Das Recht, zu trotzen!

In einer Diskussion tauchte die Frage auf, welche elterlichen Interventionen funktionierten, um ein trotzendes Kleinkind vom Weinen und Toben abzubringen.

Mich stört in diesem Zusammenhang der Begriff “Funktionieren”. Die Trotzphase kommt in allen menschlichen Kulturen, ja sogar bei den Primaten vor. Das bedeutet, ein trotzendes Kind funktioniert innerhalb normaler Parameter. Es muss trotzen, es durchläuft ein biologisches Programm (dessen Sinn und Zweck wir einfach noch nicht ganz verstehen).

Das Kind hat das Recht, zu weinen!

Ich würde mich ja schön bedanken, wenn ich aus lauter Verzweiflung am Weinen wäre und mein Lebensgefährte käme und würde sagen: “jetzt hör’ mal auf damit” oder “ich will hier in Ruhe [wasauchimmer], geh’ in dein Zimmer weinen” oder nach funktionierenden Tricks fragen würden, damit ich aufhöre zu weinen und am liebsten auch nie mehr damit anfangen täte. Würde mein Gefährte so mit mir und meinen Gefühlen umgehen, ich würde mich selber und ihn fragen:

Redet man so mit dem geliebten Menschen?

Eltern sind auch nur Menschen, richtig. Aber trotzdende Kleinkinder auch. Alleine deshalb haben sie unseren Respekt und unsere Unterstützung verdient, wie jeder andere Mensch auch. Wenn wir das als Eltern fertig bringen – auch hier gilt: Übung macht die Meisterin! – dann haben wir einen grossen Schritt in unserer eigenen Persönlichkeitsentwicklung machen können und werden dadurch wiederum zu besseren Vorbildern für unsere Kinder.

13 thoughts on “Das Recht, zu trotzen!

  1. Katharina

    Was heißt denn das konkret, “Respekt und Unterstützung”, wenn ein Kleinkind trotzt?
    Das Ziel ist, dass das Kind lernt, mit heftigen/starken Gefühlen umzugehen und selber aus dem “schlechten Film” rauszufinden.

    Das würde ich gerne mal am konkreten Beispiel erfahren, was du dann tust, wenn das Kind so laut schreit und tobt, dass es verbal gar nicht mehr erreichbar ist und um sich schlägt, wenn man es anfassen möchte. (Um das vorwegzunehmen: alles bereits erlebt und zwar bei ganz normalen, nicht verhaltensgestörten Kindern nicht verhaltensgestörter Eltern).
    Wie im vorherigen Post “Trotzblog” beschrieben: Das Kind davon abhalten, sich oder anderen Schaden zuzufügen (auch physisch, durch Festhalten o.ä.). Danach versuchen, Kontakt herzustellen. Wenn es einem lässt mit Streicheln, Hand auflegen, Hand halten, Fuss streicheln,… und/oder verbal mit Summen, Singen, Sanft ansprechen.
    Also nicht versuchen, das Kind rauszuholen, sondern ihm sagen wir ein Kerzchen am Ende des Tunnels hinzustellen, um ihm den Weg zu zeigen – aber das Kind den Weg selber gehen lassen.

    Zum Vergleich mit dem Partner:
    Wenn der wegen einer Kleinigkeit, sagen wir, weil ich nicht jetzt Zeit für ihn habe, sondern in fünf Minuten, alle Register zieht, schreit, tobt, weint und nicht zu beruhigen ist, ja, dann werde ich ihm schon mal sagen, dass das so nicht geht und er mal wieder auf den Teppich kommen soll, oder wahlweise den Ort des Geschehens verlassen.

    Die Definition von “Kleinigkeit” liegt im Auge des Betrachters. Ein Erwachsener hat sehr viel gelernt, was ein Zweijähriger noch nicht weiss. Unter Anderem auch, was dramatisch ist, was nicht, und welche emotionale Reaktion auf welche Situation angemessen ist. Aber dieses Wissen über die Angemessenheit einer Reaktion fällt nicht vom Himmel, die muss auch erst gelernt werden!
    Und ja, natürlich stellt man allein deshalb schon an einen Erwachsenen ganz andere Ansprüche, als an einen Zweijährigen. Aber die Grundlagen einer liebevollen und respektvollen Beziehung sind dieselben, egal ob das Gegenüber 2, 22 oder 92 ist!

    Wer allerdings als Erwachsener sich noch so benimmt, der tut das häufig so, weil er gelernt hat, dass er damit etwas erreicht. Und die wichtigsten Lernschritte, die am festesten sitzenden Lektionen, die lernen wir nunmal in der Kindheit. Oder woher sonst stammen die manipulativen Erwachsenen, die “guilt trips” als Waffe einsetzen?
    Korrekt.
    Nur ist es so, dass die Annahme, das Trotzen würde einem manipulativen Ziel dienen, von den Neurowissenschaften und Entwicklungspsychologie heute abgelehnt wird. Das menschliche Gehirn ist zu diesem Zeitpunkt kognitiv noch nicht in der Lage, die dazu nötigen komplexen Antizipationen durchzuführen. Das kommt später. Was sie aber können, sind einfache If-Then-Else-Schleifen. Wenn ich ihm also antrainiere, dass bei genügend ausdauerndem Gebrüll die Schokolade kommt, dann habe ich den Schlamassel (zwei bis drei Wiederholungen reichen übrigens, damit die Kurzen das intus haben!).
    Zum Weiterlesen: Gordon Neufeld, Herbert Renz-Polster, Remo Largo

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  2. Martina Diel

    Was heißt denn das konkret, “Respekt und Unterstützung”, wenn ein Kleinkind trotzt?
    Das würde ich gerne mal am konkreten Beispiel erfahren, was du dann tust, wenn das Kind so laut schreit und tobt, dass es verbal gar nicht mehr erreichbar ist und um sich schlägt, wenn man es anfassen möchte. (Um das vorwegzunehmen: alles bereits erlebt und zwar bei ganz normalen, nicht verhaltensgestörten Kindern nicht verhaltensgestörter Eltern).

    Zum Vergleich mit dem Partner:

    Wenn der wegen einer Kleinigkeit, sagen wir, weil ich nicht jetzt Zeit für ihn habe, sondern in fünf Minuten, alle Register zieht, schreit, tobt, weint und nicht zu beruhigen ist, ja, dann werde ich ihm schon mal sagen, dass das so nicht geht und er mal wieder auf den Teppich kommen soll, oder wahlweise den Ort des Geschehens verlassen.
    Wer allerdings als Erwachsener sich noch so benimmt, der tut das häufig so, weil er gelernt hat, dass er damit etwas erreicht. Und die wichtigsten Lernschritte, die am festesten sitzenden Lektionen, die lernen wir nunmal in der Kindheit. Oder woher sonst stammen die manipulativen Erwachsenen, die “guilt trips” als Waffe einsetzen?

    Reply
  3. Martina Diel

    > Wenn es einem lässt mit Streicheln, Hand auflegen, Hand halten, Fuss streicheln,…
    > und/oder verbal mit Summen, Singen, Sanft ansprechen.
    > Also nicht versuchen, das Kind rauszuholen, sondern ihm sagen wir ein Kerzchen am Ende
    > des Tunnels hinzustellen, um ihm den Weg zu zeigen – aber das Kind den Weg selber gehen
    > lassen.

    Hast du konkrete Erfahrungen damit gemacht und wie lange hast du gebraucht?

    > Die Definition von “Kleinigkeit” liegt im Auge des Betrachters. Ein Erwachsener hat sehr viel
    > gelernt, was ein Zweijähriger noch nicht weiss. Unter Anderem auch, was dramatisch ist, was
    > nicht, und welche emotionale Reaktion auf welche Situation angemessen ist.
    Richtig. Aber wodurch lernt es denn das Kleinkind, wenn nicht auch durch die Reaktionen des Erwachsenen in solchen Situationen?

    > Nur ist es so, dass die Annahme, das Trotzen würde einem manipulativen Ziel dienen, von
    > den Neurowissenschaften und Entwicklungspsychologie heute abgelehnt wird. Das
    > menschliche Gehirn ist zu diesem Zeitpunkt kognitiv noch nicht in der Lage, die dazu nötigen
    > komplexen Antizipationen durchzuführen. Das kommt später. Was sie aber können, sind
    > einfache If-Then-Else-Schleifen. Wenn ich ihm also antrainiere, dass bei genügend
    > ausdauerndem Gebrüll die Schokolade kommt, dann habe ich den Schlamassel (zwei bis drei
    > Wiederholungen reichen übrigens, damit die Kurzen das intus haben!).

    Genau das letztere *ist* doch erlerntes manipulatives Verhalten, und genau das ist doch die Sorge, die Eltern haben, wenn sie Trotzverhalten von Kindern erleben.

    > Zum Weiterlesen: Gordon Neufeld, Herbert Renz-Polster, Remo Largo

    Mich interessieren weniger Bücher, sondern der konkrete Umgang in konkreten Situationen.

    Reply
    1. Katharina

      >> Also nicht versuchen, das Kind rauszuholen, sondern ihm sagen wir ein Kerzchen am Ende
      >> des Tunnels hinzustellen, um ihm den Weg zu zeigen – aber das Kind den Weg selber gehen
      >> lassen.

      > Hast du konkrete Erfahrungen damit gemacht und wie lange hast du gebraucht?

      Wir exerzieren das z.Z. mehrmals täglich durch. Lewis (nicht ich) benötigt je nach Tagesform und was sonst noch alles ansteht zwischen ein paar Minuten und einer Stunde, um aus dem Anfall herauszufinden.

      Um Deine Antwort zu antizipieren: Für die Eltern, die sich diese Zeit nicht nehmen können oder wollen, ist Attachment Parenting vermutlich nicht das passende pädagogische Konzept. AP ist allgemein sehr zeitintensiv.

      >> Die Definition von “Kleinigkeit” liegt im Auge des Betrachters. Ein Erwachsener hat sehr viel
      >> gelernt, was ein Zweijähriger noch nicht weiss. Unter Anderem auch, was dramatisch ist, was
      >> nicht, und welche emotionale Reaktion auf welche Situation angemessen ist.
      > Richtig. Aber wodurch lernt es denn das Kleinkind, wenn nicht auch durch die
      > Reaktionen des Erwachsenen in solchen Situationen?

      Richtig. Aber nicht von der Reaktion des Erwachsenen in einer Trotzanfallsituation oder dadurch, dass der/die Erwachsene dem Kind zu erklären versucht, weshalb seine aktuellen Gefühle nicht angebracht sind. Sondern dadurch, wie das erwachsene Vorbild in einer analogen Situation reagiert.

      Beispiel: Lewis hat neulich schon vor dem Frühstück das volle Programm abgespuhlt, weil es keines seiner Lieblingsjoghurts mehr im Kühlschrank hatte. In der Situation hat es absolut keinen Sinn wenn ich hingehe und ihm erkläre, dass seine Reaktion überzogen sei oder dass das doch gar nicht so schlimm sei, weil es ja schliesslich noch viele andere Joghurts habe. Diese Botschaft – so wahr sie sein mag – kommt in dem Moment gar nicht an beim Kind.
      Die angemessene Reaktion kann ich ihm erst nach dem Anfall zeigen, wenn er aus seinem “Film” rausgefunden, fertig geweint hat und wieder zu mir gekommen ist. Dann erst kann ich sagen “schade, hat es kein Caramel mehr, schauen wir mal, was es sonst noch für Sorten hat”. Und erst jetzt ist er überhaupt dafür empfänglich. In 99 von 100 Fällen geht er dann auch mit und wählt ein anderes aus. Im einen Fall heult er zuerst nochmal ein Bisschen.

      >> Nur ist es so, dass die Annahme, das Trotzen würde einem manipulativen Ziel dienen, von
      >> den Neurowissenschaften und Entwicklungspsychologie heute abgelehnt wird. Das
      >> menschliche Gehirn ist zu diesem Zeitpunkt kognitiv noch nicht in der Lage, die dazu nötigen
      >> komplexen Antizipationen durchzuführen. Das kommt später. Was sie aber können, sind
      >> einfache If-Then-Else-Schleifen. Wenn ich ihm also antrainiere, dass bei genügend
      >> ausdauerndem Gebrüll die Schokolade kommt, dann habe ich den Schlamassel (zwei bis drei
      >> Wiederholungen reichen übrigens, damit die Kurzen das intus haben!).

      > Genau das letztere *ist* doch erlerntes manipulatives Verhalten, und genau das ist doch die
      > Sorge, die Eltern haben, wenn sie Trotzverhalten von Kindern erleben.

      Ja. Aber darum geht es hier gar nicht. Es geht nicht darum, die Realität für das Kind zu verändern oder alles dafür zu tun, dass es gar nicht erst “austickt”. Es geht darum, das Kind durch sein “Trauern” hindurch zu begleiten, nachdem es mit der Realität kollidiert ist.

      >> Zum Weiterlesen: Gordon Neufeld, Herbert Renz-Polster, Remo Largo

      > Mich interessieren weniger Bücher, sondern der konkrete Umgang in konkreten Situationen.

      Es gibt (leider 😉 ) keine alleinseligmachenden Rezepte, die für alle Kinder, alle Eltern und alle Situationen passen würden. Verallgemeinernd kann man wirklich nur sagen: Das Kind durch den Anfall hindurch begleiten, ihm derweil zeigen, dass man es liebt und erst wenn es rausgefunden hat, überhaupt mit Erziehung, Erklärung o.ä. anfangen. Wenn überhaupt: Ich beispielsweise finde es müssig, weil ich darauf vertraue, dass mein Sohn auch dann lernt, wenn ich keine Massnahmen ergreife, um sein Lernen zu beschleunigen. Anderen Eltern ist es aber sehr wichtig, dass ihr Kind alles rational versteht oder etwas gleich jetzt sofort aus der Situation heraus lernt. Das ist dann etwas, was man mit der konkreten Familie anschauen müsste, welcher Weg am besten zu ihr passt.

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  4. Andrea Mordasini, Bern

    Hoi Kat :)!

    Guter Beitrag, danke! Kinder dürfen wie wir Erwachsene auch wütend sein und dies ausdrücken, ganz klar. Ein trotzendes Kleinkind, das zum Beispiel gefrustet ist, weil es einmal mehr an Grenzen stösst, darf man nicht einfach so ignorieren. Ich versuche meinen Kindern möglichst mit Verständnis, Respekt und Toleranz gegenüber zu treten, genau so wie ich es mit Erwachsenen ja auch tue. Natürlich habe ich auch schlechte Tage, wo ich genervt, gestresst, gereizt bin, wo ich das Rumgeschreie und auf den Boden legen auch nicht so gut vertrage und dementsprechend reagiere… Aber ich arbeite an mir ;). Kleinkinder, ob trotzend oder nicht, haben genau so Anstand und Respekt verdient wie Erwachsene auch – leider haben das noch nicht alle begriffen… Merke es hin und wieder, wenn die Kleine einen “Anfall” schiebt im Migros, ÖV etc. Die “blöden” Blicke, verächtlichen “Zungenschnalzer”, Kopfschüttler oder obernervigen Kommentare sprechen da Bände. Aber eben: da müssen wir halt durch – die Besserwisser haben nun mal das Gefühl, als ruhige, brave, stille und wohl erzogene Erwachsene auf die Welt gekommen zu sein und/oder sind kinderlos… Und: auch die Trotzerei ist “nur” eine Phase (von vielen) und geht – zum Glück! – irgendwann vorüber :D!

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  5. Martina Diel

    Hallo,

    > Ich versuche meinen Kindern möglichst mit Verständnis, Respekt und Toleranz gegenüber zu
    > treten, genau so wie ich es mit Erwachsenen ja auch tue.

    Auch hier würde mich interessieren, was das denn genau heißt – was konkret tust du in einem solchen Falle und was passiert dann?

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  6. Andrea Mordasini, Bern

    Hoi Martina :)!

    Ich finde, dass Kinder genau so das Recht auf respektvolle Behandlung haben wie es Erwachsene auch haben, das heisst, ich verhalte mich ihnen gegenüber anständig, ohne sie anzubrüllen wenn sie “ä Seich” machen. OK, ich schimpfe und mache ihnen klar, dass dies und jenes nicht geht. Und klar, gerade bei zwei Kleinkinder im Trotz- und Entdeckeralter ist es nicht immer einfach, ruhig und gelassen zu bleiben. Hinzukommt, dass ich selber eine sehr temperamentvolle und emotionale Person bin und auch mal laut(er) werde. Für mich sind aber Respekt, Toleranz und Anstand sehr, sehr wichtige Anliegen, die ich meinen Kindern weitergeben will. Ich machte leider schon die Erfahrung, dass Erwachsene, oft auch “ältere Semester”, Kindern gegenüber nicht sehr freundlich gesinnt sind und sie niedermachen. Vor kurzem war ich mit drei Kleinkindern in einem Cooprestaurant mit Spielecke. Dass es dort eben mal etwas lauter zu und her geht, ist ja wohl logisch. War aber nicht im Sinn der AHV-Fraktion… Die Kommentare jener Nörgler à la “Die huere Sougoofe”, “dä cheibe Soulärm”, “äs längt de öppe” waren wirklich sehr verletzend. Warum können einige Erwachsene Kindern nicht anständig und freundlich sagen, dass sie bitte etwas leiser sein sollten? Da habe ich halt sehr grosse Mühe! Nur weil Kinder eben Kinder sind, noch unerfahren, sind sie doch nicht weniger Wert. Und eben: wenn sie respektvoll behandelt werden, lernen sie sich andern gegenüber, egal ob Kinder oder Erwachsene, auch respektvoll zu verhalten. Schliesslich sind wir ihre Vorbilder – von uns lernen sie, uns und unsere Verhaltensweisen ahmen sie nach, uns kopieren sie ;). Das verpflichtet ;).

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  7. Martina Diel

    Hallo Andrea,

    danke, dass du versucht hast, es zu erklären, aber ich weiß jetzt immer noch nicht mehr.
    Dass jeder Mensch Respekt verdient hat, da werden dir die meisten zustimmen, wer würde da auch schon widersprechen, aber die Frage ist doch, was heißt das konkret?
    Du schreibst, du schimpfst mit ihnen und sagst, dass das nicht geht, was sie tun – inwiefern ist Schimpfen denn respektvoll? Ich komme nicht aus der Schweiz, daher verstehe ich die Zitate nicht, kann also nicht beurteilen, ob ich das auch “Schimpfen” nennen würde, was da gesagt wurde.
    Also, was heißt konkret: Respektvoll behandeln?
    Ich habe Erfahrung mit Kindern, die trotzen, herumbrüllen etc
    . – ich habe mal zu einem gesagt, ob wir mal einen Wettbewerb machen wollen, wer von uns beiden am leisesten schreien kann? 😉
    Bei einem echten Trotzanfall nutzt das aber auch nichts, und ich habe keine Ahnung, *was* denn etwas nutzen mag, oder ob ich wirklich, weil ich erwachsen bin, mir *alles* anhören muss aus Respekt vor dem Kind und wenn es sein muss dann halt eine Stunde im Supermarkt stehen und mir die Ohren vollschreien lassen muss.
    Wie machst du das, ganz konkret?

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  8. desperateworkingmum

    Die Trotzphase meiner Tochter war so ausgeprägt, dass ich Hilfe bei Erziehungsberatung und Kindertherapeuten gesucht habe. Im Beruf holt man sich schließlich für vieles einen Experten, warum sollte ich das also bei der Erziehung meines ersten Kindes nicht auch machen?
    Die Ergebnisse bestanden in erster Linie aus Tröstung der Eltern: es sei alles im Rahmen (wenn auch in sehr starker Ausprägung) und werde von selber vorbeigehen. Das tat es auch irgendwann und wenn ich heute eine geplagte Mutter mit trotzendem Kind sehe, wünsche ich ihr alle Kraft, die sie braucht, um gut durch diese Phase zu kommen. Meines Wissens gibt es keine Methode, ein trotzendes Kind wieder zum “Funktionieren” zu bringen und auch wenn es in dieser Situation wünschenswert erschiene, so erinnert mich das Wort doch eher an eine Maschine als an unsere Kinder, die wir eben annehmen mit ihren liebenswürdigen und weniger liebenswürdigen Seiten. Meine Tochter hatte wohl die Trotzphase für den kleinen Bruder gleich miterledigt, denn bei ihm verlief diese Zeit recht unspektakulär. Für mein schwaches Mutterego eine Bestätigung, dass es nicht nur an mir gelegen haben kann, sondern eben jedes Kind anders ist.

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    1. Martina Diel

      Wenn man es als “Funktionieren” bezeichnet, ist das eine wertende Bezeichnung und beeinflusst schon entsprechend, das abzulehnen.
      Nennt man es “Soziales Verhalten erlernen”, sieht das eventuell schon anders aus.

      Verstehe ich deinen Artikel richtig, das Fazit ist: als Eltern muss man es einfach nur ertragen, wenn das Kind trotzt und hoffen, dass es schon vorbeigehen wird, in der konkreten Situation wie auch als Lebensphase?

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      1. desperateworkingmum

        Nichts liegt mir ferner, als anderen Eltern zu raten, was sie tun sollen. Das kann ich schon allein deshalb nicht, weil jedes Kind, jede Familie und jede Situation anders ist. Ich berichte nur meine persönlichen Erfahrungen in der Hoffnung, damit vielleicht dem einen oder anderen etwas Mut machen zu können. Mir hat es immer geholfen, zu hören: Ich bin nicht allein damit. Aber den richtigen Weg muss letztendlich jeder für sich selbst suchen.

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  9. Andrea Mordasini, Bern

    Hoi Martina :)!

    Sorry, melde ich mich erst jetzt. Hatte gerade ziemlich viel um die Ohren, nicht nur der Kinder wegen ;). Nein, Respekt beim Trotzen heisst für mich nicht, dass ich mir einen Tinnitus in die Ohren und ich sie im Laden „einfach so“ eine halbe Stunde schreien lasse. Auch für mich ist mal genug ;). Respekt heisst für mich in diesem Fall, dass ich sie ernst nehme und ihnen Verständnis entgegenbringe für ihren Anfall, der oft aus einem Frust entsteht. Ich sage ihnen, dass ich sie verstehe, dass sie wütend sind, weil sie zum Beispiel im Coop kein Schöggeli/Brötli haben dürfen (und dann auch keines erhalten!). Meistens, nicht immer, klappt es mit dem Validieren/Spiegeln recht gut und sie erholen ziemlich rasch vom Anfall und sie akzeptieren das Nein, so dass es gar nicht zu einer mehrminütigen Trotzerei kommt. Respektlos hingegen finde ich, wenn Kinder beim Quengeln und Zwängen ignoriert, wie Luft behandelt oder angebrüllt werden. Denn in einer solchen Phase brauchen sie uns mehr denn je! Und: je gereizter, gestresster und lauter ich bin, desto schlimmer wird die ganze Situation und gestresster die Kids.
    Aber eben: Patentrezepte gibt es keine. Schliesslich ist jedes Kind und jede Mutter anders – und auch ich bin nur ein Mensch und nicht perfekt und habe meine schlechten Tage, wo ich weniger ertrage und eher die Wand raufgehe und „explodiere“. Aber ich versuche jeden Tag mein Bestes ;)…

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  10. Pingback: Nein, nein, nein und nochmals nein! | Mama hat jetzt keine Zeit

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