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Jesper Juul: „Wir sind für dich da“

Das Büchlein mit „10 Tipps für authentische Eltern“ fasst die Quintessenz von Jesper Juuls Themen auf gut 100 Seiten zusammen. Dabei geht es um Verantwortung, Dialog, Authentizität, Zuhören, Nein sagen, Grenzen und Respekt, Wahrnehmung und Beurteilung, Aggressionen und andere negative Gefühle, Selbstbewusstsein und Beziehung. Zu guter Letzt denkt der Autor auch noch darüber nach, wie wir unsere Kinder unsere Liebe spüren lassen können, statt nur darüber zu reden. Continue reading

Ernetztes und Vernetztes im August 2014

Warten auf die Beute (Bild Gitti Moser @ pixelio.de)

Was ist mir diesen Monat ins Netz gegangen?
(Bild Gitti Moser / pixelio.de)

Das war unser August 2014: Kurzer wird eingeschult, mag nicht ohne mich dort bleiben, muss nach einer Woche aber bei der Trennung nicht mehr weinen und geht fortan gerne dortin. Und auch andere, lange ersehnte Entwicklungsschritte tun sich auf. Wir alle sind gewachsen in diesem Monatu und unser gesamtes Leben verändert sich wieder.

Auch die Kinder anderer Eltern werden gross, werden erzogen, und schreiben oder berichten darüber, wie es sich anfühlt und was andere dazu meinen. Hier meine Links des Monats August 2014.

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Ein schon etwas älterer Text über die oft komplizierte Beziehung zwischen Töchtern und ihren Müttern hat mich sehr zum Nachdenken über mich selber gebracht und ich möchte ihn Euch nicht vorenthalten: Der steinige Weg zwischen Dankbarkeit, Respekt und Freiheit zwischen Töchtern und Müttern.

Anouk lebt in einem Quartier mit 50% Menschen mit Migrationshintergrund und wird dort in eine Schule gehen, wo 3/4 der Kinder nicht Deutsch als Muttersprache haben. Ihre Eltern möchten das so: Was soll Anouk lernen?

Passend zum vorhergehenden Artikel denkt Heidemarie Brosche in der SZ darüber nach, wie das Bildungsbürgertum auf das “Prekariat” runterschaut und wie unhöflich das im Grunde ist, weil auch diese Eltern ihr Bestes für ihre Kinder geben: Schantall in der Schule.

Ich bin einfach nur sprachlos: “Lucia ist heute 59 Tage alt. Sie misst 54 Zentimeter und wiegt 4500 Gramm. Sie ist immer noch einen Großteil des Tages von ihrer Mutter getrennt. Jugendamt und Ärzte wollen ausschließen, dass ihr Name einmal in einer Reihe mit Jessica, Chantal und Yagmur genannt wird.”Warum eine Mutter ihr Baby nicht in den Arm nehmen darf.

Christine Link erklärt in der “Zeit”, wie das mit der Inklusion funktioniert und was der Staat dazu tun könnte: Wie ich im Traum mein Abitur verlor.

Die Entstehung von Kriegen war mal mein Spezialgebiet. Medien und Krieg ist ein weiteres Thema, das viele Sowis beschäftigt. Der folgende Text von Richard C. Schneider, dem Studioleiter der ARD in Tel Aviv, fasst die Problematik der Berichterstattung eindrücklich und verständlich zusammen: Gegen die Bilder ist unser Text machtlos.

Der Tsunami in Südostasien von 2004 hat unzählige Menschen getötet und Familien getrennt. Und doch scheint es Wunder gegeben zu haben oder auch nicht: Die verlorene Tochter.

Hier ein neues Blog, dem zu folgen ich Euch dringend ans Herz möchte: Das Fürchten lernen.

Spannend, was trotz Exportverboten mit Elektroschrott aus Mitteleuropa geschieht: Wo unsere alten Fernseher landen. Die dazu gehörende Projektwebsite heisst Follow the Money und kann ihrerseits per RSS verfolgt werden.

 

 “Grosse-Töchter-Spezial”

Anfang Monat ging es an der Sprachfront ja wieder mal hoch zu und her. Offenbar ist es für viele Deutschsprachige immer noch unzumutbar, Frauen nicht nur mitzumeinen (wenn überhaupt), sondern auch noch mitzunennen. Das ging sogar bis zu Todesdrohungen gegenüber der österreichischen Familienministerin. “Alle schreiben wie sie wollen” ist ein paar ewiggestrigen Sprachschützern zu wenig, lieber hätten sie so neumodisches Zeug wie Beidnennung wenn Frauen und Männer gemeint sind, auf dem Gesetzes weg verboten. Da sie dazu einen offenen Brief schrieben, war das Geschehen natürlich viel beachtet und viel diskutiert. Hier ein paar Schmankerln:

 

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Tagesaktuelle Lesetipps findet Ihr auch auf meiner Facebookseite: https://www.facebook.com/MamahatjetztkeineZeit

 

 

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Lob oder Anerkennung

Gewisse Themen verfolgen einem ständig. Dann denkt man, man sei sie los, aber schon bald stolpert man wieder über sie. Gerade wieder wurde ich – nach ein paar Wochen Ruhe – von verschiedenen Seiten mit dem Glaubenssatz konfrontiert, Kinder würden Lob benötigen, um motiviert zu sein und um Selbstbewusstsein zu entwickeln. Dieser Satz basiert auf ein paar weitere Glaubensbekenntnisse:

  • Selbstbewusstsein sei Zweck der Erziehung
  • es läge an uns Eltern, dem Kind Selbstbewusstsein zu geben, ohne unsere Bemühungen hätte es keines (implizite Aussage: Selbstbewusstsein komme von Aussen)
  • das Kind hätte von sich aus keine Motivation, könne sich nicht selbst motivieren und ohne unser Lob würde es weder lernen noch für die Gemeinschaft sinnvolle Tätigkeiten ausüben

Wie auch immer: Fakt ist, dass Loben tatsächlich kurzfristig motivierend wirken kann – wenn es von Herzen kommt, spontan, authentisch und ernst gemeint ist. Im Moment aber, in dem wir einen Elternkurs besuchen, um zu lernen, wie genau wir ein Lob formulieren müssen, damit es  möglichst grosse Wirkung hat, um das Kind dazu zu bringen, das zu tun was wir von ihm erwarten, sind diese Bedingungen schon nicht mehr erfüllt. Kinder sind ja nicht doof: Sie merken sehr gut, wann wir sie manipulieren und unsere wohlverdienen Versuche, “das Richtige” zu sagen, werden bei einem gesunden Individuum auf Widerstand stossen. Denn wer lässt sich schon gerne manipulieren?

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"Nach der Party" von Paul-Georg Meister / pixelio.de

“Nach der Party” von Paul-Georg Meister / pixelio.de

Etwas, das mir in diesem Zusammenhang immer wieder auffällt, ist die Gleichsetzung und  Vermischung von Lob mit Anerkennung. Was natürlich auch zum Fehlschluss führt, ein Mensch benötige Lob, um sich anerkannt zu fühlen.

Nun, es ist ein menschliches Grundbedürfnis, von anderen wahrgenommen zu werden, gesehen zu werden, in der jeweiligen Zugehörigkeitsgruppe anerkannt zu sein. Es ist eng verwandt mit dem Bedürfnis, für die Gruppe wertvoll zu sein, geschätzt zu werden, nützlich zu sein. Menschen möchten ein wichtiger Teil ihrer Gruppe, ihrer Gemeinschaft sein und auch als einzigartiges Individuum, als unersetzlicher Teil innerhalb dieser Gruppe wahrgenommen werden. Und darauf basiert natürlich der Selbstwert: Auf das Wissen, dass man als Mensch, als Individuum, wertvoll ist. Wertvoll als Person kann jemand aber nur unabhängig von einer bestimmten Leistung sein.

Das Anerkennen einer Leistung ist natürlich auch etwas Schönes, gerade wenn wir uns über die Leistung freuen und uns wünschen, dass das Kind sie von Zeit zu Zeit wiederholt. Positive Verstärkung nennt man das. Aber ob Lob dazu wirklich das richtige Werkzeug ist? Das bezweifle ich stark!

Kinder sind Menschen, Erwachsene auch. Deshalb gehe ich jetzt einfach mal davon aus, dass mein Kind in solchen Dingen ähnlich tickt, wie ich auch. Ich arbeite von zuhause aus und mein Mann extern. Deshalb bin ich für zahlreiche Haushaltsarbeiten zuständig (andere teilen wir uns). Anerkennung, grad bei langweiligen Routinearbeiten wie Abwaschen, ist irrsinnig wichtig, damit es einem nicht verleidet. Nun stellen wir uns also vor, mein Mann würde meine Arbeit mit Lob anerkennen: “Fantastisch wie Du heute wieder abgewaschen hast, das Geschirr glänzt so wunderbar, kein Löffelchen hast Du vergessen, ich bin so stolz auf Dich wie toll Du das immer hinkriegst”.

Bei so einer “Anerkennung” würde ich ihm vermutlich den nassen Abwaschlappen um die Ohren hauen!

Erstens steht es niemandem zu, die Qualität meiner Arbeit zu bewerten. Lob ist immer Bewertung und der Lobende stellt sich damit über die Person, die er damit bewertet.

Zweitens will ich für meine täglichen Arbeiten und Selbstverständlichkeiten nicht gelobt werden. Ich will, dass mein Einsatz gesehen wird und ich will, dass er anerkannt wird. Dass ich meine Arbeit so gut mache, wie ich kann, ist für mich selbstverständlich – und wenn dies einmal nicht der Fall ist, dann hatte ich meine Gründe dafür und brauche niemand, der mir sagt, dass ich das auch besser könnte.

Womit könnte also mein Mann diesen hohen Ansprüchen genügen?

Mit einem einfachen, wertungsfreien, simplen DANKE!

Mehr braucht es nicht.

Dasselbe gilt im Zusammenleben mit Kindern. Es ist nicht nötig bzw. wahrscheinlich sogar kontraproduktiv, bei jedem Hasenfurz in Lobeshymnen auszubrechen. Aber wenn einem das Kind geholfen hat oder man gemeinsam ein Ziel erreicht hat, wirkt ein simples “Danke, dass Du mir gehofen hast” oder “Danke, dass ich den Nachmittag mit Dir verbringen durfte, es hat mir viel Spass gemacht”, Wunder. Das Kind kann sich damit als anerkanntes, nützliches Mitglied der Gesellschaft fühlen. Als jemand, der einen Unterschied macht.

Und letzteres ist das, was uns am Laufen hält und unseren Selbstwert begründet: Ich mache einen Unterschied aus. Ich, als Individuum, bin wichtig. Ich kann etwas bewirken.

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Zum weiterlesen:

Liebe? Beziehung?

Gemeinsame Interessen können eine Beziehung vertiefen

Gemeinsame Interessen können eine Beziehung vertiefen

Die Rabenmutter stellte neulich die These auf, dass man an der Beziehung zum Mann bzw. zum Partner mehr arbeiten müsse, als an der Liebe zum Kind. Begründen tat sie die Aussage damit, dass diese “einfach da” sei, “seit dem Tag ihrer Geburt, uneingeschränkt”.

Nun, ich bezweifle ernsthaft, dass man an der Liebe überhaupt arbeiten kann. Liebe ist nur bedingt beeinflussbar, man fühlt sie oder fühlt sie nicht. Woran man jedoch arbeiten kann, muss – und zwar täglich! – ist die Beziehung. In diesem Punkt gebe ich Frau Rabenmutter recht: Man darf vor lauter Brut- und Aufzuchtsarbeit die Beziehung zum Partner, zur Partnerin, nicht aus den Augen verlieren.

Nur und hier kommt der Haken: Muss die Beziehung zu seinem Kind nicht auch gepflegt werden? Natürlich, man liebt sein Kind, mehr oder weniger uneingeschränkt. Diese Liebe – die psychologisch auf der Hegebeziehung, der Verantwortung also, die man für das Kind hat, basiert – hat jedoch nur am Rande mit der Beziehung zu tun, die man mit seinem Kind von Mensch zu Mensch pflegt. Und die Beziehung von Mensch zu Mensch, die möchte meiner Meinung an genau so gepflegt werden, die die Beziehung zu jedem anderen Menschen, an dem einem etwas liegt.

Seid ihr zufrieden mit eurer Beziehung zu euren Kindern? Arbeitet ihr bewusst an dieser Beziehung oder nehmt ihr sie als gegeben hin?

Nachtrag zum Nachdenken: Über welche Liebe sprechen wir überhaupt, wenn wir das Wort benutzen? Meinen wir Eros, Philia oder Agapé?