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Häkeln – Der Untergang des Abendlandes, Mommywars und Todesdrohungen

Meine sehr verehrten Damen,

Lasst es mich gleich offen sagen: Ich lese Bastelblogs nicht und finde DIY-Blogs nur bedingt interessant. Wie auch Blogs über geschätzte 5 Millionen andere Hobbys, mit denen ich nichts anfangen kann.

Eine Frau hat eine Polemik über die DIY-Epidemie geschrieben, die z.Z. unter Müttern herrscht: „Hilfe! Ein Häkeldiplom!“ Ich habe beim Lesen ein paar Mal gegrinst, genickt, den Artikel im Gehirn unter „belanglos“ abgespeichert und mich dann weggeklickt. Das war vor zwei Tagen.

Als ich vorhin meinen Computer anschaltete verstand ich die Welt nicht mehr. Über Nacht steht die Mama- und DIY-Blog-Szene steht kopf, rebloggt, schimpft und schandet und bricht Stäbe über dem Kopf der Autorin des besagten Artikels.

Leute, die Frau mag Euer Hobby nicht – aber daneben hat sie auch eine durchaus interessante Frage gestellt: Ob es zwischen all den 50er-Jahre-Charme versprühenden lila-rosa-Blogs mit Häkeldeckchen einerseits und dem antifeministischem Backlash, unter dem wir zur Zeit alle zu leiden haben, andererseits, wohl einen Zusammenhang gäbe.

Darauf könnte man inhaltlich antworten. Man könnte darauf hinweisen, wie hochpolitisch die geschmähten Muttiblogs sein können (und meiner Meinung nach auch sind). Man könnte darauf hinweisen, dass ein Hobby ein Hobby ist oder dass das, was eine in ihrem Blog der Weltöffentlichkeit präsentiert, nur ein winzig kleiner Ausschnitt ihrer gelebten Realität ist, etc. Es gäbe ganz viele inhaltliche Antworten, die man ihr geben könnte, sofern man überhaupt Antworten will und sich nicht einfach wegen Desinteresse oder Bullshitalarm wegklickt.

Aber nein, die Muffinsfraktion schickt die geballte Mobbingpower raus!

Logo, sie war nicht gerade zimperlich und hat auch ganz schön ausgeteilt. Aber trotzdem, meine Damen. Über 750 Kommentare in zwei Tagen und alle paar Minuten kommt noch ein Neuer hinzu. Und geschätzte 90% davon greifen die Autorin persönlich an, unter jeder Anstandslinie,  wie ein Rudel Hyänen stürzen sie sich auf sie: Du hast eine andere Meinung, STIRB!

Über ihre Depressionen wird sich lustig gemacht, sie wird bedroht, nach Syrien geschickt, ihr Geisteszustand in Frage gestellt und überhaupt.

Wir sprechen hier nicht über jemanden, der Kinder fickt oder sie schlägt oder verkauft oder sowas. Sondern einfach eine Frau, die geschrieben hat, dass sie Euer Hobby Scheisse findet.

Letzte Woche habt Ihr noch über „Mommywars“ lamentiert und gefordert, dass Frauen und Mütter endlich damit aufhören sollten, weg jedem Mist aufeinander einzuhacken.

Und heute psychiatrische Ferndiagnosen nur weil jemand nicht Eurer Meinung ist? Todesstrafe weil jemand Euer Hobby doof findet?

Was ist DAS denn für eine Diskussionskultur, meine Damen?

Oder kürzer zusammengefasst: Habt Ihr jetzt alle einen an der Klatsche?!

 

Edit von 16:12: Dazu passt wunderbar dieser Artikel von Das Nuf: Es ist einfach nicht in Ordnung, auf welche Art und Weise diese Frau „kritisiert“ und angegriffen wird, nur weil sie eine unpopuläre Meinung vertritt.

 

Edelglacé aus eigener Produktion

Es war heiss, der einzig aushaltbare Ort der Wohnung war mit nacktem Bauch vor dem Ventilator. Auch der Häsu war dieser Meinung.
Da Mama eigentlich arbeiten sollte, gab es keine Badi. Aber natürlich schaute bei 36° nicht mehr viel heraus, da auch Mama nicht für die Tropen, sondern eher für den kühlen Norden konstruiert wurde.

Jänu, was tut man da? Zuerst wurde natürlich ausgiebig Siesta gehalten. Danach schaute man mal in der Kühltruhe nach, was es dort Feines zum Zvieri hat. Die Ausbeute war himmeltraurig, nur Elterndinge fanden sich, aber nichts für überhitzte Kleinkinder. Nun denn, wohlauf, wie immer hatte Mama die rettende Idee: Wenn’s kein Glacé hat und man für eines extra ins Auto sitzen müsste, dann muss man es halt selber machen.

Tja, aber Mama ist kulinarisch ein Luxusgeschöpf. Mit Wasser- oder Sirupglacé kann man sie jagen. Ihren Jungs wär’s ja noch gleich, die würden auch Raketen schlecken. Diverse Versuche mit Schlagrahm, Milch, Schokipulver etc. wurden in den letzten Jahren schon gemacht und allesamt verworfen. Ohne Glacémaschine (kein Platz für sowas!) kristallisiert der Rahm aus oder macht klebrigen Schlüdderlig (wie Kunststoffdichtung! örks). We’ve been there, seen that, igitt-igitt! Hier nun die rettende Idee:

Mousse au chocolat Pulver

Ein Beutel Mousse au chocolat Pulver (es kann auch von einem anderen Anbieter sein)

1.5 Deziliter kühlschrankkalte Milch

1.5 Deziliter kühlschrankkalte Milch

5 Minuten mixen

5 Minuten mixen

Glacé-Förmchen vorbereiten

Glacé-Förmchen vorbereiten (die gibt’s heute auch von fast allen Anbietern von Kunststoff-Kochzubehör)

Abfüllen...

Abfüllen…

...und in den Tiefkühler stellen

…und in den Tiefkühler stellen

Und während die Glacé vor sich hingefriert, darf der wichtigste Produktionsschritt natürlich nicht vergessen werden: DAS AUSSCHLECKEN DER SCHÜSSEL!

P.S. Das Rezept funktioniert übrigens auch mit anderen Moussen: Strachiatella oder Zitrone und was es heutzutage sonst noch für Sorten gibt.