Vertrauen

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Als kleines Mädchen konnte ich darauf vertrauen, dass sich schon alles richten würde. Dass jemand alles für mich in Ordnung würde, besser gesagt. Da war der Liebe Gott, den durfte man um alles bitten. Naja, fast alles. Unverschämt durfte man natürlich nicht sein. Auch für sich selber durfte man nichts verlangen, denn der Liebe Gott, wie er mir näher gebracht wurde, liebte nur demütige Menschen. Solche, die nur an sich dachten, die mochte er nicht.

Das wird auch der Grund gewesen sein, weshalb mir der Liebe Gott äusserst selten Wünsche erfüllte. Aber wenn Er meine Sorgen nicht richtete, dann tat dies mein Vater. Vater konnte alles reparieren und wieder in Ordnung bringen und sonst konnte meine Mutter so gut trösten, dass es mir so oder so wieder gut ging.

Im Laufe meines Erwachsenwerdens ist mir dieses Vertrauen, gut aufgehoben zu sein, und dass es das Leben gut mit mir meine und alles irgendwie wieder gerichtet und geflickt würde, abhanden gekommen. Dem Lieben Gott war scheissegal, wie es mir ging, auch als ich ihn nächtelang unter Tränen anflehte, mir zu helfen. Und auch meine Eltern konnten mir nicht helfen, im Gegenteil, ihr Verhalten führte dazu, dass ich mich in schwierigen Zeiten noch einsamer und verlassener fühlte, als ich tatsächlich war.

Ich war nicht mehr gut aufgehoben, sondern mutterseelenallein. Allein gelassen von den Leuten, denen ich vertraut hatte.

Mein Sohn hat dieses Vertrauen noch. Was auch immer passiert: Irgend jemand wird seine Welt wieder in Ordnung bringen, wenn sie aus den Fugen geraten ist. Daran glaubt er felsenfest. Er wird geliebt und gehalten, und wenn es sein muss getröstet.

Ich wünsche mir so sehr, dass ich dieses Vertrauen wieder finden und mich eines Tages im Leben wieder so gut aufgehoben fühlen kann.

 

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