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Wer bezahlt den Dolmetscher im Spital?

Dieser Beitrag im Schweizer Radio von vor ein paar Tagen hat im Facebook zur gewohnten Polemik besorgter Bürger geführt.

„Wer hier leben will soll gefälligst deutsch lernen und wer er das nicht will, soll er den Dolmetscher aus der eigenen Tasche bezahlen.“

Jep. Wenn es nicht so kompliziert wäre, dann wäre es eigentlich ganz einfach.


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Tür 4 – Weihnachtsgedanken am Kinderbett | Nieselpriem

Heute – auf den Tag 6 Jahre nach dem ALTE meines Sohnes – durfte ich das Adventsfenster auf dem Blog der charmanten Frau Nieselpriem gestalten. Allein ihre Einleitung ist so schmeichelhaft, dass ich vor Scham erröte (aber ich will sie Euch trotzdem nicht vorenthalten):

Katharina lebt in der Schweiz und schreibt auf Mama hat jetzt keine Zeit. Wir haben uns zusammen gefunden, als ich für sie unter einem Pseudonym einen Gastartikel geschrieben habe. Dem folgte oder ging voraus ein sehr interessanter Mailverkehr. Wir teilen viele Erfahrungen, Ansichten und sie war mir vom ersten Moment an grundsympathisch! Auch, weil sie prinzipiell keinen Cent auf allgemein gängige Meinungen gibt und einfach ihr “Ding” macht. Kein Thema ist ihr zu heikel, nichts zu politisch. Sie will es, sie macht es. Ich mag sie dafür sehr! Jetzt aber ging es um Weihnachten. Also mit Weihnachten braucht man Katharina nicht zu kommen. Sie ist der Grinch unter den Elternbloggern. Für uns hat sie trotzdem eine Weihnachtsgeschichte geschrieben und – typisch Katharina – ohne Streuseln, Glocken, Engelsgeläut. Dafür mit Tiefgang und Gänsehaut. Danke Katharina!

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Ein Segen

In gewisser Weise war die Zeit, die wir nach Kurzens Atemstillstand im Krankenhaus verbringen mussten, für uns ein Segen. Ich weiss, das tönt jetzt furchtbar. Die Zeit war schwer, wir wussten nicht was geschehen würde, ob Kurzer jemals gesund sein dürfe, ob von seinem wiederholten Sauerstoffmangel etwas zurückbleiben würde. Die Bilder, wie ich alleine meinen erschlafften, schneeweissen Sohn reanimierte, werde ich wohl bis an ein Lebensende nicht mehr loswerden.

Kinderklinik-Schild. Bild von Paul-Georg Meister  / pixelio.de

Bild: Paul-Georg Meister / pixelio.de

Und trotzdem.

Das Wochenbett dauert in der heutigen Zeit statt wie früher sechs Wochen,  noch gerade drei Tage, bei Kaiserschnitt eine knappe Woche. Danach befindet man sich wieder zuhause, muss funktionieren, wenn der Partner (sofern vorhanden) keine Ferientage zum richtigen Zeitpunkt bewilligt bekommt, ist die Wöchnerin auf sich alleine gestellt. Unabhängig davon, ob nur der Säugling oder noch ältere Geschwister zu versorgen sind oder nicht. Der Mann muss arbeiten und kommt zum Essen, der Haushalt will gemacht werden und Baby und seine Geschwister müssen versorgt und Gäste bewirtet werden.

Das alles ist die Aufgabe der Wöchnerin.

Und dann wundert es einem, wenn Mutter und Kind gestresst sind, das Baby entsprechend reagiert und viel weint und junge Mütter gleich reihenweise in Postpartale Depressionen versinken.

Und aus diesem Grund war die Zeit im Kinderspital für uns ein Segen.

Wir konnten uns ausklinken aus dem Alltag. Mussten keinen Besuch abwimmeln, niemand war beleidigt, wenn wir sagten, dass wir niemanden empfangen wollten. Ich konnte über vier Wochen mit meinem Baby verbringen, in Ruhe, ohne Störung von aussen. Sogar das Essen wurde gebracht.

Bonding bis zum Abwinken, Haut an Haut, und nichts anderes zu erledigen, zu tun. Nur wir zwei (und eine Handvoll Ärzte, die Pflegefachleute und die allerliebsten Leute vom Hausdienst, die mir sogar Kaffee holten wenn der Kleine auf mir eingeschlafen war).

Jeden Tag nahm ich den Laptop und mehrere Bücher mit, um ein wenig zu surfen oder zu schreiben – und jeden Tag brachte ich ihn wieder heim, ohne ihn hochgefahren zu haben.

Nichts zu tun, nur mein Baby zu halten, zu riechen, ihm vorzusingen oder zusammen zu dösen in dem blauen Stillstuhl mit der herunterklappbaren Rückenlehne. Alle paar Stunden mal abpumpen und zwischendurch aufs Klo. Den Rest der Zeit verbrachte ich mit meinem Baby.

Ohne die vier Wochen im Krankenhaus hätte ich niemals die Musse gehabt, mich so intensiv auf meinen Kleinen einzulassen. Ich wäre ständig abgelenkt gewesen, hätte tausend Dinge erledigen müssen und ja: Ich hätte mich selber schon sehr schnell wieder zu Leistungen angetrieben, unfreundlich wie ich halt nun mal sehr oft mit mir selber bin (ich arbeite daran, versprochen!), und hätte mir das letzte abverlangt. Natürlich wäre ich in eine Depression verfallen und nie hätte ich diese intensive Nähe kennengelernt oder gefühlt, die sich allein dadurch ergeben hat, dass Kurzer und ich alleine zusammen in diesem Krankenzimmer „eingesperrt“ waren und es schlicht nichts gab, was mich hätte ablenken können.

Und durch die erzwungene Ruhe konnte sich auch mein Körper von den Strapazen der Schwangerschaft und der Zeit auf der Neo erholen.

So gesehen waren diese vier Wochen im Krankenhaus ein Segen für meinen Sohn und mich und unsere Beziehung.

Ein Gedanke, ein liebes Wort und ein kleines Bärchen zum richtigen Zeitpunkt

Eine Ente und ein Bär

Eine Ente und ein Bär: Wertvolle, kleine Tröster in unserem Krankenhausalltag

Als Kurzer am 24. Dezember 2009 nach seiner Kehlkopf-Operation vom CHUV (*) nach Neuchâtel zurück verlegt wurde, war das für uns ein freudiges und trauriges Ereignis gleichzeitig. Froh, nach dem Ameisenhaufen eines Universitätskrankenhauses für die Genesung wieder ins vertraute Kantonsspital zurück zu kehren, froh, dass die endgültige Genesung unseres Babys nur noch eine Frage der Zeit war und traurig, weil wir sein erstes Weihnachten im Krankenhaus feiern mussten. Für die beiden Sanitäter und die Kinderkrankenschwester hingegen war es ein Arbeitstag, wie jeder andere.

Kurzer wurde aus Sicherheitsgründen in einem Krankenwagen transportiert, ich durfte vorne mitfahren. Im Heck der Kleine, seine Autobabyschale war auf der Bahre festgeschnallt. Bei ihm sassen eine Krankenschwester und ein Sanitäter, mit kohlrabenschwarzen Augen, keine zwanzig Jahre alt.

Ob er dem Baby ein Bärchen schenken dürfe, fragte er mich beim Einsteigen. Ich war überrascht. „Aber er hat doch gar nichts davon„, wollte ich abwinken. Kurzer war ja nicht mal drei Monate alt und vom Morphium, das er gegen die postoperativen Schmerzen bekam, noch völlig high. „Ich liebe Babys über alles, heute ist Heilig Abend und es wäre mir wirklich eine Freude„, antwortete der Sanitäter. Mir stieg das Wasser in die Augen.

Die Verlegung dauerte eine Stunde, der Fahrer sprach mit mir über das Wetter, die Strassenverhältnisse und die Neuorganisation des Rettungswesens in unserem Kanton. Im Heck des Fahrzeuges summte der junge Sanitäter, an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnern kann, Kinderliedchen und wackelte mit dem Bärchen vor Kurzens Nase herum, jedes Mal wenn dieser im Halbschlaf zu jammern anfing.

Bis heute denke ich mit Dankbarkeit an diesen warmherzigen, jungen Kerl zurück, der so lieb mit meinem Baby umgegangen ist!

 

Man kann nicht erwarten, dass Angestellte aus dem medizinischen und paramedizinischen Bereich Plüschtierchen und andere Trösterli aus der eigenen Tasche bezahlen, die sie den kranken Kindern verschenken. Deshalb hat Jenny Weingart das «Projekt Troschtbärli» ins Leben gerufen. Sie sucht immer wieder nach Strick-, Näh- oder Häkelwilligen Helferinnen und Helfern, die ihre Aktion unterstützen möchten.

 

P.S. Wie schon so oft, bin ich durch Rita Angelone von Die Angelones auf diese Aktion aufmerksam worden: Januar-Loch: Wolle sinnvoll verwerten – Troschtbärli stricken

P.P.S. Ich wurde nach der Ente gefragt: Die Ente bekam Kurzer vom Chariot Magique / s’Zauberwägeli, ebenfalls während seiner Zeit im Krankenhaus

 

(*) CHUV = Centre hôpitalier universitaire vaudois, Universitätskrankenhaus des Kantons Waadt in Lausanne

Gestern vor einem Jahr

Gestern morgen vor einem Jahr rückten wir zwar ängstlich, aber mit grosser Vorfreude, ins Krankenhaus ein, um „die dicke Steisslage“ (Arbeitstitel) per Kaiserschnitt zu gebären.

Gestern Mittag vor einem Jahr hätte der Kaiserschnitt vorbei gewesen sein, wir hätten in einem Gebärsaal Bonding bis zum Abwinken betreiben und alles hätte perfekt sein sollen.


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