johnny Häusler hat mich mit offenem Mund vor meinem Computer sitzen lassen und mich zu manchem Tag Nachdenken gebracht:

Und dann doch wieder das normale Fernsehen. Medienberater und Pädagoge Achim Hackenberg hat die Sendung Germanys Next Topmodel als “pädagogisch wertvoll” bezeichnet, Cordula Stratmann hält gegen. Und Pink Stinks schreibt einen pädagogisch vertvollen Rant darüber: “Germanys Next Topmodel: Pädagogisch wertvoll?

Ein wenig Kunst: “The Nu Project” von Matt Blum. Einfach WOW in Grossbuchstaben. Ganz wunderschöne Fotos von wunderschönen Frauen.

Kurz gefasst im Februar 2013

Hier wieder meine (nicht vollständige) Liste von Highlights aus dem Netz im Monat Februar 2013.

Im Abstimmungskampf zum Familienartikel hört man meiner Meinung nach viel zu wenig über das Thema der Chancengleichheit. Denn auch um die geht es bei der Förderung von Familien. Ein eindrücklicher Artikel zur Chancengleichheit stand Ende Januar in Der Zeit: Ich Arbeiterkind von Marco Maurer.

Zuerst habe ich über den Artikel “Madame darf endlich Hosen tragen” herzlich gelacht, das Lachen ist mir dann aber alsbald im Halse stecken geblieben. Das Gesetz, das hier endlich abgeschafft wurde stammt von denselben Leuten, für die die “La Déclaration Universelle des Droits de l’Homme” wirklich nur “droits de l’homme” (Rechte der Männer) waren. Frauen waren bei der Entstehung ausdrücklich ausgenommen, auch wenn man heute von “Menschenrechten” spricht.

Ergänzend zur Debatte um das Wort “Neger” in deutschsprachigen Kinderbüchern (ein Thema, über das ich hier bloggte) erzählt dieser Hintergrundartikel des “Tagesspiegel” über die “Négritude”-Bewegung, ihre Aneigung und Dekonstruktion des “N-Wortes” und erklärt, weshalb der Begriff nie neutral war, nicht neutral sein kann: Die Sprache der weißen Mehrheit.

Und schon wieder bin ich über ein Blog gestolpert, das ich absolut und unbedingt lesen muss. Zum Glück haben berühmte Menschen wie Stephen Fry gar nicht die Zeit, öfter als alle paar Monate mal etwas zu schreiben.

Und schon wieder ein Text von Antje Schrupp, diesmal Päpstinnen und die neue Frauenbewegung, eine treffende Analyse und wie immer bei Antje direkt auf den wesentlichen Punkt geschrieben. Trotzdem etwas Zeit mitbringen, es geht über viele, viele Zeilen: Wir alle sind Päpstin.

Als Kontrastprogramm Der Elternabend – die frühen Jahre auf Lummaland. Damit wir wissen, was in knapp zwei Jahren auf uns zukommt.

Zum Anschauen, Staunen, Weinen, Schaudern und auch ein paar zum Lachen, aber alle ganz besonders eindrücklich: Die Gewinner/innen-Bilder des World Press Photo Award 2013.

Journelle schreibt darüber, dass sie nicht mit ihren Kindern spielt. Sie beschreibt es so gut, dass ich selber nicht auch noch darüber berichten muss, dass ich auch nicht gerne Dreijährigenspiele spiele (himmel, ich bin erwachsen) und mir bei meinen seltenen Versuchen fast wie eine Spielverderberin vorkomme: Ich spiele nicht mit Kindern.

Ein längerer Text von Zoë Beck über den Skandal bei Amazon, darüber dass auch logistische Wunderleistungen Geld kosten, das irgend jemand bezahlen muss und darüber, dass der Kunde nur manchmal König ist, aber nicht immer. Eine schnelle 1-2-3-Lösung für die augezählten Dilemmata bietet die Autorin auch keine, ausser bewusstes, informiertes Einkaufen und Verantwortung für seine Entscheidungen übernehmen. Äusserst lesenswert: „Ach, Frau Beck, da hätte ich aber was für Sie.“

Kurzgefasst im Januar 2013

Neu entdeckt habe ich im Januar den Blog von Fräulein Rabatzki aus Berlin, die erfrischend und tiefgründig über ihr Leben, ihre Familie und ihren Senf berichtet. Reinlesenswert. Ich habe übrigens über einen Artikel zum Thema Verwöhnen dorthin gefunden, der paar interessante Gedanken aufwirft: “Zum Thema ‘Verwöhnen'”

Eine zeitraubende Entdeckung für mich als grosser Fan von “hardboiled” Kriminalromanen ist das Blog von Sara Paretzky. Fortan werde ich definitiv zu nichts mehr kommen. Die Frau schreibt spannend und intelligent, sozialkritisch und trashig, alles in allem. Wer zufällig nicht weiss, was lesen oder noch Zeit übrig hat, möge sich einen ihrer V.I. Warshawski-Romane zu Gemüte führen.

Furchbar entsetzt habe ich mich über die Geschichte dieses Mädchens im brasilianischen Reciefe: Ein neunjähriges Kind wurde jahrelang von seinem Stiefvater vergewaltigt und erwartet Zwillinge. Die Ärzte stellen fest, dass das Mädchen die Schwangerschaft nicht überleben würde und brechen sie in der 15. Woche ab. In der Folge werden Ärzte, das Kind und seine Mutter von der Kirche exkommuniziert und der Trost, der die Religion in so einer schwierigen Situation bieten könnte, wird ihnen verweigert. Ganz im Gegensatz zum Vergewaltiger: Der wird nur vom Staat, nicht aber von der katholischen Kirche verurteilt.

Dann war da noch die “Neger”-Debatte, die nach der Ankündigung des Thienemann-Verlags, in der Kleinen Hexe neben 29 anderen Begriffen auch das Wort “Negerlein” in modernes Deutsch zu bringen, d.h. es ersatzlos zu streichen und den kleinen Buben sich als etwas anderes verkleiden zu lassen. Wenige hatten eine Ahnung, aber viele haben trotzdem ihre Meinung dazu öffentlich geäussert. Wie immer prägnant und lesenswert, Antje Schrupp: Kontext. Wie Wörter zu ihrer Bedeutung kommen.

Die letzte Januarwoche wurde vom #aufschrei in Beschlag genommen. Mich hat das Thema streckenweise recht getriggert. Und zwar nicht, weil sich so viel Schlimmes erlebt hätte – viel ja, wirklich Schlimmes nicht (im Vergleich zu anderen), aber halt doch irgendwie nachhaltig. Es ist einfach so, dass wenn man die Verdrängungsbarrieren mal runterlässt, der ganze Schlick hochgeschwemmt wird und zwar alles auf einmal und das frisst doch schon einiges an Prozessorleistung. Eine grosse Bitte um Entschuldigung an meine Umgebung, dass ich teilweise nur noch 10-20% im Real Life anwesend war.
Es wurde so viel zu dem Thema geschrieben – auch von mir selbst – dass es unmöglich ist, hier alles zu verlinken. Kleinerdrei haben eine Übersicht gemacht und Antje Schrupp hat wie immer die Problematik messerscharf zusammenfassen können: Wie Lappalien relevant werden.

Mit Antjes Schlusswort entlasse ich Euch. Hoffentlich bis bald!