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Mütter gegeneinander aufhetzen macht Spass

FirmBee / Pixabay

Es waren einmal zwei Coaches, die wollten berühmt werden und sich abheben von der grossen Masse der Muttis, die auf dem zweiten Bildungsweg Coaches wurden, weil sie „etwas mit Menschen“ machen wollten (aber einigermassen Spass machen sollte es auch noch und überhaupt, anderen sagen was sie tun sollen ist doch so viel besser, als selber erfolgreich sein). Weiterlesen

Mehr Schein als sein oder: Wenn schon Bullshit, dann wenigstens properly

Kurzer hatte neulich Geburtstag und dazu gehört in der heutigen Zeit der selbst gebackene und und mit selbst hergestelltem Firlefanz dekorierte Geburtstagskuchen.

Damit kann ich leider nicht dienen. Respektive, ich würde natürlich schon können, sofern ich wollen würde. Ich könnte das, da mir das beigebracht wurde. Ich gehöre zur hoffentlich letzten Generation Frauen, denen auch gegen ihren ausdrücklichen Willen gewisse hausfrauliche Fähigkeiten beigebracht wurden, und zwar richtig. Kein Pfusch! Langes Fädchen, faules Mädchen und so. Lieber tausend Mal auftrennen und neu vernähen, als einmal schnell fertig werden.

Meine kurz vor der Pensionierung stehende Handarbeitslehrerin der 5. bis 7. Klasse – juhu, Frau Rappo, winke-winke – hat es fertig gebracht, mit Kreuzstichen auf Kaffeewärmern meine Freude am Handarbeiten nachhaltig zu trüben. Aber wie sagt man so schön: We all are prostitutes! Und so habe ich die bei ihr erlernten Fingerfertigkeiten dann später dazu eingesetzt, meine karge Studentinnenkost mit Butter und Nutella zu bereichern. Hätte es Dawanda damals schon gegeben, ich glaube ich wäre mit meinen gehäkelten Napperons reich geworden.

Und wenn ich heute dort sehe was diese jungen Frauen alles so zu verkaufen sich erfrechen stellen sich mir die Nackenhaare auf und ich denke, dass die ja nur noch pfuschen können und gar nicht mehr wissen, wie man sauber und sorgfältig arbeitet und ich höre Oma Luise in meinem Hinterkopf „langes Fädchen, faules Mädchen“ sagen und die kleine blonde Göre „lieber faul als dumm“ rausheuschen und höre noch das Pfeifen oder Backpflaume…

Als ich dann neulich in den Verdacht geriet, nur aus blankem Neid auf anderer Leute Fähigkeiten über Häkelblogs abzulästern, habe ich zu meiner Ehrenrettung einen Link zu ein paar Napperons gepostet, die ich vor einer gefühlten Million Jahren mal gehäkelt, aber nie fertig gemacht habe. Denn Häkeln ist das Eine – Vernähen das Andere.

Und die handwerklich Begabten unter meinen sozial vernetzten Online-Freundinnen gaben Geräusche der masslossen Bewunderung von sich – was ich persönlich für masslos übertrieben halte.

Natürlich bin ich vielseitig begabt und natürlich gehen mir solche Arbeiten ring von der Hand. Aber da kann ich ja gar nix dafür!

So.

Eigentlich wollte ich gar nicht übers Handarbeiten schreiben, sondern übers Backen. Oder auch nicht. Sondern darüber, wie gelernt hatte, mit möglichst wenig Aufwand den Anschein der gleichen Qualität (oder besser 🙂 ) zu erwecken, als wenn ich in mühseliger Kleinstarbeit alles selber zusammengefilzt hätte.

Beim Häkeln ist es einfach: Man häkle schnell und achte, dass die Knoten passen. Auf Regelmässigkeit usw. pfeife man, nehme aber ein anständiges Baumwollgarn. Und dann häkle man vollgas, ohne Rücksicht auf Verluste, einfach los, lege alles in Wasser ein, ziehe es nass in die richtige Form, ziehen, richtig fest ziehen, und dann stecke man es mit Stecknadeln auf dem Bügelbrett fest, lasse es in Form fast trocknen, spraye es mit Stärke zu und bügle es dann bis es steif und fest vor einem liege. Und schwuppdiwupp hat man etwas, das zwar vom handwerklichen Können her völlig unspektakulär ist, jedoch aufgrund des Finishes – und weil es richtig riecht – einen total professionellen Eindruck macht.

A propos richtig riechen: Das ist die Königsdisziplin des properen Bullshits. Da ist diese nicht näher genannte weibliche Verwandte. Während andere Leute mit 60 auf ein erfülltes Leben zurückschauen, schaut sie auf eine saubere Wohnung zurück. Ok, das war jetzt ein klein wenig fies, aber ihr wisst, was ich meine. Als arbeitende und gleichzeitig kindbetreuende Mutter habe ich einfach keine Zeit, um zu putzen, also darf ich mir in regelmässigen Abständen Vorträge über Parasiten und Kammerjäger den hygienischen Standard unserer Wohnung anhören.

Neulich also, als besagte Verwandte zu Besuch war, hatte ich unmöglich Zeit, um im Vorfeld gründlich jedes Stäubchen und Katzenhaar zu entfernen, also flitzte ich nur mit dem Staubsauger durch und glänzte die Wasserhahnen in Bad und Küche. Nur glänzen, mit Glasreiniger! Mehr braucht es nicht, damit das heuristisch arbeitende Gehirn eine Nasszelle als „sauber“ klassifiziert. Sie muss nicht sauber sein, nur glänzen. Get the picture?

Im Wohnzimmer gibt es aber nichts zu glänzen. Mein Antistauballergiesauger nimmt auch das hinterletzte Staubkörnchen mit, aber auch danach fühlt es sich einfach nicht sauber an. Weil es nicht sauber riecht. Obwohl es eigentlich sauber wäre. Also flott den Allesreiniger geholt und damit über den Teppich gespritzt – und es roch richtig. Und der Raum fühlte sich sauber an. Und dieser Trick, liebe Leute, der funktioniert einfach immer. Zitronenduft im Raum – im Notfall spritzt ihr Zitronenaroma von Dr. Oetker auf die Vorhänge – und schon wird er als sauber wahrgenommen.

Dafür, dass es sich gleich selber zur Krone der Evolution ernannt hat, ist das menschliche Gehirn ziemlich blöd und funktioniert auf einer ganz simplen Ebene: Der Ebene der Düfte. Gerüche gehen direkt ins Reptilienhirn und wecken dort Emotionen. So weckt uns in Wahrheit der Duft von Kaffee, allein die Erwartung des Koffeins macht uns wach und konzentriert. Das Koffein selber wirklich nämlich erst zirka vier Stunden nach der Einnahme. Ohne Scheiss jetzt, das hat mal jemand erforscht.

Und bei Zitronenduft im Wohnzimmer denken sogar ältere weibliche Verwandte, es sei sauber und schauen gar nicht mehr nach, ob ihre Wahrnehmung tatsächlich der Realität entspricht.

Aber wie ich jetzt die Kurve zum Geburtstagskuchen wieder finde, ist mir im Moment schleierhaft. Vielleicht morgen?

Das ist eine selber gemachte, exquisite Vanille-Buttercrème-Torte

Das ist eine selber gemachte Vanille-Buttercrème-Torte

Häkeln – Der Untergang des Abendlandes, Mommywars und Todesdrohungen

Meine sehr verehrten Damen,

Lasst es mich gleich offen sagen: Ich lese Bastelblogs nicht und finde DIY-Blogs nur bedingt interessant. Wie auch Blogs über geschätzte 5 Millionen andere Hobbys, mit denen ich nichts anfangen kann.

Eine Frau hat eine Polemik über die DIY-Epidemie geschrieben, die z.Z. unter Müttern herrscht: „Hilfe! Ein Häkeldiplom!“ Ich habe beim Lesen ein paar Mal gegrinst, genickt, den Artikel im Gehirn unter „belanglos“ abgespeichert und mich dann weggeklickt. Das war vor zwei Tagen.

Als ich vorhin meinen Computer anschaltete verstand ich die Welt nicht mehr. Über Nacht steht die Mama- und DIY-Blog-Szene steht kopf, rebloggt, schimpft und schandet und bricht Stäbe über dem Kopf der Autorin des besagten Artikels.

Leute, die Frau mag Euer Hobby nicht – aber daneben hat sie auch eine durchaus interessante Frage gestellt: Ob es zwischen all den 50er-Jahre-Charme versprühenden lila-rosa-Blogs mit Häkeldeckchen einerseits und dem antifeministischem Backlash, unter dem wir zur Zeit alle zu leiden haben, andererseits, wohl einen Zusammenhang gäbe.

Darauf könnte man inhaltlich antworten. Man könnte darauf hinweisen, wie hochpolitisch die geschmähten Muttiblogs sein können (und meiner Meinung nach auch sind). Man könnte darauf hinweisen, dass ein Hobby ein Hobby ist oder dass das, was eine in ihrem Blog der Weltöffentlichkeit präsentiert, nur ein winzig kleiner Ausschnitt ihrer gelebten Realität ist, etc. Es gäbe ganz viele inhaltliche Antworten, die man ihr geben könnte, sofern man überhaupt Antworten will und sich nicht einfach wegen Desinteresse oder Bullshitalarm wegklickt.

Aber nein, die Muffinsfraktion schickt die geballte Mobbingpower raus!

Logo, sie war nicht gerade zimperlich und hat auch ganz schön ausgeteilt. Aber trotzdem, meine Damen. Über 750 Kommentare in zwei Tagen und alle paar Minuten kommt noch ein Neuer hinzu. Und geschätzte 90% davon greifen die Autorin persönlich an, unter jeder Anstandslinie,  wie ein Rudel Hyänen stürzen sie sich auf sie: Du hast eine andere Meinung, STIRB!

Über ihre Depressionen wird sich lustig gemacht, sie wird bedroht, nach Syrien geschickt, ihr Geisteszustand in Frage gestellt und überhaupt.

Wir sprechen hier nicht über jemanden, der Kinder fickt oder sie schlägt oder verkauft oder sowas. Sondern einfach eine Frau, die geschrieben hat, dass sie Euer Hobby Scheisse findet.

Letzte Woche habt Ihr noch über „Mommywars“ lamentiert und gefordert, dass Frauen und Mütter endlich damit aufhören sollten, weg jedem Mist aufeinander einzuhacken.

Und heute psychiatrische Ferndiagnosen nur weil jemand nicht Eurer Meinung ist? Todesstrafe weil jemand Euer Hobby doof findet?

Was ist DAS denn für eine Diskussionskultur, meine Damen?

Oder kürzer zusammengefasst: Habt Ihr jetzt alle einen an der Klatsche?!

 

Edit von 16:12: Dazu passt wunderbar dieser Artikel von Das Nuf: Es ist einfach nicht in Ordnung, auf welche Art und Weise diese Frau „kritisiert“ und angegriffen wird, nur weil sie eine unpopuläre Meinung vertritt.

 

Bücher vor Vandalen schützen

Mein Sohn ist – wie vermutlich jeder gesunde Zweijährige – ein Vandale. Er liebt seine Bücher, am allerliebsten mag er die Wimmelbücher von Ali Mitgutsch und jene von Rotraut Susanne Berner.

Nur leider hat er, wie bereits angetönt, keinen Hauch von Schimmer davon, wie man ein Buch anständig behandelt. Der Wahrheit zuliebe muss ich anmerken: Hatte ich auch nicht. Weder mit Zwei noch mit Drei, auch nicht mit Fünf oder Sechs. Noch heute habe ich manchmal meine liebe Mühe damit, weshalb ich meine eigenen Fach- und Sachbücher auf dieselbe Weise schütze, wie die Bilderbücher des Kurzen.

Mein geliebter Mitgutsch ist nach 40 Jahren völlig hinüber

Mein geliebter Mitgutsch ist nach 40 Jahren völlig hinüber

Vier Kinder und eben so viele Kindeskinder in vierzig Jahren hinterlassen ihre Spuren: Bindung zerstört, Seiten zerfleddert, Rücken offen...

Vier Kinder und eben so viele Kindeskinder in vierzig Jahren hinterlassen ihre Spuren: Bindung zerstört, Seiten zerfleddert, Rücken offen…

So habe ich mich denn bei der Firma mit dem orangefarbenen „M“ mit transparenter Klebefolie ausgerüstet. Achtung, es gibt zwei Sorten, die eine hat blaue Karos auf der Rückseite, die andere Rote. Ich nehme immer die mit den Roten, weil man sie wieder ablösen kann, wenn man sich vertan haben sollte (grad heute habe ich zwei Seiten des einen Wimmelbuches in den Umschlag geklebt und musste die Folie wieder ablösen, das passiert also auch geübten Bucheinfassern).

Dazu braucht man ein Lineal oder ein Geometriedreieck, um die Folie anzupressen und eine scharfe Schere, um sie zu schneiden.

Schere, Folie und Geometriedreieck liegen bereit, die Arbeitsfläche ist sauber und staubfrei

Schere, Folie und Geometriedreieck liegen bereit, die Arbeitsfläche ist sauber und staubfrei

Zum Zuschneiden das Buch auf die Folie legen und diese so abmessen/schneiden, dass ringsum ein paar Zentimeter überstehen:

Zuschneiden

Folie zuschneiden

(niemand hat den Buchwechsel bemerkt… Mit dem Mitgutsch wurde es recht kompliziert, weil ich nicht nur den Umschlag, sondern auch die einzelnen Seiten mit Klebefolie überzogen habe, so dass sie in Zukunft  reissfest und abwaschbar sind. Das war aber so ein unsägliches Geknibbel – und ich konnte mich plötzlich an jedes Figürchen darin erinnern und schwelgte eine gute Stunde lang in einem Kindheitserinnerungsfilm, als ich den Leutchen auf dem Dorf nachfühlte-, dass ich das Fotografieren dabei ganz vergessen habe.)

Nach dem Zuschnitt wird das Buch in der Mitte geöffnet flach auf die Folie gelegt (diese mit dem Schutzpapier/Klebeseite nach Oben). Danach werden die Ecken so eingeschnitten:

Ecken einschneiden

Ecken einschneiden

Ist das erledigt, wird das Schutzpapier auf dem Streifen der Stirnseite und ein paar Zentimeter weiter abgezogen und umgelitzt. Nun wird der Stirnseitige Streifen auf der Innenseite des Deckblattes angeklebt, danach das Buch gedreht und die Folie langsam mit dem Lineal oder Dreieck angedrückt und nach vorne geschoben, dabei das Schutzpapier nach und nach abgezogen. Eventuelle Lufteinschlüsse sofort ausstreichen, am besten so, dass keine hässlichen Falten im Plastik entstehen.

Folie sorgfältig anpressen

Folie sorgfältig anpressen

Beim Buchrücken wird es erneut ein Bisschen tricky: Die Folie muss wiederum schräg eingeschnitten werden, danach wird sie erst mal auf der Vorderseite des Buches um die unteren und oberen Kanten gelegt und auf der Innenseite angepresst.

Rücken einschneiden und falten

Rücken einschneiden und falten

Ist das geschafft, fährt man weiter wie bisher, nur in umgekehrter Reihenfolge. Keine Angst, wenn man richtig angefangen hat, folgt der Rest automatisch, man kann gar nicht mehr falsch gehen. Am Ende noch die überstehenden Reste am Buchrücken ganz sorgfältig und möglichst nahe am Buch abschneiden und voilà haben wir ein geschütztes Buch und unsere kurzen Vandalen können ihr Töpfchentraining mit würdiger Lektüre absolvieren…

Klolektüre, fortan reiss- und wasserfest

Klolektüre, fortan reiss- und wasserfest