Schlagwort-Archive: Grenzen setzen

Jesper Juul: Nein aus Liebe

Jesper Juul: „Nein aus Liebe“

Juuls „Nein aus Liebe“ aus dem Jahr 2008 ist nun endlich auch als Taschenbuch beim Beltz Verlag erhältlich.

„Letztlich können wir nur dann aus vollem Herzen Ja zu uns und zueinander sagen, wenn wir auch zu einem authentischen Nein in der Lage sind.“

Wenn mich jemand fragt, welches Buch von Juul ich für das Wichtigste halte, dann würde ich „Nein aus Liebe“ direkt nach „Dein kompetentes Kind“ nennen (das dritte auf meiner „Best-of“ Liste ist übrigens „Grenzen, Nähe, Respekt“).

Weiterlesen

Nein, nein, nein und nochmals nein!

TantrumSagt eine andere Person „nein“ zu einem, muss man das ohne Wenn und Aber respektieren, denn es bezeichnet die persönliche Grenze dieser Person. Sie ist mir keine Rechenschaft schuldig, es reicht wenn sie „nein“ sagt. Würde ich mich darüber foutieren, käme ich mir in gewisser Weise übergriffig vor. Weiterlesen

Wozu erziehen wir überhaupt und wenn „ja“, wie?

Im Artikel „En Chlapf zur rächte Zyt: Strafen früher und heute“ (zu Deutsch: „Eine Ohrfeige zur rechten Zeit: Strafen früher und heute“) denkt Rita Angelone laut über das Strafverhalten von Eltern und darüber, was Strafen überhaupt bringen, nach. Darüber hat sich eine lebhafte Diskussion entwickelt.

Machen wir einen Schritt zurück: Wozu tun wir das alles überhaupt? Doch, um unsere Kinder auf’s Leben vorzubereiten. Mit „du machst was man dir sagt sonst chlepfts“ („du tust, was man dir sagt, sonst knallt’s“) züchtet man Befehlsempfänger heran, Menschen, die sich davor fürchten, selber zu denken. Menschen, die aus Angst vor Strafe nur das tun, was man ihnen sagt.

Ich möchte das nicht. Unabhängig davon, dass genau solche Menschen die manipulierbaren Menschenmassen stellen, die zu gesellschaftlichen Phänomenen wie dem Faschismus beigetragen haben (1), ist „Befehle befolgen“ nicht die wichtigste Eigenschaft, über die ein Mensch in zehn oder zwanzig Jahren verfügen muss. Um in unserer Gesellschft heute und in Zukunft überleben zu können, benötigt ein Mensch Eigenschaften wie Konfliktfähigkeit, Einfühlungsvermögen und emotionale Intelligenz.

Konfliktfähigkeit kann er jedoch nur lernen, wenn wir Eltern ihm konstruktives Konflikthandling vorleben und nicht, indem wir diese unter Androhung von Gewalt von ihm fordern. Einen Streit mit dem Kind durch eine Ohrfeige abzuklemmen ist keine konstruktive Konfliktlösung!

Auch Einfühlungsvermögen und emotionale Intelligenz lernt niemand durch Zuhören oder Befehle befolgen. So wie ich heute mit meinem Kindern umgehe, so werden sie später mit anderen Menschen umgehen, das ist die Grund“regel“.

Ich muss immer ein wenig lächeln, wenn wieder jemand sagt, diejenigen, die den antiautoritären Weg wählen, seinen zu faul zum Erziehen. Denn ehrlich: Antiautoritäre Erziehung ist Knochenarbeit! Arbeit an sich selber in erster, und Arbeit in der Interaktion mit dem Kind in zweiter Line. Denn als Eltern muss man die Familie anführen, ohne auf das gewohnte „du machst jetzt was ich sage, weil ich die Macht habe, dich dazu zu zwingen“ zurückzugreifen.

Das ist in meinen Augen DIE Herausforderung überhaupt, der man sich als Eltern stellen kann.

Zum Weiterlesen:

Sowie das Buch „Grenzen, Nähe, Respekt“ von Jesper Juul

(1) Siehe dazu die sog. Schwarze Pädagogik, die auf Gewalt und Einschüchterung als Erziehungsmittel basiert. Alice Miller definierte sie als „eine Erziehung, die darauf ausgerichtet ist, den Willen des Kindes zu brechen, es mit Hilfe der offenen oder verborgenen Machtausübung, Manipulation und Erpressung zum gehorsamen Untertan zu machen.“ (Evas Erwachen, 2001)

Grenzen, Hitler und Tyrannen

Wer hätte gedacht, dass mein Grenzposting von letzter Woche Wellen schlagen könnte?

Hm, wie können dann (kleine oder große) Tyrannen entstehen?“ fragte eine Kommentatorin auf meine Bemerkung, dass Kinder auch soziale Grenzen am  besten von selber entdecken, indem sie mit anderen interagieren. „Antiautoritär und Kuschelpädagogik sind out, das sollte doch auch langsam mal beim letzten angekommen sein!“ schimpfte ein anderer. Weiterlesen

Nicht nur Mauern bilden die Grenzen von Babys Welt

Grenzen

So ein Jährling hat viel zu tun, muss er doch täglich seine eigenen Grenzen austesten. Und sie lauern überall. Hier ein Schrank, den er nicht öffnen, dort eine Topfpflanze, die er nicht erreichen kann. Tausende von Grenzen, jeden Tag. Stösst er bei der Erforschung seiner Umwelt auf eine dieser Grenzen, tut er seinem Unmut auf die einzige Weise kund, die ihm im Moment noch zur Verfügung steht: Lautem Geheul und trotzigem Brüllen.

Weiterlesen