Tag Archives: Dreijährig

Nein, nein, nein und nochmals nein!

TantrumSagt eine andere Person “nein” zu einem, muss man das ohne Wenn und Aber respektieren, denn es bezeichnet die persönliche Grenze dieser Person. Sie ist mir keine Rechenschaft schuldig, es reicht wenn sie “nein” sagt. Würde ich mich darüber foutieren, käme ich mir in gewisser Weise übergriffig vor. Continue reading

Was ist verlorene Zeit? Eine Frage der Perspektive!

Bahnübergang

Bahnübergang in La Baume,
Foto von Philippe BRENET (Eigenes Werk) [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons

Kurzer und ich verbringen einen Tag die Woche bei seinen Grosseltern, die etwa eine Autostunde entfernt leben. Neulich waren wir wieder mal spät unterwegs, ich fuhr etwas schneller als sonst, um die verlorene Zeit wieder einzuholen.

Auf der Strecke liegt ein Bahnübergang. Da die Züge beim nahe gelegenen Bahnhof kreuzen, bleibt die Schranke, wenn sie einmal geschlossen ist, ewig lange unten. Und natürlich schloss sich prompt die Bahnschranke, als wir dort ankamen. Das ist immer so, wenn ich keine Zeit habe.

Ich war genervt. Trommelte mit den Fingern aufs Lenkrad. Schimpfte ein kleines Bisschen vor mich hin. Auf dem Rücksitz tönte es “Mama, Mama!” Im Wissen, dass mein Dreijähriger nicht gerade die Geduld auf zwei Füssen ist, drehte ich mich zu ihm um, um ihm zu erklären, dass wir jetzt halt warten ein paar Minuten Geduld haben müssen.

Und was sehe ich? Ein kleiner Bub in freudiger Erregung!

“Kommt jetzt ein Zug?”
“Ja”.
“Was für ein Zug?”
“Weiss nicht”.
“Ist es ein langer Zug?”
“Das sehen wir dann”.
“Kommt er jetzt bald?”
“Wahrscheinlich schon”.
“Ist es ein blauer Zug?”

Welch Abenteuer!

Er freute sich wie ein Honigkuchenpferd darüber, dass die Schranke geschlossen war!

Plötzlich kam mir die Warterei gar nicht mehr schlimm vor. Am Ende ist auch das nur eine Frage der Perspektive.

Da hat mir Kurzer in ein paar Minuten eine Lektion über Achtsamkeit und das Leben im Jetzt beigebracht, die ich so schnell nicht wieder vergessen werde.

 

Die schrecklichen Zwei

Zuerst die gute Nachricht: Es wird besser!

Mary Cassatt, Kinder am Strand, 1884

Es geht auch friedlich!
(Mary Cassatt, Kinder am Strand, 1884)

Neuerdings kann Kurzer sogar mit Drei- und Vierjährigen spielen oder versucht es wenigstens, ohne gleich auf Konfrontation zu gehen. Die Trotzanfälle sind zwar nicht weniger, aber wenigstens kürzer geworden.

Wenn er wieder mal im Roten dreht, versuche ich mir vor Augen zu halten, was in dem einen Jahr zwischen Zwei und Drei so alles geschieht in der kindlichen Entwicklung: Zwei grosse Punkte stehen da auf der Tagesordnung, die Entstehung des “Ich” und die Aneignung und Perfektionierung der Muttersprache. Beides sind, von Nahem betrachtet, irrsinnige Leistungen des Gehirns! Continue reading