Category Archives: Ich persönlich

Der Joggel

Der Joggel

Ich glaube es war im September 1979, dem Jahr, das als das Heisseste überhaupt in die Geschichte einging, bis sein Rekord im Hitzesommer 2003 gebrochen wurde. Meine Mutter war mit meinem kleinen Bruder schwanger. Ich war acht Jahre alt und es war Jahrmarkt im dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin.

Hatte ich einen Marktbatzen bekommen? Vermutlich schon. Es müssen wohl so zwei oder fünf Franken gewesen sein, die meine Schwester und ich zum Verjubeln bekommen hatten. Die haben wir sicher auch ausgegeben, denn an solchen Dorffesten fehlt es ja nicht an Gelegenheiten. Continue reading

Vertrauen

aschenputtel / Pixabay

Als kleines Mädchen konnte ich darauf vertrauen, dass sich schon alles richten würde. Dass jemand alles für mich in Ordnung würde, besser gesagt. Da war der Liebe Gott, den durfte man um alles bitten. Naja, fast alles. Unverschämt durfte man natürlich nicht sein. Auch für sich selber durfte man nichts verlangen, denn der Liebe Gott, wie er mir näher gebracht wurde, liebte nur demütige Menschen. Solche, die nur an sich dachten, die mochte er nicht. Continue reading

Nachdenkliche Momente 01/2016

Einen Moment innehalten…
(by-angie / Pixabay)

Die vierjährige Tochter der Bloggerin Mareice Kaiser ist einen Tag vor Silvester gestorben. Als ich davon erfahre, habe ich mich kurz von unseren Gästen davongeschlichen, um nachzusehen, ob ich auf FB gute Wünsche zum Neuen Jahr beantworten muss. Dort las ich dann davon. Ich sitze auf dem Bett und weine, während unsere Gäste ihr Fondue Chinoise geniessen. Später zünde ich eine Kerze für die Familie an. Continue reading

Sprachlos

Den ganzen Tag frage ich mich schon, wieso uns – auch mir, ich kann mich da nicht ausnehmen – die Attentate von Paris von gestern Abend so viel näher gehen, als jene in Beirut und Baghdad von vorgestern und den Absturz eines russischen Flugzeuges vor einer Woche.

Dann denke ich über die Reaktionen nach, die ich mitbekommen habe. Reaktionen, die mir mehr Angst einjagen, als die Terroranschläge. Reaktionen, die die christliche Welt verteidigen wollen, indem sie alle christlichen Werte, die Essenz selber des Christentums, mit Füssen treten. Continue reading

Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen

StockSnap / Pixabay

Bei mir verändert sich zur Zeit einiges. Es wurde auch langsam Zeit, nachdem der Kurze ja nun schon seit über einem Jahr zur Schule geht, was mir vier “freie” Vormittage die Woche beschert. Seit Ende August sind noch zwei zusätzliche Nachmittage hinzugekommen, an denen er erst zur Schule geht, danach in den Hort.

Welch Luxus! Continue reading

Stille

Es ist mir momentan alles ein Bisschen zu viel. Zu viele Bilder, zu viele Eindrücke, zu viele Tote, aber auch zu viel Solidarität, Hoffnung und gute Menschen, die Gutes tun. Jedes Mal, wenn ich wieder eine Seite zum Thema Flüchtlinge aufschlage – auch Positive, wie die Berichterstattung über den “March of hope” –  habe ich erneut Tränen in den Augen. Continue reading

Sommerlochfüller: Denk’ ich an Nachbarländer in der Nacht…

Mir gefällt der Artikel  Denk’ ich an Nachbarländer in der Nacht…  von Mrs. Cgn. Deshalb klaue ich die Idee jetzt einfach mal strinkfrech, um das Sommerloch ein wenig auftzufüllen.

Reliefkarte SchweizBy Tschubby (Own work) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC BY-SA 2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

Was fällt mir zu unseren Nachbarländern ein? Ich gehe im Uhrzeigersinn vor. Continue reading

Anneli oder: Wie man damals auf die Bedürfnisse des Kindes achtete (#Familienalbum)

Blümchenkleid und gestrickte Kniestrümpfe

Frau Mutter fragte nach unserer Kindheit in den 1970er Jahren und machte daraus gleich eine Blogparade: Blogparade #Familienalbum: Unsere Kindheit der 70er und 80er Jahre Frau Mutter Blog. Sie fragte dabei insbesondere nach dem Sicherheitsdenken von damals (frei nach dem Motto: “wir sind Sieger, denn wir haben unsere Kindheit überlebt”).

Nun, die Siebziger, die Zeit in der man Tomboys mit kurzen Röcken und Kniestrümpfen verkleidete. Wir wohl mir in den Zeug war, sieht man dem Bild an 😉

Tragetuch in den 1980er Jahren

neue Moden Anfang der 80er Jahre

Ich wollte aber weder über Sicherheit noch über die gewöhnungsbedürftige Kleidermode der damaligen Zeit referieren, sondern über bedürfnisorientierte Elternschaft oder was man damals darunter verstand. Meine Eltern waren sehr jung und für damalige Verhältnisse neuen Konzepten gegenüber sehr aufgeschlossen. Beispielsweise hatte meine Mutter eines dieser neumodischen Dinger namens “Tragetuch”, wie man sie auf dem Bild rechts sehen kann. Die wurden damals nur von diesen verrückten “Alternativen” und “zurück zur Natur”-Typen benutzt.

Wie dem auch sei, ich schweife ab. Heute gilt es fast als selbstverständlich, dass Eltern auf die Bedürfnisse ihrer Kinder Rücksicht nehmen, insbesondere in den Bereichen, wo weder Sicherheit noch Gesundheit kompromittiert werden. Damals war es auch bei den best meinenden Eltern jedoch Gang und Gäbe, dass Eltern am besten wussten, was für ihre Kinder gut war. Das konnte weit in die Privatsphäre des Kindes hinein reichen.

Meine hübsche junge Mutter war handwerklich sehr begabt. Sie nähte meiner Schwester und mir eigene Puppen, mit Gipskopf, Kleidchen und allem dran. Es müssen wirklich schöne Puppen gewesen sein, so weit ich mich erinnern kann. Meine Puppe hiess Anneli und ich hatte sie sehr gerne. So gerne, dass ich die ganze Zeit mit ihr schmusen wollte. Was wegen des unbequemen Gipskopfes natürlich nicht ging. Also hielt ich sie bei den Füssen und schlug ihren Kopf so lange gegen die Wand, bis er weich und beschmusbar geworden war – und war happy.

Als meine Mutter dies jedoch sah, wurde sie wütend, bestrafte mich dafür, dass ich die schöne Puppe absichtlich kaputt gemacht hatte und nach einigen Wochen bekam ich ein repariertes Anneli wieder – erneut mit hartem Gipskopf. Und schlug es wieder gegen die Wand. Und ein paar Wochen später wieder. Und wieder. Und wieder.

Irgendwann nahmen sie mir das Anneli dann endgültig weg.

Ich war traurig.

Und noch heute wird in der Familie erzählt, dass ich als Kind mutwillig meine Puppen zerstörte. Nach dem wahren Grund hat nie einer gefragt.

So war das in den Siebzigern.