Archiv der Kategorie: Psychologie

Wandtafel mit Schriftzug "well done"

Nachgeforscht: Übertriebenes Loben schadet dem Selbstbewusstsein

(dies ist die überarbeitete Version eines Postings vom März 2014)

Nach den Lesen von Alfie Kohns „Punished by Rewards (auf Deutsch „Liebe und Eigenständigkeit“ – Werbelink) war ich imemr ein wenig skeptisch gegenüber dem, was ich auf unseren Reisen in Grossbritannien im Umgang mit Babys und Kinder erlebt hatte. Überall nur „good boy“ und „good girl“, „well done“ und „terrific“ und zwar mit der Giesskanne und ohne mit der tatsächlichen Leistung des Kindes zusammenzuhängen.

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Überforderte Eltern, die ihre Kinder mit dem Smartphone ruhigstellen: Was man sieht und was man nicht sieht

Was man sieht

Diese Familie, die in ein Restaurant kommt, sich setzt und bestellt. Kaum ist die Bestellung aufgegeben, drücken die Eltern ihrem Sohn ein Handy in die Hand und er fängt an, damit zu spielen.

Furchtbar! Kann das Kind nicht mal fünf Minuten geduldig warten? Wie soll es das denn bitte schön lernen, wenn man ihn immer gleich elektronisch ruhig stellt? Und überhaupt: Im Restaurant? Um diese Zeit?! Mit Kindern, die nicht einfach mal still am Tisch sitzen sollen, muss man eh nicht ins Restaurant, die stören sowieso nur die anderen Gäste.

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bunte Pillen als Illustration für den Artikel

„Gibt es ADHS wirklich?“ – ein Rant

(Der hier kritisierte Artikel wurde nach dem Erscheinen dieses Artikels von seiner Autorin überarbeitet)

Letzte Nacht ist mir bei beim Surfen auf Facebook eine Userin begegnet, die sich darüber beklagte, dass ein Blogposting von ihr von der Leserschaft zerrissen wurde und ein Shitstörmchen hervorgerufen hat. Beim Versuch nachzuvollziehen, was da geschehen war und stiess ich auf den Artikel „Gibt es ADHS wirklich? Mein persönliches Statement zu ADHS“ – und mir stieg der Senf in die Nase. Deshalb möchte ich hier meine ganz persönliche Meinung zu diesen Artikel kundtun.

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Neues Schwerpunktthema: Wenn die Wut kommt

Wut ist ein Thema, das unsere Familie nun schon ein paar Jahre begleitet. Wut – wo sie herkommt, was sie anrichtet, wie man sie kontrollieren kann. Wie wütend kleine Jungs werden können, und wieso. Wie lehrt man sie, ihre Wut nicht herunterzuschlucken, aber doch zu beherrschen? Wohin mit unserer eigenen Wut, wenn sie hochkommt und innert Sekunden unsere schönsten Erziehungskonzepte mit dem Hackebeil zerhackstückselt?

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Cover von Gundula Göbel: „Trost. Wie Kinder lernen, Traurigkeit zu überwinden“

Gundula Göbel: „Trost. Wie Kinder lernen, Traurigkeit zu überwinden“

Neulich sah es aus, als sei mein Kurzer am Boden zerstört: Sein bester Freund feierte  Geburtstag und hatte ihn nicht eingeladen. In mir machte sich Wut auf dieses Kind und seine Eltern breit. Wie konnten die nur zulassen, dass so was geschieht, wenn sie doch ganz genau wissen, wie lieb mein Sohn den ihren hat und wie die beiden ständig zusammen abhängen. Und ausserdem hatten wir ihren Sohn schliesslich auch zu unserem Kindergeburtstag eingeladen, da ist es nur Recht, wenn sie sich revanchieren!

Zum Glück hatte ich genau in dem richtigen Moment das Buch von Gundula Göbel auf dem Nachttisch! Weiterlesen

Rezension: Bücher über Wut | Vereinbarkeitsblog

ErikaWittlieb / Pixabay

Ich sitze schon seit über einem Jahr an dem Thema „Wut“ und komme mit meinen Recherchen einfach zu keinem Ende, so weitläufig ist es. Deshalb hier wenigstens schon mal der Hinweis auf drei gute Bücher zu dem Thema, besprochen von Uta auf dem Vereinbarkeitsblog:

Wut ist ein starkes Gefühl und gerade wenn wir Kinder haben, werden wir immer wieder auf unterschiedlichste Art und Weise damit konfrontiert. Die Wut unserer Kinder kann uns erschrecken, aber auch selber wütend machen. Meine eigene Wut ist ein Thema, mit dem ich mich beschäftigen möchte. [weiterlesen beim Vereinbarkeitsblog…..]

 

 

Plädoyer für elterliche Weiterbildung und gegen das Bauchgefühl

Seit mein Sohn auf der Welt ist und ich mich öfter mal mit Eltern über Erziehungs- und Kinderthemen unterhalte, heisst es immer mal wieder, als Mutter, als Eltern, solle man sich auf sein Bauchgefühl verlassen, dann würde man schon das Richtige tun. Ich habe diese Aussage eigentlich nie hinterfragt. Bis auf heute. Weiterlesen

Dumm ist, immer dasselbe zu tun und jedesmal ein anderes Resultat zu erwarten

Ich weiss nicht mehr, wer den Satz im Titel gesagt oder geschrieben hat (Internet kennt verschiedene Quellen). Fakt ist aber: Er stimmt. Als Menschen funktionieren wir heuristisch. Das bedeutet: Wenn etwas mal funktioniert hat, dann verwenden wir immer dieselbe Strategie.

wrong way

Bildquelle: geralt / Pixabay

Grundsätzlich ist das nicht negativ, es erspart uns viel Zeit und Energie und erlaubt uns, speditiv vorwärts zu schaffen, statt jedes Mal das Rad neu erfinden zu müssen. Nur dass wir dieselbe Strategie auf andere Situationen anwenden, schliesslich hat sie sich ja bereits bewährt. Plötzlich funktiniert aber diese Strategie nicht mehr, wenn sich die Umstände geändert haben. Und was tun wir? Wir wiederholen sie. Und nochmal und nochmal.

„Lösungsorientiertes Vorgehen bedeutet in der Praxis, zu beobachten und zu erkennen, ws (gut) funktioniert und was nicht. Dann liegt es nahe, all das verstärkt und häufiger zu tun, was zu erwünschten Ergebnissen führt, und alles zu unterlassen, was nicht (gut) klappt. Stattdessen tun aber viele Menschen ‚mehr und mehr desselben‘, wenn sie nicht zum Ziel kommen“
(Monika Gruhl, Resilienz, S. 200)

Ja, so ist das. Wenn unser Kind uns nicht gehorcht, wiederholen wir das Gesagte noch mehrmals, das Einzige was wir anders machen ist, dass wir dabei jedes Mal etwas lauter und generverter tönen.

Die Autorin des Ratgebers „Resilienz. Die Strategie der Stehauf-Menschen“ empfiehlt, Verhaltensweisen, die nicht zum Ziel führen, über Bord zu werfen und was anderes auszuprobieren:

„Wenn Ihre Vorgehensweise Ihnen nicht das bringt, was Sie damit bezwecken, hören Sie auf damit!
[…]
Die Kunst der Lösungsorientierung besteht darin, unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung zu haben und gezielt da einzusetzen, wo Sie eine Verbesserung für wünschenswert oder nötig halten. Die Voraussetzung dafür, das tun zu können, ist, die Situationen und Kontexte zu analysieren, sich selbst und die Reaktionen anderer aufmerksam wahrzunehmen, und zu evaluieren, welche Möglichkeiten sich wo bewähren. Schaffen Sie sich durch Beobachten, Ausprobieren und Auswerten im Lauf der Zeit ein Repertoire von bewährten und erdenklichen Lösungsstrategien. Trainieren Sie Ihre Fähigkeit, diese flexibel einzusetzen und gleichzeitig offen zu bleiben für neue Varianten“.
(Monika Guhl, Resilienz, S. 201)

Noch während ich diesen Absatz las, zeigte sich vor meinem inneren Auge ein Bild, das ich kaum mehr los wurde: Ich sah mich selber, morgens um 7 Uhr 30, noch im Schlafanzug, wie ich den Kurzen zu überzeugen suche, sich endlich anzuziehen, Zähne zu putzen, aufhören zu spielen, weil der Schulbus um 8 Uhr fährt und das alles nur durch „Beobachten“, „Analysieren“ und „Evaluieren“. Nein, in der Situation selber würde ich es wohl wieder ganz ohne Analyse, dafür mit lautem Brüllen versuchen, die Lösung des Konfliktes zu erzwingen.

Was ich aber hilfreich finde ist, jeweils Abends vor dem Zubettgehen mit dem Kurzen kurz darüber zu diskutieren, was ihm während des Tages gefallen hat und was nicht. Das mache ich auch für mich selber, wenn Mann und Kind im Bett und der Computer ausgeschaltet ist. Dann denke ich den Tag nochmal durch, reflektiere, überlege, wo etwas schief lief, wo es Streit oder Gebrüll gab, welche Verhaltensweisen destruktiv und welche produktiv waren. Und was ich ein nächstens Mal in der gleichen Situation besser machen könnte, um zum gewünschten Resultat zu kommen.

Weil, ganz ehrlich: Meistens wüsste man doch, wie es eigentlich ginge, kann dann aber aus irgend einem Grund nicht aus seiner Haut. Oder auf psychologisch: Man kann das Wissen zu dem Zeitpunkt nicht abrufen und dann kommen Heuristiken zum Tragen, die wir vielleicht sogar schon als destruktiv erkannt haben. Wenn man sich das wieder und wieder bewusst macht – ohne sich selber dafür zu beschimpfen! – kann man sich mit der Zeit neue, konstruktive Verhaltensweisen antrainieren, davon bin ich überzeugt.

 

Monika Gruhl: „Resilienz. Die Strategie der Stehauf-Menschen“

Resilienz ist eines dieser Wörter, die bis vor Kurzem kaum einer kannte und seit einigen Monaten ist es plötzlich in aller Munde. Als ich deshalb zufällig über den Titel „Resilienz. Die Strategie der Stehauf-Menschen“ gestossen bin, war ich neugierig.

Wo man auch hinschaut in Zeitschriftenartikeln und Ratgebern, scheint Resilienz DIE Eigenschaft zu sein, über die ein modernes Individuum verfügen sollte und eine der wichtigsten Fähigkeiten, die wir unseren Kindern beibringen sollen. Weiterlesen