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„Die Lehrerin will immer über mich bestimmen“ – Die erste Schulwoche des Kurzen

Vielerorts in Deutschland und der deutschsprachigen Schweiz ist die Einschulung ja eine ganz grosse Sache. Hier in der Westschweiz ist der Übergang von der Vorschule zur „richtigen“ Schule fliessend und eher so ein historisches Überbleibsel aus der Zeit vor der Harmonisierung der Lehrpläne (Harmos).

Harmonisierungschaos

Da in der Schweiz jeder Kanton (= Bundesland) sein eigenes Schulsystem hat, vielleicht ein paar Worte darüber, wie das hier so läuft. Der Kanton Neuchâtel, in dem wir leben, hat 11 obligatorische Schuljahre. In dem Sommer, der auf seinen vierten Geburtstag folgt, wird ein Kind eingeschult. Bei uns war das vor zwei Jahren der Fall (und noch mal ein paar Zentimeter grösser). Obwohl es bereits Lernziele gibt, erste Übungen Vorbereitungsarbeiten aufs Lesen, Schreiben und Rechnen sind und Themenblöcke an Geografie und Biologie erinnern, sind die ersten Zwei Jahre relativ locker. Es gibt keine fixen Pulte, es wird viel gespielt und längere Zeit stillsitzen müssen die Kinder nur, wenn die Lehrerin eine Geschichte erzählt.

(und für die Leser/innen aus der Deutschschweiz: Hier wird auch anders gezählt – mein Ersteler ist schon ein Dritteler)

Fliessender Übergang mit grossen Veränderungen

Im Sommer nach dem sechsten Geburtstag kommen die Kinder dann in die „richtige“ Schule. Wie gesagt: der Übergang ist fliessend, die Klassen 1-4 sind im „cycle 1“ (oder „Basisstufe“) zusammengefasst. Kurzer kann also im selben Schulhaus bleiben und weil aufgrund der grossen Anzahl Kinder eine neue Klasse eröffnet wurde, wird jetzt die eine Lehrerin, die er während seinen ersten beiden Schuljahren an zwei Vormittagen hatte, seine neue Klassenlehrerin. So waren ihm am ersten „richtigen“ Schultag sowohl die Räume als auch die Lehrerin bereits vertraut. Auch die Klasseneinteilung bleibt die gleiche, die Kinder kennen sich also alle schon.

Trotzdem ändert sich einiges. Beispielsweise haben die Kinder jetzt Pulte, an denen sie sitzen bleiben müssen. Es gibt einen fixen Stundenplan und Schulfächer. Die Kinder bekommen „richtiges“ Lernmaterial und Hausaufgaben. Ende des Jahres wird es neben dem bisherigen Schulbericht erstmals Noten geben (A, B und C), die aber dem bisherigen „Lernziel erreicht / Lernziel mit Schwierigkeiten erreicht / Lernziel nicht erreicht“ ungefähr entsprechen.

…und dann wurde es ernst

Letzten Montag ging es dann los. Kurzer war schon um sechs wach, so aufgeregt war er. Die Kleider lagen bereit, der neue Schulrucksack und das Turnzeug gepackt. Normalerweise müssen Eltern beim Schulhaus draussen bleiben und dürfen nur bis zur Treppe mitgehen, heute durften wir aber mit rein. Die Lehrerin zeigte den Kindern zuerst ihre neuen Garderobenhaken, wo sie die Schuhe ausziehen und Pantoffeln anziehen mussten (Star-Wars-Pantoffeln sind in, Flash-Mac-Queen-Pantoffeln sind out) und die neuen Leuchtwesten für den Schulweg.

Dann gings rein ins neu eingerichtete Klassenzimmer. Weil das Schulhaus aus allen Nähen platzte bekam die neu gegründete Klasse den Raum unter dem Dach, wo vormals das Theater drin war. So haben sie einen grossen Raum, wo vorne die Wandtafel und die Schulpulte stehen, hinten, auf der ehemaligen Bühne ist mit grossen Kissen ein Ort eingerichtet, wo vorgelesen oder ausgeruht werden kann. Vier nigelnagelneue Computer stehen auf Tischen an der Wand.

Zuerst stellten sich die Lehrerinnen vor und erklärten das Organisatorische, während die Kinder zeichneten. Dann mussten wir uns noch auf ein paar Listen eintragen, ein paar Unterschriften tätigen und wurden dann auch schon wieder verabschiedet.

Das Programm sieht auf den ersten Blick erschreckend aus: Täglich wird es Hausaufgaben geben, die die Lehrerin in ein Heft schreibt, das wir Eltern unterschreiben müssen. Neben den täglichen Aufgaben bekommen die Kinder Leseaufgaben, die sie selbständig erledigen sollen (zu Anfang sind das einzelne Wörter aus einer Geschichte, die ihnen die Lehrerin vorliest).

Diese Woche ging es noch, da waren die Aufgaben vor allem für uns Eltern: Hefte einfassen, Farbstifte „benamsen“, ausser am Mittwoch, da musste Kurzer bereits ein Memory lösen, auf dem alle Namen der Klasse einmal in Druckschrift und einmal in zusammengehängter Schulschrift stehen. Da bekam ich dann auch einen Eindruck, was in den nächsten Wochen so auf uns zukommen könnte, wenn Mössiö sich anstrengen muss…

Die Meinung des Kurzen

Was ihm gefallen hat:

  • dass er jeden Tag im Hort essen darf
  • dass ihn die Viertklässler in der grossen Pause zum Fussbalspielen einladen, weil er so „Bomben“ schiesst
  • dass er schon mega gut Rechnen kann

Was ihm nicht so gefallen hat:

  • zusammengehängt Schreiben lernen
  • dass er die Hand heben muss, wenn er etwas sagen will und dann alles schon vergessen hat wenn er drankommt
  • dass die Lehrerin immer über ihn bestimmen will

Na dann!

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Sommerferien

Lange war es jetzt still auf diesem Blog, ausser ein paar Buchbesprechungen kam kaum mehr Neues. Auch über die Social Media gab es fast nur noch Recyceltes und nicht mal mehr die Swiss Blog Family – auf die ich mich riesig freue – mochte ich mehr bewerben, dabei hätte es noch Plätze frei!

Was ist passiert? Nur die Sommerferien des Kurzen und ein grosser Auftrag für mein Übersetzungsbüro. @froumeier formulierte neulich auf Twitter das Problem folgendermassen: Continue reading

Biotologe Yann

Agnes Gramming-Steinland und Jim Gramming: „Biotologe Yann forscht nach dem Piratenschatz“

Bevor Kurzer zur Welt kam hatten sein Vater und ich uns vorgestellt, wie wir mit ihm in die entferntesten Länder reisen und ihm unseren wunderschönen Planeten und seine Bewohner zeigen würden, solange er noch nicht zur Schule muss. Wie ihr wisst, läuft nicht immer alles wie geplant und mit einem Kind, dessen Atemwege so eng waren, dass es schon wegen normalem Schnupfen im Krankenhaus landen konnte, reist man nicht um die Welt.

Ein anderer Junge, nämlich der 5jährige Yann, hatte diese Chance und konnte mit seinen Eltern um die Welt reisen. Sein grosser Bruder hat die Reisen und die Abenteuer, die sie dabei erlebten, mit der Kamera festgehalten. So sind die 12 Bände von „Biotologe Yann“ entstanden. Welch Abenteuer für einen kleinen Buben, seine Umgebung frei erforschen zu können, während seine Eltern in den entlegendsten Weltgegenden ihrer Arbeit nachgehen. Continue reading

Ins Netz gegangen (Bild: Efraimstochter / Pixabay)

Vernetzt im Juli 2016

Der Juli war heiss und hat mit einer Angina angefangen. Sommerferien, die grosse Freiheit für meinen Kurzen, bevor die “richtige Schule” im August anfängt. Als grosser Fan von Alexander und “Die Maus im Weltall” hat er sich natürlich einen Astronauten-Schulranzen gewünscht.

Im Internet war’s zwangsläufig etwas ruhiger, wenn alle im Freibad sind statt am Computer sitzen. Ausser als in Deutschland die Irren anfingen, um sich zu schiessen oder sich selber in die Luft zu sprengen. Und erst recht, als ein geschätzter Bloggerkollege den Freitod wählte, da ging eine Welle von Betroffenheit durch mein Internet und plötzlich waren da ganz viele echte Menschen, die gemeinsam trauerten. Continue reading

Ueber den Gotthard

Yvonne Rogenmoser: „Über den Gotthard“

Der Gotthard. Sagenumwobener Übergang über die Alpen, einer der wichtigsten Pässe Europas und lange Zeit Verbindung zwischen Italien und Deutschland. Viele verschiedene Starssen haben schon Luzern mit dem Tessin verbunden. Stege zur Rämerzeit, Säumerpfade im Mittelalter und später eine fahrbara Strasse für Kutschen. Insbesondere die Postkutsche, die in Rekordzeit von Luzern nach Bellinzona fuhr und in dem berühmten Bild von Rudolf Koller verewigt wurde. Continue reading

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The Big Picture

Finde deine Vision und setze sie um…
Behalte das Grosse Ganze im Auge….
Wozu bist du hier und welche Spuren willst du im Leben der Menschen hinterlassen…

Immer wieder dieselben Fragen in der Mitte des Lebens. Midlife Crisis?

Ich habe in letzter Zeit einige Marketing-Online-Seminare besucht in der Hoffnung, dabei etwas für mein Business mitnehmen zu können. Stetige Weiterbildung und Weiterentwicklung ist mir wichtig, sowohl im beruflichen als auch im persönlichen Bereich. Als Geschäftsfrau muss ich mich schliesslich selber vermarkten und als Alleinunternehmerin stehe ich mit meiner Person gerade und kann mich nicht hinter einem eloquenten Firmennamen und einem hübschen Logo verstecken. Continue reading

leitwoelfe sein

Jesper Juul: „Leitwölfe sein – Liebevolle Führung in der Familie“

Es ist jetzt auch schon wieder ein paar Monate her, dass Jesper Juuls neues Buch veröffentlicht wurde (bald schon kommt das Nächste). Und ich sitze gerade hier, denke dass ich endlich etwas darüber schreiben sollte und frage mich, weshalb mir das so grosse Mühe bereitet.

Unser Sohn braucht Leitplanken und jemand, der vorausgeht, ihn anführt. Tun wir Eltern das nicht, ist er orientierungslos, macht viel Unsinn und wird in seiner Unsicherheit auch mal aggressiv. Es ist unsere Aufgabe, ihm zu zeigen, wo der Norden liegt – hinfinden tut er dann selber. Continue reading

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#Morgenlauf

Eigentlich ging ich im Januar wegen eines nicht enden wollenden Hustens zur Hausärztin. Über den war sie nicht so besorgt, sehr wohl aber wegen der Tatsache, dass mein Blutdruck seit über einem Jahr an der Obergrenze schrammt. In Verbindung mit anderen Risikofaktoren müsse ich endlich mal ein paar Kilo abnehmen und noch wichtiger: Wieder in Bewegung kommen. Continue reading

Lesefutter

Gelesen im Frühjahr 2016

Es ist ein Kreuz: Kaum hat man mal etwas Luft, will man so viele Rückstände aufholen, dass man darüber in einen totalen “Get Shit done”-Stress kommt. Am Ende sitzt man dann auf dem Sofa und das spannende Buch, das man am Lesen ist, fällt einem auf die Nase. Das muss ändern, denn Monat für Monat kommen so viele neue, tolle Bücher auf den Markt, dass man auch in einem langen, von Freizeit durchzogenen Leben unmöglich alle durchlesen kann. Deshalb an dieser Stelle wieder nur eine kleine Zusammenfassung. Continue reading